mini|Elektromechanisches Piano: Rhodes, Mark II Ein elektronisches Piano, kurz E-Piano (auch E-Klavier), im weiteren Sinne ist ein Klavier, bei dem der von einer Klaviatur über eine Mechanik initiierte Klang mit Hilfe von Elektrizität erzeugt oder verstärkt wird. Das geschieht auf elektrische, elektronische oder digitale Weise.David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance. 1995, S. 76–78.

Im engeren Sinne bezeichnet elektronisches Piano nur jene Instrumente, bei denen die Klangerzeugung elektronisch erfolgt, ohne schwingende Medien (Saiten, Metallplatten, Blättchen etc.) zu verstärken.David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance. 1995, S. 76.

Begriffe Klangerzeugung: Akustische (auch mechanische) Pianos erzeugen den Klang, indem ein über Klaviatur und Mechanik in Bewegung versetzter Hammer ein Medium (Saite, Metallplatte, Blättchen) in Schwingungen versetzt, die über einen Resonanzkörper (Resonanzboden) mechanisch verstärkt werden. Elektrische (auch elektromechanische oder elektroakustische) Pianos erzeugen den Klang auf die gleiche Weise wie ein akustisches Piano, das schwingende Medium wird aber nicht durch einen Resonanzboden verstärkt. Stattdessen verwandelt ein elektromagnetischer Tonabnehmer die Schwingung in ein elektrisches Signal, das von einem Verstärker verstärkt wird.David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance. 1995, S. 76 f. Elektronische Pianos verfügen über kein schwingendes Medium, das mechanisch oder elektrisch verstärkt würde. Stattdessen erzeugt der Tastendruck einen elektronischen Prozess, der direkt ein schwingendes Signal erzeugt. Digitale Pianos verwenden ebenfalls kein schwingendes Medium zur Klangerzeugung. Stattdessen ruft der Tastendruck eine im Voraus bearbeitete oder aufgenommene Datei auf, ein Sample, das sämtliche Informationen über den zu erzeugenden Ton enthält. Die digitale Technologie ist heute die am meisten verbreitete und wird mittlerweile auch dazu verwendet, die Klänge der elektromechanischen Instrumente wiederzugeben.David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance. 1995, S. 78.

Arten von elektronischen Pianos: Im heutigen Sprachgebrauch wird meist zwischen E-Pianos, Digitalpianos und Synthesizern unterschieden: E-Pianos umfassen die elektronischen und besonders die elektrischen (elektromechanischen) Pianos. Sie stehen für den typischen E-Piano-Sound, wie er beispielsweise von Fender Rhodes, Wurlitzer, Hohner Clavinet und anderen Vintage Pianos erzeugt wird und in entsprechenden Musikstilen Verwendung findet. Mit Digitalpianos werden jene Instrumente bezeichnet, die versuchen, das akustische Klavier bezüglich Klang und Spielgefühl möglichst präzise nachzuahmen. Digitalpianos dienen als Klavierersatz. Der Begriff ist insofern etwas verwirrend, als heute bei den meisten Instrumenten (Synthesizer, Keyboards, u.v.m) die zu Grunde liegende Technologie digital ist. Synthesizer sind aus den elektronischen Instrumenten hervorgegangen. Sie haben in erster Linie das Ziel, Klänge zu generieren und zu verändern, obwohl man auf ihnen heute auch einfach nur „Klavier spielen“ kann. Es gibt analoge und digitale Synthesizer.

Elektronische Pianos sind historisch vom Klavier abgeleitet und nicht zu verwechseln mit den Elektronischen Orgeln (Heimorgeln) und Keyboards, die von der Orgel abgeleitet sind.

Geschichte Elektromechanische Tasteninstrumente mini|Neo-Bechstein-Flügel Bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann man damit zu experimentieren, die Elektrizität für Tasteninstrumente nutzbar zu machen. Damals ging es allerdings nicht darum, einen elektronischen Klavierersatz zu schaffen, sondern den natürlichen Klang der Saiten zu verlängern oder zu vergrößern. 1886 erfand Richard Eisenmann aus Berlin das Elektrophonische Klavier, bei dem Ströme und Elektromagnete so appliziert wurden, dass ein Ton so lange weiterklang, wie die Taste gedrückt blieb. Einen ähnlichen Weg beschritt Eugen Singer aus Paris mit seinem Elektromagnetischen Sostente Piano 1891.David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance. 1995, S. 74 f.

Die Basis für die weitere Entwicklung hin zum „wirklichen“ E-Piano bildete die Erfindung der Diode (1904), Triode (1906) und des Verstärkers (1907). 1928 erfand Joseph Béthenod in Paris ein auf Tonrädern basierendes Piano Électrique. In den Jahren 1928–1930 entwickelte Walther Nernst zusammen mit den Firmen Bechstein (Mechanik) und Siemens (Elektronik) ein unter den Namen Neo-Bechstein oder Bechstein-Siemens-Nernst-Flügel bekanntes elektroakustisches Piano, wobei die Saiten mit Mikrohämmern angeschlagen wurden und die Schwingungen induktiv mit Tonabnehmern aufgenommen, mit einem Röhrenverstärker verstärkt (und hinsichtlich Klangfarbe beeinflusst) und über Lautsprecher wiedergegeben wurden. Zahlreiche ähnliche Instrumente sollten in den folgenden Jahren folgen.

Ab 1954 war das Wurlitzer Electric Piano erhältlich, bei dem kleine schwingende Stahlzungen den Ton erzeugen, die gleichfalls durch eine Hammermechanik angeschlagen werden. Die Schwingung wird hier – als technische Besonderheit – kapazitiv abgenommen. 1964 wurde das Hohner-Clavinet vorgestellt, eine Art Clavichord mit eingebauten Tonabnehmern. Der Ton wird hier wie beim Vorbild Klavier durch Stahlsaiten erzeugt, die durch Hämmerchen angeschlagen werden. 1965 kam das Fender-Rhodes-Piano auf den Markt, bei dem die dünnere Seite (Stimmfeder) einer asymmetrischen Stimmgabel durch eine Hammermechanik angeschlagen wird. Zu jeder Stimmfeder gehört eine Tonabnehmerspule (induktive Tonabnahme). Das Fender Rhodes, das Wurlitzer Electric Piano und das Hohner Clavinet sind auf zahllosen Musikproduktionen im Bereich des Rock, Pop und Jazz der 1960er bis 1980er Jahre zu hören. In aktuellen Popproduktionen ist der Klang des Fender Rhodes wieder verstärkt zu hören, wenngleich er hierbei meistens aus Samplern usw. stammt. Der Klang dieser Geräte reicht von „glockig“ (Fender Rhodes) bis „drahtig perkussiv“ (Hohner Clavinet) und kann zusätzlich durch Effektgeräte wie Leslie, Chorus, Tremolo, Phaser oder Wah-Wah verfremdet werden.

Elektronische Tasteninstrumente mini|Yamaha CP-30 Lee De Forest, der Erfinder des Verstärkers, entwickelte 1915 das Konzept zu einem Audion Piano genannten, elektronischen Instrument, von dem allerdings nicht bekannt ist, ob es jemals produziert wurde. Mit verschiedenen elektronischen Pianos wurde in der Folge experimentiert. Den entscheidenden Durchbruch dieser Technologie bildete allerdings die Erfindung des Transistors 1947.David Crombie: Piano. Evolution, Design and Performance. 1995, S. 77. Es sollte noch einige Jahre dauern, bis in der Mitte der 1970er Jahre die ersten vollelektronischen Pianos auf den Markt kamen. Im CP-30 von Yamaha wurden die Frequenzen der einzelnen Töne durch digitale Zählerbausteine ermittelt; den so entstandenen Rechteckwellen wurde durch aufwändige, analoge Filter ein klavierähnlicher Klang verliehen. Es war die Geburtsstunde der Synthesizer.

In den 1980er Jahren wurde zunehmend der Yamaha DX7-Synthesizer dank seines neuartigen, aber dennoch klavierartigen Klanges der bühnenbeherrschende Klavierersatz. Insbesondere aus der Popmusik der 1980er Jahre ist der Klang des DX7 nicht wegzudenken.

Digitale Tasteninstrumente Zu Beginn der 1990er Jahre hielt die Samplingtechnologie Einzug in die Musiktechnik. Damit wurde es erstmals möglich, den komplexen Klavierklang naturgetreu wiederzugeben. Preiswerte Sampleplayer wie beispielsweise der Roland U-20 machten transportable und endlich auch authentisch klingende Klavierklänge für fast jeden Musiker erschwinglich. Es ist die Geburtsstunde der modernen Digitalpianos. Zur Klangerzeugung wird meistens das PCM-Verfahren verwendet. Moderne Digitalpianos verwenden heute zudem sogenanntes physical modelling, bei dem die Klangerzeugung mittels digitaler Berechnung physikalischer Parameter (Schwingen der Seite, Verhalten der Tonabnehmer usw.) erfolgt. Der Vorteil hierbei ist, dass große Samples nicht erst in den RAM geladen werden müssen, sondern schnell hochwertige unkomprimierte Sounds erzeugt werden können. Die Resultate sind vor allem bei der Nachbildung elektrischer Pianos beachtlich.Wurlitzer E-Piano: elektronisches-piano.de Des Weiteren verfügen alle modernen Digitalpianos über MIDI- und/oder sonstige PC-Schnittstellen (beispielsweise USB).

Digitalpianos Digitalpianos versuchen, Klang und Spielgefühl von akustischen Klavieren möglichst authentisch wiederzugeben. Meistens sind sie mit einer 88-Tasten-Klaviatur ausgestattet, die dem Pianisten das Spielgefühl eines echten Pianos vermitteln. Spezielle kompakte Mechaniken simulieren das Anschlagsgefühl (Spielschwere) einer traditionellen Klaviermechanik. Dies führt allerdings dazu, dass die Geräte wieder größer und vor allem schwerer werden. Für den Klavierspieler sind folgende Vorteile von Digitalpianos erwähnenswert: Die Möglichkeit, mit Kopfhörer zu spielen, das geringe Gewicht der Instrumente, die stets perfekte Stimmung, der günstige Preis sowie bei den meisten Modellen die Möglichkeit, Aufnahmen zu machen, ein integriertes Metronom zu benutzen oder diverse andere Klänge (Kirchenorgel, Cembalo) zu spielen.Stiftung Warentest: Digitalpianos – Alternative für Hobbypianisten.

Man unterscheidet folgende Arten von Digitalpianos, abhängig von ihrem primären Verwendungszweck:

Homepianos mini|Typisches, modernes Homepiano, Yamaha Clavinova CLP-480PE Die Geräte für den Hausgebrauch besitzen in der Regel eingebaute Lautsprecher und werden als Homepianos bezeichnet (englisch: home = Heim, Wohnung).Homepiano digitalpianos24.de Hier finden sich meistens Gehäuse aus Faserplatten, die mit schwarzem Laminat oder Holzfurnier (-imitation) belegt sind. Sie sollen sich optisch ins heimische Ambiente einfügen und einfach zu bedienen sein. Für den Transport müssen sie meistens zerlegt werden, das kastenförmige Oberteil enthält die Tastatur und die gesamte Elektronik. Die drei Pedale und die Lautsprecher sind oft im separat konstruierten Ständer integriert. Das Gesamtgewicht dieser Geräte liegt zwischen 25 und 80 Kilogramm.

Stagepianos Bei Instrumenten für Bühnenauftritte (englisch: stage = Bühne), den sogenannten Stagepianos, fehlen Lautsprecher, oder diese haben nur die Funktion eines Kontroll-Monitors für den Musiker und dienen nicht zur Beschallung des Publikums.stage-piano.de Stagepianos sind auf Transportierbarkeit und Robustheit optimiert. Zielgruppe sind vor allem Live-Musiker. Das Gehäuse ist meistens schwarz oder silber und überwiegend aus Metall. Die Geräte wiegen zwischen 7,8 und 38,2 Kilogramm, je nach Art der Tastatur und Gewicht eventuell integrierter Lautsprecher. Zur Beschallung ist ein Keyboard-Verstärker (Combo) oder ein PA-System notwendig. Im heimischen Bereich kann stattdessen auch eine HiFi-Anlage oder Aktivlautsprecher verwendet werden. Stagepianos werden wegen ihres schlichten „neutralen“ oder „technischen“ Designs auch zunehmend in Wohnzimmern aufgestellt und werden zu diesem Zweck von den Herstellern als Compact Pianos oder Style Pianos vermarktet. mini|Chromatische Tonleitern abwärts auf einem Digitalpiano gespielt

Ensemble Digitalpianos (Piano-Workstations) Diese Multifunktions-Pianos sind sowohl in der Stagepiano- als auch in der Homepiano-Bauart verfügbar und bieten neben den herkömmlichen Digitalpiano-Merkmalen oft über hunderte zusätzlicher Klänge, Begleitrhythmen, Begleitautomatik, Mehrspur-Sequenzer, Synthesizer-Funktionen, et cetera. Zielgruppen sind Alleinunterhalter, Komponisten, Technikverliebte und Klangdesigner.

Hybrid-Pianos mini|170px|Yamaha CP-70M mini|170px|Geöffnete Yamaha CP-70M