Priestermangel bzw. Pfarrermangel bedeutet, dass es nicht ausreichenden Priester oder Pfarrer für die geistlichen und seelsorgerlichen Bedürfnissen eines Gebiets gibt.
Situation in der römisch-katholischen Kirche Die Priesterzahl in der römisch-katholischen Kirche ist in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts absolut gesunken, von 2000 bis 2017 stieg sie leicht an. 1978 gab es noch 416.329 Priester, 2001 waren es nach Angaben der Kongregation für den Klerus weltweit 405.067 Diözesanpriester und Ordenspriester, im Jahr 2017 nach dem päpstlichen Jahrbuch 414.582. Bis zum Jahr 2023 sank diese Zahl auf 406.996. Daten für 2022 von fides Gleichzeitig stieg die Zahl der ständigen Diakone bis 2023 auf 51.433.
Eine aussagekräftigere Kennzahl zur Beurteilung der Pastoralversorgung ist die Anzahl der von einem Priester betreuten Gemeindemitglieder. Weltweit verdoppelte sich die Zahl der Katholiken pro Priester im Zeitraum 1969 bis 2008 von 1.428 auf 2.849 und stieg bis 2022 weiter auf 3.408.https://www.fides.org/de/stats/64944-VATIKAN_STATISTIKEN_DER_KATHOLISCHEN_KIRCHE_2018 Die Situation ist je nach Kontinenten sehr unterschiedlich: In Europa sinkt die absolute Priesterzahl deutlich, liegt jedoch relativ mit einem Priester pro 1.812 Katholiken im Weltvergleich noch am höchsten. In Asien liegt das Verhältnis bei 1:2.111, in Afrika bei 1:5.077 und in Amerika bei 1:5.592. Dabei wird nicht zwischen aktiven und Priestern im Ruhestand unterschieden.Überraschende Lichtblicke, domradio 14. Juni 2018Kongregation für den Klerus: Klerus – Gesamtzahl (französisch), aufgerufen am 13. April 2007Zahl der Katholiken weltweit steigt aufgerufen am 10. Oktober 2008
Situation in einzelnen Ländern Deutschland In Deutschland blieb die Zahl der Priester im Laufe des 19. Jahrhunderts in etwa konstant, in einiger Bistümern nahm sie leicht zu. Allerdings sank die Zahl der Priester bezogen auf die schnell ansteigende Zahl der Katholiken. So gab es 1830 im Erzbistum München und Freising 1094 Diözesanpriester und rund 450.000 Katholiken, um 1900 waren es etwa ebenso viele Diözesanpriester (1100), doch die Zahl der Katholiken hatte sich fast verdoppelt (auf rund 950.000).Wilhelm Damberg: Das Konzil ist nicht an allem Schuld. In: Katholische Nachrichten-Agentur (KNA), 26. September 2012. In dieser Zeit kam die Diskussion über den „Priestermangel“ und dessen Ursachen auf.Anton Erdinger: Mittel zur Abhilfe des Priestermangels. In: Theologisch-praktische Quartalschrift, Jg. 29 (1876), S. 462–467.
Im Zeitraum 1990–2025 sank die Zahl der Priester von 19.707 auf 11.083Kirchenstatistik 2023Kirchenstatistik 2022Kirchenstatistik 2020Kirchenstatistik 2019Eckdaten des kirchlichen Lebens 2017 aufgerufen am 27. Juli 2018Deutsche Bischofskonferenz: Flyer Eckdaten Kirchenstatistik 2016Zahlen und Fakten 2013/14 (PDF; 4,9 MB), aufgerufen am 30. Juli 2014 (PDF), aufgerufen am 20. Juli 2015 Davon waren 7.249 im aktiven Dienst und 5.673 in der Pfarrseelsorge eingesetzt.Zahlen und Fakten 2015/16 (PDF; 5,7 MB), aufgerufen am 10. August 2016
Die Zahl der Katholiken pro Priester in Deutschland stieg im Zeitraum 1969 bis 2025 von 992 auf 1.750. Die Zahl der Katholiken pro aktivem Pfarrseelsorger liegt bei 3500. Die Zahl der Neupriester, die in den Priesterseminaren der 27 deutschen Bistümer ausgebildet worden sind, ging in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zurück und liegt seit 2008 unter 100 pro Jahr. Jahr 1962 1970 1980 1990 2000 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Priester 26.089 25.063 19.707 17.129 15.527 15.367 15.136 14.847 14.636 14.490 14.404 14.087 13.856 13.560 13.285 12.983 12.565 12.280 11.987 11.702 11.417 11083 Neupriester (PDF; 32 kB), aufgerufen am 7. Oktober 2013Priesterweihen 1962–2018 ohne Orden 557 303 211 295 154 93 99 81 86 76 98 75 58 77 74 60 55 56 48 33 35 29 26
Österreich In Österreich sank die Priesterzahl von 6.238 im Jahre 1961 über 4.478 im Jahre 2001Kongregation für den Klerus: Priester – Zahlen für die einzelnen Kontinente und Nationen (französisch), aufgerufen am 13. April 2007 und 3.944 im Jahre 2015 auf 3.320 im Jahr 2023.Online-Portal der katholischen Kirch in Österreich, aufgerufen am 10. November 2013Kirchenstatistik Die Zahl der Mitglieder pro Priester stieg von 980 (1961) über 1.343 (2001) auf 1.397 (2023). Der Rückgang der Priesterzahlen in Österreich führte 2011 zu dem Entschluss der österreichischen Bistümer, Priesterseminare zusammenzulegen.Die Presse:Diözesen legen Priesterausbildung zusammen Die Priesterseminare werden in Österreich folgendermaßen zusammengelegt: St. Pölten, Eisenstadt (Burgenland) und Wien: Hauptstandort in Wien Linz, Innsbruck und Feldkirch: Hauptstandort in Innsbruck Salzburg (vorerst eigenständig für sich) Graz und Klagenfurt. 2018 gab es in Österreich 17 Priesterweihen, 2015 waren es 22. Beispielhaft zeigt die Pfarrer-Initiative die Überalterung in der Diözese Innsbruck auf: 2011 war das Durchschnittsalter der aktiven Priester 63 Jahre. Im Dekanat Lienz mit 19 Pfarren und 5 Seelsorgestellen sind von 17 aktiven Priestern vier unter 60 Jahren, sieben unter 75 Jahren und sechs 75 Jahre und älter.Dekan Franz Neuner, Dekan Bernhard Kranebitter: Statistisches: pfarrerinitiative-dioezese-innsbruck.blogspot.com, 6. November 2011
Schweiz In der Schweiz sank (1961–2001) die Priesterzahl von 4.492 auf 3.091. Die Zahl der Mitglieder pro Priester stieg in diesem Zeitraum von 519 auf 1.017.Kongregation für den Klerus: Priester – Zahl der Gläubigen, die ihrer Hirtensorge anvertraut sind (französisch), aufgerufen am 13. April 2007 Die Zahl der Diözesanpriester entwickelte sich folgendermaßen: 1980: 2.580, 1990: 2.188, 2000: 1.859, 2010: 1.553, 2020: 1.354, 2024: 1.239Statista
Italien In Italien lag die Priesterzahl 2012 bei ca. 48.000, der höchsten Anzahl für ein Land weltweit.CARA-Blog Für das Jahr 2016 wird ein Rückgang auf 34.810 berichtet.Church in distress: 8000 pastors missing, La Stampa, 25. November 2017 Die Zahl der Mitglieder pro Priester lag bei ca. 1500. Diese Zahl ist im Jahr 2021 weiter auf 31.800 gesunken.Noch nicht "alarmierend", domradio, 11. November 2021
Frankreich Die Zahl der Priester ist in Frankreich von rund 38.300 im Jahr 1980 auf 11.463 im Jahr 2024 zurückgegangen und hat sich somit mehr als gedrittelt.Statistik der französischen Bischofskonferenz, abgerufen am 6. Juli 2026.Le Figaro 2.7. 2015, abgerufen am 6. Juli 2016.http://religions.blogs.ouest-france.fr/archive/2013/06/24/une-eglise-sans-pretres.htmlfranzösischen Bischofskonferenz Der Median des Lebensalters lag in den 2010er-Jahren bei 75, das heißt, die Hälfte der tätigen Priester war 75 Jahre alt oder älter.
Priesterzahlen und -weihen in den letzten Jahren:Statistik der französischen Bischofskonferenz, abgerufen am 6. Juli 2026.
Jahr 2005 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Priester 21187 14786 14254 13775 13374 12633 12291 12568 11463 Neupriester (bis 2019 ohne Orden) ? 88 97 82 106 119 141 85 93 84
Niederlande Die Priesterzahl in den Niederlanden sank von 2003 bis 2021 von 799 auf 464Kirchendaten. Die Zahl der Kirchenmitglieder pro Priester liegt bei 7909.
Übriges Europa Papst Benedikt XVI. hat den Zustand des Priestermangels in einer Rede am 11. September 2006 bedauert.Benedikt XVI.: Predigt bei der Marianischen Vesper mit den Ordensleuten und Seminaristen Bayerns in Altötting, 11. September 2006 Von einigen Geistlichen werden die Zahlen in Mitteleuropa jedoch relativiert, da die Gesamtkirche in den betroffenen Gebieten schneller schrumpfe als die Priesterzahl. So antwortete Tarcisio Kardinal Bertone, Staatssekretär des Papstes, auf ein Schreiben österreichischer Geistlicher, dass der Rückgang der Priesterzahl in Österreich eng mit dem Rückgang der praktizierenden Katholiken verbunden sei, und dass heute wahrscheinlich sogar weniger praktizierende Katholiken auf einen Priester in Österreich kämen als in früheren Jahrzehnten.Amtsblatt für die Diözese Regensburg No. 7, 28. Juli 2008, Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte in einem Interview des Kölner Stadt-Anzeigers, es gebe gemessen an der Zahl junger Gottesdienstbesucher heute sogar mehr Priesteramtskandidaten als früher.Zollitsch: Zölibat ist nicht Schuld am Priestermangel aufgerufen am 10. Oktober 2008
Brasilien Im Land, in dem die meisten Katholiken leben, gab es 2013 20.701katholische Kirche in Brasilien, abgerufen am 12. Juni 2014. Priester für ca. 125 Mio. Katholiken. Jeder Priester muss also über 6.000 Gläubige betreuen, mehr als doppelt so viele wie im Weltdurchschnitt. In Brasilien fanden 2012 547 Priesterweihen statt.
Mexiko Im Land, in dem nach Brasilien die meisten Katholiken leben, gab es im Jahr 1980 10.087 Priester für ca. 63 Mio. Katholiken.CARA-Blog Februar 2016, abgerufen am 18. April 2016. 2013 waren es 16.688 Priester für ca. 97 Mio. Katholiken. Jeder Priester muss also unverändert ca. 6.000 Gläubige betreuen, doppelt so viele wie im Weltdurchschnitt. In Mexiko fanden 2013 357 Weihen von Weltpriestern statt.
Philippinen Auf den Philippinen gab es im Jahr 2013 9040 Priester für etwa 76 Millionen Katholiken., abgerufen am 8. Juli 2016. Jeder Priester betreut ca. 8000 Gläubige. Bis zum Jahr 2021 hat sich an dieser Relation nichts geändert. Es wurden 10.470 Priester für 85 Millionen Gläubige berichtet.
Vereinigte Staaten mini|Entwicklung der Zahlen von Priestern und Katholiken in den Vereinigten Staaten In den Vereinigten Staaten ging die Zahl der Priester in den Jahren 1970 bis 2023 von 59.192 auf 33.589 zurück.Frequently requested Church Statistics 3.471 von 16.267 Pfarreien waren 2019 ohne eigenen Priester. Die Zahl der Katholiken pro Priester stieg von 827 im Jahr 1965 auf circa 2000 im Jahr 2023.
Mögliche Ursachen Die möglichen Ursachen für den Priestermangel in der römisch-katholischen Kirche variieren nach den Umständen der betroffenen Gebiete und über Lösungswege wird innerhalb der Kirche diskutiert.Christ in der Gegenwart: , Nr. 42/2002, aufgerufen am 13. April 2007Leo Auf der Maur: , 30. August 2005
Säkularisierung Die zunehmende Säkularisierung in westlichen Industriestaaten führt zu einer geringeren Zahl an bekennenden Gläubigen. Sofern die Zahl derer, die sich für das Priestertum entscheiden, noch schneller abnimmt als die geistigen Bedürfnisse der Laien, entsteht somit ein Priestermangel.Philip Jenkins: Demographische Entwicklung der Christen weltweit: Auswirkungen auf die neue Evangelisierung (Vortrag beim Missionskongress 2006) in Arbeitshilfen 202, ab Seite 119 (PDF; 1,4 MB), 2. Mai 2006
Der Jesuit und Soziologe Jan Kerkhof sieht eine Ursache in einer veränderten Familienstruktur in römisch-katholischen Familien mit weniger Kindern, die zugleich mehr Entfaltungsmöglichkeiten im zivilen Leben finden könnten, die Eltern davon abhalte, einen ihrer Söhne in einer Entscheidung für den Priesterberuf zu bestärken. Auch frühere Vorfeldorganisationen wie die katholischen Jugendverbände und Pfadfinderschaften hätten keine werbende Funktion mehr für den Priesternachwuchs.Baby Johannessen: In Europa nimmt der Priestermangel zu, St. Olav, katholische Zeitschrift für Religion und Kultur, Nr. 1–2/1998. „Früher hatten die meisten katholischen Familien viele Kinder und immer jemanden, den sie für eine Berufung ‚entbehren‘ konnten. Der Priesterberuf wurde auch als ein Lebensweg für viele junge Männer angesehen. Katholische Eheleute […] haben seit langem nur ein oder zwei Kinder. Da braucht es viel, um für eine Berufung Raum zu schaffen.“
Auch die früher stark auf die Heranbildung von Priesternachwuchs ausgerichteten katholischen Schulen, Internate und Konvikte haben heute, sofern sie überhaupt noch existieren, keinen großen Zulauf mehr.
Zölibatsverpflichtung