Das Kehlsteinhaus auf dem Kehlstein wurde 1937 bis 1938 im Auftrag der NSDAP nach Plänen von Roderich Fick als Repräsentationsgebäude im oberbayerischen Landkreis Berchtesgadener Land errichtet. Es ist ein denkmalgeschützter Täterort und war Teil des Führersperrgebietes Obersalzberg. Seit 1952 ist das Kehlsteinhaus öffentlich zugänglich. Eine Ausstellung informiert über seine Geschichte, die übrigen Räume werden seither als Gaststätte genutzt.

Technisch erschlossen wird das Kehlsteinhaus durch eine exponierte Bergstraße – die Kehlsteinstraße – und einen Aufzug. Die Kehlsteinstraße wird ausschließlich von den Bussen der Kehlsteinlinie befahren. Die gesamten Kehlsteineinrichtungen befinden sich heute im Eigentum des Freistaates Bayern. Die Berchtesgadener Landesstiftung hat den Nießbrauch an den Kehlsteineinrichtungen. Die Reinerträge kommen gemeinnützigen Zwecken im Landkreis Berchtesgadener Land zugute. Das Kehlsteinhaus gehört mit 350.000 Besuchern (Stand: 2014) zu den touristischen Angebotsschwerpunkten in der Landkreisteilregion Berchtesgadener Land und damit zu den besucherstärksten Sehenswürdigkeiten des ganzen Landkreises.Elias Butzmann: Natur- und Ökotourismus im Nationalpark Berchtesgaden, Würzburger Geographische Arbeiten. Band 116. Würzburg University Press, Würzburg 2017; Zuvor als Dissertation, Julius-Maximilians-Universität Würzburg, Philosophische Fakultät, 2016. PDF, S. 150 von 370 Seiten.

Lage mini|links|Lage des Kehlsteinhauses auf dem Kehlstein. Ansicht aus den Umgäng. Im Hintergrund der Untersberg. Das Kehlsteinhaus steht knapp unterhalb des Kehlsteingipfels in Höhe auf einem BergspornAmtliche topografische Karte (online) und gehört zur Gemarkung Eck der Gemeinde Berchtesgaden. Teile der Kehlsteinstraße liegen im gemeindefreien Gebiet Eck.

Bezeichnungen Nicht mehr eindeutig zu belegen sind weitere Bezeichnungen für das Kehlsteinhaus, das während der Zeit des Nationalsozialismus auch Teehaus (2. Teehaus), D-Haus (Diplomatenhaus) oder T-Haus (Haus T) genannt worden sein soll. Der französische Botschafter André François-Poncet, der am 18. Oktober 1938 Hitler im Kehlsteinhaus besuchte, bezeichnete den Ort erstmals als Adlerhorst (frz. Nid d’Aigle). Poncet war der einzige ausländische Besucher von Rang, den Hitler im Kehlsteinhaus empfing.Thomas Gayda: Deutschland war sein Schicksal. In: André François-Poncet: Botschafter in Berlin 1931–1938. Europa Verlag, München 2018, ISBN 978-3-95890-257-2 (Digitalisat). Die englische Entsprechung Eagle’s Nest wurde spätestens nach Kriegsende in der ganzen englischsprachigen Welt zum stehenden Begriff für dieses Haus und hat übersetzt auch in andere Sprachen Einzug gehalten. Im Deutschen bezeichnet man mit Adlerhorst dagegen das Führerhauptquartier Adlerhorst in Hessen.

Geschichte Bau des Kehlsteinhauses 1937–1938 mini|Hitler empfängt Familie Goebbels 1938 im Kehlsteinhaus mini|Eingang zum Kehlsteinlift kurz nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht (1945) Hitler besuchte 1923 erstmals den Obersalzberg. Nach der Machtergreifung 1933 wurde der kleine Ort zum Führersperrgebiet erklärt, das sich bis zum Kehlstein erstreckte, und völlig umgestaltet.

Eines der aufwendigsten Bauprojekte innerhalb des Führersperrgebiets war das Kehlsteinhaus mit Kehlsteinstraße und -lift, dessen Planung Martin Bormann dem Architekten Roderich Fick übertrug. Mit den Rohbauarbeiten für das Kehlsteinhaus wurde die Münchner Niederlassung von Hochtief beauftragt. Die Oberleitung für den Bau der Straße lag beim Generalinspektor des Straßenwesens Fritz Todt. Involviert war als Bauleiter der ausführenden Firma im Straßenbau Polensky & Zöllner auch Leopold Müller. An der Errichtung des Kehlsteinhauses waren vor allem deutsche, später auch tschechische und italienische Facharbeiter beteiligt. Bei der Errichtung des Aufzugsschachtes innerhalb des Berges gab es zwölf tödliche Arbeitsunfälle.Siehe englische Ausgabe von Adolf Hitler, Current Biography 1941, S. 384. Die Bauzeit der Straße lag bei 13 Monaten.Die Kehlsteinstraße auf den Kehlstein 2. August 2011, abgerufen am 1. Juni 2020. Hitler selbst suchte es dann jedoch nur etwa zehnmal auf (die Zahlen schwanken zwischen fünf- und vierzehnmal), weil ihm die Ausflüge dorthin zu zeitaufwendig und riskant gewesen sein sollen. Vor allem soll er kritisiert haben, dass der Aufzugsschacht nicht sicher gegen Blitzeinschläge sei und man einem Überraschungsangriff der Alliierten und ihren Bombern schutzlos ausgeliefert wäre.Dieter Dörfler: Hochgebirgsstraßen im Berchtesgadener Land, 4. September 2010, abgerufen am 1. Juni 2020.Kathrin Thoma-Bregar: , 19. Juni 2010, Stand 12. April 2013, abgerufen am 1. Juni 2020.

Kriegsende und Nachkriegszeit Am 25. April 1945 war das Kehlsteinhaus beim Fliegerangriff der britischen Lancaster-Bomber auf den Obersalzberg zwar eines der Hauptziele, wurde jedoch nicht getroffen – vermutlich weil es samt dem schmalen Gipfelplateau für die damals abgeworfenen, nicht lenkbaren Bomben als Ziel zu klein war. Leseprobe aus einem Obersalzbergbuch des Ch. Links Verlags, siehe Bombenziel Obersalzberg, S. 4 (PDF-Datei; 217 kB).

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde am 4. Mai 1945 das Führersperrgebiet von amerikanischen und französischen Truppen besetzt. Zur Geschichte des Führersperrgebiet mit Abbildungen. Die Amerikaner erklärten es wiederum zum militärischen Sperrgebiet. Das Kehlsteinhaus wurde beschlagnahmt und am 1. April 1946 förmlich unter Kontrolle genommenAktenzeichen Y Co-1255-77. Am 17. Februar 1949 ging das Kehlsteinhaus an den Freistaat Bayern über.Übertragungsurkunde Nr. 1259/V, Kontrollratsdirektive Nr. 50 Rückwirkend zum 20. Juni 1948 wurde es am 18. Juli 1949 der Bayerischen Allgemeinen Finanzverwaltung, vertreten durch das Finanzamt Berchtesgaden, übertragen, blieb aber noch bis 1951 unter der Kontrolle der Amerikaner.

Im Frühjahr 1951 gingen die Kehlsteinstraße und die Dalsenwinkelstraße in die Zuständigkeit der bayerischen Verwaltung über und am 12. Juni 1951 erhielt der Landkreis Berchtesgaden das Alleinbenutzungsrecht an diesen Straßen. Der Landkreis verpflichtete sich zur Einrichtung eines Linienverkehrs auf der Kehlsteinstraße und zur Übernahme der Instandsetzungskosten und des laufenden Unterhalts. Der Betrieb der Buslinie wurde zunächst der Deutschen Bundespost übertragen, am 19. Januar 1956 dann dem damaligen Fremdenverkehrsverband des Berchtesgadener Landes.

Der Landkreis hatte zwischenzeitlich die vom bayerischen Kabinett geplante Sprengung des Kehlsteinhauses abgewehrt. Der damalige, nicht zuletzt auf den wachsenden Fremdenverkehr bedachte Landrat Karl Theodor Jacob handelte aus, dass lediglich die Ruinen, die noch von den Bombardements und den ersten Sprengungen übrig geblieben waren, gesprengt wurden, das Kehlsteinhaus aber erhalten blieb. Er meinte, dass sei und gegen den „Nazitourismus“ wusste er ein eigenes Mittel: „Täterort“ und historische Aufklärung. Vortrag von Dr. Volker Dahm (Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte; München-Berlin, fachlicher Leiter der Dokumentation Obersalzberg) anlässlich eines Symposiums in zwei Teilen (5. bis 7. Dezember 2002, 16. bis 17. Januar 2003), nachzulesen im Tagungsband S. 198–210, Zitate der vom Vortragenden bestätigten Diskussionsbeiträge s. S. 204 f. ( auf ns-dokumentationszentrum-muenchen.de; PDF 1652 kB).

Im Februar 1952 verpachtete der Freistaat Bayern das Kehlsteinhaus mit Einverständnis der Amerikaner an die Sektion Berchtesgaden des Deutschen Alpenvereins. Ebenfalls auf Initiative des Landrats Jacob und anlässlich der 150-jährigen Zugehörigkeit der ehemaligen Fürstpropstei Berchtesgaden zu Bayern brachte im Jahr 1960 der Freistaat den Nießbrauch an den Kehlsteinbetrieben in die Berchtesgadener Landesstiftung ein, auch Kehlsteinstiftung genannt. Deren Erlöse kommen gemeinnützigen Zwecken im Landkreis Berchtesgadener Land zugute.

Seit den 1950ern beschränkte sich das Literatur- und Andenkenangebot im Umfeld des Kehlsteinhauses jahrzehntelang weitgehend auf Hochglanzbroschüren mit früheren Propagandafotos vom Obersalzberg; auch die Andenken waren nicht selten mit idyllischen NS-Motiven versehen.Volker Dahm: "Täterort" und historische Aufklärung. Siehe Tagungsband S. 198–210, Zitat s. S. 199 f. Erst seit am 20. Oktober 1999 die Dokumentation Obersalzberg unweit der Bushaltestelle zum Kehlsteinhaus eröffnet wurde, wird den Besuchern auch vor Ort eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte dieses Täterortes geboten. 2017 wurde vom Institut für Zeitgeschichte auch im Kehlsteinhaus selbst eine kleine, die Dokumentation ergänzende Ausstellung zu dessen NS-Geschichte eingerichtet.Aktuelles der Dokumentation Obersalzberg – Neue Ausstellung, Meldung vom 7. August 2017 auf der Website des Instituts für Zeitgeschichte, online unter ifz-muenchen.deAusstellung, Abschnitt zur Ausstellung des Institutes für Zeitgeschichte, online unter kehlsteinhaus.de

2009 wurde bekannt, dass die Bayerischen Staatsforsten vorhaben, das mit Schwarzdecken versehene historische Wegenetz im Kehlsteingebiet durch für 40 Tonnen schwere Transportmaschinen befahrbare Schotterwege zu ersetzen. Dies stößt u. a. auf Widerspruch der regionalen SPD. Sie stuft die Bausubstanz aus der NS-Zeit ebenso wie das Obersalzberg Institut als Denkmal nach Maßgabe des Denkmalschutzes ein und fordert daher weniger radikale Lösungen. Betont wird aber auch die touristische Bedeutung der familien- und behindertengerechten Wege, die gerne von Radfahrern und Wanderern genutzt werden.. Homepage SPD-Ortsverein Bischofswiesen.Wirtschaftlichkeit gegen Denkmalschutz. Berchtesgadener Anzeiger, 3. Juni 2009.

Von Ende 2023 bis Mai 2025 war der Kehlsteinlift außer Betrieb – der Austausch des 5 Tonnen schweren defekten Motors von 1973 konnte erst nach Ende der Saison 2024 vorgenommen werden und kostete eine halbe Million Euro. 124 Meter in 41 Sekunden – Hitlers Lift zum Kehlsteinhaus braucht neuen Motor, Meldung vom 20. Dezember 2023 im Tagesspiegel, online unter tagesspiegel.de.Das Kehlsteinhaus startet in die Saison 2025, blog.berchtesgadener-land.com, 30. April 2025

Ausstattung und Baukosten mini|Offener Kamin

Die Raumaufteilung sah Arbeits-, Speise-, Wohn-, Wach- und Ruhezimmer vor sowie eine Küche, Waschräume und einen großen Keller.

Der Teeraum wurde mit Untersberger Marmor vermauert, die Wände des Scharitzkehlstüberls sind vollständig mit Zirbelholz verkleidet. Ein Großteil der Möbeleinrichtung hatte das Design von Paul László – ohne dass vorher der als Jude verfolgte Architekt László und der im Nachhinein darüber entrüstete Albert Speer davon unterrichtet worden wären. Den Marmor für den großen Kamin des Hauptraumes hat Mussolini gestiftet.

Als Zugang zum Haus wurde ein 124 m hoher Aufzug eingerichtet, zu dessen Eingang wiederum ein 124 m langer und 3 m hoher Tunnel in den Berg getrieben wurde. Das Innere der Aufzugkabine ist mit polierten Messingplatten und venezianischen Spiegeln verkleidet worden, die an den Seiten ausklappbaren, gepolsterten Sitze wurden mit grünem Leder bespannt. Die Kabine ist weitgehend original erhalten, einschließlich Wandtelefon aus Bakelit und mechanischer Uhr. Hergestellt wurde der Aufzug von der Maschinenfabrik Carl Flohr aus Berlin.

Die reinen Baukosten des Kehlsteinhauses beliefen sich einschließlich des Aufzugssystems mit Zugangstunnel und der Kehlsteinstraße mit fünf weiteren Tunneln damals auf rund 30 Millionen Reichsmark, was heute ungefähr Millionen EURDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle Millionen gerundet und bezieht sich auf den zurückliegenden Januar. entspricht.

Zugangsmöglichkeiten mini|Busse auf der Kehlsteinstraße (2011) mini|Tunnelportal zum Kehlsteinlift (2005) mini|Tunnel zum Kehlsteinlift

Kehlsteinbetriebe