Altötting (, bairisch: Oid-äding) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Oberbayern und liegt etwa 90 Kilometer östlich von München. Überregionale Bedeutung erfährt die Stadt als Wallfahrtsort mit Gnadenkapelle. Altötting gehört zur Tourismusregion Inn-Salzach.

Geografie Lage Die Stadt hat sich am Mörnbach auf einer ausgedehnten Hochschotterterrasse gebildet. Diese wurde durch die Abflüsse des Inn-Gletschers über Jahrtausende hinweg aufgeschichtet. Drei Kilometer gegen Norden entfernt ist der Fluss Inn, und zwei Kilometer südlich zieht in gleicher Richtung mit dem Strom ein gewaltiger Moränenschuttwall, die Kastler Höhen. Seit der Eingemeindung der Gemeinde Raitenhart liegt ein Stück des Inn mit rund drei Kilometern Länge im Gebiet der Stadt Altötting.

Gemeindegliederung

Die Stadtgemeinde hat 40 Gemeindeteile:

Geschichte mini|Das 1908 erbaute Rathaus

Kelten, Römer, Bajuwaren Anfänge einer Siedlung lassen sich durch Funde in die Zeit der Urnenfelderkultur (ca. 1250 bis 750 v. Chr.) einordnen, wobei für die Anlage der Siedlung das umliegende Weidegebiet, die fischreichen Gewässer und der angrenzende Wald mit seinen Jagdmöglichkeiten die wichtigsten Voraussetzungen bildeten. Die Grabfunde der Urnenfelderzeit im Norden der Stadt und die bajuwarischen Reihengräber im Süden begrenzen einen Platz, der sich im Laufe eines Jahrtausends weniger durch seine Siedlungskontinuität als vielmehr durch seine Bedeutung als möglicher Kultort auszeichnet. Die fast quadratische Form des alten Kapellplatzes mit seiner hölzernen Umfriedung und die in der Mitte stehende Linde verweisen entweder auf eine Keltenschanze mit Kultbedeutung oder auf einen altgermanischen Dingplatz als Versammlungsort und Gerichtsstätte.

Neben dieser Kultgewichtigkeit wuchs aber auch die wirtschaftliche Bedeutung mit dem Ausbau der Salzausfuhr aus Hallein und Reichenhall in der Keltenzeit und der Anlage eines Kunststraßennetzes durch die Römer. Die Nähe zum alten Innübergang bei Ehring-Töging und zum dortigen Kreuzungspunkt der Verbindungsstraßen Juvavum (Salzburg) – Castra Regina (Regensburg) und Augusta Vindelicum (Augsburg) Ovilava (Wels) bzw. Batavis (Passau) rückte den alten Kultort mit seiner bescheidenen Siedlung auch immer mehr in das Blickfeld strategisch-militärischer Überlegungen. Diese Entwicklung, verbunden mit der geographischen Lage genau in der Mitte des sich ausbildenden agilolfingischen Herzogtums in Altbayern, führte zur ersten urkundlichen Erwähnung von Ötting als »villa publica« im Jahre 748 mit der Bezeichnung »Autingas«.

mini|hochkant=1.2|Panoramabild zum Markt Altötting nach einem Kupferstich von Michael Wening von 1721

Mittelalter Im frühen Mittelalter erschien „Autingas“ als Bezeichnung für die heutige Stadt. Erst seit der Gründung Neuöttings (wohl im Jahr 1224) verwendet man die Bezeichnung Altötting. Bereits 748 war der Ort eine Pfalz der Agilolfinger, Herzöge von Bayern. Vierzig Jahre später wurde Altötting karolingische Königspfalz. Aus dieser Zeit stammt vermutlich auch der älteste Bau der heutigen Wallfahrtskirche. In den Jahren 876/877 stiftete König Karlmann ein Kloster in Altötting, in dem er auch begraben wurde. 907 wurden Ort und Pfalz, Stift und Basilika durch den Ungarnsturm verwüstet. Nur das Oktogon der Taufkapelle überstand die Zerstörung. Im Jahr 1228 wurde das Chorherrenstift durch den Wittelsbacher-Herzog Ludwig den Kelheimer wieder errichtet, das spätere Kollegiatstift Altötting. Als Anfang des 13. Jahrhunderts die Salzstraße von Venedig nach Nürnberg und stetig immer mehr an den Inn verlegt wurde, verliehen die Wittelsbacher Neuötting Stadt- und Münzrechte. 1489 gibt es Berichte von zwei aufsehenerregenden Heilungswundern, die die Wallfahrt nach Altötting begründeten. Zwischen 1499 und 1511 entstand an der Stelle der romanischen die heutige gotische Stiftkirche. Altötting wurde zu einem der bedeutendsten Pilgerziele seiner Zeit. Politisch war der Ort Hofmark des Stifts ohne eigenständige Selbstverwaltung. Sitz des wittelsbachischen Pfleggerichts war Neuötting.

mini|hochkant=1.2|Umfang und Grenzen der Stadt Altötting um 1900

Neuzeit Mit dem Ende des zweiten Chorherrenstiftes in der Säkularisation von 1803 wurde Altötting zur einfachen Ruralgemeinde (Gemeindeedikt von 1818). 1845 wurde Altötting zum Markt erhoben, 1898 erfolgte die Erhebung zur Stadt. Der Eisenbahnanschluss durch die Bahnstrecke Mühldorf–Burghausen 1897 führte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Belebung der Wallfahrt und des damit verbundenen Fremdenverkehrs. Mit der Selig- und Heiligsprechung des Altöttinger Kapuziner-Pfortenbruders Konrad von Parzham 1930 und 1934 bekam Altötting neben der Gnadenkapelle ein zweites viel besuchtes Pilgerziel. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs kam es zu den „Bürgermorden von Altötting“. Am 28. April 1945 erschoss ein SS-Kommando im Hof des damaligen Landratsamtes fünf Altöttinger Bürger, die ihre Heimatstadt von der NS-Herrschaft zu befreien versuchten, um damit eine Zerstörung durch die heranrückenden US-Truppen zu verhindern. Nach dem Krieg wurde am Ort der Hinrichtung eine Gedenkstätte für die Opfer errichtet, die zwischenzeitlich zu einer kleinen Kapelle ausgebaut wurde.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Oktober 1971 Teile der bis dahin selbstständigen Gemeinde Unterburgkirchen in Altötting eingemeindet, am 1. Januar 1972 erfolgte die Eingemeindung von Raitenhart. Am 1. Januar 1978 wurde ein kleineres Gebiet der Gemeinde Kastl nach Altötting umgegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 10.806 auf 12.969 um 2.163 Einwohner bzw. um 20 %. Im Juni 2025 betrug die Einwohnerzahl 13.060 Personen.

Religionen Evangelisch-Lutherische Kirche In der Eichendorffstraße befindet sich die Kirche „Zum Guten Hirten“, die zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gehört.

Römisch-Katholische Kirche Der bayrische Marienwallfahrtsort Altötting ist in Sachen Katholizismus nur Mittelmaß: 53,4 % der Einwohner sind katholisch. Das ist bayernweit Platz 1.288 von 2.056.

Die Gnadenkapelle mini|Kapellplatz mit der Gnadenkapelle, links im Hintergrund das Rathaus

Die römisch-katholische Altöttinger Gnadenkapelle mit dem altverehrten Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes gehört zu den meistbesuchten Wallfahrtsstätten Deutschlands und Europas. Im Innern der Gnadenkapelle werden die Herzen bayerischer Herrscher verwahrt.Robert Bauer: Die Bayerische Wallfahrt Altötting. München 1970

Bischöfliche Administratoren 1930–1945: Msgr. Adalbert Vogl 1946–1956: Ludwig Eisenreich Päpstl. Geheimkämmerer 1956–1991: Prälat DDr. Robert Bauer 1992–2008: Prälat Alois Furtner 2008–2014: Prälat Ludwig Limbrunner 2014–2020: Prälat Günther Mandl seit 2020: Prälat Klaus Metzl

Papstbesuche Als bedeutender Wallfahrtsort wurde Altötting von den Päpsten Pius VI. 1782, Johannes Paul II. 1980 und Benedikt XVI. 2006 besucht. Der im elf Kilometer von Altötting entfernten Marktl geborene Papst Benedikt XVI. ließ der Stadt 2008 durch den Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner als Kardinallegaten eine der höchsten päpstlichen Auszeichnungen, die Goldene Rose, überbringen. Seite der katholischen Kirche in Deutschland

Ausgeschilderte Pilgerwege Altötting bildet das Zentrum eines Pilgerwegenetzes mit dem Jakobsweg Böhmen–Bayern–Tirol von Krumau an der Moldau über Passau und Altötting innaufwärts nach Kufstein, dem St. Rupert-Pilgerweg von Altötting auf den Spuren des heiligen Missionsbischofs durch den Rupertiwinkel nach Salzburg und Bischofshofen im Pongau und dem Wolfgangweg von Regensburg über Altötting und das Innviertel nach St. Wolfgang im Salzkammergut.

Eine regionale Besonderheit ist der im Jahr 2005 eröffnete Benediktweg. Der Radwander-Rundweg verbindet auf einer Länge von etwa 250 Kilometern die Stätten der Kindheit und Jugend von Joseph Ratzinger und führt durch die Voralpenlandschaft zwischen Inn und Salzach. Ausgangs- und Zielpunkt ist die Papstlinde in Altötting.

Politik Stadtrat mini|Gnadenkapelle, St. Magdalena und Kongregationssaal

Der Stadtrat setzt sich aus dem Ersten Bürgermeister und 24 Stadträten zusammen. Die Kommunalwahlen in Bayern 2026 führten in Altötting bei einer Wahlbeteiligung von 51,2 % zu folgendem Ergebnis:

Bürgermeister Seit 1. Mai 2020 ist Stephan Antwerpen (CSU) Erster Bürgermeister; dieser wurde am 15. März 2020 bei zwei Mitbewerbern mit 71,4 % gewählt. Am 8. März 2026 wurde er mit 60,9 % wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl 2026, abgerufen am 5. April 2026 Sein Vorgänger war vom 1. Mai 1995 bis 30. April 2020 Herbert Hofauer (Freie Wähler); er kandidierte nicht mehr.

Wappen

Städtepartnerschaften In der Zusammenarbeit „Shrines of Europe“ ist Altötting seit 1996 mit fünf anderen Marienwallfahrtsorten verbunden; 2017 wurde Einsiedeln als siebtes Mitglied aufgenommen. Diese sind: Einsiedeln (Schweiz) Fátima (Portugal) Loreto (Italien) Lourdes (Frankreich) Mariazell (Österreich) Tschenstochau (Polen; poln. Częstochowa)

Offizielle Städtepartnerschaften bestehen mit Loreto, Fatima/Ourèm und Mariazell.

Am 24. April 2013 gab der Parlamentarische Ausschuss des Europarats bekannt, dass Altötting zusammen mit der ungarischen Stadt Tata für ihre herausragenden Bemühungen um die europäische Integration mit dem Europapreis ausgezeichnet wird.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Schatzkammer und Goldenes Rössl Bruder-Konrad-Museum über Leben und Wirken des Hl. Konrad von Parzham Altöttinger Stadtgalerie mit Wechselausstellungen bildender Kunst Mechanische Krippe von 1926–1928 mit 130 Figuren Dioramenschau Altötting zur Geschichte Altöttings mit über 5000 Figuren Jerusalem-Panorama Kreuzigung Christi von 1902–1903, Panorama von Gebhard Fugel in einem eigens erbauten Panoramagebäude, das einzige im Original erhaltene Panorama (Leinwandfläche ca. 1200 m²) mit religiöser Thematik in Europa.altoetting.de Weihrauchmuseum

Bauwerke mini|Feldmarschall-Tilly-Denkmal in Altötting mini|hochkant|Kapuzinerkirche Sankt Magdalena

Kapellplatz (achteckige Anlage von Enrico Zuccalli) mit Gnadenkapelle, im Kern von ca. 700, mit Gnadenaltar von 1670 und einem Umgang mit über 2000 Votivbildern. Bestattungsort von Herzen bayerischer Herrscher. Stiftspfarrkirche (gotische Hallenkirche, 1499–1511), fünf Bronzeglocken in den zwei Türmen (a° – cis' – e' – fis' – a') St.-Magdalena-Kirche (barocke Wallfahrtskirche, 1697–1700) Kongregationssaal der Marianischen Männerkongregation (2 Jahre Bauzeit – 1696/1697) Stiftspropstei (13. Jahrhundert, 1683 barockisiert, heute Berufsfachschule für Musik) Alter Chorherrenstock Neuer Chorherrenstock (von Zuccalli) Stiftsdekanei (heute Pfarrhof und Wallfahrtsmuseum) Hotel zur Post (von Zuccalli) Marienbrunnen (von Santino Solari 1635–1637, Stiftung des Erzbischofs Paris Lodron) Basilika St. Anna (Bau 1910–1912) Kapuzinerkloster Altötting Kloster St. Joseph, 1721 von den englischen Fräulein gegründet, 2004 umbenannt in Congregatio Jesu

mini|ohne|550px|360-Grad-Panorama Kapellplatz

Weitere Sehenswürdigkeiten Tod von Altötting Bürgermorddenkmal

Infrastruktur Verkehr mini|Der Bahnhof von Altötting

Altötting ist über die Autobahnen A 94, Anschlussstelle Nr. 22 (Altötting), oder A 8 München–Salzburg, Anschlussstelle Nr. 109 (Grabenstätt, via B 304 und B 299, Anschlussstelle der A 8 ca. 60 km entfernt), die Bundesstraßen B 299 und indirekt B 588 an das übergeordnete Straßennetz angebunden.

Regionale Straßenverbindungen bieten die Staatsstraßen 2550 (ehem. B 12) von Mühldorf nach Neuötting, 2107 nach Burgkirchen und 2108 über Emmerting nach Burghausen.