mini|Franz Josef Strauß (1982) rahmenlos|zentriert|hochkant|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Franz Josef Strauß Franz Josef Strauß (* 6. September 1915 in München; † 3. Oktober 1988 in Regensburg) war ein deutscher Politiker (CSU). Er war von 1961 bis 1988 Vorsitzender der CSU sowie von 1978 bis 1988 Ministerpräsident von Bayern.
Strauß war unter Konrad Adenauer Bundesminister für besondere Aufgaben (1953–1955), für Atomfragen (1955–1956) und der Verteidigung (1956–1962). Er trat am 30. November 1962 wegen der Spiegel-Affäre zurück. In der Großen Koalition unter Kurt Georg Kiesinger war Strauß Bundesminister der Finanzen im Kabinett Kiesinger (1. Dezember 1966 bis 22. Oktober 1969). Er wurde nach der Landtagswahl in Bayern 1978 erstmals bayerischer Ministerpräsident und blieb es nach den Wahlen 1982 und 1986 bis zu seinem Tod. Bei der Bundestagswahl 1980 scheiterte er als Kanzlerkandidat der Unionsparteien gegen den Amtsinhaber Helmut Schmidt (SPD). Strauß unterhielt enge Verbindungen zur Industrie und war einer der Hauptinitiatoren bei der Gründung des Unternehmens Airbus.
Herkunft und Schulzeit Familie Strauß wurde als Sohn des Metzgers Franz Josef Strauß (1875–1949) und dessen Frau Walburga, geb. Schießl (1877–1962), in München geboren. Sein Vater stammte aus KemmathenSchuler: Strauß. Die Biografie einer Familie. Frankfurt am Main 2006, S. 19. (seit 1971 zu Arberg/Mittelfranken), die Mutter aus Unterwendling (seit 1978 Ortsteil von Kelheim/Niederbayern). Sein Geburtshaus war in der Schellingstraße 49Horst Möller: Franz Josef Strauß. Herrscher und Rebell. Piper, München 2016, ISBN 978-3-492-30884-7, S. 22. im Münchener Stadtteil Maxvorstadt, wo die Familie ab 1904 wohnte. Der Vater betrieb dort eine Metzgerei.Die Straße des 20. Jahrhunderts. In: Süddeutsche Zeitung, 10. September 2014. Das Ehepaar hatte neben Franz Josef noch eine Tochter namens Maria.Franz Josef Strauß: Die Erinnerungen. Siedler, Berlin 1989, S. 15 und 24 (mit Foto von Maria Stauß). Die Familie Strauß war streng katholisch, monarchistisch und antipreußisch eingestellt.Franz Josef Strauß: Die Erinnerungen. Siedler, Berlin 1989, S. 25. Franz Josef Strauß Senior war langjähriges Mitglied der Bayerischen Volkspartei. Die Familie befürwortete die Trennung Bayerns vom Deutschen Reich, wie die Bayerische Volkspartei sie zeitweise forderte.Werner Biermann: Strauß. Aufstieg und Fall einer Familie. Rowohlt, Berlin 2006.
Geburt und Kindheit Franz Josef Strauß wurde am 6. September 1915 in München geboren. Er wurde sechs Tage nach seiner Geburt als Franz Joseph Strauß in das Geburtenregister eingetragen und am 12. Oktober 1915 in der Ludwigskirche getauft. Während seiner Kindheit, als Student und während der Militärzeit wurde er nur bei seinem ersten Vornamen „Franz“ gerufen. Erst nach dem Tod seines Vaters nutzte er allmählich beide Vornamen. Auf Rat eines Benediktinerpaters wechselte Strauß von der Volksschule an der Amalienstraße auf die Gisela-Realschule. Der Universitätsprofessor Johannes Zellinger sorgte dafür, dass er später auf das humanistische Maximiliansgymnasium wechselte.Horst Möller: Franz Josef Strauß. Herrscher und Rebell. Piper, München 2016, S. 25.
Schulzeit und Studium Nachdem er im März 1935 am Maximiliansgymnasium in München das bayernweit beste Abitur abgelegt hatte,Horst Möller: Franz Josef Strauß. Herrscher und Rebell. Piper, München 2016, S. 23 f. begann Strauß als Stipendiat der Stiftung Maximilianeum ein Lehramtsstudium der Altphilologie, Geschichte, Staatswissenschaften und Germanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
Zuvor war seine Immatrikulation abgelehnt worden, weil er keiner nationalsozialistischen Organisation angehörte; nach einer Beschwerde seines ehemaligen Tutors und Lehrers wurde er doch zugelassen. Später trat er der katholischen Münchner Studentenverbindung KDStV Tuiskonia München im CV bei. Strauß wurde Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds (NSDStB). In seiner Freizeit ging Strauß dem Radsport nach und wurde 1937 auf Anraten des Professors Franz Dirlmeier Mitglied des Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps (NSKK) sowie Referent beim NSKK-Sturm 23/M 86 in München.Darüber berichtete Strauß selbst in seinen Erinnerungen. Berlin 1980, S. 35–37. Er hatte dort die Funktion eines Rottenführers inne. Im Juli 1939 trat er aus dem NSKK aus. Diese Mitgliedschaft wurde von der Spruchkammer in Schongau zwar als belastend eingestuft, jedoch gleichzeitig „als zwangsbedingt, um eine Nichtzulassung zum Examen zu vermeiden“. Sie wurde als nominelle Mitgliedschaft gewertet, die weder propagandistisch noch aktiv ausgeübt wurde.
Zweiter Weltkrieg Strauß wurde vor dem Zweiten Weltkrieg wegen seines Studiums zweimal zurückgestellt, am 31. August 1939 (dem Tag vor Beginn des Überfalls auf Polen) von der Wehrmacht nach Landsberg am Lech eingezogen und später zur II. Abteilung des Artillerieregiments 43 in der Nähe von Trier versetzt. Die Dissertation über Pompeius Trogus, mit der er bei dem Althistoriker Walter Otto promoviert werden wollte, blieb wegen seines Wehrdienstes unvollendet.Horst Möller: Franz Josef Strauß. Herrscher und Rebell. Piper, München 2016, S. 26.
Im März 1940 wurde er beurlaubt, um das erste Staatsexamen abzulegen, das er mit den besten Noten bestand. Der Neuzeithistoriker Karl Alexander von Müller gab ihm für seine Leistungen eine 0,5.Horst Möller: Franz Josef Strauß. Herrscher und Rebell. Piper, München 2016, S. 26 und 30. Nach seiner Rückkehr zur Truppe wurde seine Einheit am 1. Mai zum Westfeldzug nach Frankreich verlegt. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (22. Juni 1940) gehörte Strauß zu den Besatzungstruppen und war zunächst an der Kanalküste, später im besetzten Belgien stationiert. Er wurde am 1. November 1940 zum Unteroffizier befördert und gleichzeitig erneut beurlaubt.Soweit nicht anders angegeben, stammen die Daten zur Militärzeit und dem parallelen Studium aus: fjs.de: Ausbildung und fjs.de: Soldat
Am Theresien-Gymnasium München konnte er durch ein verkürztes Referendariat seine Ausbildung fortsetzen und am 1. April 1941 mit erneut besten Noten das zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ablegen.Horst Möller: Franz Josef Strauß. Herrscher und Rebell. Piper, München 2016, S. 30. Parallel zum schulischen Referendariat war Strauß als Assistent am Altphilologischen und am Althistorischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München tätig.
Am 14. April 1941 wurde er erneut zur Wehrmacht einberufen und nahm ab dem 22. Juni 1941 am Krieg gegen die Sowjetunion teil. Am 30. Juni war er in Lemberg Zeuge, als die Deutschen zahlreiche Leichen vom sowjetischen Geheimdienst NKWD ermordeter Gefangener auffanden. Strauß schrieb später in seinen Lebenserinnerungen, er sei als Wehrmachtsoldat mehrfach Zeuge deutscher Massaker an Juden im Osten geworden.Strauß: Die Erinnerungen, 47 f; Peter Lieb: Verbrechen der Wehrmacht – Was konnten Wehrmachtsoldaten von den NS-Verbrechen hinter der Front wissen? Tagebuch eines Täters Diese Kriegserlebnisse hätten ihn nach eigener Aussage tief geprägt.
Von September 1941 bis Februar 1942 wurde er zum Offizier ausgebildet, im März 1942 als Leutnant der Reserve der Heeresflak zugeteilt und in der Ukraine, auf der Krim sowie vor Stalingrad eingesetzt. Dort erlitt er Erfrierungen an beiden Füßen, weshalb er vor dem Untergang der 6. Armee ins Reich zurückverlegt wurde. Nach einem weiteren Lehrgang von Januar bis Mai 1943 in Stolpmünde wurde er Ausbildungsoffizier, Abteilungsadjutant und Offizier für wehrgeistige Führung bei der Flakartillerieschule Altenstadt bei Schongau.Franz Josef Strauß 1915–1988. In LEMO, eingesehen am 11. August 2019.
Schon während seiner Militärzeit wurde Strauß am 8. April 1942 mit Wirkung zum 1. Mai zum außerplanmäßigen Beamten ernannt. Am 20. April 1943 erfolgte die Ernennung zum Studienrat an der Oberschule für Jungen an der Damenstiftstraße in München. Vorarbeiten für eine von ihm begonnene Dissertation verbrannten 1944 bei einem der Luftangriffe auf München.
Nachdem er am 1. Juni 1944 zum Oberleutnant befördert worden war, wurde er im selben Jahr Chef der Stabsbatterie an der Flak-Artillerie-Schule IV, die in der Kaserne in Altenstadt stationiert war, die heute seinen Namen trägt.
Politische Karriere Nachkriegszeit Bei Kriegsende geriet Strauß zunächst in Kriegsgefangenschaft; er wurde schnell (noch 1945) als politisch unbelastet eingestuft. Ein deutschstämmiger US-Soldat zog ihn wegen seiner Englischkenntnisse zur Unterstützung bei Übersetzungen heran. Von der amerikanischen Besatzungsmacht wurde er dann zum stellvertretenden Landrat des Landkreises Schongau bestellt.
1946 war er Mitbegründer des Kreisverbandes der CSU Schongau und wurde zum Landrat von Schongau gewählt. Ab 1948 war Strauß Mitglied im Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes in Frankfurt am Main; 1949 wurde er von Hans Ehard zum ersten Generalsekretär der CSU ernannt.Martin Falbisoner / Konrad-Adenauer-Stiftung: Franz Josef Strauß Strauß suchte neben seiner Parteikarriere auch Führungsaufgaben in der überparteilichen Europa-Union Deutschland (EUD). Er unterlag am 2. Mai 1954 dem CDU-Bundestagsabgeordneten Paul Leverkuehn (1893–1960) in einer Kampfabstimmung zur Wahl des EUD-Präsidenten.
Mitglied des Deutschen Bundestages Strauß kandidierte bei allen Bundestagswahlen von 1949 bis 1976 erfolgreich im Wahlkreis Weilheim in Oberbayern und zog als direkt gewählter Abgeordneter ins Parlament ein. Er schied am 29. November 1978 aus dem Deutschen Bundestag aus. Für ihn rückte Heinrich Reichold nach. Nach der Bundestagswahl am 25. Januar 1987 war er kurzzeitig (bis zum 19. März 1987) erneut Mitglied des Bundestages, gleichzeitig mit seinem Amt als Ministerpräsident in Bayern. Von 1949 bis zu seinem Amtsantritt als Bundesminister im Kabinett Adenauer II (20. Oktober 1953 bis 15. Oktober 1957) war er Vorsitzender der CSU-Landesgruppe und einer der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Fraktion.
In der ersten Legislaturperiode (1949–1953) war Strauß Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Jugendfürsorge und ab dem 19. Juli 1952 des Ausschusses für Fragen der europäischen Sicherheit. Er war der damals jüngste Ausschussvorsitzende im Deutschen Bundestag.
Strauß zählte im Jahr 1952 zu einer Gruppe von 34 Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion (darunter Theodor Blank, Heinrich von Brentano, Richard Jaeger, Kurt Georg Kiesinger, Heinrich Krone, Paul Lücke, Gerhard Schröder und Franz-Josef Wuermeling), die einen Gesetzentwurf zur Einführung des relativen Mehrheitswahlrechts in den Deutschen Bundestag einbrachten und damit den Bestand der damaligen Koalition (Union, FDP und Deutsche Partei) gefährdeten.
Strauß gehörte neben Ludwig Erhard, Hermann Götz, Gerhard Schröder (alle CDU), Richard Jaeger, Richard Stücklen (beide CSU), Erich Mende (FDP, später CDU), Erwin Lange, R. Martin Schmidt und Herbert Wehner (alle SPD) zu den zehn Abgeordneten, die ab der ersten Bundestagswahl 1949 25 Jahre lang ununterbrochen dem Parlament angehörten.
Neben seiner Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag war Strauß von 1952 bis 1956 auch Mitglied des Europäischen Parlaments.
Strauß war ein begabter und schlagfertiger Redner: Seine Debattenbeiträge im Deutschen Bundestag und im Bayerischen Landtag waren berühmt, aber auch berüchtigt. Legendär waren seine Rededuelle im Bundestag mit Herbert Wehner, der von Oktober 1969 bis März 1983 SPD-Fraktionsvorsitzender war. Strauß baute nach 1953 den Politischen Aschermittwoch in Vilshofen (seit 1975 in Passau) mit spektakulären Inszenierungen und mehrstündigen frei gehaltenen Reden zu einer zentralen Parteiveranstaltung der CSU mit bundesweiter Resonanz aus.
Von April 1978 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag Ende November 1978 war Strauß Mitglied der damals neu geschaffenen Parlamentarischen Kontrollkommission zur Kontrolle der Nachrichtendienste des Bundes., Plenarprotokoll 8/83, S. 6554