Isfet (zu dt. „Unrecht“ oder „Gewalt“) ist ein Begriff aus der altägyptischen Weltanschauung, welche von einer religiös, politisch und sozial gerichteten Doppeldeutigkeit (Dualismus) geprägt war.
Prinzip und Ideologie Isfet galt als Gegenstück zur Maat (zu dt. „(Welt-)Ordnung“ oder „Harmonie“). Isfet und Maat bildeten in den Augen der Ägypter eine komplementäre, wenn auch paradoxe Dualität: das Eine konnte ohne das Andere nicht existieren. Ein ägyptischer Herrscher (Pharao) war angehalten, die Isfet zu vernichten, um die Maat zu „verwirklichen“, das heißt, er musste durch Rechtsprechung und Kultwahrungen für Ordnung und Harmonie sorgen. Das Prinzip der Gegensätzlichkeit zwischen Isfet und Maat wird beispielsweise in einer populären Erzählung aus dem Mittleren Reich, den „Klagen des Oasenmannes“, eindrucksvoll beschrieben:
In den Augen der Alten Ägypter war die Welt mehrdeutig, das Handeln und Richten des gerechten Königs vereindeutlichte sie, indem er das Gute vom Bösen trennte.J. Assmann: Ma'at. Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im Alten Ägypten. München 1990, S. 213–216. Erste religiöse Ausdrücke bezüglich des Antagonismus Isfet/Maat finden sich in den Pyramidentexten des Königs Unas (5. Dynastie, Altes Reich).A. B. Kootz: Der altägyptische Staat. Wiesbaden 2006, S. 71–73.
Literatur Jan Assmann: Ma'at. Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im Alten Ägypten (= Beck’sche Reihe. Band 1403). 1. Auflage, Beck, München 1990, ISBN 3-406-45943-9. Jan Assmann et al.: Ma'at - Konfuzius - Goethe. Drei Lehren für das richtige Leben. 1. Auflage, Insel-Verlag, Frankfurt am Main / Leipzig 2006, ISBN 3-458-17248-3. Anja Berendine Kootz: Der altägyptische Staat: Untersuchung aus politikwissenschaftlicher Sicht (= Menes. Band 4). Harrassowitz, Wiesbaden 2006, ISBN 3-447-05319-4. Donald B. Redford: The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt: A-F (= The Oxford Encyclopedia of Ancient Egypt. Band 1). Oxford University Press, Oxford 2001, ISBN 0-19-513821-X.
Einzelnachweise
Kategorie:Ägyptische Mythologie