mini|Der OMV-Hauptsitz in 1020 Wien im Hochhaus „Hoch Zwei“
Die OMV Aktiengesellschaft mit Sitz in Wien ist ein integrierter Erdöl-, Erdgas- und Petrochemiekonzern, der sowohl bei der Förderung als auch Verarbeitung aktiv ist. Das Unternehmen ist börsennotiert und Mitglied des ATX der Wiener Börse. Forbes zählt das Unternehmen zu den 2000 weltweit größten Unternehmen.Forbes Global 2000. In: forbes.com. Abgerufen am 6. Juni 2024. Laut Statista war es 2022 bezogen auf den Umsatz das größte Unternehmen Österreichs. Bis 1995 verwendete das Unternehmen die Abkürzung ÖMV (Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft).Mehr als 60 Jahre OMV In: omv.com. Abgerufen am 22. August 2023.
Unternehmensgeschichte 1943 bis 1994
Das Unternehmen wurde mit Sitz im Groß-Wien in der NS-Zeit und mitten im Zweiten Weltkrieg mit Satzung vom 9. September 1943 gegründet und am 10. März 1944 am Handelsgericht Wien als Aktiengesellschaft im Handelsregister eingetragen (HRB 29493).OMV Aktiengesellschaft, FN 93363z. In: firmenabc.at, abgerufen am 28. März 2026: Beginndatum der Rechtsform: 9. August 1943.OMV Aktiengesellschaft, FN 93363z. Firmenbuchauszug mit historischen Daten zum Stichtag 28. März 2026, abgerufen von justizonline.gv.at: Ersterfassung gem. Art. XXIII Abs. 4 FBG am 28. April 1994: , Ersteintragung am 10. März 1944, Firma ÖMV Aktiengesellschaft; Satzung vom 9. August 1943. Antrag auf Änderung eingelangt am 23. Juni 1995, eingetragen am 30. Juni 1995, Firma OMV Aktiengesellschaft.
Nach dem Ende des Krieges 1945 wurde das Mineralölunternehmen als Sowjetische Mineralölverwaltung (SMV) der Sowjetischen Besatzungsmacht einverleibt, die es bis 1955/56 kontrollierte. Während der Besatzungszeit verkaufte die SMV unter dem Namen ÖROP bzw. OROP, nach dem Wechsel zur ÖMV wechselte der Markenname zu ELAN, ab 1990 zu ÖMV/OMV. Im Vertrieb operierte es seit 1965 auch mit dem Markennamen MARTHA.Die Meilensteine der OMV Erfolgsgeschichte. Abgerufen am 4. Juli 2016.
Mit Verschmelzungsverträgen vom und Gesellschafterbeschlüssen am 10. Februar 1956 erfolgte als übernehmende Gesellschaft die Verschmelzung der SMV, der späteren ÖMV, mit folgenden Unternehmen: Naphta Aktiengesellschaft Korneuburger Mineralölraffinerie Aktiengesellschaft Donau Öl Gesellschaft mit beschränkter Haftung Reintal-Gas Gesellschaft m.b.H. Zaya-Gas Gesellschaft m.b.H. Niederdonau Erdöl-Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Anna“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. „Berta“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. „Christa“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. „Dora“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. „Emma“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. „Ida“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. „Klara“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. Rohöl-Raffinerie Moosbierbaum Gesellschaft m.b.H.
Mit weiteren Verschmelzungsverträgen und Gesellschafterbeschlüssen am 4. Juni 1959 erfolgte als übernehmende Gesellschaft die Verschmelzung der ÖMV mit folgenden Unternehmen: Erdölproduktions-Gesellschaft m.b.H. „Herma“ Erdöl Gesellschaft m.b.H. „Luise“ Erdöl Gesellschaft m.b.H.
Am 3. Juli 1956 erfolgte die Eintragung der Österreichische Mineralölverwaltung Aktiengesellschaft (ÖMV) im Handelsregister. Dieses Datum wird von der heutigen OMV als Gründungsdatum angegeben.60 Jahre und kein bisschen leise: OMVs bewegte Geschichte. blog.omv.com, abgerufen am 4. Juli 2016. Mit Verschmelzungsvertrag und Generalversammlungsbeschluss bzw. Hauptversammlungsbeschluss vom 30. April 1992 wurde die Mineralölverwertungs-Aktiengesellschaft (HRB 47.720 HG Wien) als übertragende Gesellschaft in die ÖMV verschmolzen.
mini|OMV-Tanklager in St. Valentin; seit 1976 durch die Produktenleitung West (PLW) mit dem Tanklager Lobau verbunden.
Die wichtigsten Anlagen des Unternehmens waren die Raffinerie Lobau mit der dazugehörigen Ölleitung Zistersdorf-Lobau sowie die Anlagen und Ölfelder der übernommenen Rohöl-Aufsuchungs AG.Ina Markova, Stefan Wedrac: „Hamburg des Ostens?“ Der Ausbau des Wiener Hafens in der NS-Zeit. Böhlau, 2023, S. 119 f. Im Jahr 1960 wurde die Raffinerie Schwechat südöstlich von Wien in Betrieb genommenRaffinerie Schwechat: 60 Jahre und noch lange nicht pensionsreif Abgerufen am 20. Mai 2020., 1968 wurde der erste Erdgasliefervertrag mit der UdSSR abgeschlossen.Jubiläum: 50 Jahre Gasliefervertrag Abgerufen am 20. Mai 2020. Im Rahmen des ersten Börsengangs eines staatlichen österreichischen Unternehmens wurden 15 % der ÖMV Ende 1987 privatisiert.Die OMV Aktie: 30 Börsenjahre – 2.000 Prozent Rendite. Abgerufen am 20. Mai 2020. Die ÖMV beteiligte sich 1989 beim dänischen Kunststoffkonzern Borealis mit zunächst 25 %. Die erste ÖMV-Tankstelle nahm am 26. Juni 1990 ihren Betrieb in Wien-Auhof auf.30 Jahre OMV Tankstellen Abgerufen am 20. Mai 2020. Im selben Jahr übernahm die ÖMV die später in Borealis eingegliederte Chemie Linz.
1994 bis 2020
Ende 1994 stieg die International Petroleum Investment Company (IPIC) aus Abu Dhabi mit vorerst 19,6 % beim Konzern ein. Im Zuge dieser Internationalisierung wurde der Konzernname „ÖMV“ 1995 auf „OMV“ vereinfacht, da Umlautzeichen in etlichen Sprachen wenig geläufig sind. Auch in Osteuropa wuchs die OMV: 2000 erwarb das Unternehmen rund 10 % am ungarischen Mineralölkonzern MOL, 2003 akquirierte die OMV auch die Upstream-Sparte der deutschen Preussag Energie und baute das Tankstellennetz weiter aus.
Zum Marktführer in Mittel- und Osteuropa wurde die OMV 2004 durch den Erwerb von 51 % des rumänischen Öl- und Gaskonzerns Petrom. Im gleichen Jahr erhöhte die OMV das Grundkapital, womit erstmals mehr als 50 % der Aktien im Streubesitz waren. Nach dem Verkauf von 50 % der Tochtergesellschaft Agrolinz Melamine an die IPIC im Jahre 2005 wurde gemeinsam mit IPIC die Borealis-Gruppe zur Gänze übernommen.
2006 beteiligte sich die OMV mit 34 % am türkischen Erdölkonzern Petrol Ofisi.Günther Strobl: OMV tankt nun auch in der Türkei auf. In: Der Standard, 14. März 2006. Die vom OMV-Vorstand und der Verbund AG (Elektrizität) im selben Jahr angekündigte Fusion zerschlug sich. Als Hauptgrund galt der Widerstand der Landeshauptleute.Vergil Siegl: OMV/Verbund: Neue Szenen keiner Ehe. In: Format, Nr. 22/2006 (2. Juni 2006).
mini|Erdölraffinerie in Schwechat nahe Wien 2007 erhöhte die OMV ihre Anteile am ungarischen Mineralölkonzern MOL auf vorerst 20,2 %. Nachdem ein Übernahmeangebot im August 2008 von der MOL abgelehnt worden war, und die EU-Kommission strenge Auflagen für eine Genehmigung gemacht hatte, veräußerte die OMV im März 2009 ihre gesamte 21,2 % MOL-Beteiligung für 1,4 Mrd. Euro an Surgutneftegas.
Ende 2010 übernahm die OMV den Anteil der Dogan-Holding an der Petrol Ofisi und erhöhte ihren Anteil somit auf 95,75 %.OMV schluckt für eine Milliarde türkischen Partner. In: Der Standard, 23. Oktober 2010. 2012 konnte mit der Domino-1-Bohrung im Neptun-Block vor der rumänischen Schwarzmeerküste der bis dahin ergiebigste Gasfund der OMV gemacht werden.OMV Presseaussendung, ExxonMobil / OMV Petrom: Tiefwasser Gasfund vor der Rumänischen Schwarzmeerküste. Abgerufen am 7. April 2017.
Im Oktober 2013 schloss die OMV Verhandlungen über eine Beteiligung an den Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil in Norwegen und Großbritannien (westlich der Shetlandinseln) erfolgreich ab. Mit 2,65 Mrd. US-Dollar stellte dies damals die größte Akquisition in der Unternehmensgeschichte dar.OMV Presseaussendung, OMV schließt Akquisition mit Statoil ab. Abgerufen am 7. April 2017. Der Verkauf des 45-%-Anteils an der deutschen Raffinerie Bayernoil an die Varo Energy wurde im Juni 2014 abgeschlossen.OMV Presseaussendung, OMV: Downstream Umstrukturierung auf Kurs. Abgerufen am 7. April 2017.
2015 erhöhte die OMV ihre Beteiligung an der Petrol Ofisi auf 100 %. Im Jahr 2017 verkaufte sie das Unternehmen an die Vitol-Gruppe.OMV Presseaussendung, OMV verkauft die 100%ige Tochtergesellschaft OMV Petrol Ofisi an die Vitol Gruppe. Abgerufen am 7. April 2017.
Ebenfalls 2017 unterzeichnete die OMV gemeinsam mit Engie, Shell, Uniper und Wintershall einen Finanzierungsvertrag mit der Nord Stream 2 AG. Die 1.220 Kilometer lange Nord Stream 2 Gaspipeline verläuft von der russischen Küste durch die Ostsee nach Deutschland.Nord Stream 2 entmystifizieren: OMV’s Gründe, sich am Projekt zu beteiligen. Abgerufen am 7. Juli 2019. Am 3. Oktober 2018 wurde mit Gazprom ein Basic Sale Agreement geschlossen über den möglichen Erwerb einer 24,98 % Beteiligung an den Blöcken 4A/5A der Achimov-Formation des Urengoi-Gasfelds. Die Verhandlungen verzögerten sich und scheiterten 2022 endgültig.Die OMV schreibt Russland ab. In: Die Presse, 7. März 2022.
2019 gründeten die OMV und Sapura Energy Berhad die SapuraOMV Upstream Sdn. Bhd., ein Öl- und Gasunternehmen in Malaysia.OMV und Sapura Energy schließen Vereinbarung zur Bildung einer strategischen Partnerschaft ab. Abgerufen am 7. Juli 2019. 2024 wurde der OMV-Anteil am Joint-Venture an TotalEnergies verkauft.OMV veräußert Beteiligung der SapuraOMV an TotalEnergies. In: europe oil telegram, Heft 7/2024, S. 21. 2019 beteiligte sich OMV ebenfalls mit einem 15-%-Anteil an ADNOC Refining in den Vereinigten Arabischen Emiraten.ADNOC unterzeichnet bahnbrechende strategische Partnerschaftsabkommen mit Eni und OMV in den Bereichen Raffination und Handel. Abgerufen am 7. Juli 2019.
Seit 2020
Im März 2020 unterzeichnete die OMV eine Vereinbarung zur Aufstockung ihrer Beteiligung an Borealis: die OMV, die bislang 36 % der Anteile an Borealis hielt, erwarb weitere 39 % und erhöhte damit ihren Anteil auf 75 %. Diese Akquisition war die bis dahin größte in der Unternehmensgeschichte und gleichzeitig eine Erweiterung der Wertschöpfungskette in Richtung Petrochemie.OMV stockt Borealis-Anteile auf. Abgerufen am 7. Juli 2019. Im Dezember 2020 verkaufte die OMV ihr Tankstellennetz in Deutschland mit 285 Tankstellen an die britische EG Group. Das deutsche Tankstellennetz wird unter der Marke OMV über die EG-Group-Tochtergesellschaft Echo Tankstellen weiterbetrieben. Hintergrund dieser Transaktionen war der beabsichtigte grundsätzliche Konzernumbau, der die Geschäfte mit fossilen Brennstoffen ablösen soll.OMV plant Ausstieg aus dem Geschäft mit Öl. In: Die Presse, 14. November 2020.
Im Dezember 2020 nahm die OMV gemeinsam mit ihrem Partner Verbund in Schönkirchen (Niederösterreich) die mit 11,4 MWp damals größte Photovoltaikanlage Österreichs in Betrieb.OMV und VERBUND intensivieren ihre strategische Energie-Kooperation. Abgerufen am 13. Juli 2020.
Im Mai 2021 übernahm der Verbund den 51-%-Anteil der OMV an der Gas Connect Austria.Verbund kauft 51% an Gas Connect. In: Tiroler Tageszeitung, 24. September 2020. OMV und MOL Group einigten sich im selben Jahr über den Kauf von OMV Slowenien durch MOL Group.
Im März 2022 musste OMV vor dem Hintergrund des russischen Einmarschs in der Ukraine 1,5 – 1,8 Mrd. Euro abschreiben für Beteiligungen am Gasfeld Juschno Russkoj und Darlehen für die Nord Stream 2 AG. OMV teilte mit, keine weiteren Investitionen in Russland mehr tätigen zu wollen.
Am 20. September 2025 wurde ein Fall mutmaßlicher Betriebsspionage zum Vorteil Russlands publik. Ein langjähriger Mitarbeiter, laut Vorstand Stern nicht in einer Führungsposition, hatte sich wiederholt mit einem Diplomaten der russischen Botschaft in Wien getroffen und wurde vom österreichischen Staatsschutz DSN überwacht. Eine Hausdurchsuchung fand Dokumente mit relevanten Betriebsgeheimnissen, der Mitarbeiter wurde prompt entlassen. Der Diplomat wurde zur unerwünschten Person erklärt und muss das Land verlassen.
Stellenabbau 2026
OMV-Chef Alfred Stern spricht in einem Interview am 22. September 2025 erstmals von einem Abbau von etwa 400 Stellen in Österreich und international insgesamt 2000 von derzeit 24.000.
Führungspersonal in Vergangenheit und Gegenwart Vorstandsvorsitzende
1956–1957: Ignaz Köck 1957–1965: Fritz Hoynigg 1965–1982: Ludwig Bauer 1982–1989: Herbert Kaes 1989–1992: Siegfried Meysel 1992–2001: Richard Schenz 2001–2011: Wolfgang Ruttenstorfer 2011–2015: Gerhard Roiss