mini|Die Ortschaft überragt vom Nerother Kopf mini|Der fast gleiche Blickwinkel im Winter. mini|Neroth, Ortslage von Westen Neroth ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Gerolstein an.
Geographische Lage Neroth liegt am Fuß des Nerother Kopfes () zwischen Daun und Gerolstein im Naturpark Vulkaneifel. Es ist mit diesen Orten über Gemeindestraßen verbunden. Zudem hat Neroth Anteil an den Landschaftsschutzgebieten „Zwischen Ueß und Kyll“ (östlicher Gemeindeteil) und „Gerolstein und Umgebung“ (westlicher Gemeindeteil).
Geschichte Neroth gehört, auch aufgrund seines Namens, zur mittelalterlichen Rodungsperiode, die um 1200 abgeschlossen war. Es wurde 1388 erstmals als „Niederroth“ urkundlich erwähnt. Die dazugehörigen Siedlungsplätze Oberroth und Hundswinkel wurden wohl in der darauf folgenden spätmittelalterlichen Wüstungsperiode aufgegeben.
Neroth war einst recht bedeutend, denn es hatte ein Hochgericht, an dem die Herren von Daun und von Ulmen Recht sprachen. Außerdem war die Nerother Burg Freudenkoppe eine Anlage der Grafen von Luxemburg, später der Kurfürsten von Trier.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Neroth, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Regionaldaten. Jahr Einwohner 1815 347 1835 527 1871 586 1905 610 1939 758 1950 766 Jahr Einwohner 1961 716 1970 874 1987 912 2005 925 2011 862 2017 830
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Neroth besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Ortsbürgermeister Klaus-Dieter Peters wurde am 23. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Neroth. Da für die Direktwahl am 9. Juni 2024 kein Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl des Bürgermeisters gemäß rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung dem Rat, der sich auf seiner konstituierenden Sitzung einstimmig für Klaus-Dieter Peters entschied.
Sein Vorgänger Egon Schommers war von 1991 bis 2024 Ortsbürgermeister von Neroth. Die Ortsgemeinde hat ihm für seine besonderen Verdienste im Juli 2024 das Ehrenbürgerrecht der Ortsgemeinde verliehen.
Wappen
Öffentliches Leben
Bereits seit 1910 gibt es in Neroth eine Freiwillige Feuerwehr, die – wie oftmals im ländlichen Raum in Deutschland – durch die Einbindung der Bevölkerung einen wichtigen Bestandteil des öffentlichen Lebens einnimmt. So veranstaltet sie schon fast ebenso lange, erstmals in den 1920er-Jahren, jedes Jahr am Ostersonntag die Nerother Eierlage, angelehnt an das gleichnamige, jedoch ältere Brauchtum der Schönecker Eierlage.
Erst in viel späteren Jahren wurden die verschiedenen in Neroth existierenden Sportvereine gegründet.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Sehenswürdigkeiten Auf dem nahe gelegenen Berg Nerother Kopf befindet sich die Freudenkoppe, eine Burgruine mit in der Nähe liegender Mühlsteinhöhle. In dieser wurde in der Silvesternacht 1919/20 der Nerother Wandervogel gegründet.
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Neroth
Mausefallen mini|Video: Herstellung von Mausefallen und anderen Gegenständen aus Draht in Neroth, 1980 Die Eifel war im 19. Jahrhundert eine Landschaft großer Armut, auch verursacht durch die Realerbteilung, die die landwirtschaftliche Erwerbsgrundlage zusehends verkleinerte. Die Landwirtschaft war äußerst karg. Gewerbliche und handwerkliche Verdienstmöglichkeiten waren gering. Neroth war unter den Dörfern der Eifel insofern keine Ausnahme. Ein Teil der eingesessenen Dorfbevölkerung betrieb daher Nebengewerbe wie den Hausierhandel mit geschnitzten Löffeln oder Korbwaren. Bei einem weiteren, kleinen Teil handelte es sich um zugezogene und ortsfest werdende jenische Hausierhändler und Flickhandwerker. So waren die Voraussetzungen für den Einstieg in die handwerkliche Produktion und in den Vertrieb eines viel verlangten Gegenstands, der Mause- und Rattenfalle, gegeben, den ein damaliger Lehrer aus Neroth für die Menschen seines Dorfes als Ausweg aus der Existenznot um die Mitte des Jahrhunderts konzipierte.
Viele der ärmeren Bewohner – jenische und nichtjenische – betrieben in der Folge einen Hausierhandel mit Drahterzeugnissen, darunter Mausefallen. Im Ergebnis verbesserte sich die Lebenssituation vieler Familien deutlich. Hergestellt wurden die Drahtwaren hauptsächlich von Frauen in Heimarbeit. Die Männer verkauften die Fallen als fahrende Händler. Dabei gelangten die „Musfallskrämer“ weit über die Grenzen der heutigen Bundesrepublik bis nach Polen und Tschechien. Die Hausierer benutzten zur Verständigung untereinander eine Geheimsprache, das Jenische. Die zunehmende Industrialisierung erschwerte das Geschäft ab Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch zusehends, bis es 1970 ganz zum Erliegen kam. Die hergestellten Drahtwaren konnten sich zu jeder Zeit mit industriellen Fertigprodukten messen oder waren sogar von höherer Qualität, durch die Handarbeit bei ihrer Herstellung wurden sie in Zeiten gestiegener Löhne jedoch zu teuer. Kennzeichen war der „aufgebundene Draht“. Das heißt, die Drähte wurden an Kreuzungspunkten mit einem feineren Draht umwickelt. Heute befindet sich in Neroth das Mausefallenmuseum und dokumentiert die Arbeit und das einfache Leben der Mausefallenmacher. Weiterhin existiert ein Buch und ein Dokumentarfilm zu diesem Thema.
Tourismus Seit den 1960er Jahren befindet sich in Neroth ein mittelgroßer Hotelbetrieb. Durch Kontakte des Nerother Musikvereins gehören dort niederländische Touristen zu den regelmäßigen Gästen.
Seit 2009 führen etliche Kilometer der 10. Etappe des neuen Eifelsteigs von Gerolstein nach Daun durch den Ort, wobei diese ziemlich genau die Mitte der Etappe bilden. In der Folge wurde ein örtliches Restaurant mit wenigen Gästezimmern ebenfalls zu einem Hotel erweitert.
Kuriosum: Ein Luxemburger als Lehrer in Neroth 1942 Im Kriegsjahre 1942 unterrichtete der spätere Direktor des Luxemburger Nationalarchivs Paul Spang eine kurze Zeit lang als Vertretungslehrer an der Volksschule in Neroth. Er hatte im Juli 1941 das Abitur in seiner Heimatstadt Echternach bestanden, die damals wie ganz Luxemburg von Nazi-Deutschland besetzt war. Der Zugang zum Universitätsstudium blieb ihm versperrt, da er weder das hierzu nötige eindeutige Bekenntnis zum Deutschtum erfüllte noch die ebenso erforderliche freiwillige Meldung zum „freiwilligen“ Arbeitsdienst. Stattdessen entschloss er sich zum Besuch der Volksschullehrer-Bildungsanstalt in Ettelbrück; dieser Studienweg führte ihn schließlich nach Neroth, verhinderte aber nicht, dass er im Oktober 1942 in den Reichsarbeitsdienst eingezogen wurde und danach als Zwangsrekrutierter der deutschen Wehrmacht an die Ostfront kam.
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Spang sein Universitätsstudium doch noch antreten, wurde Professor am Echternacher Gymnasium und später Direktor des Nationalarchivs.Paul Spang: Die ausgeklammerten Jahre: 10. Mai 1940 – 17. Mai 1945. Aus dem Tagebuch eines zwangsrekrutierten Luxemburgers. Éditions Saint-Paul, Luxembourg 2012, ISBN 978-2-87963-842-3, S. 29–38 (posthum erschienen).
Mit Neroth, wo er bei der Familie Felix Klaus einquartiert war, verknüpfte er positive Erinnerungen: „In Neroth, auf historisch luxemburgischem Territorium, gab es nur eine Hakenkreuzfahne, und die lag auf dem Speicher der Schule. Hier waren alle freundlich mit mir und ich durfte sogar mit Pfarrer Schelian spazieren gehen, trotzdem dieser auf Geheiß der Gestapo das Ortsgebiet nicht verlassen durfte.“
Ehrenbürger 2024: Egon Schommers, Ortsbürgermeister von 1991 bis 2024
Literatur Willi Steffens: Der Nerother Kopf. In: Heimatjahrbuch 1974. Weiss-Verlag, Daun 1974, S. 40–41 (online). Siegfried Stahnke: Nerother Burg – Vergessene Burg? In: Heimatjahrbuch 1983. Weiss-Verlag, Daun 1983, S. 47–53 (online). Siegfried Stahnke: Mausefallen aus Neroth. In: Heimatjahrbuch 1985. Weiss-Verlag, Daun 1985, S. 145–147 (online). Werner Grasediek: Vom Steffelberg rollt das Feuerrad. In: Heimatjahrbuch 2003. Weiss-Verlag, Daun 2003, S. 113–115 (online). Hildegard Ginzler: Die „Musfallskrämer“ aus der Eifel: Entwicklung des Drahtwarengewerbes in Neroth als Beispiel für Selbsthilfe in einer Mittelgebirgsregion. Gesellschaft für Volkskunde Rheinland-Pfalz, Mainz 1986, ISBN 3-926052-00-7. Hildegard Ginzler: Die Mausefallenmacher. Rheinland-Verlag, Köln 1989, ISBN 3-7927-1111-7.
Wolfram Windolph: Nerother Jenisch: Schriftliche Quellen und Glossar. Harrassowitz, Wiesbaden 1998, ISBN 3-447-04044-0.
Weblinks
Internetpräsenz der Ortsgemeinde Neroth
Mausefallenmacher in der Eifel, Neroth 1980. Film des Landschaftsverbandes Rheinland.
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Vulkaneifel Kategorie:Ersterwähnung 1388 Kategorie:Wikipedia:Artikel mit Video