Ottersheim bei Landau ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Bellheim an.
Geographie Lage Der Ort liegt zwischen Germersheim und Landau in der Pfalz südlich der Queich. Zu Ottersheim gehören zusätzlich die Wohnplätze Eichenhof, Gärtnerhof, Marienhof und Rosenhof.
Gewässer Ganz im Norden der Gemarkung verläuft die Queich. Im Nordosten zweigt von ihr der Siegelbach ab. Mitten durch das Siedlungsgebiet führt der Brühlgraben.
Geschichte Frühgeschichte und Mittelalter In der Ottersheimer Gemarkung wurden ein Steinbeil aus der jüngeren Steinzeit und verschiedene Gegenstände aus der Römerzeit gefunden. Der heutige Ort Ottersheim wurde während der Fränkischen Landnahme um das Jahr 500 gegründet, als dem Krieger Udomar und seiner Sippe das heutige Gemarkungsgebiet zugeteilt worden sein soll. Der Ort wurde nach heutiger Kenntnis erstmals 768 im Lorscher Codex als Udomarsheimer marca (Ottersheimer Gemarkung) urkundlich erwähnt. Über Hudamareshaim, Hoteresheim, Othersheim hat sich dann bis zum Jahre 1318 der bis heute gültige Name gebildet.
Neuzeit Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Kurpfalz und unterstand dort dem Oberamt Germersheim.
Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Ottersheim bis 1814 in den Kanton Germersheim eingegliedert. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen und kehrte in den Kanton Germersheim zurück. Bereits ein Jahr später wechselte Ottersheim wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor.
Seit 1939 ist der Ort Bestandteil des Landkreises Germersheim.
In der Zeit der Weimarer Republik schlug sich die katholische Prägung des Ortes in den Reichstagswahlen nieder, bei denen stets das Zentrum bzw. die Bayerische Volkspartei als Schwesterpartei die Mehrheit hatte. Bei den letzten in Wahlvorgang und Auszählung freien Wahlen im März 1933 nach der Machtergreifung Adolf Hitlers hatte die NSDAP einen vergleichsweise geringen Stimmenanteil von 28,7 % (Wahlkreis Pfalz: 46,5 %, Deutsches Reich: 43,9 %).
79 Ottersheimer Männer starben als Soldaten im Zweiten Weltkrieg. Das Dorf selbst überstand den Krieg weitestgehend unbeschadet: Es gab keinen Bombenangriff auf den Ort.
Nach dem Krieg wurde Ottersheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 in die neu geschaffene Verbandsgemeinde Bellheim eingegliedert.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung Wenn nicht gesondert aufgeführt, ist die Quelle der Daten das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz.
Jahr Einwohner 1802 644 1815 927 1835 986 1849 1068 1861 974 1871 975 1905 1029 Jahr Einwohner 1939 1177 1950 1240 1965 1273 1970 1351 1975 1370 1980 1406 1985 1488 Jahr Einwohner 1990 1613 1995 1784 2000 1851 2005 1848 2010 1809 2013 1839 2015 1844
Religion
mini|Kapelle in Ottersheim
1618 bis 1619 wurde die Kirche St. Martin an der Stelle eines baufälligen Gotteshauses errichtet. Zur Zeit ihres Baus waren die Dorfbewohner protestantisch, was sich aber 1626 nach dem Erlangen der Kurwürde durch Maximilian von Bayern im Dreißigjährigen Krieg und 1650 mit der angeordneten Wiederherstellung der alten kirchlichen Verhältnisse als Bestandteil des Westfälischen Friedens jeweils änderte. Nach der Besetzung der Orte südlich der Queich durch Ludwig XIV. 1680 nahmen die Ottersheimer allmählich wieder den katholischen Glauben an und die Kirche wurde 1697 ausschließlich und endgültig den Katholiken zugesprochen.
Im Jahr 2012 gehörten 68,2 Prozent der Einwohner der katholischen Kirchen und 18,7 Prozent einer evangelischen Kirche an.Ewois, Stand: 31. Dezember 2012 Im Jahr 1871 waren von den 975 Einwohnern 804 als katholisch (82 Prozent), 169 als evangelisch (17 Prozent) und zwei als jüdisch registriert.
Politik mini|hochkant|Rathaus vor der katholischen Pfarrkirche St. Martin
Gemeinderat Der Gemeinderat in Ottersheim besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU WG Kreiner WGJob Gesamt 2024 1 3 5 7 16 Sitze 2019 2 2 5 7 16 Sitze 2014 2 6 8 – 16 Sitze 2009 2 5 9 – 16 Sitze 2004 2 7 7 – 16 Sitze
Ortsbürgermeister Amtszeit Name Partei 1974–1979 Hugo Müller CDU 1979–2004 Helmut Stadel FWG seit 2004 Gerald Job WG Job Gerald Job wurde bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 mit einem Stimmenanteil von 72,7 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Wappen Banner, Wappen und Hissflagge 63px 100px 100px
Kultur und Sehenswürdigkeiten
mini|Denkmalgeschütztes Ottersheimer Teilungswehr
Kulturdenkmäler In Ottersheim gibt es 16 Objekte, die unter Denkmalschutz stehen, darunter das Ottersheimer Teilungswehr. Das ist eine 1772 aus schweren Steinquadern angelegte Stauanlage zur geregelten Ableitung von Wasser der Queich in den künstlich angelegten Spiegelbach.Die Pfalz. Abgerufen am 17. April 2026.
Medien Die Gemeinde Ottersheim hat im Jahr 2011 sowohl den Kreis-, Gebiets- und den Landesentscheid beim Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft gewonnen und ist damit der rheinland-pfälzische Landessieger 2011.
Die Lange Straße in Ottersheim, ein wesentlicher Bestandteil des Ortskerns, wurde 2014 in der Reihe „Hierzuland“ im SWR-Fernsehen porträtiert. IN: Hierzuland – Landesschau Rheinland-Pfalz. SWR Fernsehen, 17. Januar 2014, abgerufen am 5. März 2023.
Veranstaltungen
Der 2013 letztmals durchgeführte Ottersheimer Faschingsumzug galt zuletzt als der größte in der Südpfalz. Am 17. und 18. Mai 2008 fand die 28. Deutsche Meisterschaft Doublette im Pétanque in der Gemeinde statt.
Wiesenbewässerung Jahrhunderte wurden entlang der Queich die Wiesen bewässert. In den 1970er und 1980er Jahren ging diese traditionelle Bewässerung durch die geringere Bedeutung für die Landwirtschaft im Einzugsgebiet der Queich zunehmend verloren. Lediglich die Gemeinden Ottersheim und Offenbach hielten an der traditionellen Bewässerung fest. Im Jahr 1996 fanden sich Landwirte, Naturschützer und Kommunen in der IG Queichwiesen mit dem Ziel zusammen, die Wiesenbewässerung zu erhalten und zu reaktivieren. Die Gemeinde Ottersheim übernahm die Federführung. Zwischenzeitlich werden wieder 450 Hektar Wiesen bewässert. Seit 2018 ist die „Wiesenbewässerung in den Queichwiesen zwischen Landau und Germersheim“ in Deutschland als Immaterielles Kulturerbe anerkannt. Und als Folge einer gemeinsamen Bewerbung mit ähnlichen Initiativen in sieben europäischen Staaten hat die UNESCO im Dezember 2023 die „Traditionelle Bewässerung in Europa“ zum „Immateriellen Kulturerbe der Menschheit“ erklärt.Immaterielles Kulturerbe, IG Queichwiesen, abgerufen am 22. Dezember 2023Bewerbungsvideo: Traditional irrigation: knowledge, technique, and organization, unesco.org, 2023Wiesenbewässerung in der Pfalz, Stadtanzeiger Landau (Christine Schulz), 6. Dezember 2023
Wirtschaft und Infrastruktur
mini|Weinlese in Ottersheim im Jahr 1990
Wirtschaft In Ottersheim wird Weinbau betrieben und ist als solcher Teil des Weinanbaugebiets Pfalz. Der Wein wird in der Einzellage Kahlenberg angebaut.Ottersheimer Kahlenberg - Eintrag auf Weinlagen-Info.de, abgerufen am 30. März 2024. Sie gehört zur Großlage Trappenberg im Bereich Südliche Weinstraße. (PDF, 0,7 MB) Seit 1996 ist in Ottersheim die Brauerei Ottersheimer Bärenbräu ansässig.
Verkehr Durch den Ort führt die Landesstraße 509, die von Landau in der Pfalz im Westen bis zur Bundesstraße 9 verläuft. Anschluss an die Bundesstraße 9, die von Karlsruhe nach Speyer führt, besteht im Osten der Gemeinde bei Bellheim. Im Westen besteht bei Landau in der Pfalz Anschluss an die Bundesautobahn 65, die von Karlsruhe über Neustadt an der Weinstraße nach Ludwigshafen am Rhein führt. Ottersheim gehört zum Verkehrsverbund Rhein-Neckar und wird von den Buslinien 550, 559 und 552 bedient. Die nächsten Bahnhöfe für den Regionalverkehr sind Bellheim (Linie Germersheim-Karlsruhe), Germersheim (Richtung Karlsruhe, Ludwigshafen/Mannheim/Heidelberg und Bruchsal) und Landau in der Pfalz (Richtung Karlsruhe, Neustadt an der Weinstraße inklusive Anschluss nach Kaiserslautern und Ludwigshafen/Mannheim oder Pirmasens). Die nächsten Fernverkehrsbahnhöfe sind Neustadt an der Weinstraße, Karlsruhe und Mannheim.
Behörden Die Gemeinde gehört zum Zuständigkeitsbereich des Amtsgerichts Germersheim.
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1968: Friedrich Steegmüller (* 13. März 1910, † 30. Dezember 2002), Leitender Regierungsdirektor, OrtschronistRainer Baumgärtner: Die Ehrenbürger im Landkreis Germersheim, Hekma-Verlag Maikammer 2018. 2004, 31. August: Berthold Feldmann (* 15. Dezember 1932), Schulleiter
In Ottersheim bei Landau geboren Jakob Haury (1862–1942), Gymnasiallehrer und Altphilologe Otto Eichenlaub (1898–1954), Politiker (CDU)
Personen, die mit Ottersheim verbunden sind Franz Christoph Günther (1770–1848), katholischer Priester, Dompfarrer und Domkapitular in Speyer, leitete von 1809 bis 1814 die örtliche Pfarrei Wilhelm Metz (1828–1888), Zeichenlehrer, Komponist, Organist und Orgelsachverständiger, erstellte ein Gutachten über die Orgel in der katholischen Kirche
Literatur Fritz Steegmüller: Ottersheim. Im Landkreis Germersheim. Ein Heimatbuch zur 1200–Jahrfeier des Dorfes im Jahre 1968. Kraemer, Landau 1968. Online. Fritz Steegmüller: Ottersheim by Landau – A Home Town History. übersetzt von Stephen Hank, Amazon Leipzig, 2013, ISBN 1-4793-7428-8 Berthold Feldmann: Daheim in Ottersheim – Geschichte & Geschichten. Odenwald, Bellheim 2000, ISBN 3-929893-10-X.
Weblinks
Ortsgemeinde Ottersheim bei Landau auf den Seiten der Verbandsgemeinde Pirmasens-Land
Einzelnachweise Beamtenverzeichniß und Statistik des Königlich Bayerischen Regierungs-Bezirkes der Pfalz, 1863, S. XXXI des Anhangs. Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 65.
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