Rodewisch (vogtländisch Ruewisch oder Ruebisch) ist eine Kleinstadt im Vogtlandkreis in Sachsen. Gelegen im Tal der Göltzsch liegt die Stadt im Osten des Vogtlandes unweit des Erzgebirges. Erstmals erwähnt wurde Redewisch 1411. Durch Erbteilung entstanden drei eigenständige Rittergutsbezirke, die sich erst 1856 zur heutigen Stadt Rodewisch zusammenschlossen. Das Stadtrecht erhielt die Gemeinde am 8. Mai 1924.
Über Jahrhunderte dominierten in Rodewisch die Landwirtschaft und das Messingwerk Niederauerbach die wirtschaftliche Entwicklung, bis mit der Industrialisierung die Textilindustrie, wie die örtliche Filztuchfabrik, Einzug hielt und in der Gründerzeit für beachtlichen Bevölkerungszuwachs sowie städtische Bebauung sorgte. Rodewisch bezeichnet sich heute als „Stadt der Schloßinsel und des Planetariums“. Letzteres wurde gebaut, weil es in der Schulsternwarte der Pestalozzischule 1957 gelang, Sputnik 1, den ersten künstlichen Erdtrabanten, weltweit das erste Mal zu fotografieren.
Die Stadt mit etwa 6.500 Einwohnern ist Mitglied im Mittelzentralen Städteverbund Göltzschtal, gegen dessen Ausbau zu einer Stadt sich viele Bürger wehren. Bekanntheit erreicht Rodewisch zudem als Standort zweier Krankenhäuser mit zusammen über 700 Betten. Nach der Wende hat Rodewisch Rützengrün und Röthenbach eingemeindet. mini|hochkant|Mündung des Wernesbaches in die Göltzsch mini|ohne|Blick auf Rodewisch vom Silbersee in Richtung Steinberg
Geographie
Rodewisch liegt im sächsischen Vogtland im Tal der Göltzsch auf etwa 430 m. Das Stadtgebiet erstreckt sich über etwa 26,88 km² und umfasst drei Gemarkungen, die auf einer Höhe von 390 m bis 670 m liegen. Der Stadtkern Rodewischs liegt direkt im Göltzschtal zwischen den beiden Göltzschzuflüssen Pöltzsch (Eulenwasser) und Wernesbach. An der Göltzschmessstelle Rodewisch hat der Fluss ein Einzugsgebiet von 71,7 km². Neben diesen größeren Gewässern verlaufen auf Rodewischer Flur einige Wald- bzw. Wiesenbäche sowie in Röthenbach der Plohnbach. Markante Berge in Rodewisch gibt es aufgrund der Lage im ausgehenden Erzgebirge kaum. Vom Höhenrücken zwischen Göltzsch und Treba, volkstümlich de Blitz genannt, der Standort der Steinbergschanzen ist, hat man aber einen guten Blick auf den der Nachbargemeinde namensgebenden Steinberg, den höheren Kuhberg und den weiter entfernten Laubberg. Erwähnenswert ist der ziemlich nah am Zentrum befindliche Galgenberg (), auf dem früher Hinrichtungen vollstreckt wurden. Neben den beiden offiziellen Ortsteilen Rützengrün und Röthenbach gibt es einige Ortslagen von Rodewisch. Dazu zählen Georgengrün, Ludwigsburg, Schleegasse, die Schweinsburg, Rebesbrunn, Wiedenberg, die Winkelhäuser und die Zeidelweide. Zudem gibt es das geschleifte Gut Saalfeld und die ehemaligen Messinghütten Neuhütte und Elisabethhütte. Knapp ein Drittel des Stadtgebietes, und damit etwas mehr als im Bundesdurchschnitt, ist Wald. Die größten stehenden Gewässer sind der Silbersee () nahe dem Bahnhof, der Schmidtsteich () und der Eulenteich (), der der größte Rodewischer Teich ist. Künstlich geschaffen wurde der Gondelteich um die Schloßinsel (). Die Nachbarkommunen Rodewischs sind unten aufgeführt. Rodewisch ist die einzige Kommune des Vogtlandkreises, die an die Gemeinde Steinberg grenzt.
Die beiden offiziellen Ortsteile Rodewischs sind Röthenbach und Rützengrün. Röthenbach liegt nördlich der Stadt Rodewisch, Rützengrün südöstlich.
Geschichte
Zu den ehemaligen Rodewischer Ortsteilen bzw. zu ortsprägenden Unternehmen
Geschichtlicher Abriss Rodewisch wurde 1411 erstmals in einem Urkundbuch der Vögte als Redewisch erwähnt. Der heutige Ort schloss sich 1856 aus den drei Ortsteilen und ehemaligen Rittergütern Obergöltzsch, Untergöltzsch und Niederauerbach zusammen. Besonders erwähnenswert für die Geschichte der Stadt ist das Niederauerbacher Messingwerk, das – mit churfürstlichen Privilegien ausgestattet – zu einem der größten Deutschlands wurde. Mit Beginn der Industrialisierung entwickelte sich auch Rodewisch vom Agrar- zum Industriestandort. Die Schmidtsche Brauerei (gegründet 1856) und die Ansiedlung vieler Textilunternehmen zeugen davon. 1875 erhielt Rodewisch einen Bahnanschluss und in der Folge, 1893 bzw. 1910, seine zwei Krankenhäuser. 1913 lebten im Großen Marktflecken Rodewisch erstmals über 10.000 Einwohner. Unter dem verdienten Bürgermeister Otto Pfeifer (parteilos) erhielt Rodewisch am 8. Mai 1924 das Stadtrecht. Die Zeit der Weimarer Republik und des Dritten Reiches war auch in Rodewisch turbulent. So wurde das Messingwerk 1926 liquidiert, aber es wurden auch neue Arbeitsstellen geschaffen. Insbesondere die stadteigene Gärtnerei, die die großzügigen Parkanlagen in Rodewisch bewirtschaftete, trug dazu bei. 1930 wurde die Pestalozzischule eingeweiht. Auf das Kriegsende am 6. Mai 1945 (zwei Tage vor der Kapitulation) folgte zunächst die amerikanische Besetzung und danach die Sowjetherrschaft. 1957, bereits in DDR-Zeiten, wurde am 8. bzw. 13. Oktober der erste künstliche Erdsatellit Sputnik 1 in der Rodewischer Schulsternwarte weltweit erstmals photographiert. 1960 hatte Rodewisch mehr als 12.000 Einwohner. Seit der Deutschen Wiedervereinigung hat Rodewisch 1992 und 1994 Rützengrün und Röthenbach eingemeindet und ist dem Mittelzentralen Städteverbund Göltzschtal beigetreten, gegen dessen Ausbau zu einer Einheitsstadt sich viele Rodewischer erfolgreich gewehrt haben. In den letzten Jahren wurde in Rodewisch viel saniert. Rodewisch wird gemeinsam mit Auerbach die Landesgartenschau 2029 ausrichten.
Besonders hervorzuheben sei an dieser Stelle die Rodewischer Kirmes, die bereits mindestens seit 1787 stattfand. Dabei wurde traditionellerweise auch ein „rothes Tuch“ ausgekegelt. Frauen kegelten einen roten Schal aus. Dies erinnert an die Stadtsage und an die einstmals zahlreich in Rodewisch vertretenen Kegelvereine, von denen noch zwei existieren. Bekannt ist das Kirmeskegeln bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Während damals vom letzten Sonntag im Juli (Jacobi) bis zum Dienstag Kirchweih gefeiert wurde, wurde später dazu übergegangen bereits am Freitag zu beginnen und den Dienstag zu streichen. Der Kirmesmarkt zog sich ca. 750 m vom Hotel Rudolph (heute oberer Postplatz) über die Wernesgrüner und die Werkstraße bis zum Kleinen und dem Großen Anger und war damit mindestens einer der größten, wenn nicht der größte, im Göltzschtal. Heute ist der Kleine Anger halb bebaut, halb innerörtliche Umgehungsstraße. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war der Anger dem Wortsinne nach teilweise begrünt, aber teils auch befestigt. Belegt ist für diese Zeit auch ein großer Kirmestanz im Tanzsaal des Hotel Bergkeller, das später zum Rathaus wurde. Viele dieser Traditionen, mit Ausnahme des Kirmestanzes, wurden bis in die Nachwendezeit beibehalten. In den letzten Jahren fiel schließlich zunächst der Kirmesmontag weg, später wurde unter Bürgermeisterin Schöniger (CDU) das Feuerwerk aus Kostengründen abgesagt und schließlich wurde der Anger so bebaut, dass dort kein Festzelt mehr aufgestellt werden konnte, so dass 2019 die letzte Kirmes stattfand. Seither findet ein Inselfest an der Schloßinsel statt, bei dem aber für Fahrgeschäfte und Losbuden für Kinder im Gegensatz zum Anger kein Platz mehr ist. Der rote Wisch wird in jüngster Zeit ebenfalls nicht mehr bei jeder Kirmes ausgekegelt. Eine kleine Kirmes in traditioneller Art gibt es heute nur noch in Rützengrün, organisiert durch den dortigen Heimatverein.
Einwohnerzahlen
Denkmale
Sagen um Rodewisch Sage zur Entstehung des Ortsnamens Die Sage vom „Roten Wisch“ spielt in der Zeit der Kämpfe der Sorben gegen die Deutschen (etwa 800). Sie erklärt den Rodewischer Stadtnamen und – in Teilen – das Rodewischer Wappen.
Die Sage existiert auch in versifizierter Form, wie auf der Internetseite der Stadt Rodewisch.
Sage vom Kloster an der Göltzsch Diese Sage knüpft direkt an die vom Roten Wisch an. Urkundlich belegt ist die Existenz des Klosters nicht.Walther: Sagen aus Rodewisch. S. 13.
Die Totenmetten in der Rodewischer St.-Petri-Kirche
Andere Sagen aus Rodewisch sind unter anderem „Die Teufelsmühle am Wernesbach“, „Die Sage vom Jüdenstein“, „Die Nonnengräber von Obergöltzsch“, „Die Höhle am Adlerfelsen“, „Das Radstubenmännchen in der Weißen Mühle“, „Die Sage vom Schoofbrunne“, „Der letzte Bär auf der Bärenwiese“ in der auch das Moosweibchen vorkommt (noch heute gibt es in Rodewisch eine Wiese, auf der der letzte Bär erlegt worden sein soll), „Der Bannbaum an der Ludwigsburg“, „Das Holzweibchen im Jägerhaus“, „Die Quelle am grünen Wiesel“.
Politik und Verwaltung
Stadtrat
Bei der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 erhielten CDU und AfD fast die gleiche Stimmenanzahl und je fünf Sitze. Die Gruppierung „Gemeinsam für Rodewisch“ wurde noch vor SPD und Linkspartei drittstärkste Kraft. Gewinne verzeichneten AfD und GfR, während die drei anderen Parteien zusammen 33,1 % an Zustimmung verloren.
Die AfD erzielte in Rodewisch das beste Ergebnis im Vogtlandkreis, während die CDU kreisweit die mit Abstand höchsten Verluste hinnehmen musste und die Hälfte ihrer Sitze einbüßte.
Ausschüsse
Der Stadtrat tagt in der Regel monatlich und bildet drei Ausschüsse, um die Abstimmungen im Stadtrat vorzubereiten und die interkommunale Zusammenarbeit zu stärken. Derzeit entsendet Rodewisch drei Stadträte in den Strategieausschuss Mittelzentraler Städteverbund Göltzschtal. Weiterhin gibt es einen Technischen Ausschuss und einen Verwaltungsausschuss. Die Ortschaften Rützengrün und Röthenbach verfügen über einen fünfköpfigen Ortschaftsrat, der in der Regel monatlich tagt.
Wahlergebnisse sowohl auf kommunaler Ebene als auch bei Wahlen zu Landtags-, Bundestags-, oder zu Wahlen des EU-Parlaments finden sich bei den Ergebnissen der Kommunalwahlen in Rodewisch. Dort sind auch Ergebnisse von Wahlen in der Weimarer Republik aufgeführt. Seit der Wiedervereinigung dominiert im Rodewischer Stadtrat und bei Wahlen im Allgemeinen meist die CDU, in den letzten Jahren auch die AfD.
Bürgermeister Die von der CDU nominierte Verwaltungsangestellte Kerstin Schöniger ist seit 1. Mai 2012 Nachfolgerin von Erhard Meier im Amt des Bürgermeisters. Schöniger wurde 2019 und 2026 wiedergewählt.Susanne Kiwitter: freiepresse.de Rodewisch: Schöniger im Amt bestätigt. Meldung der Freien Presse vom 27. Mai 2019 Der Bürgermeister ist kein Stadtrat, steht jedoch dem Gremium vor.
Zum Stellvertreter des Bürgermeisters wurde Stadtrat Arne Gruschwitz gewählt. Der zweite Stellvertreter wurde abgeschafft.Protokoll der Stadtratssitzung vom 22. August 2024
Die Ergebnisse von Bürgermeisterwahlen finden sich in der Auflistung der Bürgermeisterwahlen in Rodewisch.