Flechtorf (früher auch Campen) ist eine Ortschaft in der Gemeinde Lehre im Landkreis Helmstedt, Niedersachsen, Deutschland.
Geographie Geographische Lage Flechtorf befindet sich im Nordosten der Gemeinde Lehre liegt rund 12 Kilometer südwestlich von Wolfsburg und rund 14 Kilometer nordöstlich von Braunschweig. Die Ortschaft liegt südwestlich der Kreuzung der Landstraße L295 mit der Bundesautobahn 39 und nordöstlich der Kreuzung der Landstraße L295 mit der Bundesautobahn 2.
Dorfstruktur Die Ortschaft lässt sich geographisch in Alt- und Neudorf unterscheiden. Die Grenze zwischen diesen beiden Ortsteilen bildet die Schunter.
Geschichte mini|Lagekarte von Flechtorf und Burg Campen mit dem Pallwall und zwei Belagerungsschanzen, 1740 mini|Linkes Bild mit Flechtorfer Mühle an der Schunter, rechts die modernen Anlagen mini|Burg Campen Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1022 zurück. Seit dieser Zeit sind auch die weiteren Namensformen bekannt: 1022 Flegtorp, 1100 Flechthorpa, 1129 Vlechthorp. Die Lage an der Schunter inmitten einer vorwiegend ackerbaulich geprägten Region führte bereits im 13. Jahrhundert zur Gründung einer Wassermühle zum Mahlen von Getreide. Die Flechtorfer Mühle besteht noch heute als Großbetrieb mit moderner Mühlentechnik.
1525 und 1526 kamen bei Plünderungen zahlreiche Menschen ums Leben. Am 13. Mai 1729 kam es zu einem Großbrand im Ort, bei dem 26 Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannten.
Seit dem Mittelalter liegt im Ort die Burg Campen als Niederungsburg zwischen zwei Flussarmen der Schunter. Die erstmals im 13. Jahrhundert erwähnte Anlage wurde Ende des 16. Jahrhunderts in ein Schloss umgestaltet. Als baulicher Rest ist davon nur noch das Hauptgebäude vorhanden. Während der Zeit von Heinrich dem Löwen war Campen Sitz eines Ministerialen. Als Amtmann der Burg Campen waren die Dorfbewohner ihm gegenüber jahrhundertelang abgabepflichtig mit Naturalabgaben. Auch hatten sie Hand- und Spanndienste zu leisten.
Flechtorf lag früher an der Postroute Braunschweig–Calvörde.
Im Rahmen der niedersächsischen Verwaltungs- und Gemeindereform wurde Flechtorf, das bis dahin als selbstständige Gemeinde zum Landkreis Braunschweig gehörte, nach Lehre eingemeindet. Die Gemeinde Lehre wurde am 1. März 1974 nach Auflösung des Landkreises Braunschweig dem Landkreis Helmstedt zugeschlagen. Dabei hatten sich etwa 90 Prozent der Einwohner für einen Anschluss an das näher gelegene Wolfsburg ausgesprochen.
Einwohnerentwicklung Lehre-Flechtorf – Bevölkerungsentwicklung seit 2005 Entwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 2005 2.848 2011 2.901 zum 31. Dezember 2012 2.954 zum 31. DezemberWolfsburger Allgemeine Zeitung: , 22. April 2013. 2016 3.184 zum November 2018 3.248 zum 1. Februar
Erklärung des Ortsnamens Der Ortsname geht auf das mittelniederdeutsche Wort „vlecht“ für „Geflecht von Zweigen, Hürde“ zurück und ist als Hinweis auf vorhandenes Flechtwerk (Hürden für die Viehhaltung, Zäune zur Einfriedung der Siedlung oder ähnliches) zu verstehen.
Wappen Das Wappen zeigt in Blau über einem silbernen Flechtzaun eine silberne Waage. Das Flechtwerk spielt auf den Ortsnamen an. Die Waage als Symbol der Justitia, also der Gerechtigkeit, verweist auf die Herren von Campen, die früher auf der gleichnamigen Burg die Gerichtsbarkeit ausübten. Seit 1966 führt Flechtorf dieses Wappen.
Infrastruktur An örtlichen Einrichtungen bestehen in Flechtorf eine 1964 erbaute Grundschule, die später erweitert wurde. Ferner eine Kindertagesstätte, eine evangelische Kirche (Heilig-Kreuz-Kirche), ein 1960 errichtetes Dorfgemeinschaftshaus mit dem seit 2002 bestehenden Dorfarchiv und einem 2020 aufgestellten öffentlichen Bücherschrank.Dirk Fochler: Flechtorf hat jetzt einen Bücherschrank. In: Wolfsburger Nachrichten. Ausgabe vom 19. November 2020. Im Ort existiert ein Gewerbegebiet. Busverbindungen führen nach Wolfsburg und Braunschweig.
Politik
Derzeitige Ortsbürgermeisterin ist Edelgard Hahn (SPD).
Persönlichkeiten Franz Bogislaus Westermeier (1773–1831), deutscher evangelischer Theologe, wurde in Flechtorf geboren
Literatur Helmut Kochanek: Im Schutze und Schatten der Burg. Flechtorfer Chronik. Flechtorf 1985. Thomas Bode: Die Geschichte der Burg Campen. Flechtorf 2022.
Weblinks
Porträt auf der Gemeindewebsite
Einzelnachweise auf , 4. Februar 2018, abgerufen am 17. August 2018.
Kategorie:Ort im Landkreis Helmstedt Kategorie:Geographie (Lehre, Niedersachsen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Helmstedt) Kategorie:Ersterwähnung 925 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972