mini|Ferngesteuertes Modellflugzeug Twin Star im Platzüberflug Ein Flugmodell ist ein Fluggerät, das in Modellform, also in verkleinerter oder miniaturisierter Größe meist zum Zweck des Vergnügens oder der Freizeitgestaltung betrieben wird. Es handelt sich dabei entweder um die Verkleinerung eines Vorbildes aus der personentragenden Luftfahrt oder um ein reines Zweckmodell, das in dieser Erscheinung nur im Modellflug vorkommt.
Funktionslose Modellflugzeuge (zum Beispiel aus dem Plastikmodellbau) als reine Standmodelle werden in diesem Artikel nicht betrachtet.
Einführung mini|TAM 5 von Maynard Hill, 2003Ein TransatlantikflugmodellDer mit dem Transatlantikflug erzielte Langstreckenrekord wurde 2009 von der FAI aberkannt, da die Kategorie "autonomous flight" nicht mehr dem Modellflug zugehörig gilt in klassischer Balsa- und Folienbauweise.
Flugmodelle werden zumeist als Hobby gebaut und geflogen. Sie werden im Handel sowohl als Bausatz oder auch in verschiedenen Abstufungen als „fast flugbereit“ (ARF für almost ready to fly), „flugbereit“ (RTF für ready to fly) oder „flugbereit mit eingebautem Funkempfänger“ (RTB für ready to bind, bereit zur Herstellung der Funkverbindung zwischen Sender und Empfänger: ) verkauft. Manche Modellbauer entwickeln und bauen Flugmodelle selber. Flugmodelle gibt es in Größen von wenigen Zentimetern bis zu Spannweiten von mehreren Metern. Ein typischer Modellsegler hat eine Spannweite zwischen 1,3 und 4 Metern. Motorgetriebene Flugmodelle haben typischerweise Spannweiten zwischen 0,8 und 2 Metern. Die Palette der zurzeit zur Verfügung stehenden Antriebe umfasst Gummimotoren, Elektroantriebe, Kolbenmotoren, Gasturbinen, und Pulsstrahltriebwerke.
Modellflug wird als Hobby betrieben sowie auch in nationalen oder internationalen Wettbewerben als Sport. Sofern es sich um ein ferngesteuertes Modell handelt, wird es in der Regel in Sichtweite seines Piloten betrieben. LuftVZO Ein Flugmodell wird zumeist von nur einer Person gesteuert. Eine Ausnahme bildet der Lehrer-Schüler-Flug. Hierbei wird das Flugmodell von einem Primärsender (Lehrer) gesteuert, der einzelne oder alle Steuerfunktionen temporär an einen Sekundärsender (Schüler) übergeben kann. Dieses Vorgehen wird vor allem beim Erlernen des Modellfliegens praktiziert.
Es gibt Vereine von und für Modellflug-Interessierte.
Historisch gesehen ist der Modellflug älter als die personentragende Luftfahrt und wird vom Internationalen Luftsportverband FAI als ein eigener Zweig der Luftfahrt angesehen.
Geschichte Die Geschichte des Flugmodells ist eng mit der Geschichte der Luftfahrt verbunden. Lange vor den ersten bemannten Flügen wurden die Grundlagen des Fliegens bereits mit Flugmodellen erprobt. Der Mathematiker und Philosoph Archytas von Tarent, * 428 v. Chr., wird im 2. Jahrhundert n. Chr. von Aulus Gellius in seinem Buch Noctes Atticae als Erbauer eines flugfähigen Vogelmodells erwähnt. Die „Taube des Archytas“ wird als durch mechanische Geschicklichkeit und weitere Künste geschaffene hölzerne Nachbildung einer Taube beschrieben; die geflogen sei, weil sie ausgewogen in der Schwebe gehalten wurde und von einer im Inneren eingeschlossenen und verborgenen Luftströmung angetrieben war. Im vierten Jahrhundert v. Chr. spielen chinesische Kinder bereits mit einem Spielzeug, das als erstes bekanntes Modell eines Hubschraubers (Drehflügelflugzeug) angesehen werden kann. Der chinesische Kreisel bestand aus einem runden Stab, in den kreuzförmig leicht angestellt Vogelfedern eingesteckt waren. Durch Drehung des Rundstabs zwischen beiden Handflächen erzeugen die Federn schließlich genug Auftrieb, um den Kreisel in die Luft steigen zu lassen. mini|PlanophoreModellflugzeug von Alphonse Pénaud, 1871
1804: Sir George Cayley baut, aufbauend auf seinem Flugzeugkonzept von 1799, ein erfolgreiches Gleitflugmodell. 1811: Albrecht Ludwig Berblinger (Schneider von Ulm) misslang die Vorführung seines nachgewiesenerweise flugfähigen Hängegleiters wegen ungünstiger Windverhältnisse. 1848: John Stringfellow lässt in einer Fabrikhalle ein dampfgetriebenes Modellflugzeug rund 36 m weit frei fliegen. 1857: Nach erfolgreichen Modellversuchen erhalten die französischen Brüder du Temple de la Croix ein Patent über ein Motorflugzeug. 1871: Der Franzose Alphonse Pénaud baut seine Planophore, ein freifliegendes Motorflugmodell mit Gummimotorantrieb. 1875: Der Engländer Thomas Moy erprobt ein gefesseltes Motorflugmodell mit Dampfmaschinenantrieb und 4 m Spannweite. 1877: Erster Flug eines dampfgetriebenen Modellhubschraubers von Enrico Forlanini 1879: Der Franzose Victor Tatin baut ein Motorflugmodell mit Luftschrauben und Druckluftmotor, das erfolgreich Bodenstarts ausführt. 2003: Das Flugmodell Trans-Atlantik-Modell 5 von Maynard Hill überquert im Nonstop-Flug den Nordatlantik. mini|Klassische Holzbauweise um 1950Das Bauen von Flugmodellen als Hobby kam schon vor dem Ersten Weltkrieg auf. Bereits 1913 erschien ein Buch von P. L. Biegenwald mit dem Titel „Flugmodellbau“. Als Antrieb wurde in erster Linie der Gummimotor beschrieben und der mögliche Einsatz von Pressluft-, CO2- und Verbrennungsmotoren genannt. Der Elektromotor wurde für Flugmodelle für völlig ungeeignet gehalten. Im Bildband des Deutschen Historischen Museums „Das XX. Jahrhundert – Fotografien zur deutschen Geschichte“ findet sich auf Seite 91 ein Foto aus Berlin, datiert 1919, auf dem etwa zehn startbereite Wasser-Flugmodelle, offensichtlich mit Gummimotor, abgebildet sind. Baumaterialien waren anfänglich vor allem Sperrholz, dünne Kiefernleisten und Papier zwecks Tragflächenbespannung („Spannpapier“), später verbreitet Balsaholz, und heute vor allem Kunststoffe wie Faserverbund- und Schaumstoff-Formteile sowie „Bügelfolie“ zur Bespannung.
In den 1930er Jahren wurden Verbrennungsmotoren für Flugmodelle eingeführt, bekannt war damals z. B. der „Kratmo“. Die ersten erfolgreichen Versuche mit Funkfernsteuerungen wurden in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre durchgeführt. Nach 1950 wurden Funkfernsteuerungen durch kommerzielle Fertigung weiter verbreitet, zuerst als Röhrengeräte, die große und schwere Batterien benötigten, später mit Transistoren. Aber erst die Mitte der 1960er eingeführten Proportionalanlagen, bei denen jedes Ruder genau dem Ausschlag der Knüppelbewegung am Sender folgt, womit sich insbesondere Flugmodelle präzise und sicher steuern lassen, machten den Modellflug populär. mini|Fertigrumpf und Styro-Balsa-Sandwichflächen mit Folienbespannung am Flugmodell Carrera Draco3003 um 1980
Einteilungen
Flugmodelle werden zunächst grob in Modellflugzeuge und Modellhubschrauber eingeteilt (siehe dort).
Flugmodelle können nach verschiedenen Merkmalen unterschieden und unterteilt werden, beispielsweise nach dem Flugprinzip (leichter/schwerer als Luft), dem Antrieb (ohne Antrieb, Verbrennungs- oder Elektromotorantrieb, Raketenantrieb), der Steuerung (ohne Steuerung, leinengesteuert, (funk-)ferngesteuert, programmgesteuert), nach der Einsatzart (Hang- oder Thermiksegler, Kunstflugmodelle, Speedmodelle, Scalemodelle, Senkrechtstarter), der Bauweise (Fertigmodelle, Baukastenmodelle, nach Plan gebaut) oder auch dem hauptsächlich verwendeten Material (Holz/Rippenbauweise, Formschaummodelle, Voll-GFK-Modelle).
Damit internationale Wettkämpfe abgehalten werden können, unterteilt die internationale Interessenvertretung CIAM der FAI (Kommission für internationalen Modellflug des Internationalen Luftsportverbandes) Flugmodelle in Wettbewerbsklassen. Auch Rekorde können innerhalb der Klassifizierung durch die FAI international anerkannt werden. Darüber hinaus gibt es nationale Wettbewerbsklassen.
Auch das Luftfahrtrecht des jeweiligen Landes unterteilt gegebenenfalls Modellflugzeuge in verschiedene Klassen, für die unterschiedliche rechtlicher Beschränkungen gelten.
Flugprinzip Leichter als Luft mini|Ferngesteuerter Modell-Heißluftballon Modelle mit statischem Auftrieb sind mit einem Traggas oder mit Heißluft gefüllt.
Ohne tragendes Innenskelett fahren: Modell-Gasballone (Traggas), Modell-Blimps Modell-Heißluftballone (mit Brenner geheizte Umgebungsluft) allein durch Sonnenwärme geheizte Solarballone Mit stützendem Innenskelett fährt ein Modell-Luftschiff (Traggas oder Heißluft). Modellballone und -Luftschiffe werden in der Regel ferngesteuert. Wettbewerbe werden bisher nicht veranstaltet.
Schwerer als Luft mini|Ferngesteuerter Helikopter vom Modell Bell 222 mit Elektroantrieb Modelle mit dynamischem Auftrieb
Trainingsflugzeuge wie der Gnumpf Segelflugmodelle Motorflugmodelle Strahlgetriebene Flugzeugmodelle (Turbine, Staustrahltriebwerk/Pulso) Modellhubschrauber Motorschirm-Modelle Raketengleiter Senkrechtstarter VTOL, Schwebeplattformen, bei denen der dynamische Auftrieb innerhalb des Antriebes für den Rückstoß verantwortlich ist (Hubschrauber, Propeller und Impeller) Multicopter Fluggerät mit mehreren (meist vier, sechs oder acht), in einer Ebene angeordneten, senkrecht nach unten wirkende Rotoren oder Propellern
Modelle, die eine der Gravitation entgegenwirkende Kraft erzeugen, die weder statischer noch dynamischer Auftrieb ist, und eine nennenswerte Flughöhe erreichen können (also keinen Bodeneffekt ausnutzen oder z. B. magnetische Wechselwirkung mit dem Boden benötigen): Modellraketen Schwebeplattformen durch Rückstoß (Raketen/Turbine) Sonstiges (z. B. Lifter, Lightcraft)
Steuerung Ferngesteuerte Modelle Ein ferngesteuertes Modellflugzeug ist ein Modellflugzeug, das mit einem Empfänger (Receiver, RX) ausgerüstet ist und mit Hilfe eines Senders (Transmitter, TX) per Trägersignal drahtlos (ohne feste Verbindung) ferngesteuert wird. Im Allgemeinen kommen Funksignale als Trägersignal zum Einsatz (RC-Flugzeug, engl. radio controlled, siehe auch Funkfernsteuerung), im Einstiegssegment auch Infrarot.
Der Sender schickt ein Funksignal zum Empfänger im Flugmodell, das die Stellung der Steuerknüppel oder Schalter am Sender überträgt. Der Empfänger steuert dann die elektronischen/mechanischen Rudermaschinen (Servos) an, die z. B. die Ruderflächen bewegen.
Ferngesteuerte Flugmodelle werden durch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) in folgende Wettbewerbsklassen eingeteilt: F3 – Fernlenkflug F3A – Ferngelenkte Motor-Kunstflugmodelle bis zu einem Gewicht von 5 kg F3A-X – Ferngelenkte originalähnliche Motor-Kunstflugmodelle bis zu einem Gewicht von 10 kg F3B – Ferngelenkte Thermik-Segelflugmodelle F3C – Hubschrauber F3D – Pylon-Rennmodelle F3F – Ferngelenkte Hang-Segelflugmodelle F3G – Ferngelenkte Motorsegler F3H – Segelflugmodelle – Überlandrennen F3I – Ferngelenkter Segelflugmodellschlepp F3J – Ferngelenkte Thermik-Segelflugmodelle – Dauerflug F3K – Handstart-Segelflugmodelle F3P – Indoor Kunstflugmodelle F3S – Speedflugmodelle F4 (A-H) – Vorbildgetreuer Modellflug („Scale“) F5 – Funkferngesteuerte Flugmodelle mit Elektromotor F5A – Kunstflugmodelle F5B – Elektro-Segelflugmodelle F5C – Hubschrauber F5D – Pylonrennmodelle F5E – Solar-Flugmodelle F5F – Elektro-Segelflugmodelle – „Einsteigerklasse“ F5J – Elektro-Thermiksegler
Freifliegende Flugmodelle Freifliegende Modelle fliegen ohne Steuerung durch einen Piloten, jedoch sind Eigensteuerungen (Programmsteuerung/Magnetsteuerung) möglich. mini|Indoor-Flyer der F1D-KlasseDAeC 2002
Freifliegende Modelle werden durch die Fédération Aéronautique Internationale (FAI) in folgende Wettbewerbsklassen eingeteilt: F1A – Segelflugmodelle (A-2 Klasse) F1B – Flugmodelle mit Gummimotor („Wakefield“) F1C – Flugmodelle mit Verbrennungsmotor bis 2,5 cm³ („I“ – früher Römisch 1 genannt) F1D – Saalflugmodelle F1E – Segelflugmodelle mit Selbststeuerung, z. B. Magnetsteuerung Magnetflug F1G – Flugmodelle mit Gummimotor („Coupe d’hiver“) F1H – Segelflugmodelle (A-1 Klasse) F1J – Flugmodelle mit Verbrennungsmotor bis 1,0 cm³ (1/2 A Klasse) F1K – Flugmodelle mit CO2-Motoren F1L – Saalflug, EZB-Modelle F1M – Saalflugmodelle (Beginner)