Die Courante (französisch für die „Laufende“ oder „Läuferin“; italienisch , englisch , Corranto oder , auch Currant) ist ein lebhafter auch mit Sprüngen ausgeübter Gesellschaftstanz im Dreiertakt bzw. Tripeltakt und war vom Ende des 16. Jahrhunderts bis zirka 1730/1740 in Mode. Sie ist typischerweise zweiteilig (mit Reprisen) und beginnt mit einem Auftakt. Im 17. Jahrhundert fand eine Differenzierung in die französische Courante und die italienische Corrente statt. Zusammen mit Allemande, Sarabande und Gigue gehört sie zu den Grundtänzen der barocken Solo-Suite, und steht dabei für gewöhnlich zwischen Allemande und Sarabande.

Frühe Courante, bis zirka 1625 Charakter Das Wort Courante kommt vom französischen courir und bedeutet „laufend“. Die frühbarocke Courante war ein sehr fröhlicher, lebhafter, schneller, jugendlicher Tanz im 3/4- oder 6/4-Takt;Zu dieser Zeit ist eine Unterscheidung von 3/4 und 6/4 nicht besonders sinnvoll, da es oft üblich war Doppeltakte zu notieren, demnach wäre ein 6/4 das Gleiche wie zwei Takte im 3/4. sie kam in Mode, als die Galliarde immer komplexer, festlicher, vornehmer und langsamer wurde, und bildete offensichtlich eine Art Gegengewicht dazu. Die Courante war ursprünglich schneller als die Galliarde, jedoch nicht ganz so schnell wie die englische Jig, und galt nicht als anrüchig oder lasziv, wie die Volte.

Nach Cesare Negri (Nuove inventioni di balli, 1604) wurde die Courante mit schnellen laufenden und springenden Schritten getanzt, vorwärts, seitlich oder rückwärts, „so wie es dem Tänzer gefällt“. Thoinot Arbeau beschrieb folgende Schrittkombinationen (Orchésographie, 1589): simple à gauche: (1) linker Fuß nach links, (2) rechten Fuß anschließen. simple à droite: (3) rechter Fuß nach rechts, (4) linken Fuß anschließen. double à gauche: (5) linker Fuß nach links, (6) rechten Fuß nachziehen, (7) linker Fuß nach links, (8) rechten Fuß anschließen. das Ganze umgekehrt wiederholen, in entgegengesetzter Richtung und mit dem jeweils anderen Fuß (9-16)."simple à gauche : (1) pied gauche à gauche, (2) pied droit joint

simple à droite : (3) pied droit à droite, (4) pied gauche joint

double à gauche : (5) pied gauche à gauche, (6) rapprocher pied droit, (7) pied gauche à gauche, (8) pied droit joint recommencer le tout pieds et sens inversés (9-16)."

mini|Courante von Michael Praetorius aus Terpsichore, 1612 (Auszug) Musikalisch sind frühe CourantenVgl. auch Adalbert Quadt: Lautenmusik aus der Renaissance. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1 ff. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1967 ff.; 4. Auflage ebenda 1968, Band 2, S. 36–42 (7 Couranten anonymer Herkunft um 1600 nach französischer Tabulatur in einem Manuskript im Germanischen Museum Nürnberg, Couranten aus „Długoraj“ [1619, in deutscher Tabulatur in der Musikbibliothek Leipzig] von John Dowland und von einem anonymen Verfasser, Couranten von Jean-Baptiste Besard, Joachim van den Hove und Georg Leopold Fuhrmann ) sowie die Courante Bockingtons Pound von Francis Cutting aus dem Liederbuch eines Jenenser Studenten. relativ einfach gebaut, der Grundrhythmus besteht aus einer Aneinanderreihung einer Halben und einer Viertel, meistens mit einer Viertel als Auftakt. Ab und zu werden Punktierungen notiert, manchmal auch Achtelfigurationen. Typisch ist die abgebildete berühmte Courante aus der Tanzsammlung Terpsichore Musarum (1612) von Michael Praetorius.

Verbreitung und Komponisten Die Courante hatte einen nachhaltigen Erfolg: Praetorius bringt in seiner Terpsichore 162 Couranten, im Vergleich zu 23 Galliarden, 21 Branlen, 37 Balletten, 42 Volten, 3 Passamezzen und 13 „andere Däntze mit sonderbaren Namen“. Dabei wurden vermutlich oft mehrere Couranten aneinandergereiht (wie später auch in Frankreich). Die von Praetorius veröffentlichten Tänze stammen teilweise nicht von ihm, sondern von dem französischen Tanzmeister Pierre-Francisque Caroubel, spiegeln damit einen französischen Einfluss.

Typische Beispiele für die frühe Courante gibt es auch aus England (dort Coranto genannt), besonders auch von den Virginalisten William Byrd,In Will Foster’s Virginalbooks (Brit. Mus., Royal Lib., MS 24.d.3) werden Drei Stücke (in a) interessanterweise als French Coranto („Französische Courante“) überliefert; nur der erste dieser Corantos ist auch im Fitzwilliam Virginal Book (Band 2, S. 305, und eine weitere (in einer anderen Tonart) auf S. 359). Siehe: William Byrd: Keyboard Music I. (= Musica Britannica. Band 27). Hrsg. von Alan Brown. Stainer & Bell, London 1969; Neudruck 2013, S. 78–80. John Bull,John Bull: Keyboard Music I (= Musica Britannica. Band 14) und Keyboard Music II (= Musica Britannica. Band 19). Hrsg. von Alan Brown. Stainer & Bell, London 1960; Neudruck 2001, und 1960; Neudruck 2016. Giles Farnaby und anderen. Im Fitzwilliam Virginal Book sind viele Corantos anonym überliefert.The Fitzwilliam Virginal Book (revised Dover Edition), 2 Bände. Hrsg. von J. A. Fuller Maitland, W. Barclay Squire, korrigiert und hrsg. von Blanche Winogron. Dover Publications, New York 1979–1980.

Weitere Komponisten sind William Brade (1560–1630),Couranten in: William Brade: Newe ausserlesene Paduanen, Galliarden, Canzonen, Allmand und Coranten auff allen musicalischen Instrumenten lieblich zu gebrauchen (mit 5 Stimmen). Hamburg 1609. Robert Johnson und Robert Ballard sowie anonyme Engländer,Keiji Makuta: 51 selections for Lute in renaissance era. Arranged for Guitar. Zen-On, Tokyo 1969, ISBN 4-11-238540-4, S. 48–55. Johann Hermann Schein (Banchetto musicale, Leipzig 1617), Samuel Scheidt (Ludi Musici, Hamburg 1621) und Johann Staden (1581–1634). Im in der Hamburger Staatsbibliothek aufbewahrten handschriftlichen Lautenbuch des Ernst Schele (oder Scheele)www.jarchow.com. von 1619Vgl. Hubert Zanoskar (Hrsg.): Gitarrenspiel alter Meister. Original-Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Band 1. B. Schott’s Söhne, Mainz 1955 (= Edition Schott. Band 4620), S. 4, 24. findet sich eine sogenannte Maien-Courante.

Auch nach Spanien gelangte die Courante und wurde dort im 17. Jahrhundert als Coriente (zum Beispiel im Gitarrenwerk von Gaspar Sanz) bezeichnet.Jerry Willard (Hrsg.): The complete works of Gaspar Sanz. 2 Bände. Amsco Publications, New York 2006, ISBN 978-0-8256-1695-2, Band 1, S. 78 f. (Übersetzung der Originalhandschrift durch Marko Miletich)

Beziehungen zu anderen Tänzen und erste Verfeinerung Nach und nach begann man, die Courante (C) mit der Allemande (A) zu koppeln,Vgl. etwa Adalbert Quadt (Hrsg.): Gitarrenmusik des 16.–18. Jahrhunderts. Nach Tabulaturen herausgegeben. 4 Bände. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1970–1984, S. 19 f. (Giovanni Battista Granata: Allemande und Courante aus Novi Capricci armonici Musicali pour la Chitarra Spagnola aus dem Jahr 1674). als Gegenstück zum etablierten Tanzpaar Pavane-Galliarde. Die Reihenfolge A – C war dabei jedoch zunächst noch nicht festgelegt und alle genannten Tänze existierten Anfang des 16. Jahrhunderts noch nebeneinander, zumal die Courante sich von der Galliarde zunächst deutlich unterschied, durch ihren frischeren Charakter und schnelleres Tempo.

Ein Beispiel für das Gesagte sind Scheins Suiten im Banchetto musicale (1617) mit der Reihenfolge: Padouana – Gagliarda – Corente – Allemande-Tripla. Auffällig ist, dass die Allemande hier nach der Courante erscheint und eine eigene Tripla hat, im Gegensatz zur späteren Entwicklung (mit A – C).

Sukzessive kam die Galliarde aus der Mode und die Komponisten begannen, die Courante zu verfeinern. Schon Brade und Schein komponierten Couranten, deren einfache Struktur durch immer mehr Achtelläufe und/oder rhythmische Unregelmäßigkeiten und Finessen interessanter gemacht wurden, z. B. Betonung auf der 2 des 3/4-Taktes. Bei den englischen Virginalisten wurden die Reprisen manchmal mit Laufwerk ausgeziert (wie auch bei Pavanen und Galliarden).

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kristallisierten sich zwei Formen der Courante heraus: Die französische Courante und die italienische Corrente.

Italien Charakter der Corrente Die italienische CorrenteVgl. auch Helmut Mönkemeyer (Hrsg.): Nürnberger Lautenbuch. Handschriftliche Tabulaturensammlung um 1600. Teil IV (= Die Tabulatur. Band 26). Friedrich Hofmeister, Hofheim am Taunus 1979, S. 185 (Courante Italica). blieb der beschriebenen Frühform noch lange treu: Sie war und blieb ein ziemlich schneller und fröhlicher Tanz im 3/4 oder 6/4-Takt und erreichte schon früh einen relativ hohen Grad an Verfeinerung in der italienischen Lauten- und Theorbenmusik bei Kapsberger (Libro Primo … di Chitarrone, 1604, und Libro Primo … di lauto, 1611) und in der Cembalomusik bei Frescobaldi (Primo Libro 1615). mini|300px|seite=72|Frescobaldi, Corrente I und Corrente II (Beginn), aus: Toccate e Partite Libro Primo (rev. 1637) Melodisch bestehen diese Correnten teilweise aus einer überschaubaren Zahl von kleinen Motiven, die aneinandergereiht, sequenziert oder imitatorisch verarbeitet werden. Der relativ simple Aufbau der Frühform wird von Frescobaldi häufig durch unregelmäßige Phrasenbildungen aufgebrochen. In seinem Primo Libro sind die Phrasenlängen z. B. (in Takten):

Corrente I: 6 – 4 / 6 – 10.

Corrente II: 4 – 8 / 3 – 9 – 15 – 4 – 4.

Corrente IV: 3 – 3 – 3 – 5 / 3 – 4 – 3 – 3 – 4.

Diese völlige Unregelmäßigkeit und Unberechenbarkeit wird noch kompliziert durch unterschiedliche Phrasierung in anderen Stimmen und durch zahlreiche Imitationen; sie wird außerdem betont durch die Verwendung von markanten Motiven einerseits und eher fließenden Strecken (oft in Vierteln) andererseits. Harmonisch finden zahlreiche Vorhaltbildungen statt (das wird allerdings kein Erkennungsmerkmal). Die musikalische Wirkung dieser scheinbar völlig freien Strukturen und beinahe chaotischen Gebilde ist lebhaft, sprühend und geistreich.

In Frescobaldis Libro Secondo (1627) ist die Corrente prima auffälligerweise in 3/2 notiert, wodurch er höchstwahrscheinlich ein etwas langsameres Tempo anzeigen will, als für die anderen fünf Stücke in 3/4 – gemäß den Instruktionen für Dreiertakte, die er im Libro de' Capricci (1624/26) gibt. Langsamere Correnten findet man z. B. auch sechzig Jahre später bei Vitali.Giovanni Battista Vitali, Balletti, correnti e capricci per camera a due violini e violone ò spinetta, op. 8. Modena 1683. Neben der üblichen zweiteiligen Form gibt es manchmal auch dreiteilige Correnten (z. B. Frescobaldi in Libro secondo 1627, Storace in Selva 1664).