mini|Papst Johannes Paul II. (1991) mini|Johannes Paul II., von seinem Parkinsonleiden gezeichnet (2004) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Unterschrift Johannes Pauls II. mini|Johannes Paul II. auf einer 500 Vatikanischen-Lira-Münze mini|Johannes Paul II. auf einer 2-€-Münze der Vatikanstadt mini|Wappen Johannes Pauls II. Der Wahlspruch Johannes Pauls, Totus tuus („Ganz dein“), und das M im rechten unteren Quadranten des Wappens beziehen sich auf die Gottesmutter.

Johannes Paul II. (; bürgerlich ; * 18. Mai 1920 in Wadowice; † 2. April 2005 in der Vatikanstadt) war ein polnischer Geistlicher. Er war von seiner Wahl am 16. Oktober 1978 bis zu seinem Tod im Jahr 2005 der 264. Bischof von Rom und damit als Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche sowie Staatsoberhaupt der Vatikanstadt. Sein Pontifikat dauerte 26 Jahre und 5 Monate; ein längeres ist nur für Pius IX. belegt. Johannes Paul II. war der erste Pole auf dem Papstthron und der erste Nicht-Italiener seit 1522.nach Hadrian VI. aus Utrecht 1522 Ihm wird eine maßgebliche Rolle bei der Beendigung des Sozialismus in seinem Heimatland Polen zugeschrieben. Johannes Paul II. wurde am 1. Mai 2011 von seinem unmittelbaren Nachfolger, Papst Benedikt XVI. in Rom selig- und am 27. April 2014 von Papst Franziskus heiliggesprochen;Seligsprechung in Rekordzeit, orf.atJohannes XXIII. und Johannes Paul II. auf dem Weg zur Heiligsprechung. Radio Vatikan online, 5. Juli 2013; abgerufen am 5. Juli 2013.Papst Johannes Paul II. wird heiliggesprochen. Frankfurter Allgemeine Zeitung online, 5. Juli 2013; abgerufen am 5. Juli 2013. sein Gedenktag ist der 22. Oktober,Liturgische Feiertage für zwei heilige Päpste. Radio Vatikan. Abgerufen am 13. September 2014. der Tag seiner Inthronisation im Jahre 1978.

Leben Kindheit und Jugend Karol Józef Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice, einer Kleinstadt bei Krakau, geboren. Sein Vater Karol Wojtyła – gelernter Schneider – war Leutnant der polnischen Armee, nachdem er bereits bis 1918 als Unteroffizier in der Armee Österreich-Ungarns gedient hatte.Matthias Drobinski, Thomas Urban: Johannes Paul II. Biographie. München 2020, S. 19–23 Die Mutter Emilia Wojtyła, geborene Kaczorowska, war Hausfrau und starb, als Karol acht Jahre alt war. Im Alter von zwölf Jahren verlor er seinen älteren Bruder Edmund (1906–1932), der am 5. Dezember 1932 als junger Mediziner in Bielsko an Scharlach starb. Seine ältere Schwester war bereits vor seiner Geburt verstorben.

In seiner Kindheit war Wojtyła sehr sportlich und spielte oft Fußball. Er war ein Fan des Fußballvereins KS Cracovia. In seinen prägenden Jahren wurde er durch zahlreiche Kontakte mit der jüdischen Gemeinde in Wadowice beeinflusst. Oft wurden Fußballspiele in der Schule zwischen einer jüdischen und einer katholischen Mannschaft organisiert. Wojtyła spielte oft freiwillig als Torwart bei der jüdischen Mannschaft, wenn diese nicht genug Spieler hatte. Mit Jerzy Kluger, einem seiner damaligen Freunde, war er bis zu seinem Tod sehr eng befreundet.Gerhard Knauck: Einen zweiten solchen Menschen zu finden ist schwer. In: Die Welt, 4. April 2005.

Ab 1930 besuchte er das Gymnasium und wirkte ab 1934 bei Theateraufführungen mit. Wojtyła war Ministrant, galt als strebsamer Schüler und beendete die Schule mit Bestnoten. Im Sommer 1938 siedelte sein Vater mit ihm nach Krakau in den Stadtteil Dębniki über. Wojtyła schrieb sich zum Studium der Philosophie und Polnischen Literatur an der Jagiellonen-Universität ein. Drei Jahre später, im Jahre 1941, starb sein Vater.

An der Universität schloss sich Wojtyła der Experimentaltheatergruppe „Studio 39“ um Tadeusz Kudliński an, in der er bis 1943, zuletzt im Untergrund, wirkte. Außerdem verfasste er literarische Texte: Neben diversen Gedichten schrieb er 1940 unter dem Pseudonym Andrzej Jawien das dreiteilige Drama Jeremiasz (Jeremia), ein biblisch inspiriertes Mysterienspiel mit politischem Bezug. Ebenso engagierte er sich im Rhapsodischen Theater. Sein Mysterienspiel Im Laden des Goldschmieds wurde 1960 veröffentlicht.

Nach dem deutschen Überfall im September 1939 wurde die Universität von der deutschen Besatzungsmacht geschlossen. 183 Professoren wurden im Zuge der Sonderaktion Krakau verhaftet – ein Teil von ihnen starb in Konzentrationslagern. Wojtyła führte seine Studien in der Untergrunduniversität fort, wurde aber zwangsweise zum Baudienst im Generalgouvernement herangezogen. Er war in einem Steinbruch sowie vom Frühjahr 1942 bis August 1944 in einer Chemiefabrik eingesetzt. So entging er seiner Deportation zur Zwangsarbeit nach Deutschland.

Wadowice und Krakau sind Orte, die bis zum Zweiten Weltkrieg sehr stark durch die jüdische Kultur beeinflusst waren, was prägend für Wojtyłas positives Verhältnis zum Judentum war. Im Oktober 1942 trat er ins geheime Priesterseminar der Erzdiözese Krakau ein. Von August 1944 bis Kriegsende 1945 fand er Zuflucht in der Residenz des Krakauer Erzbischofs Adam Stefan Sapieha.

Priester und Professor Am 21. Dezember 1945 erhielt Wojtyla die Weihe zum Akolythen und zum Exorzist, zwei der 1969 abgeschafften niederen Weihen.

Am 1. November 1946 empfing Wojtyła im Geheimen die Priesterweihe von Adam Stefan Sapieha und promovierte in den folgenden zwei Jahren auf dessen Anweisung in Rom am Angelicum über die Glaubensdoktrin beim heiligen Johannes vom Kreuz. Am 3. Juli 1947 erwarb er das Lizenziat der Theologie, im Juni 1948 das Doktorat der Philosophie (mit der Note summa cum laude).

Im Anschluss war Wojtyła als Kaplan in Niegowić bei Gdów und später in der Krakauer Studentenkirche St. Florian tätig, wo er bald für seine Predigten bekannt wurde. Er wurde Ende 1948 zum Doktor der Theologie promoviert.

Im Jahr 1953 habilitierte sich Wojtyła an der Krakauer Theologischen Fakultät mit seiner Arbeit „Über die Möglichkeit, eine christliche Ethik in Anlehnung an Max Scheler zu schaffen“Deutsche Übersetzung in: Karol Wojtyła / Johannes Paul II.: Primat des Geistes. Philosophische Schriften. H. Seewald, Stuttgart 1980, ISBN 3-512-00573-X, S. 37–197. und lehrte ab 1954 Philosophie und Sozialethik an der Katholischen Universität von Lublin. In dieser Zeit entstand auch sein bedeutendstes und in Polen am häufigsten aufgeführtes Bühnenwerk Der Bruder unseres Gottes, in dem sich bereits einige zentrale Ansätze seines philosophischen Hauptwerks Person und Tat (1969) abzeichnen.Bernice & Konstantin Kaminskij: Teilhabe und Solidarität. Der Bühnenautor Karol Wojtyła und die dramatischen Ursprünge der ostmitteleuropäischen Dissidentenbewegung. In: Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte 19/1 (2015), 87–117. academia.edu

Bischof und Kardinal mini|hochkant|Besuch der Kirche Mariä Heimsuchung in Krakau Anfang Juni 1967, kurz vor seiner Erhebung zum Kardinal Am 28. September 1958 wurde Karol Wojtyła von Eugeniusz Baziak zum Bischof geweiht, nachdem er am 4. Juli desselben Jahres zum Weihbischof in Krakau mit dem Titularbistum Ombi ernannt worden war. Er nahm 1962 bis 1965 am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Sein Hauptaugenmerk lag dabei auf den Gebieten Religionsfreiheit und einer zeitgemäßen Verkündigung der kirchlichen Lehre, die die Konzilsdokumente Dignitatis humanae und Gaudium et spes behandeln. Auch zum Schema des späteren Dekretes Unitatis redintegratio „über den Ökumenismus“ nahm er 1964 ausführlich Stellung.Animadversiones scriptae de oecumenismo, hier: Nr. 51: Exc.mus P. D. Carolus Wojtyla. In: Acta synodalia sacrosancti Concilii Oecumenici Vaticani II (AS), Band 3: Periodus Tertia, Teilband 3: Congregationes Generales XC–XCV. Typis Polyglottis Vaticanis, Città del Vaticano 1976, S. 766–768.

Am 13. Januar 1964 folgte Wojtyła Erzbischof Eugeniusz Baziak im Amt des Erzbischofs von Krakau, nachdem die kommunistischen Machthaber zunächst versucht hatten, seine Erhebung zum Erzbischof zu verhindern.Gerhard Gnauck: Kampf um den Papst. Johannes Paul II. war lange der Übervater der polnischen Nation. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. 21. Mai 2023, S. 5. Sein Episkopat in Krakau war vor allem durch eine „sanfte“ Konfrontation mit dem kommunistischen Regime Polens geprägt. Sein Beharren auf dem Bau der Kirche der Mutter Gottes, der Königin von Polen in der neuen Arbeiterstadt Nowa Huta, und seine Predigten, in denen er oft die freie Ausübung der Religion für alle Polen forderte, zeigten ihn als unerschrockenen Antikommunisten. 1965 war er maßgeblich am Aufruf der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder zur Versöhnung beteiligt, in dem zur Versöhnung zwischen Polen und Deutschen aufgerufen wurde. Auch dies machte ihn zum Objekt scharfer Attacken der kommunistischen Machthaber. Am 26. Juni 1967 wurde Wojtyła zum Kardinalpriester mit der Titelkirche pro hac vice San Cesareo in Palatio erhoben. In dieser Zeit setzte er seine aktive wissenschaftliche Arbeit fort, publizierte 1969 ein philosophisches „Credo“ seines eigenen Personalismus in der Monographie Person und Tat und nahm an verschiedenen polnisch-italienischen philosophischen Kongressen und Konferenzen teil.

mini|hochkant|Papst Johannes Paul II. nach seiner Wahl auf der Benediktionsloggia des Petersdoms, 16. Oktober 1978 Im Zuge der kirchlichen Bemühungen um eine deutsch-polnische Aussöhnung besuchte Wojtyła 1974 die Bundesrepublik Deutschland und zelebrierte mit Julius Kardinal Döpfner am 19. September eine heilige Messe im Karmel Heilig Blut am Rande der KZ-Gedenkstätte Dachau. Als Papst sprach er später 48 der im Konzentrationslager Dachau inhaftierten Priester selig. Ein letzter Deutschlandbesuch vor seiner Wahl erfolgte 1978 an der Seite des Primas von Polen, Stefan Kardinal Wyszyński.

Pontifikat Die Amtszeit Johannes Pauls II. dauerte vom 16. Oktober 1978 bis zu seinem Tod am 2. April 2005. In den ersten fünf Jahren predigte er in den Mittwochskathechesen seine Theologie des Leibes. In die mehr als 26 Jahre seines Pontifikats fielen unter anderem der NATO-Doppelbeschluss, der Kurswechsel der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow ab 1985 (Glasnost und Perestroika), der Zerfall des Ostblocks, die Öffnung des Eisernen Vorhangs 1989, der Sturz fast aller kommunistischen Regierungen in Mitteleuropa, das Ende des Kalten Krieges, der Zerfall der Sowjetunion, der Zerfall Jugoslawiens, Kriege im ehemaligen Jugoslawien, die Terroranschläge am 11. September 2001, Kriege in Afghanistan und im Irak.

Johannes Paul II. suchte stärker als seine Vorgänger die Öffentlichkeit, scheute die Massenmedien nicht und wurde gelegentlich „Medienpapst“ genannt. Er galt, verglichen mit seinen Vorgängern, als Ausnahmeerscheinung. Dazu trug bei, dass er als „der jüngste Papst im 20. Jahrhundert“ zugleich „der erste slawische Papst“ war sowie über „einen breiten Wissenshorizont“, „ein starkes Charisma“ und einen trockenen Humor verfügte, womit er „ebenso Massen begeistern wie im persönlichen Gespräch überzeugen konnte“.Zitate bei Matthias Drobinski, Thomas Urban: Johannes Paul II. Der Papst, der aus dem Osten kam. C. H. Beck, München 2020, ISBN 978-3-406-74936-0, im Kapitel „Charisma und spontane Begegnungen“, S. 143–149.

Wahl und Anfangsjahre