mini|Vorderansicht der Minolta Dynax 9 (hier mit Gehäusedeckel BC-1000, Hochformatfunktionsgriff VC-9 und Handschlaufe HS-1)mini|Aufsicht (hier mit Blitzschuhabdeckung SC-9)

Die Minolta Dynax 9 (in den USA: Minolta Maxxum 9, in Japan: Minolta α-9) ist eine Kleinbild-Spiegelreflexkamera, die für professionelle Fotografen und engagierte Amateure konzipiert ist. Sie wurde von Minolta am 15. September 1998 anlässlich der photokina und des siebzigjährigen Firmenjubiläums (11. November 1998) angekündigt und am 19. Dezember 1998 in Europa und Asien sowie im April 1999 in den USA vorgestellt. Die Dynax 9 gehört nach der Minolta 9000 AF und Dynax 9xi zur dritten Generation der Profimodelle in Minoltas AF-Spiegelreflexsystem mit A-Bajonett und löste nach sechs Jahren die Dynax 9xi ab. Am 31. März 2006 wurde die Kamera im Rahmen von Konica Minoltas Rückzug vom Fotomarkt abgekündigt. Der offizielle Kundendienst ist am 31. Dezember 2010 ausgelaufen. Als digitaler Nachfolger kann die Sony α900 aus dem Jahre 2008 angesehen werden.

Das im November 1999 vorgestellte Sondermodell Minolta Dynax 9Ti (in den USA: Minolta Maxxum 9Ti, in Japan: Minolta α-9Ti) weist eine Gehäuseschale aus Titan auf und verfügt über modifizierte Gehäuseapplikationen und einen leicht erweiterten Funktionsumfang. Laut Minolta wurde dieses Modell zu Ehren der Verleihung des Japan Camera Grand Prix an die α-9 in einer weltweit limitierten Gesamtauflage von 1000 Stück herausgebracht, davon waren 90 Dynax 9Ti-Exemplare für den deutschen Markt vorgesehen.

Beide Modelle können seit 2003 im Rahmen einer Hardware-Umrüstung um Unterstützung für Objektive mit eingebautem AF-Motor (SSM / SAM) und den ADI-Blitzbetrieb erweitert werden. Darüber hinaus wurden vom Minolta-Service verschiedene kundenspezifische Modifikationen angeboten. Bei vielen Dynax 9-Exemplaren lassen sich nachträglich auch die Sonderfunktionen der Dynax 9Ti freischalten.

Kurzcharakteristik Die Minolta Dynax 9 ist eine umfangreich ausgestattete, äußerst robuste Hochleistungs-Spiegelreflexkamera für 35-mm-Kleinbildfilme (Konfektionierung in Patronen vom Typ 135) im Aufnahmeformat 24 mm × 36 mm. Sie verfügt über ein sehr schnelles Autofokussystem und einen eingebauten Filmtransportmotor, der auch ohne zusätzliche Energiequellen bis zu 5,5 Bilder in der Sekunde transportieren kann. Sie erreicht eine kürzeste Verschlusszeit von 1/12.000 Sekunde bei einer X-Blitzsynchronzeit von einer  Sekunde. Die längste einstellbare Verschlusszeit beträgt 30 s (plus BULB). Der von der Kamera unterstützte Blendeneinstellbereich reicht von ƒ1 bis ƒ64.

Das staub- und feuchtigkeitsgeschützte Gehäuse ist mit Gummidichtungen versiegelt. Bei der Dynax 9 besteht es aus einem korrosionsbeständigen X5CrNi18-10-Edelstahl (Typ S 30400 / AISI 304 / SUS 304 / WNr. 1.4301 aka V2A), der mit einem schwarzen UV-gehärteten Polymer beschichtet ist. Das champagnerfarbene Sondermodell Dynax 9Ti verwendet stattdessen eine Gehäuseschale aus einer Titanlegierung. Die Bodenplatte aus Zinkdruckguss (bzw. bei der Dynax 9Ti aus einer Magnesiumlegierung) ist bei beiden Modellen gummiarmiert; der Spiegelkasten besteht aus rostfreiem Stahl und Zinkdruckguss. Das Bajonett aus rostfreiem schmiermittelimprägnierten Edelstahl verfügt über keine spezielle Dichtung zum Objektiv. Statt der lederähnlichen Beschichtung des Griffstücks bei der Dynax 9 wurde bei der Dynax 9Ti auf ein weicheres und besonders griffiges Gummi zurückgegriffen.

Der extrem schnelle und vibrationsarme, vertikal ablaufende Schlitzverschluss, dessen Lamellen zum Teil aus kohlenstofffaserverstärktem Epoxydharz bestehen, basiert auf dem Verschluss, der bereits in der Dynax 9xi eingesetzt wurde, galt schon dort als sehr zuverlässig und markiert bis heute einen Weltrekord, was die Geschwindigkeit angeht. Er ist laut Minolta für 100.000 Auslösungen ausgelegt. In der Praxis ist besonders die sehr kurze Blitzsynchronzeit für Blitzaufnahmen bei Tageslicht, von bewegten Motiven und mit hochgeöffneten Objektiven nützlich; die  Sekunde wird nur bei extremen Aufnahmebedingungen benötigt, beispielsweise wenn bei starkem Sonnenlicht mit Offenblende auf hochempfindlichem Film fotografiert wird. Bei bereits eingeschalteten Messsystemen erreicht die Kamera eine Auslöseverzögerung von ca. 90 Millisekunden vom Durchdrücken des Auslösers bis zum Öffnen des Verschlussvorhangs.

Der als Zubehör erhältliche, ergonomisch geformte Hochformatfunktionsgriff VC-9 besteht aus X6Cr17-Edelstahl (Typ S 43000 / AISI 430 / SUS 430 / WNr. 1.4016) (470 Gramm ohne Batterien). Für die Dynax 9Ti gab es in Japan eine funktionsgleiche Variante VC-9M aus einer leichteren Magnesiumlegierung (entsprechend 263 Gramm).

Das nackte Kameragehäuse der Dynax 9 wiegt ohne Objektiv und Batterien 910 Gramm). (825 Gramm bei der Dynax 9Ti Mit dem Teleobjektiv Minolta AF Apo Tele Zoom 1:2,8/80-200 mm, Akkus und Hochformatfunktionsgriff VC-9 bringt die aufnahmefähige Kamerakombination dann rund 2,9 Kilogramm auf die Waage.

Designmäßig übernimmt die Dynax 9 Elemente der Formensprache der Minolta XM Motor von 1976.

Bedienkonzept und Ergonomie mini|Kontrollelemente auf der Rückseite: Drehknopf für Belichtungsfunktionen, Drehring für Filmtransportfunktionen, Datenmonitor, AEL-Taste mit Belichtungsmessmethodenwähler, Schieber für Monitorbeleuchtung und Blitzverhältnissteuerung sowie hinteres Einstellrad

Im Entwurf des Bedienkonzepts ist gegenüber dem Vorgängermodell Dynax 9xi aus dem Jahr 1992 eine vollständige Kehrtwendung festzustellen. Während die Dynax 9xi überwiegend über Tasten bedient wurde, setzt die Dynax 9 durchgängig ein analoges Bedienkonzept um: Alle häufig benötigten Funktionen sind unmittelbar über Drehknöpfe oder Einstellräder erreichbar; es gibt kaum doppelt belegte Tasten und keine verschachtelten Menüstrukturen.

Durch die Orientierung an analogen, „erfühlbaren“ Bedienelementen und Taktilität sollte die Ergonomie gegenüber dem Vorgängermodell, der Dynax 9xi verbessert werden. Diese Philosophie findet sich in leicht abgewandelter Form auch bei der späteren Dynax 7 (2000) und Dynax 7D (2004) wieder.

Neben Verschlusszeit und Blendenzahl werden auch die anderen Parameter der einzelnen Kamerafunktionen über die zwei Einstell- oder Wahlräder justiert. Das vordere Rad bedient man mit dem Zeige- oder Mittelfinger, das hintere mit dem Daumen der rechten Hand. Stützt man das Objektiv mit der linken Hand ab, können beide Räder bedient werden, ohne die Kamera vom Auge absetzen zu müssen; hält man die Kamera nur in der rechten Hand, kann ohne Übung oder Handschlaufe nur das vordere Einstellrad bedient werden, da Daumen und Handballen die Kamera stützen; dafür ist extra eine Daumenstütze vorgesehen.

Die Belegung der Einstellräder ist über die Individualfunktionen 18 und 19 an Benutzervorlieben anpassbar; auch eine logische Vertauschung von vorderem und hinterem Einstellrad ist möglich. Gegen versehentliche Betätigung können die Einstellräder bei Bedarf auch komplett gesperrt (Individualfunktion 15, s. u.), bei der Dynax 9Ti auch an die Aktivierung der Belichtungssysteme der Kamera gekoppelt werden (Individualfunktion 23).

mini|125px|Griffsensor

Das Fotografieren mit der Dynax 9 beginnt mit zwei Minolta-Spezialitäten: Nimmt man die eingeschaltete Kamera in die Hand, stellt die Kamera dies durch eine Messung der Hautleitfähigkeit über einen Griffsensor fest und schaltet die Kamera in Aufnahmebereitschaft. Dies funktioniert ausgezeichnet, solange der Fotograf keine Handschuhe trägt.

Die Belichtungsmessung und Autofokus (AF) werden dabei noch nicht aktiviert. Dies erfolgt erst über den Eye-Start-Sensor am Sucherokular oder das Antippen des Auslösers. mini|Eye-Start-Schalter Durch die Kombination aus IR-Sender und -Empfänger in Form einer Reflexlichtschranke kann die Kamera die Annäherung ans Auge feststellen. Diese Funktion ist allerdings umstritten, in den Worten des Fachautors Thomas Maschke: „Am Eye-Start scheiden sich die Geister.“ Um den Stromverbrauch zu minimieren und eine unbeabsichtigte Aktivierung der Kamera zu verhindern wird der Eye-Start-Sensor normalerweise erst über den Griffsensor zugeschaltet; die Kamera kann über die Individualfunktion 7 bei Bedarf jedoch auch so konfiguriert werden, dass der Eye-Start-Sensor sofort aktiviert wird, sobald die Kamera über den Hauptschalter eingeschaltet wird. Wie fast alle Funktionen kann der Eye-Start mit einem Handgriff auch ganz abgeschaltet werden, beispielsweise wenn die Erkennung in Verbindung mit einer Sonnenbrille nicht zuverlässig funktioniert. Der Schiebeschalter lässt sich über die Individualfunktion 15 (s. o.) auch zu einer Verriegelung für die Einstellräder umwidmen.

Zur Vermeidung von Erschütterungen beim Auslösen besitzt der zweistufige Auslöser der Dynax 9 keinen harten Klickdruckpunkt, sondern lässt sich gegen einen leicht zunehmenden Widerstand fast gleichmäßig durchdrücken. Das Verhalten des Eye-Starts entspricht dabei logisch in etwa dem früheren dreistufigen Sensorauslöser der Minolta 9000 AF, mit dem durch unterschiedlich starken Druck zwischen den Betriebsarten AF-C und AF-S umgeschaltet werden konnte.

Ein möglicher Nachteil des mechanisch-taktilen Bedienkonzepts für weniger erfahrene Anwender kann darin gesehen werden, dass die Dynax 9 anders als viele andere moderne Kameras mit elektronisch-digitalem Bedienkonzept nicht über eine sogenannte „Paniktaste“ verfügt. Damit wird gewöhnlich die Kamera auf Knopfdruck in einen definierten Zustand, meist Vollautomatik mit Standardeinstellungen, zurückversetzt. Mechanische Kontrollelemente lassen sich naturgemäß nicht elektronisch zurücksetzen.

Die mechanischen Einstellungen lassen dafür zweifelsfrei die eingestellten Funktionen optisch und taktil erkennen. Die Beschriftung der Drehknöpfe für die Belichtungsautomatik und die Belichtungskorrektur ist bei der Dynax 9 mit Phosphoreszenzfarbe hintergelegt und leuchtet dadurch bei Dunkelheit grünlich nach; bei der Dynax 9Ti ist die Schalterposition stattdessen durch eine Reliefstruktur auf den Kappen ertastbar.

Ausstattung Die Dynax 9 richtet sich hinsichtlich ihrer Ausstattung an anspruchsvolle Fotografen, die eine hohe Funktionalität erwarten, und konkurriert in diesem Segment nur mit wenigen anderen Kameras.

mini|Dioptrienausgleichsrad und Okularverschluss am Sucher (hier mit rotem Indikator bei geschlossenem Okular und ohne Augenmuschel EC-9)

Der Vollformatsucher – einer der ganz wenigen 100-Prozent-Sucher bei AF-Spiegelreflexkameras überhaupt – bietet mit einer Vergrößerung von 0,73× ein sehr helles, klares und großes Sucherbild; er ist als High-Eyepoint-Sucher für einen Augenabstand von bis zu 22,1 mm ausgelegt, der sich auch von Brillenträgern noch recht gut überblicken lässt. In überarbeiteter Form findet sich eine solch aufwendige Konstruktion erst bei der Sony α900 wieder. Der Sucher kann mit einer Daumenbewegung mit einem eingebauten Okularverschluss abgedeckt werden und verfügt über einen einstellbaren Dioptrienausgleich (−3,0 bis +1,0 Dioptrien). Zusätzliche Augenkorrekturlinsen (für einen Gesamtkorrekturumfang von −5,6 bis +5,4 Dioptrien) lassen sich in den Okularrahmen einschnappen, darüber hinaus kann man die als Zubehör erhältliche klappbare 2,3× Sucherlupe und den rotierbaren Winkelsucher mit umschaltbarer Vergrößerung von 1,0× / 2,0× montieren. Sechs vom Benutzer selbst wechselbare Acute-Matte-Einstellscheiben werden unterstützt: 9 G (Standardscheibe mit sphärischen Mikrowaben), 9 L (mit Gitterlinien), 9 S (mit Fadenkreuz und Maßstabskalen), 9 M (körnigere Variante der G mit super-sphärischen Mikrowaben für die manuelle Fokussierung), 9 ML (Kombination aus M und L), (noch körnigere Sondermattscheibe).

In den Sucher werden nur die notwendigen Informationen eingeblendet (grün selbstleuchtend). Dies schafft zwar Übersicht, die Kamera muss jedoch gelegentlich auch vom Auge genommen werden, um spezielle Einstellungen im Datenmonitor zu kontrollieren.