Rheinzabern (in Pfälzer Mundart Rheinzawere gesprochen) ist eine Ortsgemeinde im südpfälzischen Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Jockgrim an, innerhalb derer sie gemessen an der Fläche die größte und gemessen an der Einwohnerzahl die zweitgrößte Ortsgemeinde darstellt. Rheinzabern ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Regionaldaten. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz.
Geographie Die Gemarkung Rheinzabern ist Teil des Naturraums Mühlhofen-Rheinzaberner Riedel.
Geographische Lage Die Gemeinde liegt zwischen Bienwald und der Rheinaue. Jockgrim befindet sich etwa zwei Kilometer in südöstlicher Richtung, im Nordosten liegt Neupotz etwa drei Kilometer entfernt. Der Ort Hatzenbühl liegt etwa zwei Kilometer im Westen, Rülzheim ist etwa fünf Kilometer entfernt in nördlicher Richtung erreichbar und Kandel liegt ungefähr sechs Kilometer entfernt im Südwesten.
Natur Der nördliche Ausläufer des Bienwalds erstreckt sich bis in die Gemeindegemarkung. Im Gemeindegebiet befinden sich zwei Naturdenkmale. Der östliche und südöstliche Bereich der Gemarkung ist Teil des überregionalen Landschaftsschutzgebiets „Pfälzische Rheinauen“, der Erlenbach ist Teil des FFH-Gebiets „Erlenbach und Klingbach“, das Gebiet innerhalb von Krautschemel- und Weißdorngraben umgeben ist Teil des FFH-Gebiets „Bienwaldschwemmfächer“ und des EU-Vogelschutzgebiets „Bienwald und Viehstrichwiesen“.
Gewässer mini|hochkant|Der Erlenbach innerhalb von Rheinzabern Durch den Ort fließt der Erlenbach, der sich in Leimersheim mit dem Otterbach zum Michelsbach vereinigt. Im Osten der Gemarkung befinden sich der Erlengraben, der in den Weißdorngraben mündet; letzterer fließt in den Wattbach, der jenseits der Gemeindegemarkung in den Otterbach mündet.
Geschichte Antike
Gegründet wurde der Ort unter dem Namen Tabernae als Raststätte an der römischen Fernstraße von Italien über Basel nach Mainz. Rheinzabern feierte im Jahr 2004 sein 1950-jähriges Jubiläum und ist damit die älteste Gemeinde in der Südpfalz. In römischer Zeit wurden hier vor allem Tonwaren hergestellt. Tabernae rhenanae galt als bedeutendste Töpfersiedlung des Römerreiches nördlich der Alpen. Besonders berühmt ist die Terra-Sigillata-Tonware, welche europaweit exportiert wurde. Noch heute kann man die antiken Brennöfen besichtigen. Römische Baukeramik wurde unter anderem für das Kastell Mogontiacum (Mainz) angefertigt. Interdisziplinäre Forschung ermöglichte die Lokalisierung von Ziegeln, die den Ziegelstempel der Legio XXII Primigenia tragen, für die Herstellungsprovenienz Rheinzabern.
Die zum Teil gut erhaltenen zahlreichen Fundstücke aus jener etwa 400 Jahre umfassenden römischen Herrschaftszeit sind vornehmlich im Historischen Museum der Pfalz in Speyer aufbewahrt.
Mittelalter Nach der Niederbrennung der römischen Siedlung durch Wandalen zu Beginn des fünften Jahrhunderts verliert sich die Geschichte Rheinzaberns, allerdings lassen verschiedene historische Zusammenhänge darauf schließen, dass hier im achten Jahrhundert ein Königshof entstanden war, in dem bereits zur Zeit der Merowinger eine Kirche bestand, die um das Jahr 746 als Schenkung des fränkischen Hausmeiers Karlmann an das Kloster Blidenfeld kam.
Im 12. Jahrhundert wurde der Ort als Zabern zum alten Erbe des Hochstifts Speyer gezählt, in dessen Besitz der Ort vermutlich durch eine Schenkung Kaiser Heinrichs IV. gekommen war. Bis zur Verlegung des Bischofssitzes nach Bruchsal im Jahr 1188 war die Burg in Zabern Sitz der Speyerer Fürstbischöfe. Im 14. Jahrhundert erhielt der Ort, zur Unterscheidung vom ursprünglich ebenfalls nur Zabern genannten Bergzabern seinen heutigen Namen Rheinzabern. 1366 wurde Rheinzabern als Stadt mit Geleit- und Zollrecht erwähnt. Hier blühten Handwerk und Handel sowie ein für das Umland bedeutendes Marktgeschehen. Rheinzabern zählte zum Oberamt Lauterburg und darin zur Amtskellerei Jockgrim.
Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden, rund ein Jahrhundert andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen hatte der Ort sehr zu leiden, bis 1750 waren sämtliche Stadtmauern geschleift. Gleichwohl brachten die Zerstörungen des Krieges auch eine nachfolgende Neubebauung der Stadtfläche mit sich: 1711 war die Kirche erneuert, 1718 war das Rathaus wieder errichtet, 1766 war die Kirche komplett umbaut. Das Wachstum während der Friedenszeiten im späten 18. Jahrhundert führte 1777/78 zu einer signifikanten Erweiterung der Kirche.
Im Zuge der französischen Revolution kam Rheinzabern 1789 zu Frankreich und gehörte später zum Arrondissement Weißenburg im Département Niederrhein und war dort in den Kanton Kandel eingegliedert. In den nachfolgenden Jahren hatte Rheinzabern erneut unter kriegerischen Auseinandersetzungen und Truppendurchzügen zu leiden. Nach der napoleonischen Epoche von 1815 bis 1816 befand sich der Ort unter die Verwaltung der kaiserlich-österreichischen Administration in Landau, am 16. Mai 1816 kam er dann zum Rheinkreis des Königreiches Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte er dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor.
Seit 1939 ist Rheinzabern Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des 1946 neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 der neu gebildeten Verbandsgemeinde Jockgrim zugeschlagen.
Wohnplätze Zu Rheinzabern gehören zusätzlich die Wohnplätze An der alten Neupotzer Straße, Bahnhaus an der Tongrube, Heulachhof, Rinkenhof, Wanzheimer Mühle und Zirkershof.
mini|192px|Wanzenheimer Mühle (2025) Wanzheimer Mühle Der Name geht auf die abgegangene Siedlung Wanzenheim (auch: Wanzheim und andere Formen) zurück, die wie viele Dörfer in der Umgebung im Zuge der fränkischen Landnahme im 6. Jahrhundert gegründet wurde. Zentral war ein Hof, der zeitweise eine Grangie des Zisterzienserordens war.Albert Schwarz: Wüstungen im Landkreis Germersheim, in: Schriftenreihe zur Geschichte des Landkreises Germersheim, Band 2
Spätestens 1430 wird auch eine Mühle erwähnt, die heute das letzte Zeugnis des Ortes ist, wobei das im Bild zu sehende Hauptgebäude laut Inschrift 1840 erbaut wurde. Die Mühle ist ein historisches Gebäude in Rheinzabern und Teil der Ortsgeschichte. Die Wanzheimer Mühle war eine durch den Erlenbach angetriebene Wassermühle, die früher zur Getreideverarbeitung genutzt wurde. Sie ist ein Zeugnis der landwirtschaftlichen Vergangenheit des Ortes.
Der Mühlbetrieb wurde 1973 eingestellt, seitdem wird auf dem zu Rheinzabern zugehörigen Wohnplatz aus wirtschaftlicher Sicht ausschließlich Pferdehaltung betrieben.
Einwohnerstatistik mini|Katholische Kirche Sankt Michael (2025) mini|Evangelisches Paul-Fagius-Gemeindezentrum (2025) Durch seine Zugehörigkeit zum Hochstift Speyer blieb Rheinzabern auch zur Zeit der Reformation katholisch. Dadurch ist der Ort bis heute überwiegend katholisch geprägt.
Konfessionsstatistik Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1977 Einwohnern 1960 katholisch (99 %) und 17 evangelisch (1 %). Mit Stand 30. Juni 2005 waren von den Einwohnern 65,9 % katholisch, 16,4 % evangelisch 17,7 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.[65,9 % katholisch Gemeindestatistik Rheinzabern] Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Derzeit (Stand 28. Februar 2025) liegt der Anteil der katholischen Bürger bei 40,9 %, der evangelischen bei 13,6 % und der Sonstigen bei 45,5 %.Gemeindestatistik Rheinzabern. statistik.ewois.de; abgerufen am 24. März 2025.
Politik
Gemeinderat Der Gemeinderat in Rheinzabern besteht aus 22 Ratsmitgliedern (bis zur Wahl 2019 aus 20, die Erhöhung erfolgte nach Kommunalwahlrecht durch die gestiegene Einwohnerzahl), die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU GRÜNE FDP Gesamt 2024 4 10 4 4 22 Sitze 2019 6 9 3 4 22 Sitze 2014 6 9 3 2 20 Sitze 2009 6 8 3 3 20 Sitze 2004 5 9 3 3 20 Sitze
Bürgermeister Sabrina Welker (Einzelbewerberin) wurde am 9. Juli 2024 Ortsbürgermeisterin von Rheinzabern. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war sie als einzige Bewerberin mit 66,7 % Ja-Stimmen gewählt worden.
Welkers Vorgängerin Alexandra Hirsch hatte das Amt am 27. Oktober 2020 übernommen. Bei der Direktwahl am 25. Oktober 2020 war sie mit einem Stimmenanteil von 67,1 % gewählt worden. Ihr Vorgänger Gerhard Beil war am 17. Januar 2020 verstorben. Eine Neuwahl war ursprünglich für den 26. April 2020 vorgesehen, musste jedoch wegen der COVID-19-Pandemie verschoben werden. In der Übergangszeit führte der Erste Beigeordnete Roland Milz die Amtsgeschäfte.
Bürgermeister Amtszeit Name Partei 1952–1994 Walter Schellenberger FDP 1994–2020 Gerhard Beil CDU 2020–2024 Alexandra Hirsch parteilos seit 2024 Sabrina Welker SPDEine neue Frau an Spitze der Gemeinde Die Rheinpfalz, Germersheimer Rundschau, 11. Juli 2024, abgerufen am 11. Juli 2024.Kommunalwahl: Diese Kandidaten wollen Bürgermeister werden Die Rheinpfalz, Germersheimer Rundschau, 26. April 2024, abgerufen am 11. Juli 2024.
Wappen
Partnerschaften Mit den fünf französischen Gemeinden Chalmoux, Cronat, Mont, Saint-Aubin-sur-Loire und Vitry-sur-Loire (Communauté de communes entre Somme et Loire) in Burgund wird eine Partnerschaft gepflegt.Gerhard Beil: In: rheinzabern.com, abgerufen am 9. März 2019.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Denkmalgeschützter Ortskern mit Gemeindekirche Sankt Michael (2017) Kulturdenkmäler Der historische Ortskern mit stattlichen Fachwerkhäusern aus dem 18. Jahrhundert ist als Denkmalzone ausgewiesen. Hinzu kommen zahlreiche Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen.
Sonstige Bauwerke Terra-Sigillata-Museum mini|Terra Sigillata-Museum (2025) Seit 1977 existiert das Terra-Sigillata-Museum.terra-sigillata-museum.de Es befindet sich im ehemaligen Schulhaus (Hauptstraße 35) und zeigt Originalfunde sowie Nachbildungen der römischen Keramikproduktion. Die Ausstellung ist in vier Themenräume gegliedert: Zeit und Raum – Chronik in Ton, Lebenswelten im Vicus, Herstellung im Manufakturbetrieb sowie Töpfermarkt und Handel. Ergänzt wird die Sammlung durch zwei rekonstruierte Brennöfen im Außenbereich (Faustinastraße).Offizielle Website des Terra-Sigillata-Museums Rheinzabern. Abgerufen am 25. Juli 2025.
Das Museum bietet museumspädagogische Programme, Führungen und römische Kulinarik im Rahmen von Sonderveranstaltungen. Im Juli 2023 wurde es vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration zum „Museum des Monats“ ernannt.Pressemitteilung des Ministeriums, Juli 2023
Regelmäßige Veranstaltungen Zu den regional bekannten jährlichen Veranstaltungen in Rheinzabern zählen das Frühlingsfest mit Oldtimer-Treffen, der „Rheinzammer Markt“ am 4. Wochenende im August und der Anneresl-Markt am ersten Advent.
Tourismus Am südwestlichen Siedlungsrand befindet sich die vom Pfälzerwald-Verein betriebene Bauernwaldhütte. Ein historischer Rundweg führt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Durch die Gemeinde führt außerdem der zu den sogenannten Saar-Rhein Wanderwegen zählende Weg mit der Kennzeichnung Schwarzer Punkt auf weißem Balken. Weiter beginnt, bzw. endet hier der über 170 km lange grenzüberschreitende „Zabernweg/Le Tres Tabernae“ (mit der Kennzeichnung „Rote Raute“), der die drei Zabern-Orte Rheinzabern, Bad Bergzabern und Saverne im Elsass verbindet.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft