mini|Wladimir Putin (2023) rahmenlos|hochkant|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Wladimir Putin, 2006 Wladimir Wladimirowitsch Putin (; * 7. Oktober 1952 in Leningrad, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein russischer Politiker. Vom 31. Dezember 1999 bis 2008 war er und seit 2012 ist er wieder Präsident der Russischen Föderation mit diktatorischen Vollmachten. Von August 1999 bis Mai 2000 sowie von Mai 2008 bis 2012 war Putin Ministerpräsident Russlands. In den Jahren 1975 bis 1990 war er Mitarbeiter des KGB. Er wird für zahlreiche Kriegsverbrechen und andere Straftaten verantwortlich gemacht.

Russland entwickelte sich während Putins Machthaberschaft in eine illiberale und pseudodemokratische Richtung; Putin selbst schreibt eine „patriotische“ und zunehmend imperialistische und militaristische Politik vor. Das von vielen Beobachtern als Putinismus bezeichnete Herrschaftssystem wird charakterisiert als autoritär, despotisch, revanchistisch und diktatorisch, seit dem Überfall auf die Ukraine 2022 vermehrt auch als faschistisch. Ein vor seinem Amtsbeginn eingeleiteter wirtschaftlicher Aufschwung und seine aggressive Außenpolitik förderten in der Bevölkerung Putins Popularität, verstärkt durch eine einseitig positive Darstellung seiner Politik in staatsnahen russischen Medien sowie durch Verbote freier Medien und Nichtregierungsorganisationen mit überregionaler Verbreitung.

Seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim 2014 sind die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zerrüttet, da durch den Bruch der Charta von Paris und anderer Verträge die europäische Friedensordnung offen verletzt wurde. Im Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine militärisch. Putin propagiert eine „Bedrohung durch die NATO“ und negiert die Existenz einer eigenständigen ukrainischen Nation. Der von ihm als „Spezialoperation“ bezeichnete Angriffskrieg löste eine Flüchtlingswelle von über sechs Millionen Ukrainern über die Landesgrenze sowie von ca. acht Millionen Vertriebenen im Inland aus. Im März 2023 erließ der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen Wladimir Putin wegen begründeten Verdachts auf Verschleppung von ukrainischen Kindern auf russisches Gebiet.

Aufstieg zur Macht hochkant|mini|links|Wladimir Spiridonowitsch Putin, Putins Vater mini|hochkant|Marija Iwanowna Putina (geb. Schelomowa), Wladimir Putins Mutter Jugend und Familie Die meisten Informationen über Wladimir Putins frühe Kindheit und Herkunft stammen aus seiner Autobiografie, deren Angaben nicht durchgehend zuverlässig sind. Demnach war Putins Vater Wladimir Spiridonowitsch Putin (* 23. Februar 1911; † 2. August 1999) Fabrikarbeiter in einem Werk für Waggonbau und Mitglied der Kommunistischen Partei. Er war in die Marine eingezogen worden und kämpfte im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Er hatte sechs Brüder, von denen fünf gefallen sind.„Er hatte sechs Brüder, von denen fünf gefallen sind“, schrieb Putin über seinen Vater, allerdings erst 2015 in einem Essay für die russische Zeitschrift Russkij Pioner. Zitiert nach: Julius Müller-Meiningen: Kind traumatisierter Eltern: Woher kommt Putins Brutalität? Augsburger Allgemeine, 13. März 2022. Nach anderer Quelle hatte Putins Großvater nur vier Söhne, von denen zwei im Zweiten Weltkrieg fielen (Allen C. Lynch: Vladimir Putin and Russian Statecraft. Potomac Books, Washington, D.C. 2011, ISBN 978-1-59797-298-7, S. 10). Putins Großvater väterlicherseits, Spiridon Iwanowitsch Putin (1879–1965), war nach Putins Angaben Koch von Lenin und Stalin.

Die Mutter Marija Iwanowna Putina, geborene Schelomowa (1911–1998), war Fabrikarbeiterin. Sie überlebte die deutsche Belagerung Leningrads von September 1941 bis Januar 1944. Ihr zweiter Sohn starb in dieser Zeit als Dreijähriger an Diphtherie, ihr erster Sohn, geboren Mitte der 1930er Jahre, war bereits vor Kriegsbeginn gestorben.

Wladimir Putin wurde am 7. Oktober 1952 in Leningrad geboren.Fiona Hill, Clifford G. Gaddy: Mr. Putin. Operative in the Kremlin. Brookings Institution Press, Washington, D.C. 2015, ISBN 978-0-8157-2617-3, S. 7, 399 (englisch). Er war das dritte Kind der Familie. Anfang 2012 sagte Wladimir Putin bei einem Weihnachtsgottesdienst, dass seine Mutter ihn heimlich habe taufen lassen, ohne dem Vater davon etwas zu sagen.

Die Arbeiterfamilie lebte in einer 20 m² großen Leningrader Kommunalka; Bad und Küche musste sie sich mit den Nachbarn teilen. Im Hof prügelte sich der junge Wladimir oft mit Gleichaltrigen, weshalb die sowjetische Pionierorganisation ihn zunächst nicht aufnahm. Seine Lehrerin Wera Gurewitsch berichtete, dass er sagte, als er mit 14 Jahren einem Mitschüler das Bein brach, „manche verstehen nur Gewalt“. Schon als Kind besaß Putin eine Armbanduhr und als Student ein Auto, in der Sowjetunion ein ungewöhnlicher Luxus, beides Geschenke der Eltern, „die ihr einziges überlebendes Kind vergötterten und bedingungslos verwöhnten“. Putin begann früh, sich für Kampfsport zu interessieren. Als Jugendlicher übte er Boxen, Sambo und Judo, in letzterem wurde er Leningrader Stadtmeister und erhielt, nach eigener Aussage, mit etwa 18 Jahren den schwarzen Gürtel.Masha Gessen: Der Mann ohne Gesicht. Piper-Verlag, 2012, ISBN 978-3-492-05529-1, S. 68. Auch als Präsident trainierte er regelmäßig Judo im Kreml. Ferner gehören Skifahren und Eishockey zu seinen sportlichen Vorlieben.

Patriotische Spionagefilme wie Schild und Schwert (1968) weckten im jungen Putin den Berufswunsch nach einer Agententätigkeit. Als Schüler der neunten Klasse bewarb er sich nach eigenen Angaben in der Leningrader KGB-Zentrale um Aufnahme, erhielt aber den Rat, es zunächst mit einem Jurastudium zu versuchen.

Beginn der Karriere Putin absolvierte ein Jurastudium an der Universität Leningrad. Zu seinen Lehrern gehörten dort der spätere Bürgermeister von St. Petersburg, Anatoli Alexandrowitsch Sobtschak, und die Rechtstheoretikerin Dschenewra Lukowskaja.Universität Sankt Petersburg: Луковская Дженевра Игоревна (abgerufen am 7. November 2025). Seine Diplomarbeit über das Meistbegünstigungsprinzip im Völkerrecht fertigte er 1975 bei Ljudmila Galenskaja an.Николай Кропачев: Владимир Путин диплом защитил на "отлично" (abgerufen am 13. Oktober 2025). Von 1975 bis 1982 war Putin KGB-Offizier in der ersten Hauptabteilung (Auslandsspionage). Von 1984 bis 1985 besuchte er die KGB-Hochschule in Moskau.

Dresdner Jahre mini|hochkant|Putin in KGB-Uniform (ca. 1980 im Rang eines Hauptmanns) mini|links|Vom DDR-Ministerium für Staats­sicher­heit ausgestellter Ausweis 1985 mini|Gebäude der ehemaligen KGB-Residentur Dresden in der Angelikastraße 4 (2006) Zur Tarnung offiziell zuständig für das Haus der deutsch-sowjetischen Freundschaft in Leipzig, war Putin ab 1985 in der DDR hauptsächlich in nachgeordneter Funktion bei der KGB-Residentur Dresden tätig, einer Villa in der Angelikastraße 4. In zehnminütiger fußläufiger Entfernung bewohnte die Familie Putin – 1986 wurde die zweite Tochter geboren – eine 2½-Zimmer-Wohnung in einem Plattenbau in der Radeberger Straße 101.MDR Exakt vom 23. März 2022 Putins Tätigkeit in der DDR umfasste Personalgewinnung, Ausbildung in Funkkommunikation und die Überwachung von Besuchergruppen des in Dresden ansässigen Kombinats Robotron.Richard Sakwa: Putin: Russia’s Choice (2. Auflage), S. 23. Er war auch für die Unterstützung sogenannter Illegaler zuständig. Nach Auskunft seines KGB-Kollegen Wladimir Ussolzew sollte Putin Informationen über die amerikanischen Special Forces in Bad Tölz und über die Aktivitäten auf den großen Truppenübungsplätzen Wildflecken und Munsterlager sammeln. Außerdem wurden ausreisewillige DDR-Bürger angeworben. Als weitere Hauptaufgabe habe er unter den ausländischen Studenten an der Technischen Universität in Dresden Spione angeworben. Putin behauptete später, er habe in der Abteilung für Illegale des KGB, Direktorat S, gearbeitet. Für diese Behauptung gibt es dem Geheimdienstexperten Calder Walton zufolge keine zuverlässigen Beweise. Nach Angaben von CIA-Insidern wollte Putin Mitarbeiter in der Abteilung werden, sei jedoch an der Sprachausbildung gescheitert. Putin vertiefte seine Deutschkenntnisse, die heute noch auf hohem Niveau sind, und wurde vom Hauptmann zum Major befördert. 2012 und 2022 behaupteten zwei Biografinnen in ihren Büchern, Putin sei ein Verbindungsmann zur Unterstützung der 3. Generation der Terrorgruppe RAF gewesen.Putin hatte als KGB-Agent Kontakt zur RAF. In: morgenpost.de. vom 27. Februar 2012, abgerufen am 5. März 2023.Catherine Belton: Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste. HarperCollins, Hamburg 2022, ISBN 978-3-7499-0328-3, S. 56, 60–64. Diese Informationen basierten auf Angaben eines unter anderem wegen Falschaussage mehrfach vorbestraften anonymen Informanten. Überzeugende Belege für Kontakte Putins zur RAF gibt es nicht (Stand 2023).

Der Bundesnachrichtendienst (BND) führte während Putins Zeit in der KGB-Residentur die dortige Chefdolmetscherin als Innenquelle Lenchen. Diese freundete sich mit Putins Frau an. Sie berichtete der Dolmetscherin unter anderem, sie sei von ihrem Mann geschlagen worden, und Putin habe zahlreiche Affären mit anderen Frauen. Lenchen meldete diese Informationen an den BND.

Von 1985 bis 1989 besaß Putin auch einen Ausweis des MfS („Stasi“). Ob er auch Agent des MfS war, ist unklar, da der KGB und das MfS Dienste befreundeter Staaten waren: Der Ausweis könnte ihm vom MfS ausgestellt worden sein, um ihm das Betreten von MfS-Dienststellen ohne größere Kontrollen zu ermöglichen. 1989 hatte Putin den Dienstgrad eines Oberstleutnants, was auf eine Dienststellung als stellvertretender Abteilungsleiter in der KGB-Residentur Dresden hindeutet. Dort arbeiteten 12 bis 16 Offiziere, neben Putin auch Nikolai Tokarew und Sergej Tschemesow. Laut einer Quelle des ZDF-Journalisten Dietmar Schumann soll Putin unter Mitarbeitern in dieser Zeit den Spitznamen „Giftzwerg“ gehabt haben.

Putin war Augenzeuge, als Demonstranten am 5. Dezember 1989 die MfS-Bezirksverwaltung, die heutige Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden, besetzten. Als ein Teil der Gruppe zur benachbarten KGB-Residentur weiterzog, beruhigte er eigenen Angaben zufolge die Menschen vor dem Gebäude und gab sich dabei als Dolmetscher aus. In seiner Biografie Aus erster Hand: Gespräche mit Wladimir Putin im Jahr 2000 schildert Putin zudem, telefonisch Unterstützung von einer sowjetischen Militärbasis angefordert zu haben, die nach Stunden eintraf und die Versammlung auflöste. Medien und Buchautoren haben wiederholt eine abweichende Version verbreitet, in der Putin allein mit einer Pistole bewaffnet die Demonstranten mit der Drohung, er habe Befehl, auf jeden Eindringenden zu schießen, eingeschüchtert habe. Sie berufen sich dabei auf die angeblichen Augenzeugen Volker Getz und Siegfried Dannath. Putin selbst hat diese Version nicht bestätigt. Der Spiegel schrieb im Juni 2023, die Anwesenheit Putins könne nicht belegt werden.

Nach Angaben der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes versuchte er im Jahre 1990, einen Spionagering aus ehemaligen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit aufzubauen. Als die von Putin ausgewählte Zentralfigur zum bundesdeutschen Verfassungsschutz überlief, flog der Ring auf.

Anfang des Jahres 1990 wurde Putin in die UdSSR zurückbeordert. Putin selbst behauptet, diese Zurückbeorderung sei freiwillig geschehen. Nach einer anderen Version habe Putin jedoch keine gute Arbeit in Dresden geliefert. Laut dem letzten Leiter der Hauptverwaltung A des Ministeriums für Staatssicherheit Werner Großmann zeigte sich dies bei einem Vorfall im Jahre 1990, bei dem Putin versuchte, eine bereits enttarnte Quelle an das KGB zu vermitteln. Diese versuchte Anwerbung deckte der ehemalige Doppelagent Klaus Kuron auf, so dass Großmann das KGB in Moskau warnen konnte. Nach Großmann könnte dieser Vorfall eine Rolle bei Putins Zurückbeorderung gespielt haben.

Petersburger Jahre