mini|Setzfeldsee Neupotz ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Jockgrim an, innerhalb derer sie gemessen an der Einwohnerzahl die kleinste Ortsgemeinde darstellt.
Geographie Lage Die Gemeinde liegt etwa zwei Kilometer westlich des Rheins an einer der vielen Mäander, die bereits vor der Tulla’sche Rheinbegradigung zum Altrhein geworden waren. Teile des Richtung Rhein gelegenen Waldes sind sogenannter Auwald, der häufig unter Wasser steht. Zu Neupotz gehören die Wohnplätze Birkenhof, Burgerhof, Erlenhof, Hardtwald, Jägerhof und Schmiedhof.
Gewässer Durch die Gemarkung Neupotz fließen im Norden der Erlenbach und im Süden der Otterbach. Am beziehungsweise nahe dem Altrhein befinden sich mehrere Stillgewässer, unter anderem der Setzfeldsee und der Obere Flätigsee. Zudem existiert der Altrhein bei Neupotz.
Geschichte Erwähnung 1535 wurde durch den Bruch eines Dammes bei Jockgrim die Gestade des alten Fischerdorfes Pfotz weggerissen. Daraufhin bauten die Einwohner von Pfotz an der westlichen Gemarkungsgrenze ein neues Dorf mit dem Namen Neupfotz. Der Name Pfotz kommt von . Er gelangte früh zu den Germanen und ergibt . Dieses Wort lebt noch in Moselfränkische Dialekten Pütz, Pitz, Pötz, Petz, was wiederum Wörter für Ziehbrunnen oder Tiefbrunnen sind. Es wird vermutet, dass sich der namensgebende Tiefbrunnen in der Töpfersiedlung am Burgberg befand, wenngleich es dort noch keinen entsprechenden archäologischen Fund gab. Nach der Umsiedlung behielt das Dorf seinen alten Namen noch lange Zeit. Erst ab 1720 wurde es Neupfotz genannt.
Bis 1985 galt eine Urkunde aus dem Jahre 1270 als ältester schriftlicher Nachweis des alten Dorfes. Dabei handelt es sich um einen Verkaufsakt zwischen den Fleckensteinern und dem Kloster Hördt. Im Zuge der Arbeiten am Neupotzer Heimatbuch wurde der Heimatforscher Alfred Bolz jedoch auf zwei ältere Urkunden aufmerksam gemacht. Die Erste stammt aus dem Jahr 1234 und enthält die Übertragung sämtlicher Lehen in Rülzheim und Pfotz durch König Heinrich (VII.) an den Deutschorden. Dort ist vom Dorf Phoze die Rede. Eine weitere Urkunde aus dem Jahr 1020 erwähnt den Ort Puzeru marcha. Hier erhält Bischof Walther von Speyer ein Gut, mit allen Nutzungen und Zubehör an Wiesen, Wassern, Wäldern und Fischgründen. Ob mit der Bezeichnung „Puzeru marcha“ die Potzer Gemarkung gemeint ist, ist in der Forschung umstritten. Sicher ist jedoch, dass der Name des Dorfes im Laufe der Jahrhunderte auf ähnliche Weise geschrieben wurde. So nennt Ernst Christmann in Siedlungsnamen der Pfalz unter anderem die Form Puzze oder Puce, von Puteus stammend. Auch wird in einer Urkunde des Klosters Hördt, aus dem Jahr 1299, ein Heinrich Phuzelmann von Phuz erwähnt. Unstrittig ist, das in der Urkunde von 1020 beschriebene Gut muss im Herrschaftsbereich des Bischofs von Speyer gelegen haben und die geschilderten natürlichen Gegebenheiten treffen auf die damalige pfotzer Gemarkung zu.
Hortfund
Bei Neupotz wurden die ältesten Hufeisen in Deutschland gefunden. Sie werden auf 294 nach Christus datiert und sind neben Küchengeräten, Feilen und anderen Gerätschaften Teil der Beute aus einer römischen Villa, die insgesamt als größter Hortfund der im dritten Jahrhundert über den Rhein dringenden Germanen gilt. Die Stücke werden in der Wanderausstellung Der Barbarenschatz gezeigt. Die Ausstellung war unter anderem in Speyer, Augsburg, Luxemburg und Bonn zu Gast.
Neuzeit Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war „Neupfotz“ in den Kanton Germersheim eingegliedert und unterstand der Mairie Leimersheim. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte die Gemeinde wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte Neu-Pfotz – so die damalige Schreibweise – dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor.
Am 7. Februar 1935 wurde der Ortsname von „Neupfotz“ in „Neupotz“ geändert. Seit 1939 ist der Ort Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gemeinde innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Neupotz 1972 in die neu geschaffene Verbandsgemeinde Jockgrim eingegliedert. Von 1975 bis 1987 war die Ortsgemeinde als Standort für ein Kernkraftwerk mit zwei Blöcken zu je 1300 MW vorgesehen. Diese Pläne wurden nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl im Jahr 1986 endgültig verworfen.
Ende 2006 trat ein Investor vor den Gemeinderat, der auf dem Setzfeldsee ein Schwimmendes Feriendorf mit 66 schwimmenden Häusern errichten wollte. Außerdem plante er einen öffentlichen Badestrand zu errichten und die laufenden Kosten zu tragen. Über das Thema wurde im Dorf sehr viel diskutiert, es war oft Thema in der Regionalzeitung Die Rheinpfalz und am 23. Januar 2008 Thema in der SWR-Sendung Reiss und Leute. Laut einer im Auftrag des Gemeinderates von Forsa durchgeführten repräsentativen Umfrage unter Neupotzern waren 54 Prozent der Bürger gegen das Feriendorf, nur 34 Prozent dafür. Am 12. Februar 2008 berichtete Die Rheinpfalz, dass der Investor seine Pläne für Neupotz verworfen habe.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Neupotz Jahr Einwohner Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XXVII des Anhangs 1802 515 1815 961 1835 1.164 1849 1.272 1861 1.181 Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65 1871 1.130 1905 1.216 1939 1.350 Jahr Einwohner 1950 1.311 1965 1.405 1970 1.517 1975 1.513 1980 1.558 1985 1.516 1990 1.558 1995 1.665 Jahr Einwohner 2000 1.668 2005 1.814 2010 1.849 2013 1.879 2014 1.916 2023 1.882
Konfessionsstatistik Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1130 Einwohnern 1127 katholisch, zwei protestantisch und eine Person evangelisch-reformierten Glaubens. 2012 waren 71,8 % der Einwohner katholisch und 11,4 % evangelisch. Die übrigen 16,8 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Ewois, Stand: 31. Dezember 2012 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Mit Stand Juli 2025 waren von den Einwohnern 49,2 % katholisch, 10,7 % evangelisch und 40,1 % konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik, abgerufen am 17. August 2025
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Neupotz besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG WGG Gesamt 2024 2 7 7 – 16 Sitze 2019 3 7 6 – 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: 2014 2 7 3 4 16 Sitze 2009 3 6 3 4 16 Sitze 2004 2 10 4 – 16 Sitze
Bürgermeister Stefan Gehrlein (parteilos) wurde am 10. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Neupotz. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 63,7 % gegen einen Mitbewerber durchgesetzt.
Amtszeit Name Partei 1933–1945 Josef Loy 1945–1952 Ludwig Trapp CDU 1952–1964 Georg Albert Antoni CDU 1964–1979 Karl August Röther 1979–1994 Konrad Wünschel CDU 1994–2004 Wilhelm Hammer CDU 2004–2014 Emil Heid CDU 2014–2024 Roland Bellaire CDU seit 2024 Stefan Gehrlein
Gemeindeverwaltung Die Gemeinde verfügt noch über eine funktionsfähige Ortsrufanlage. Über sie werden amtliche und nicht-amtliche Mitteilungen bekannt gemacht. Die Durchsagen werden meist zur Mittagszeit oder auch in den frühen Abendstunden gemacht. Die Lautsprecher erreichen weite Teile des Ortes. In den Neubaugebieten des Ortsteils Hardtwald und Teilen des Altorts, hier vor allem in der Tullastraße, sind keine Lautsprecher installiert. Im Frühjahr 2020 übertrug die katholische Kirchengemeinde während der Corona-Pandemie sogenannte „Seelenhäppchen“ über die Ortsrufanlage. Während der Schulschließungen wurden auch ein Programm für Kinder übertragen.
Wappen
Sehenswürdigkeiten und Kultur Kulturdenkmäler mini|Die Ortsmitte in Neupotz mit der Kirche St. Bartholomäus Das Straßenensemble Hauptstraße und Kirchstraße sowie die Hofanlage Kirchstraße 2 sind jeweils als Denkmalzonen ausgewiesen. Hinzu kommen insgesamt zwölf Einzelobjekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter das Rathaus, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist.
Natur Einziges Naturdenkmal vor Ort sind die Neupotzer Mutterpappeln. Die Gemeindegemarkung ist auch Teil des überregionalen Landschaftsschutzgebiets „Pfälzische Rheinauen“.
Gemeindebücherei Die Ortsgemeinde unterhält eine Bücherei mit über 3.000 Medieneinheiten, darunter Bücher, Hörbücher und Filme. Die Einrichtung ist an sechs Stunden pro Woche geöffnet. Das Angebot richtet sich überwiegend an Kinder.
Regelmäßige Veranstaltungen Jährlich zum 1. Mai veranstaltet der Gesangverein Frohsinn an der Grillhütte ein Fest. Kurz darauf veranstaltet der Musikverein Seerose das Vatertagsfest. Die Freiwillige Feuerwehr lädt im Juni zum Johannis-Feuer ein.
Immer am dritten Wochenende des Septembers findet die Kerwe auf dem Bartholomäus-Platz statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr
mini|Feldweg auf der Gemarkung von Neupotz
Mitten durch Neupotz verläuft die Landesstraße 549. Zudem ist die Gemeinde durch die Buslinie 552, die eine Verbindung nach Rheinzabern und Landau in der Pfalz schafft, an das Nahverkehrsnetz angebunden.
Institutionen Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Kandel.
Polder Teile der Gemarkung werden vom Polder Wörth/Jockgrim genutzt, einer zwischen 2005 und 2013 erbauten Hochwasserrückhaltung am Oberrhein. Gegen den Polderbau hatte sich in den 1990er Jahren die Bürgerinitiative „Kein Polder Neupotz“ gebildet. Nach Planänderungen stimmte die Gemeinde dem Bau zu. Als „akzeptanz bildende Maßnahme“ finanzierte das Land das Haus Leben am Strom, ein Informationszentrum zu den Rheinauen und zum Hochwasserschutz in der Ortsmitte von Neupotz. bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd. Stand Mai 2013 (PDF, 3,3 MB).
Römerschiff Seit 2013 verkehrt auf dem Setzfeldsee der Nachbau eines römischen Patrouillenbootes, die Lusoria Rhenana.
Tourismus Vor Ort befindet sich die 1984 eingeweihte und vom Pfälzerwald-Verein betriebene Willi-Schwab-Schutzhütte.
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1966, 29. Mai: Nikolaus Josef Angermaier (* 9. Februar 1900; † 19. August 1981), geistlicher RatRainer Baumgärtner: Die Ehrenbürger im Landkreis Germersheim, Hekma-Verlag Maikammer 2018. 1985, 9. November: Alfred Boltz (* 21. März 1920; † 28. März 1987), Rektor
Söhne und Töchter der Gemeinde Walter Heid (1925–2003), Politiker (CDU)
Mit der Gemeinde verbunden Florian Bellaire (* 1985), Politiker (CDU), Mitglied des Ortsgemeinderats von Neupotz
Literatur
Weblinks
Internetpräsenz der Ortsgemeinde Neupotz Tourismus- und Freizeitseite
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Germersheim Kategorie:Ersterwähnung 1270 Kategorie:Pfälzische Rheinauen