mini|295px|Blick auf Schiltach Schiltach ist eine Stadt im Landkreis Rottweil in Baden-Württemberg. Sie liegt im Schwarzwald an den Flüssen Kinzig und Schiltach. Schiltach trägt den offiziellen Beinamen Flößerstadt und erhielt 2025 die Auszeichnung Best Tourism Villages der Weltorganisation für Tourismus UN Tourism.
Geographie Lage Schiltach liegt im Naturraum Mittlerer Schwarzwald an der Mündung des Flusses Schiltach in die Kinzig und an der engsten Stelle des Kinzigtals zwischen Offenburg, Freudenstadt und Schramberg. Der tiefste Punkt liegt mit an der Kinzig beim Austritt aus dem Stadtgebiet, der höchste Punkt mit ist etwas nördlich unterhalb des Moosenkapfgipfels (Gemeinde Lauterbach) zu finden.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn von Nordosten aus beginnend: Schenkenzell, Aichhalden, Schramberg, Lauterbach und Wolfach. Die Stadt Wolfach liegt im Ortenaukreis, die Stadt Schramberg und die anderen Gemeinden im Landkreis Rottweil.
Stadtgliederung mini|hochkant=0.5|links|Ehemaliges Wappen von Lehengericht Die Stadt Schiltach besteht aus den Stadtteilen Schiltach und Lehengericht. Die beiden Stadtteile sind räumlich identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens.
Zum Stadtteil Schiltach gehören die Stadt Schiltach, die Zinken Grumpenbächle und Vorderheubach und die Wohnplätze Auf der Staig, Blattenhäuserwiese, Grumpen und Kuhbacherhof (Vor Kuhbach). Im Stadtteil Schiltach liegt die Burgruine Willenburg.
Der Stadtteil Lehengericht ist eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat, einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem und eigener Ortschaftsverwaltung.Hauptsatzung der Stadt Schiltach vom 6. Oktober 2004
Lehengericht besteht aus den Ortsteilen Vorderlehengericht (westlich von Schiltach) und Hinterlehengericht (südöstlich von Schiltach). Gemarkungsmäßig sind beide Ortsteile über Berge miteinander verbunden, im Talverlauf sind sie durch das Ortszentrum Schiltach getrennt. Vorderlehengericht hat die Siedlungsschwerpunkte Vor Eulersbach und Bühl, Hinterlehengericht hat die Siedlungsschwerpunkte Welschdorf und Herdweg. Weiterhin hat Lehengericht noch zahlreiche Wohnplätze, Zinken und Höfe.
Etymologie mini|hochkant|Schiltach mit Burg und Unterem Tor im Jahr 1596 Im Kinzigtal finden sich auffällig viele Orte mit der Endung -ach. Orte mit dieser Endung sind jeweils an Flüssen gelegene Ortschaften. -ach geht zurück auf das althochdeutsche aha, gotisch awa, im lateinischen aqua = Wasser. Somit bedeutet Schiltach so viel wie „Schild am Wasser“. Ortsnamen mit der Endung -ach finden sich neben anderen besonders in Süddeutschland. Diese Orte sind bereits sehr früh durch Rodung entstanden.
Gemarkung Die Gemarkungsfläche der Stadt Schiltach selbst, ohne den Stadtteil Lehengericht, ist sehr klein. Sie umfasst lediglich 585,1 ha. Im Jahre 1979 konnte noch der Bereich „Vor Heubach“ von der Stadt Wolfach mit 94,8 ha hinzugewonnen werden. Die Gemarkung des Stadtteils Lehengericht ist wesentlich größer, sie umfasst 2742 ha. Vor der Abgabe der Exklave Sulzbächle an Wolfach (244 ha) waren es 2986 ha. Insgesamt verbleibt der Gesamtstadt Schiltach eine Gemarkung von rund 3422 ha. Auf der Gemarkung Lehengericht befinden sich ausgedehnte Waldgebiete, über 80 % der Gesamtgemarkung sind bewaldet.
Durch Zukäufe aus der Schiltacher Mayerschaft, dem heutigen Lehengericht, vergrößerte sich die sogenannte Untermarkung des Burgfriedens. Der Haberershof und der Kuhbacherhof wurden von der Gemeinde Kinzigtal 1934 bzw. 1936 an die Stadt Schiltach abgegeben. Im Jahre 1973 hatte die Schiltacher Gemarkung 585,0643 ha erreicht. Dazu kam im Jahre 1974 der Stadtteil Lehengericht mit 2986 ha. 1978 wurde die Exklave Sulzbächle des Stadtteils Lehengericht mit 244 ha nach Wolfach abgegeben. 1979 kam das Gebiet Vor Heubach mit 94,8 ha an die Stadt Schiltach. – Zum Stadtteil Lehengericht war im Jahre 1956 noch der Stab Reichenbächle mit dem Hunersbach und dem Stammelbach von Lauterbach (Schwarzwald) abgegeben worden.
Größere und kleinere Flüsse auf der Gemarkung Die Kinzig ist der größte und wichtigste Fluss im Stadtgebiet Schiltachs, in den die Schiltach als der für die Stadt namensgebende Fluss mündet. Der Heubach mündet ebenfalls in die Kinzig, während das nur viereinhalb Kilometer lange Reichenbächle der Schiltach zufließt.
Schutzgebiete
Schiltach hat Anteil am FFH-Gebiet Schiltach und Kaltbrunner Tal, zu welchem die linke Talseite des Schiltachtals von der Gemeindegrenze zu Schramberg bis zum Hunselbach gehört, und am FFH-Gebiet Mittlerer Schwarzwald bei Hornberg und Schramberg, zu dem eine kleine Fläche bei Kienbronn gehört. Die Stadt gehört zum Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|links|Stadtansicht des Kupferstechers Matthäus Merian von 1643 mit der darüberliegenden Burg Schiltach mini|Unteres Tor am Gasthaus Adler bis 1840 mini|hochkant|Oberes Tor nach H. Eyth (bis 1840) mini|hochkant|Flugblatt mit der Verbrennung einer angeblichen Hexe, die 1531 mit dem Teufel die Stadt Schiltach verbrannt haben soll Bis zum 19. Jahrhundert Die Straße durch das Kinzigtal war schon in Römerzeiten die Verbindung durch den Schwarzwald aus der Straßburger Gegend in Richtung Rottweil.
Schiltach entstand im 11. Jahrhundert als Pfarrei für die umliegenden Höfe, welche älter sind als Schiltach selbst. In der Umgebung der heutigen evangelischen Stadtkirche, im Bereich des heutigen Vorstädtle, entstand eine Ansiedlung, die der Ursprung von Schiltach ist, welche nach dem Fluss Schiltach benannt war. Vermutlich zur Mitte des 13. Jahrhunderts gründeten die Herzöge von Teck zur Sicherung ihrer Gebiete die Stadt Schiltach (erste Erwähnung 1275), eine ummauerte Stadt mit Toren und die darüber liegende Burg Schiltach zu ihrer Verteidigung. Eine Kirche wurde in der Stadt nicht gebaut, denn diese war schon vor der Stadtgründung in der Siedlung vorhanden.
Die Stadt sollte Durchreisende beherbergen und ein Dienstleistungszentrum vor dem Anstieg der Straße in Richtung Rottweil sein. Die Burg und die Stadtanlage von Schiltach übernahm somit ab etwa 1250 die Funktion der Willenburg, die die Versorgung an der Straße vor der Gründung der Stadt Schiltach wahrgenommen hatte.
1371 kam die Stadt Schiltach an die Herzöge von Urslingen. Die verarmten Urslinger verkauften im Jahr 1381 Burg und Stadt an die Grafen von Württemberg. Bis auf die Jahre 1519 bis 1534, in denen die Stadt zunächst von der Reichsstadt Rottweil, dann von Vorderösterreich besetzt war (wie das ganze Herzogtum Württemberg), blieb Schiltach bis zum Jahre 1810 bei Württemberg. Im „Gränzvertrag zwischen dem Königreich Würtemberg und dem Großherzogthum Baden“, der am 2. Oktober 1810 in Paris abgeschlossen wurde, kamen mehrere „Stäbe“ des Oberamtes Hornberg, so neben Schiltach auch die Stadt Hornberg und die Gemeinden Gutach und Kirnbach an das Großherzogtum Baden. Wolfach wurde Amtsstadt für Schiltach, später Kreisstadt. Die umliegenden Höfe wurden 1817 als Lehengericht eine eigene Gemeinde.
20. Jahrhundert Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs bildete sich auch in Schiltach ein Volksrat. In der Weimarer Republik sollte Schiltach durch die vorhandene Industrialisierung stark durch die SPD geprägt werden. 1952 kam Schiltach zum Land Baden-Württemberg. 1973 wurde der Landkreis Wolfach aufgelöst, Schiltach wurde dem Landkreis Rottweil zugeordnet. Die Gemeinde Lehengericht wurde 1974 wieder der Stadt Schiltach eingegliedert. 1979 kam die Exklave Sulzbächle/Fischbach zur Stadt Wolfach, im Gegenzug kam das Gebiet „Vor Heubach“ zu Schiltach. Seit dem 1. Oktober 2024 führt Schiltach die offizielle Zusatzbezeichnung „Flößerstadt“.
Eingemeindungen 1934: Gebiet ehemaliger Haberershof 1936: Gebiet Kuhbacher Hof 1. April 1974: Gemeinde Lehengericht 1. Juli 1978: Gebiet Vor Heubach
Demographie Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. +JahrEinwohnerzahl18521.49518852.13619392.47219612.96919703.09920113.91520223.764
Religionen Während der Reformation war Schiltach ein Teil von Württemberg und wurde deshalb wie die Landesherren evangelisch. Das änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als durch die Industrialisierung immer mehr Katholiken zuzogen. Heute existieren neben einer evangelischen und einer katholischen Gemeinde auch noch eine neuapostolische Gemeinde und verschiedene kleinere Glaubensgemeinschaften. Die Evangelische Kirche wurde von 1839 bis 1843 im neubyzantinischen Stil erbaut, nachdem die alte gotische Kirche abgebrannt war. Die Katholische Kirche St. Johannes der Täufer wurde 1966 geweiht. Sie ist Nachfolgerin der 1964 abgerissenen, alten katholischen Kirche die von 1897 bis 1898 nach Plänen von Max Meckel errichtet worden war. Die alte Kirche war zu klein geworden. Die Neuapostolische Kirche an der Hauptstraße stammte aus den 1980er Jahren. Ende 2017 wurde sie abgerissen. Die alte neuapostolische Kirche in der Schenkenzeller Straße ist immer noch an einem Dachreiter mit Kreuz zu erkennen; sie wird trotz ihres Ausmaßes als Wohnhaus genutzt. Seit der Dekanatsreform am 1. Januar 2008 gehört Schiltach mit der St.-Johann-Baptist-Kirche zum Dekanat Offenburg-Kinzigtal und gehört zudem zur Seelsorgeeinheit Kloster Wittichen.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. In Schiltach wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis (mit Vergleichszahlen der Wahl 2019):Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart mini|hochkant|Rathaus nach Renovierung der Fassade 2006
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FWV Freie Wählervereinigung Schiltach 33,61 5 31,09 5 BUW Bund unabhängiger Wähler 25,31 3 30,6 4 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 25,72 4 21,4 3 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 15,36 2 16,1 2 Gesamt 100 % 14 100 % 14 Wahlbeteiligung66,03 % 57,8 %
Für den Ortsteil Lehengericht besteht ein Ortschaftsrat mit acht Mitgliedern.
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2002 Thomas Haas.
Wappen 80px|links Das heutige Stadtwappen wurde von den Herzögen von Urslingen übernommen. Mit dem Aussterben des letzten Urslingers, Herzog Reinhold VI. von Urslingen im Jahre 1442 wurde das Wappen frei. Vermutlich wurde durch Graf Ludwig von Württemberg (Uracher Linie 1409–1450), der ein Gönner der Stadt war, das Wappen vermittelt.
Das Wappen zeigt drei rote Schilde in einem weißen Wappenfeld. Nahezu das gleiche Wappen findet sich im Elsass beim Geschlecht derer von Rappoltstein, deren Burg oberhalb Rappoltsweiler (Ribeauville) stand. Ein Urslinger hatte dort eingeheiratet, dessen Nachfahren nannten sich dann Herren zu Rappoltstein.
Städtepartnerschaft Es besteht seit 1990 eine Partnerschaft mit der Stadt Geising in Sachsen. Diese wurde zum 1. Januar 2011 in die benachbarte Stadt Altenberg (Erzgebirge) eingemeindet, wobei der Fortbestand der Städtepartnerschaft mit Schiltach in der Eingliederungsvereinbarung festgeschrieben wurde.
Ein Fahrzeug der Ortenau-S-Bahn trägt den Namen Schiltach.
Wirtschaft und Infrastruktur Industrie und Gewerbe