Gruner + Jahr ist ein deutsches Medienunternehmen mit Sitz in Hamburg. Es wurde 1965 von Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius gegründet. Gruner + Jahr wurde 2021 eine Tochtergesellschaft von RTL Deutschland und somit Teil der börsennotierten RTL Group, an der Bertelsmann die Mehrheit hält. Die Übernahme wurde im Jahr 2023 abgeschlossen.Digitalfernsehen.de: RTL und Gruner+Jahr sind jetzt vereint, 11. Januar 2022.kress: RTL Deutschland und G+J sind jetzt eins – 7.500 Quadratmeter großes Waldstück wird zum Symbol. Später wurden unter dem Dach von Gruner + Jahr einige Magazine weitergeführt, bei denen nur geringe Synergieeffekte mit RTL Deutschland bestehen.

Auch Die Zeit erschien ursprünglich bei Gruner + Jahr. Das Unternehmen hatte eine Beteiligung am Spiegel-Verlag, die heute wieder direkt von Bertelsmann gehalten wird.

Geschichte mini|V. l. n. r.: Gerd Bucerius, Richard Gruner und John Jahr (1968) mini|hochkant|Altes Gruner + Jahr-Gebäude zwischen 1975 und 1990 am Alsterufer (2019)

Gründung als Druck- und Verlagshaus Gruner + Jahr wurde 1965 von Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius gegründet. Bucerius und Jahr verlegten Zeitschriften, Gruner betrieb eine Druckerei. Schon vor 1965 ließen Bucerius und Jahr einige ihrer Publikationen bei Gruner drucken. Grund für den Zusammenschluss der drei Unternehmer waren positive Skaleneffekte, etwa beim Einkauf von Papier für die Druckereien oder dem Vertrieb von Zeitschriften über Lesezirkel. Die Fusion wurde vor allem von Gerd Bucerius vorangetrieben. Den Grundstock des gemeinsamen Geschäfts von Gruner + Jahr bildeten die von den Gesellschaftern eingebrachten Zeitschriften. Zu den wichtigsten Titeln zählten unter anderem Brigitte, Capital, Stern und Schöner Wohnen. Sie erreichten 1965 zusammen bereits eine Millionenauflage. Das Unternehmen Gruner + Jahr wurde als haftungsbeschränkte Kommanditgesellschaft gegründet. Gruner besaß 39,5 %, Jahr 32,3 % und Bucerius 28,2 % der Anteile. Bis 1968 wuchs der Umsatz auf über 400 Millionen Deutsche Mark. Gruner + Jahr war damit damals das zweitgrößte deutsche Presseunternehmen nach Axel Springer.

Rückzug der Unternehmensgründer 1969 stieg Richard Gruner wieder aus dem Unternehmen aus. Differenzen über die politische und strategische Ausrichtung des Hauses hatten dazu geführt. Gruner gab seine Anteile an die Mitgesellschafter Bucerius und Jahr ab, die kurzzeitig jeweils 50 % besaßen. Beide verkauften anschließend 25 % von Gruner + Jahr an Bertelsmann. Der Betriebsrat kritisierte diesen Schritt aufgrund der Kapitalverflechtung mit dem Haus Springer, an dem Bertelsmann damals ebenfalls beteiligt war. 1970 wechselten Bucerius und Jahr in den neu geschaffenen Verwaltungsrat, die Leitung wurde einer fünfköpfigen Geschäftsführung übertragen. Um die Unabhängigkeit der Geschäftsführung zu stärken, wandelte man die Komplementärin (persönlich haftende Gesellschafterin) von Gruner + Jahr 1971 in eine Aktiengesellschaft um.

Nach dem Rückzug aus dem operativen Geschäft tauschte Bucerius 1973 seine Anteile an Gruner + Jahr gegen ein Aktienpaket von Bertelsmann. Damit stieg der Konzern zum Mehrheitsgesellschafter von Gruner + Jahr auf. Bis 1975 erhöhte Bertelsmann seine Beteiligung auf insgesamt 74,9 %. Mit dem Rückzug von Bucerius wurden die Rechte an der Wochenzeitung Die Zeit auf eine Stiftung übertragen, um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit dauerhaft sicherzustellen.

Beteiligungen im In- und Ausland In den 1960er- und 70er-Jahren bestimmte zunächst der Ausbau der Aktivitäten im Heimatmarkt die Geschäfte von Gruner + Jahr. Beispielhaft hierfür ist der Erwerb von Minderheitsbeteiligungen am Spiegel-Verlag und den Vereinigten Motor-Verlagen (heute Motor Presse Stuttgart) im Jahr 1971. Ende der 1970er-Jahre forcierte das Unternehmen dann die Expansion ins Ausland: In Frankreich wurde 1978 die Tochtergesellschaft Participations Edition Presse (heute Prisma Media) gegründet. Im selben Jahr kaufte Gruner + Jahr den spanischen Verlag Cosmos Distribuidora und die US-amerikanische Druckerei Brown Printing. In den 1980er Jahren kamen weitere Beteiligungen und Niederlassungen im Ausland hinzu, zum Beispiel in Großbritannien.

Umzug in das neue Pressehaus mini|Pressehaus am Baumwall (2004)

Bis Mitte der 1980er-Jahre waren die Mitarbeiter von Gruner + Jahr auf mehrere Gebäude an der Außenalster verteilt. Um die verlagsinterne Zusammenarbeit zu fördern und Platz für zusätzliches Personal zu schaffen, wurde ab 1985 das Pressehaus am Baumwall gebaut. Dort befand sich bis 2025 die Zentrale des Unternehmens. Das Grundstück, auf dem das Pressehaus errichtet wurde, liegt zwischen Michaeliskirche und der Speicherstadt. Es war zuvor in Besitz der Stadt und hat eine Grundfläche von 22.000 Quadratmetern. Richtfest war am 26. Mai 1989. Die Bauarbeiten waren 1989 weitgehend beendet, die ersten Mitarbeiter zogen ein Jahr später in das Pressehaus ein. Der Bau kostete insgesamt rund 300 Millionen Deutsche Mark. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme bot er Platz für 2.000 Mitarbeiter und war damit das größte innerstädtische Bürohaus der Hansestadt. In den folgenden Jahren mietete Gruner + Jahr zahlreiche Flächen in umliegenden Straßen und erweiterte das Areal durch Zukäufe.

Ostdeutschland und US-Expansion Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989/90 wurde Gruner + Jahr in Ostdeutschland aktiv. Zum Beispiel gründete das Unternehmen die Dresdner Morgenpost. Mit der Chemnitzer Morgenpost folgte wenig später eine weitere Tageszeitung. 1991 kaufte Gruner + Jahr das Sächsische Druck- und Verlagshaus, in dem die Sächsische Zeitung erscheint. Außerdem beteiligte sich das Unternehmen am Berliner Verlag: 1990 zunächst mit 50 %, ab 1992 dann zu 100 %. Zu ihm gehören insbesondere die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. International erhielt Gruner + Jahr durch den Erwerb von sieben Zeitschriften der New York Times Company größere Aufmerksamkeit. Das Unternehmen stieg 1994 zu einem führenden US-Verlag auf und erzielte erstmals die Hälfte seiner Umsätze außerhalb Deutschlands.

Einstieg in das digitale Geschäft 1995 startete Gruner + Jahr mit Websites unter den Domains geo.de, mopo.de, pm-magazin.de, stern.de und tvtoday.de als einer der ersten professionellen Anbieter im World Wide Web. In den folgenden Jahren kam digitalen Geschäftsmodellen eine immer größere Bedeutung zu: 1997 gab das Unternehmen den Startschuss für Fireball, eine Suchmaschine speziell für deutschsprachige Inhalte. Sie wurde in Kooperation mit AltaVista und der Technischen Universität Berlin entwickelt. 1998 folgte mit Paperball eine auf Nachrichten spezialisierte Suchmaschine. Ein E-Mail-Anbieter (Firemail) gehörte ebenfalls zum Portfolio. 2000 brachte Gruner + Jahr Fireball und verwandte Marken in Lycos Europe ein. Im Gegenzug erhielt Gruner + Jahr eine Beteiligung am Unternehmen, dessen Börsengang bevorstand. Gruner + Jahr versprach sich von der Transaktion ein stärkeres Wachstum im Internet. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase konzentrierte sich Gruner + Jahr ab Ende 2000 wieder auf inhaltsorientierte Angebote, also vor allem die Websites seiner Medienmarken.

Titeloffensive und Konsolidierung Um die Jahrtausendwende stieß Gruner + Jahr mehrere regionale Tageszeitungen ab. 1999 stieg das Unternehmen zunächst bei der kostenlosen Zeitung zum Sonntag aus. Die defizitäre Hamburger Morgenpost wurde 1999 an Hans Barlach und Frank Otto verkauft. Außerdem trennte sich Gruner + Jahr von einigen regionalen Ausgaben der Sächsischen Zeitung. Gleichzeitig gründete das Unternehmen mit der Financial Times Deutschland eine neue bundesweite Wirtschaftszeitung. Dabei handelte es sich um eines der ambitioniertesten Zeitungsprojekte der damaligen Zeit. Im Jahr 2000 kaufte Gruner + Jahr mit Inc. und Fast Company zwei führende Wirtschaftsmagazine für insgesamt circa 550 Millionen Dollar.

2002 verkaufte Gruner + Jahr den Berliner Verlag an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Aufgrund der Konzentration im Berliner Zeitungsmarkt kommentierten einige Medien die Transaktion kritisch. 2003 gab Gruner + Jahr Teile seines Zeitungsgeschäfts in Osteuropa an die Ringier-Gruppe ab.

Nach dem Verkauf des Berliner Verlags konzentrierte sich Gruner + Jahr wieder auf das Geschäft mit Zeitschriften und Druckereien. Mitte 2003 begann das Unternehmen, diverse neue Zeitschriften zu entwickeln. Unter anderem kamen Neon und Brigitte Woman in Deutschland auf den Markt. Mit dieser Offensive wollte der Vorstand neue Leserkreise erreichen.

Gruner + Jahr expandierte ungeachtet eines immer schwierigeren Marktumfeldes. Das Unternehmen setzte diese Strategie in den folgenden Jahren fort und plante weitere Zukäufe, verordnete sich aber gleichzeitig einen Sparkurs in Deutschland und den Vereinigten Staaten. 2004 gründete Gruner + Jahr mit Arvato und Axel Springer den Druckdienstleister Prinovis. 2005 verkaufte Gruner + Jahr sein gesamtes US-Geschäft an die Meredith Corporation; einen einzelnen Jugendtitel übernahm Condé Nast. Das Unternehmen zog sich damit weitgehend aus dem US-amerikanischen Markt zurück, wo es bis dato der sechstgrößte Zeitschriftenverlag gewesen war.

Wirtschaftskrise und Auswirkungen Noch im Jahr 2006 konnte Gruner + Jahr einen Umsatz von 2,86 Milliarden Euro vorweisen. Durch die globale Finanz- und Weltwirtschaftskrise ab 2007 musste Gruner + Jahr mehrere Zeitschriften einstellen. Das Unternehmen war wirtschaftlich gesund und schuldenfrei, kämpfte aber mit rückläufigen Anzeigenerlösen. Ungeachtet dessen brachte Gruner + Jahr neue Zeitschriften auf den Markt. Nach Verlusten im Vorjahr kehrte das Unternehmen 2010 in die Gewinnzone zurück. Vor dem Hintergrund der strategischen Transformation wurde der Vorstand umgebaut, 2013 rückte Julia Jäkel an die Spitze des Gremiums. Während der digitale Geschäftsbereich immer wichtiger wurde, verloren die Druckereien an Bedeutung: Nachdem Prinovis 2013 bereits die Schließung der ehemaligen Gruner-Druckerei in Itzehoe verkündet hatte, trennte sich Gruner + Jahr 2014 von seiner US-Tochter Brown Printing. Dies bedeutete eine „Zäsur“ für das Unternehmen. Mit dem Verkauf wurde das letzte operative Geschäft in den Vereinigten Staaten abgestoßen.

Erwerb aller Anteile durch Bertelsmann 2014 einigte sich Bertelsmann mit den Erben von John Jahr, deren verbleibende Anteile in Höhe von 25,1 % zu kaufen. Die Übernahme sollte als Bekenntnis zum Journalismus verstanden werden. Bertelsmann stärkte damit sein publizistisches Geschäft, insbesondere durch die etablierten Medienmarken von Gruner + Jahr. Der Vorstand von Gruner + Jahr wurde im Amt bestätigt und die bis 1971 verwendete Rechtsform (GmbH & Co. KG) wieder eingeführt. Anschließend intensivierte Gruner + Jahr die Zusammenarbeit mit anderen Bertelsmann-Unternehmen: 2016 wurde beispielsweise unter dem Dach von Gruner + Jahr die Medienfabrik Gütersloh mit den G+J Corporate Editors zur Agentur Territory fusioniert. Sie ist Marktführer im Bereich der inhaltsgetriebenen Kommunikation. G+J Electronic Media Sales, die Vermarktungsgesellschaft von Gruner + Jahr, gründete mit der RTL-Tochter IP Deutschland und mit Smartclip die Ad Alliance, unter deren Dach neue Angebote für Werbetreibende und Agenturen entwickelt wurden. Die Ad Alliance erreicht über Mediengrenzen hinweg monatlich mehr als 98 % der deutschen Bevölkerung, mittlerweile ist ihr auch Spiegel Media beigetreten.

Digitalisierung und Transformation 2016 baute das Unternehmen seine digitalen Angebote aus und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Teilnehmer in diesem Vermarktungsbereich. Außerdem brachte Gruner + Jahr neue Zeitschriften auf den Markt – wie Barbara und Stern Crime. Für Titel wie Landlust und Essen & Trinken gründete Gruner + Jahr mit dem Landwirtschaftsverlag Münster das Unternehmen Deutsche Medien-Manufaktur, an dem beide Seiten jeweils zur Hälfte beteiligt waren.