Wolfenstein: Enemy Territory (kurz ET bzw. W:ET) ist ein Taktik-Shooter in Egoperspektive, der von der Firma Splash Damage unter Federführung von id Software entwickelt und von Activision publiziert wurde. Das Computerspiel sollte ursprünglich als Erweiterung zum Titel Return to Castle Wolfenstein (RtCW) erscheinen. Es benutzt eine abgewandelte Version der Grafik-Engine Id Tech 3.

Wegen entwicklungstechnischer Probleme beim Einzelspielermodus wurde jedoch letztlich entschieden, Enemy Territory in einer abgespeckten Variante (nur mit einem Mehrspielermodus bestückt), aber dafür als von RtCW unabhängiges, eigenständiges Spiel anzubieten. Seit dem 29. Mai 2003 steht es kostenlos im Internet zum Herunterladen zur Verfügung. Das Spiel erfreut sich nicht zuletzt wegen der freien Verfügbarkeit für Windows, Linux und macOS international relativ hoher Beliebtheit und ist Teil diverser Ligen, wie zum Beispiel der Electronic Sports League und der ClanBase sowie der Quakecon.

Überblick Im Spiel stehen sich generell zwei Teams gegenüber. Abhängig vom Spielmodus ist es entweder Aufgabe, bestimmte Missionsziele innerhalb einer vorgegebenen Zeit zu erfüllen, oder die Erfüllung dieser Ziele durch das gegnerische Team zu vereiteln. Jedem Spieler eines Teams stehen fünf Charakterklassen zur Auswahl, die jeweils über spezifische Fertigkeiten und Waffenausstattungen verfügen können. Durch Koordination der Mitspieler gilt es, die Vor- und Nachteile der Klassen bestmöglich zu nutzen beziehungsweise auszugleichen, um so das Spiel als Mannschaft für sich zu entscheiden.

Das Szenario von Enemy Territory ist – ähnlich dem des Vorgängertitels – stark an den Zweiten Weltkrieg angelehnt, Truppen der Alliierten kämpfen gegen die der Achsenmächte. Außerdem bilden einige Szenarien (sogenannte Maps) historische Kriegsschauplätze nach.The Wolfenfiles: Researching Enemy Territory’s Maps, Weapons, and Vehicles Nicht zuletzt aufgrund der freien Verfügbarkeit von Teilen des Quellcodes des Spiels wird dieses ständig weiterentwickelt.

Spielerklassen Um die verschiedenen Charakterklassen stärker zu differenzieren und somit die taktischen Elemente hervorzuheben, stehen jeder Klasse bestimmte Waffen zur Verfügung. Jeder Charakter besitzt zwei Einhandwaffen, eine spezifische Anzahl Granaten und die jeweilige Wahl- oder Primärwaffe sowie Spezialutensilien (wie Dynamit beim Engineer oder die Sprengladung beim Covert Ops). Nachdem man einen Feind getötet hat, kann man, sofern die Charakterklasse dies zulässt, die Wahlwaffe des Gegners aufnehmen. Zur Auswahl stehen neben einem Messer für den Nahkampf und einer Pistole Colt .45 ACP (Alliierte), Luger 9mm (Achsenmächte) jeweils spezialisierte Maschinengewehre.

Soldier („Soldat“) Der Soldat ist Spezialist für schwere Waffen. Er ist der einzige, der das mobile MG42, den Mörser, den Flammenwerfer und die Panzerfaust tragen und benutzen kann. Außerdem kann er verschiedene Waffen derselben Waffengruppe tragen: Von den „leichten Waffen“ eine SMG (Thompson (Maschinenpistole) oder MP 40) und je nach Erfahrungspunkten eine oder zwei Pistolen, sowie eine schwere Waffe.

Medic („Sanitäter“) Der Sanitäter kann sich und verwundete Kameraden mit medizinischen Päckchen (Medipacks) versorgen, die neue Lebensenergie spenden. Ferner ist er in der Lage, bis zur Kampfunfähigkeit verwundete Mitspieler durch Injektion einer Spritze in das Spiel zurückzuholen, ohne dass diese bis zur nächsten Verstärkungswelle (sogenannter Respawn) warten müssen.

Ebenfalls steht ihm eine Adrenalinspritze zur Verfügung, welche er ab der vierten Fähigkeitsstufe der Ersten Hilfe verwenden kann. Ursprüngliches Ziel dieser Fähigkeit ist es, kampfunfähige Kameraden in besonders umkämpften Situationen schnell zu heilen. Diese Spritze, die der Sanitäter nur sich selbst injizieren kann, bewirkt temporär, dass der erlittene Schaden fortan nur halb so groß ist und dem Sanitäter unbegrenzte Ausdauer verliehen wird. Auf einigen Servern wurde diese Funktion so erweitert, so dass der Sanitäter ab Stufe 4 das Adrenalin auch seinen Kameraden spritzen kann oder aber das von toten Sanitätern zurückgelassenes Adrenalin auch von anderen Soldaten aufgesammelt und verwendet werden kann. Oft wird der Sanitäter aber auch als Kampfeinheit eingesetzt, da er genau wie andere Klassen mit einem SMG ausgestattet ist und durch die Adrenalinspritze weniger Schaden nimmt und länger sprinten kann.

Eine Erweiterung ist auch die Fähigkeit, feindliche Spieler mit der Spritze, mit der Teammitglieder geheilt werden, zu vergiften.

Field Ops („Feldkommandant – Funker“) Der Field Ops ist der Spezialist für Feld-Operationen: Er kann durch Werfen einer Rauchgranate das Ziel für Luftnahunterstützung oder mit dem Fernglas dasjenige für Artillerieunterstützung markieren und damit selbige umgehend anfordern. Die Luftunterstützung ist ein Bombardement der Länge einer etwa 30 Meter langen Zone, die perpendikular (senkrecht) zum Field Ops verläuft. Die Artillerieunterstützung ist eine Serie von Geschosseinschlägen in einer etwa 10 mal 10 Meter großen Zone während einer bestimmten Zeit. Der Field Ops kann auch seine Mitspieler mit Nachschub an Munition versorgen.

Engineer („Pionier“) Der Pionier kann Dynamitladungen anbringen und entschärfen, Minen platzieren und entschärfen, Kommandoposten errichten und stationäre MG-Stellungen sowie Fahrzeuge reparieren. Damit ist er in den meisten Missionen von wesentlicher Bedeutung. Ferner ist der Pionier in der Lage, das M1-Garand- (Alliierte) beziehungsweise K43-Gewehr (Achsen) mit Granaten (M7 beziehungsweise GPG40) zu bestücken und diese in Richtung der Feinde zu schießen. Da diese Granaten bei kürzeren Entfernungen erst nach der zweiten Wand- bzw. Bodenberührung explodieren und leicht elastische Aufpralleigenschaften haben, kann der Pionier durch Ausnutzen eines Winkels auch schwer erreichbare Ecken und Verstecke abdecken, bei weiteren Entfernungen explodiert die Gewehrgranate bereits beim ersten Aufschlag.

Covert Ops („Spion, Saboteur und Scharfschütze“) Der Covert Ops ist Spezialist für verdeckte Operationen wie Spionage, Aufklärung und Sabotage. Dazu kann er etwa die Uniform von gefallenen Gegnern stehlen und tragen, Rauchgranaten werfen, feindliche Minen für seine Kameraden aufdecken, per Radar über die Positionen der gegnerischen Truppen informieren und mit einer Sprengladung kleinere Ziele zerstören. Verkleidet kann er für sich und seine Mitspieler Türen öffnen, die sonst nur für den Gegner passierbar sind, und so die feindlichen Linien infiltrieren. Ferner besitzt der Covert Ops demontierbare Schalldämpfer für seine Pistole (wenn die Pistole Akimbo verwendet wird, sind die Schalldämpfer permanent auf dem Lauf), und er kann die Scharfschützengewehre nutzen.

Ihm stehen folgende Waffen zur Verfügung: ein FG 42, eine Sten-Maschinenpistole mit Schalldämpfer und ein K43 beziehungsweise ein M1 Garand, welche beide wie auch das FG 42 mit einem Zielvisier ausgestattet sind. Das K43 und das M1 Garand sind schallgedämpfte Scharfschützengewehre und besitzen beide ein 10-Schuss-Magazin. Die Schüsse müssen einzeln abgegeben werden. Im Gegenzug ist das FG 42 zwar ebenfalls mit einer Zielvorrichtung versehen, hat aber zwei unterschiedliche Feuermodi. Ersterer besteht aus einzelnen Schüssen, die während der Benutzung der Zielvorrichtung abgegeben werden. Beim Einsatz der Waffe ohne Zielvorrichtung ist es jedoch nur möglich, automatische Feuerstöße abzugeben.

Maps (Karten) Als Maps werden bei Enemy Territory die einzelnen Szenarien, also die Spielumgebungen inkl. der vorgegebenen Missionsziele, bezeichnet. Die derzeit verfügbaren Karten können danach unterschieden werden, ob sie bei der Installation des Spiels bereits mitgeliefert werden (sogenannte Standard-Maps) oder von der Spielergemeinschaft kreiert wurden und extra hinzugefügt werden müssen (Custom-Maps). Bei letzteren handelt es sich entweder um vollständige Eigenkreationen, um Portierungen bekannter Maps des Vorgängertitels Return To Castle Wolfenstein oder um Adaptionen der sechs Standardmaps. Aus der Vielzahl an mittlerweile verfügbaren Custom-Maps haben einige auch in Wettkämpfen (Clanwar) eine große Bedeutung erlangt, sodass diese im weiteren Sinne als fester Bestandteil des Spiels angesehen werden können.

Standard-Maps mini|Das Eisenbahngeschütz Dora existierte tatsächlich im Zweiten Weltkrieg. mini|Die Ruinen der ägyptischen Wüstenstadt in der Oase Siwa waren Vorbild für die gleichnamige Karte.

Seawall Battery Das mächtige Küstengeschütz Siegfried der Achsenmächte bedroht die Flotte der Alliierten im Mittelmeer. Die Achsentruppen müssen Siegfried vor Sabotageversuchen der Alliierten beschützen. Goldrush Die Achsenmächte bewachen einen Goldvorrat in der Zentralbank von Tobruk. Die Alliierten müssen einen Jagdpanzer der Achsen stehlen, um damit die Bank aufzusprengen, die Goldbarren stehlen und mit einem Laster in Sicherheit bringen. Würzburg-Radar Die Alliierten versuchen, die Komponenten des neuen Würzburg-62A-Radars der Achsenmächte für eine technische Analyse zu stehlen. Die Achsenmächte müssen die beiden Prototypen der Radare bewachen und die Alliierten daran hindern, mit den gestohlenen Radarteilen zu entkommen. Railgun Die Alliierten müssen die Achsenmächte daran hindern, das riesige Eisenbahngeschütz Dora zu laden und abzufeuern. Die Achsenmächte müssen die Munition für Dora verladen und per Eisenbahn transportieren, ihre Kontrolleinheit beschützen und sie zum Sieg abfeuern. Fueldump Die Alliierten wollen ein Treibstoffdepot der Achsenmächte vernichten und müssen ihren Churchill AVRE Demolition Sturmpanzer eskortieren, um damit durch die Verteidigung zu brechen. Die Achsen können den Panzer mit Panzerfäusten, Granaten, Minen oder Sprengstoff lahmlegen, um dessen Vordringen zu verzögern. Siwa Oasis Die Alliierten müssen die Garnison der Achsenmächte in der Oase Siwa infiltrieren, um zwei Festungsgeschütze zu zerstören: entweder durch die alte Stadt oder durch ein geflutetes Höhlensystem. Die Achse muss ihre beiden Festungsgeschütze verteidigen und die alliierten Angreifer zurückschlagen.

Das Erfahrungspunkte-System Eine Besonderheit von Wolfenstein: Enemy Territory ist das XP-System (, dt. Erfahrungspunkte), das in dieser Art bis dato eher für Rollenspiele typisch war. Dabei werden dem Spieler für diverse Aktionen wie Gegner töten, langes Überleben an der Front oder Nutzung der Spezialfähigkeiten einer Charakterklasse im Laufe des Spiels Erfahrungspunkte gutgeschrieben.

Jeder Spieler besitzt zwei klassenunabhängige und eine klassenabhängige Kategorie von Fertigkeiten: zu ersteren zählen der Umgang mit leichten Waffen sowie der Kampfsinn, während letztere sich – je nach Charakterklasse – auf Fertigkeiten im Umgang mit schweren Waffen (Soldier), der Ersten-Hilfe (Medic), des Konstruierens (Engineer), der Signalgebung (Field Ops) oder des Durchführens verdeckter Operationen (Covert Ops) bezieht. Die gewonnenen Erfahrungspunkte werden jeweils – entsprechend der Zugehörigkeit einer Aktion – einer dieser fünf Kategorien gutgeschrieben.

Ab Erreichen einer bestimmten Anzahl von Punkten innerhalb einer Kategorie steigt der Spieler in dieser Kategorie eine Stufe auf und wird mit einer Spezialfähigkeit (zum Beispiel dem Erkennen gegnerischer Minen auf der vierten Stufe des Kampfsinns) belohnt. Jede Kategorie besitzt vier Stufen. Am Ende einer Runde werden ferner die Spieler mit den meisten Erfahrungspunkten in einer Kategorie durch eine Medaille ausgezeichnet. An die Zunahme von Erfahrungspunkten sind auch individuelle Beförderungen eines Spielers geknüpft: Dabei ist dessen Dienstgrad, der von Private (Alliierte) beziehungsweise Schütze (Achsen) bis General reicht, unter anderem durch ein entsprechendes Rangabzeichen auf seinem Helm für jeden sichtbar.

Spielmodi