miniatur|Hans Furler auf einem undatierten CDU-Wahlplakat. Hans Furler (* 5. Juni 1904 in Lahr; † 29. Juni 1975 in Achern) war ein deutscher Jurist und Politiker der CDU.
Leben und Beruf Nach dem Abitur am Humanistischen Gymnasium in Lahr studierte Hans Furler, der römisch-katholischen Glaubens war, Rechtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Während seines Studiums wurde er 1922 Mitglied der Burschenschaft Teutonia Freiburg,Willy Nolte (Hrsg.): Burschenschafter-Stammrolle. Verzeichnis der Mitglieder der Deutschen Burschenschaft nach dem Stande vom Sommer-Semester 1934. Berlin 1934, S. 133. aus deren Altherrenverein er in späteren Jahren wieder ausschied.Klaus Oldenhage: Burschenschafter im Deutschen Bundestag (1949–2015). In: Harald Lönnecker (Hrsg.): Deutschland immer gedient zu haben ist unser höchstes Lob!" Zweihundert Jahre Deutsche Burschenschaften - Eine Festschrift zur 200. Wiederkehr des Gründungstages der Burschenschaft am 12. Juni 1815 in Jena (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung, Bd. 21), ISBN 978-3-8253-6471-7, S. 1168. 1925 bestand er das erste juristische Staatsexamen, im Dezember 1928 das Assessorexamen. Bereits ein halbes Jahr zuvor wurde er bei Gerhard Anschütz in Heidelberg mit der Dissertationsschrift Das polizeiliche Notrecht und die Entschädigungspflicht des Staates zum Dr. iur. promoviert. Zunächst war er als Rechtsanwalt in Pforzheim tätig, nahm aber bereits 1930 nebenher eine Dozententätigkeit für Patentrecht auf. 1932 habilitierte er sich an der TH Karlsruhe mit der Arbeit Besitz, Verkehrsgeltung, Verwirkung im Wettbewerbsrecht, die ihn 1940 zum außerplanmäßigen Professor für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht ernannte. Von 1941 bis 1944 war er für die deutsche Zivilverwaltung im besetzten Elsass dienstverpflichtet.
Hans Furler trat im April 1933 in die SABundesarchiv R 4901/13263 Hochschullehrerkartei und zum 1. Mai 1937 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 4.585.708).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/10120805; Staatsarchiv Freiburg, D 180/2 Nr. 190740: Spruchkammerakte Hans Furlervgl. Hans-Furler-Gymnasium Oberkirch (Hrsg.): Europa – eine Vision wird Wirklichkeit. Hans Furler (1904–1975). 2004, S. 22–28. Von 1945 bis zum Abschluss seines Entnazifizierungsverfahrens 1948 arbeitete er als Justitiar in der Papierfabrik seiner Schwiegereltern, der August Koehler AG in Oberkirch (Baden). 1948 eröffnete er eine neue Anwaltskanzlei in Freiburg. Ab 1950 lehrte er an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von 1958 bis 1966 war er ehrenamtlicher Präsident des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung.vgl. Mittag: Vom Honoratiorenkreis zum Europanetzwerk. In: Linden, Hacker (Red.): 60 Jahre Europäische Bewegung Deutschland. 1949–2009. 2009, S. 12–28, hier S. 20.
Partei Furler trat 1952 der CDU bei. Noch im selben Jahr wurde er Vorsitzender des wirtschaftspolitischen Beirates des Landesverbandes Baden.
Abgeordneter Furler gehörte dem Deutschen Bundestag von 1953 bis 1972 an. 1953 zog er über die Landesliste der CDU Baden-Württemberg ins Parlament ein und ab 1957 vertrat er den Wahlkreis Offenburg. Von 1953 bis 1957 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht. Vom 10. Mai 1957 bis zum Ende der zweiten Legislaturperiode war er Vorsitzender des Sonderausschusses „Gemeinsamer Markt/Euratom“. Vom 29. Januar 1959 bis zum 25. Mai 1960 war er Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Auswärtige Angelegenheiten.
Er war außerdem vom 1. Juli 1955 bis zum 19. März 1958 Mitglied der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), von 1956 an als deren Präsident. Von 1958 bis 1973 war er Mitglied des Europäischen Parlaments, von 1960 bis 1962 als sein Präsident, bis 1973 als Vizepräsident.
Auszeichnungen Furler wurde 1958 mit dem Großkreuz des Bundesverdienstkreuzes ausgezeichnet. Am 3. Juli 1962 verlieh ihm sein Wohnort Oberkirch die Ehrenbürgerwürde.
Am 22. Mai 1976 wurde der Neubau des Gymnasiums in seiner Heimatstadt Oberkirch eingeweiht, das seitdem seinen Namen trägt: Hans-Furler-Gymnasium.
Veröffentlichungen Das polizeiliche Notrecht und die Entschädigungspflicht des Staates. In: Verwaltungsarchiv. Band 33, 1928, , S. 340–427 (Heidelberg, Universität, jur. Dissertation vom 19. Oktober 1928). Parlamente über den Nationen. Entwicklung, Zustand und Aussichten in Europa. In: Die Politische Meinung. Band 2, Nr. 11, 1957, , S. 17–28. Reden und Aufsätze 1953–1957. Selbstverlag, Oberkirch 1958. Im neuen Europa. Erlebnisse und Erfahrungen im Europäischen Parlament. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1963.
Literatur Walter Henkels: 99 Bonner Köpfe, durchgesehene und ergänzte Ausgabe, Fischer-Bücherei, Frankfurt am Main 1965, S. 96f. Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker, Teilband 7: Supplement A–K, Winter, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8253-6050-4. S. 349–351. Horst Ferdinand, Adolf Kohler: Für Europa. Hans Furlers Lebensweg. Europa-Union-Verlag, Bonn 1977, . Hans-Furler-Gymnasium Oberkirch (Hrsg.): Europa – eine Vision wird Wirklichkeit. Hans Furler (1904–1975). Grimmelshausen-Buchhandlung, Oberkirch 2004, ISBN 3-926973-15-3. Jürgen Mittag: Vom Honoratiorenkreis zum Europanetzwerk. Sechs Jahrzehnte Europäische Bewegung Deutschland. In: Christoph Linden, Michael Hacker (Red.): 60 Jahre Europäische Bewegung Deutschland. 1949–2009. Netzwerk Europäische Bewegung, Berlin 2009, S. 12–28, . Claudia Philipp: Hans Furler – Ein Europäer der ersten Stunde. In: LpB, Landeszentrale für Politische Bildung Baden-Württemberg (Hrsg.): Die Osterweiterung der EU (= Der Bürger im Staat. Jg. 54, H. 1, ). Weinmann, Filderstadt 2004, S. 71–74, online.
Weblinks
Hans Furler - Biographische Beiträge aus Anlass des 100. Geburtstags im Jahr 2004 - Homepage des Hans-Furler-Gymnasiums Oberkirch Nachlass Bundesarchiv N 1255 Online-Findbuch Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg, T1 Furler, Hans
Einzelnachweise
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