Blick vom Gipfelrand des Jelení hora in Richtung Mědník. Das ehemalige Stadtgebiet (markiert) liegt versunken unter der Wasseroberfläche. Přísečnice (deutsch Preßnitz) [] war eine alte Bergstadt im Ústecký kraj in Tschechien. Mit Beschluss zum Bau der Talsperre Preßnitz wurde der Ort folgend ausgesiedelt und aufgegeben. Das ehemalige Stadtgebiet liegt versunken unter der Wasseroberfläche.

Geographie Lage von Preßnitz Die Stadt in Westböhmen befand sich bis 1974 auf dem Kamm des Erzgebirges an der Stelle, wo sich heute der Stausee der Talsperre Preßnitz erstreckt. Das Kataster von Přísečnice umfasst eine Fläche von 1290,0872 ha und gehört zur Gemeinde Kryštofovy Hamry ().

In ihrer mittelalterlichen Geschichte wurde die Siedlung Preßnitz mindestens einmal verlegt. Dies hing wohl mit kriegerischen Ereignissen zusammen. Als mutmaßliche Standorte der ersten Siedlung „Bresnitz“ im Hochmittelalter sind der „Kremsiger“ (Bergbaugebiete bei Pleil-Sorgenthal mit nachgewiesener Königlicher Münzprägestätte) aber auch die St. Nikolauskirche (spätere Friedhofskirche der Stadt) vermutet worden. Bei (ungenügenden) Grabungen an der Nikolauskirche vor ihrem Abriss wurde nur Fundmaterial des 15. bis 19. Jahrhunderts geborgen.Kapitel Geschichte. S. 14–18, insbesondere S. 16: „Die deutsche Literatur lokalisiert das ursprüngliche Preßnitz stets auf dem Kremsiger.“ und S. 63: „Erwähnenswert ist dass Preßnitz ursprünglich am Kremsiger Berg in der Nähe der Passhöhe stand…“.

Das frühneuzeitliche Preßnitz (Stadtzentrum mit Wasserburg und Marktplatz) wurde spätestens um 1500 etwa 1,2 km südöstlich des Heegberges mitten im Tal des Preßnitz-Baches angelegt. Dieser tiefste Teil der Stadt befand sich etwa auf Kapitel Geschichte. S. 12. Höhenangabe für Preßnitz 725 m ü. NN, Entfernung vom Heegberg 1200 m auf S. 32. Für den Marktplatz () gibt das gleiche Buch an.

Wichtige Handelsstädte in der Nähe waren:Kapitel Geschichte. S. 12. südwestlich Karlsbad, 30 km Luftlinie nordwestlich Annaberg, 15 km Luftlinie südöstlich Kaaden, 13 km Luftlinie östlich Komotau, 18 km Luftlinie

Ehemalige Nachbarorte im Osten: Stadt Sonnenberg

im Südosten: Reischdorf (abgesiedelt) Tomitschan mit anderen Ortsteilen, u. a. Pöllma (Podmilesy) bei Preßnitz, Neudörfel bei Reischdorf (Nová Víska) und der Wüstung Kretscham (Krčma) Dorf Wohlau (Teilwüstung)

im Südwesten: Dörnsdorf (abgesiedelt) hinter Dörnsdorf: Köstelwald (teilweise abgesiedelt, Teilwüstung), gehört nun zu Kupferberg Wenkau/(Wenkov), Wüstung?, gehört nun zu Kupferberg Bergstadt/Gemeinde Kupferberg

im Westen: Dorf Orpus (heute zu Christophhammer gehörend) Stadt/Gemeinde Schmiedeberg

im Norden: Dorf Christophhammer (zu dem heute die ganze Preßnitzer Flur, zusammen mit denen von Reischdorf und Dörnsdorf gehört) Stadt Jöhstadt in Sachsen ehemalige Siedlung Hegerhaus zwischen Christofhammer und Pleil-Sorgenthal (vermutlich heute wüst)

im Nordwesten: Dörfer Pleil und Sorgenthal, der vereinte Ort heißt heute Černý Potok, also „Schwarzwasserbach“ und gehört zu Christophhammer Stadt Weipert

Berge und Erhebungen um Preßnitz (nach einer Karte von 1861Karte des Bezirkes Preßnitz von Friedrich Selner von 1861, S. 83.) im Westen der ehemaligen Stadt/Talsperre der Große Spitzberg (Velký Špičák, Schmiedeberger Spitzberg, 965,0 m, ) mit dem vorgelagerten kleineren Heegberg (heute: Hajiste, 806,9 m, ) im Südwesten: Mittlerer Spitzberg (Střední Špičák, 924 m) und Kleiner Spitzberg (Malý Špičák, 895 m), beide südwestlich vom Großen SpitzbergKap. Natürliche Verhältnisse. S. 6–11. im Nordosten der Haßberg (Jelení hora, 994 m; ) und der kleinere südwestlich vorgelagerte Höllberg (heute Holy vrch, 795,5 m; ) im Süden der Vogelherd (bei Kupferberg) und der Kupferhübel (heute Mědník, 910 m; ) bei Kupferberg/Měděnec im Nordwesten der Kunstberg (Cernopotocky vrch, 849,1 m?; ) auf dem ehemaligen Bergbaugebiet Kremsiger bei Pleil-Sorgenthal im Südosten die Pöllmer Höhe (Podmileska vyslina, 874,1 m?) und der Bublet? (860,9 m?) bei Reischdorf im Südosten die Reischdorfer Höhe ca. 853 m, und Reischberg (Lysá hora, 875 m, heute stehen hier Windkraftanlagen) im Süden der Hammerberg bei DörnsdorfHammerberg bei Dörnsdorf, S. 82. der Sandberg (Písečná hora) über den die Bahnlinie Komotau–Weipert führt (bei Dörnsdorf?)

Die heutigen Bezeichnungen und Höhenangaben entstammen teilweise einer touristischen Karte des Erzgebirges aus dem Jahre 1992. Der zwischen Weipert und der Preßnitz-Talsperre gelegene Berg Přísečnicka hora (854,2 m; ) laut touristischer Karte von 1992 würde also übersetzt „Preßnitzer Berg“ heißen. Er wurde offenbar nach dem Bau der Talsperre umbenannt, denn eine deutschsprachige Karte nennt ihn „Königinberg“.

Ehemalige Bäche im Preßnitz-Talkessel Am südlichen Stadtrand von Preßnitz vereinigten sich Hammerbach (älter: Hammerle-Bach; Hamerský potok; aus dem Hammerlegrund kommend), Dörnsdorfer Bach und Reischdörfer Bach zum Preßnitz-Bach, der auch „Die Bresnitz“ genannt wurde.Rekonstruktionskarte der Preßnitzer Stadtmitte, S. 40/41. Es existierten noch weitere Bäche und Ausflüsse aus Bergwerksstollen (z. B. Bergwasser vom Neuen Stück, Bergwässer vom Scheib-Revier, Bergwässer vom Orpuser Revier, Wasser des Erbstollen „Haus Österreich“), die auch in die Bresnitz hineinflossen. Ein aus dem Westen zufließender Bach, der Schießhaus-Bach speiste das Preßnitzer Freibad (und den Stadtmühlgraben) und vereinigte sich östlich des Marktplatzes mit dem Preßnitz-Bach. Weitere in die Preßnitz fließende Bäche waren der Bach der Kempteiche/Altvaterteiche am Heegberg und der Orpusbach (auch Steiner Schotten genannt), aus dem Ort Opus kommend. Außerhalb der Stadt (abwärts der Preßnitz) mündeten der Saubach und der Rohrschmiedebach (aus Westen und Nordwesten kommend) und der Rote Bach (Červený potok) aus Osten vom Höllberg kommend in die Preßnitz. Außerdem gab es noch den Brandbach (Požární potok).. Abgerufen am 13. August 2019.

Seit dem Bau der Talsperre sind die meisten Bäche komplett oder teilweise unter dem Wasserspiegel der Talsperre versunken.

Ehemalige Teiche im Preßnitz-Talkessel zwei Kempteiche und zwei Altvaterteiche nordwestlich von Preßnitz am Heegberg Großer Teich an Nordseite der Stadt Preßnitz drei (oder vier?) Nittnerteiche am Schießhausbach westlich von Preßnitz parallel der Straße nach Schmiedeberg drei Teiche bei Köstelwald und Dörnsdorf am Preßnitzbach ein Stausee bei Orpus am Hammerlebach/Hammerbach die Drei Teiche nordwestlich des Höllberges Gärberteich am Roten Bach südwestlich des Haßberges, östlich des Weißen Hofes

Geologie Die Berge um den Preßnitzer Talkessel sind zumeist vulkanischen Ursprunges. So auch Haßberg, Großer, Mittlerer und Kleiner Spitzberg und Kupferhübel. Diese Berge sind Basaltkuppen. Die ansonsten im Preßnitzer Talkessel vorkommenden Gesteine sind: Biotit, Muskowit-Biotit-Paragneise – teilweise magmatisiert (aufgeschmolzen) –, sowie Glimmerschiefer. In dessen Schichten treten quarzhaltige Skarnlinsen auf, die Mineralien von Edelmetallen (Kupfer, Silber) oder rotbraune Eisenhydroxide enthalten. Quarz bildet durch Verunreinigungen im Preßnitzer Talkessel Vorkommen von Halbedelsteinen wie Chalzedon bei Pleil-Sorgenthal und lila Amethyste sowie rosa bis graufarbigen Hornstein am Haßberg – auf Halden des Altbergbaues.

Klima Die mittlere Jahrestemperatur im Preßnitzer Talkessel beträgt nur 5,5 Grad Celsius. Der Bereich der ehemaligen Innenstadt (Marktplatz Preßnitz) lag etwa auf 720 m oder 725 m über NN. Schneefall wird hier an 45 bis 60 Tagen im Jahr auftreten. Der Schnee bleibt etwa 165 bis 174 Tage im Jahr liegen, bevor er taut. Die jährliche Niederschlagsmenge ist etwa 900 mm. Das Klima im Preßnitzer Gebiet mit kurzem Sommer, langer Übergangszeit, lang liegender Schneedecke und eher mildem Winter wird fachlich als Bereich „CH6“ eingestuft.Kap. Natürliche Verhältnisse (Čestmír Ondráček), Klima im Preßnitzer Talkessel, S. 6.

Geschichte mini|Ehemaliges Ortswappen der Stadt Preßnitz, die waagerechten rot-silber-roten Balken wurden von den Ortsgründern und ersten Herrschaftsinhabern, den Herren von Schönburg übernommen mini|Zeichnung des Stadtkerns von 1591 mini|Der Posto bei Presnitz, 1641 von Pieter Snayers – Darstellung der Schlacht zwischen schwedischen und kaiserlichen Truppen am 27. März 1641. Zentral die Burg Preßnitz. mini|Informationstafel am Damm der Talsperre Preßnitz

Urkundliche Ersterwähnung Die erste urkundliche Erwähnung von Preßnitz erfolgt in einer Urkunde von 1335, mit der König Johann von Luxemburg diejenigen von Zollgebühren befreite, die auf der von Preßnitz nach Laun führenden Straße zogen:

Etymologie und historische Schreibweisen des Stadtnamens Insgesamt sind 53 verschiedene Schreibweisen des Namens Preßnitz in historischen Quellen bekannt. Beispielsweise:Schreibweise des Preßnitzer Namens, S. 13. 1335: Presnitz 1336: Břesnic 1341: Bresnitz 1384: Prziesnicz 1405: Brosnicz 1411: Przesessnicz 1422: Brissenicz 1608: Pržissetnicze

Es gibt zwei Hypothesen zur Herkunft und Bedeutung des Namens Preßnitz/Přísečnice: von oder , tschechisch für „Verhau“. Im Mittelalter sperrte man Pässe und wichtige Handelsstraßen in Kriegszeiten nämlich mit einem Verhau aus Holzstämmen bzw. gefällten Bäumen. vom Adjektiv ableiten. Das ist das durch „Příeseka“ fließende Wasser.Namensbedeutung S. 13.

Allgemeingeschichtlicher Überblick Der alte Passort Preßnitz, 1335 erstmals erwähnt als oppidum (Städtchen), erhielt um 1340 unter König Johann von Böhmen eine Münzstätte, in der böhmische Groschen, die sogenannten Bremsiger, mit der Aufschrift: „Johannes primus Dei gratia Rex Bohemiae“ geprägt wurden. Kaiser Karl IV. verlieh die Herrschaft über den Ort den Herren von Schönburg auf Hassenstein. Anfang des 15. Jahrhunderts ging sie in den Besitz der Familie Lobkowitz über. 1533 erwarben die Grafen Hieronymus und Lorenz Schlick die Herrschaft Preßnitz. Unter den Schlicks blühte der Silberbergbau.

Der böhmische und römisch-deutsche König Ferdinand I., der ab 1545 neuer Besitzer von Preßnitz war, erhob den Ort ein Jahr später zur Königlich freien Bergstadt.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges war Preßnitz und die nähere Umgebung Schauplatz einer bedeutenden Kampfhandlung zwischen schwedischen und kaiserlichen Truppen: Die Schweden unter Johan Banér waren – verfolgt von kaiserlichen Kavallerieregimentern – auf kürzestem Weg über böhmisches Gebiet nach Sachsen unterwegs und zogen am von Kaaden aus über den Passweg ins Erzgebirge. Auf dem Gebirgskamm kam es zur Schlacht bei Preßnitz. Banér verlor dabei etwa 4000 Mann, was nahezu einem Drittel der Truppenstärke entsprach.

Im Jahr 1811 gab es einen großen Brand, bei dem elf Bewohner starben und 307 Häuser abbrannten. 1906 wurde Preßnitz Kreisstadt. Nach dem Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie wurde Preßnitz 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen verlor danach an Bedeutung.

Aufgrund des Münchner Abkommens kam Preßnitz 1938 an das Deutsche Reich und gehörte bis 1945 zum Landkreis Preßnitz, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland. Im Ort ansässig waren ein Gericht und die Bezirksverwaltung. Außerdem befanden sich hier ein großes Barockschloss, eine Reihe von Häusern mit gotischen Portalen, die Barockkirche der Jungfrau Maria und die gotische Kirche des heiligen Nikolaus, in der 1510 der böhmische Humanist Bohuslaus Lobkowicz von Hassenstein begraben wurde.

In den Jahren 1945 und 1946 wurde die überwiegend deutschböhmische Bevölkerung vertrieben. In der Folgezeit verfiel die Stadt immer mehr und viele Häuser wurden abgerissen.