Der Landkreis Anklam, ursprünglich Kreis Anklam, war ein Landkreis in Vorpommern, der in seiner historischen Form bis zur Verwaltungsreform in der DDR von 1952 bestand. Sein Gebiet liegt heute im Landkreis Vorpommern-Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Der Landkreis gehörte bis 1945 zu Preußen, dann zur SBZ und seit 1949 zur DDR. Kreisstadt war die an der Peene gelegene Stadt Anklam.

Geschichte

Preußen mini|Der Kreis Anklam bis 1818. Altvorpommern, das 1720 an Preußen gefallen war, war im 18. Jahrhundert in die fünf Kreise Anklam, Demmin, Randow, Usedom und Wollin gegliedert.O. Hintze: Zum Kreis Anklam gehörten damals die Städte Anklam, Jarmen, Neuwarp und Ueckermünde, die sechs königlichen Ämter Klempenow, Königsholland, Spantekow, Stolpe, Torgelow und Ueckermünde sowie zahlreiche adlige Güter. Bei der Kreisreform von 1818 im Regierungsbezirk Stettin wurde die Abgrenzung des Kreises Anklam verändert: Die Stadt Jarmen, das Amt Klempenow und einige weitere Dörfer kamen zum Kreis Demmin. Die Städte Neuwarp und Ueckermünde sowie die Ämter Königsholland, Torgelow und Ueckermünde kamen zum neuen Kreis Ueckermünde Zum Kreis Anklam hinzu kam die Anklamer Vorstadt Peendamm, die am Nordufer der Peene lag und dadurch zu Neuvorpommern gehört hatte. Seit dem 1. Juli 1867 gehörte der Kreis zum Norddeutschen Bund und seit dem 1. Januar 1871 zum Deutschen Reich. Der Kreis umfasste 1871 die Stadt Anklam sowie 54 Landgemeinden und 57 Gutsbezirke. 1906 wurde das noch bestehende Landratsamtgebäude in Anklam, Demminer Straße 71–74, gebaut. mini|Der Kreis Anklam von 1818 bis 1950 Zum 30. September 1928 fand im Kreis Anklam wie im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.Amtsblatt der Preußischen Regierung zu Stettin 1928. Sonderbeilage zu Stück 40, Stettin 1928. (Digitalisat) Zwischen 1935 und 1938 wurden die Gemeinden des Landkreises außer der Stadt Anklam zu den acht Großgemeinden Boldekow, Borckenfriede, Bugewitz, Ducherow, Krien, Medow, Pelsin und Spantekow zusammengeschlossen. Diese Großgemeinden umfassten ungefähr die Gebiete der damaligen Amtsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Sowjetische Besatzungszone / DDR

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und Teil der Sowjetischen Besatzungszone, in der der nunmehr Landkreis Anklam genannte Kreis zum Land Mecklenburg (bis 1947 Mecklenburg-Vorpommern) gehörte. Die in den 1930er Jahren gebildeten Großgemeinden wurden zum 1. August 1946 wieder aufgelöst und der Landkreis wurde neben der Stadt Anklam wieder in traditionelle Gemeinden gegliedert.

Am 1. Juli 1950 wechselten die Stadt Lassan sowie die Gemeinden Buggenhagen, Groß Polzin, Klein Bünzow, Klotzow, Murchin, Pamitz, Pinnow, Pulow, Rubkow, Salchow, Wahlendow, Wehrland und Ziethen aus dem Landkreis Greifswald in den Landkreis Anklam.

In der DDR fand am 25. Juli 1952 eine große Verwaltungsreform statt, bei der die fünf Länder aufgelöst und durch 14 Bezirke sowie die meisten Landkreise durch kleinere Kreise ersetzt wurden. Dabei wurde auch der alte Landkreis Anklam aufgelöst: Die Gemeinden Altwigshagen, Leopoldshagen, Lübs, Neuendorf A und Wietstock kamen zum neuen Kreis Ueckermünde. Die Stadt Lassan sowie die Gemeinden Buggenhagen, Pulow und Wehrland kamen zum neuen Kreis Wolgast. Das übrige Kreisgebiet bildete zusammen mit den Gemeinden Groß Jasedow, Pätschow, Quilow und Schmatzin des aufgelösten Landkreises Greifswald den Kreis Anklam. Die Kreise Anklam und Ueckermünde wurden dem neuen Bezirk Neubrandenburg zugeordnet, während der Kreis Wolgast zum neuen Bezirk Rostock kam.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Quelle 1797 34.436 1816 30.856 1846 27.708 1871 30.331 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung 1871. Berlin 1873. (PDF-Digitalisat) 1890 30.689 1900 32.693 1910 34.084 1925 35.787 1933 35.279 1939 39.335 1946 53.714 Statistische Ämter des Bundes und der Länder-Statistische Bibliothek (Hrsg.): PDF-Volkszählung 1946. Die Abgrenzung des Landkreises erfuhr 1818 umfangreiche Änderungen.

Städte und Gemeinden

Stand 1950

Nach der Auflösung der in den 1930er Jahren gebildeten Großgemeinden und vor der Gebietsreform von 1950 in der DDR umfasste der Landkreis Anklam die folgenden Gemeinden: Altwigshagen Anklam, Stadt Auerose Bargischow Blesewitz Boldekow Borntin Bugewitz Butzow Dennin Drewelow Ducherow Glien Gnevezin Görke GrüttowIven Japenzin Kagendorf Kagenow Kalkstein Krien Krusenfelde Leopoldshagen Liepen Louisenhof Löwitz Lübs Lüskow Medow Müggenburg NeetzowNerdin Neu Kosenow Neuendorf A Neuendorf B Neuenkirchen Pelsin Pinnow (bei Anklam)Pinnow bei Anklam wechselte am 1. Juli 1950 vom Landkreis Greifswald hinzu. Postlow Priemen Putzar Rathebur Rebelow Rosenhagen Rossin Sanitz SarnowSchmuggerow Schwerinsburg Spantekow Steinmocker Stolpe Stretense Teterin Thurow Wegezin Wietstock Woserow Wusseken Wussentin Zinzow

Vor 1939 aufgelöste Gemeinden

Einige Gemeinden, die in den 1930 Teil von Großgemeinden geworden waren, erhielten nach deren Auflösung im Jahre 1946 ihre Selbständigkeit nicht zurück. Alt Kosenow, 1928 Jahren mit Neu Kosenow zur Gemeinde Kosenow zusammengeschlossen Alt Sanitz, 1928 mit Neu Sanitz und Blesewitz zur Gemeinde Sanitz zusammengeschlossen Alt Teterin, 1928 mit dem Gutsbezirk Müggenburg zur Gemeinde Teterin zusammengeschlossen Anklamer Fähre, auch nur Fähre, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Pelsin, 1946 zu Gnevezin Borckenfriede, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Borckenfriede, 1946 zu Altwigshagen Brenkenhof, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Medow, 1946 zur Gemeinde Medow Gramzow, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Krien, 1946 zu Krusenfelde Kamp, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Bugewitz, 1946 zu Rosenhagen Kosenow, am 1. Dezember 1935 zur Großgemeinde Ducherow, 1946 zu Neu Kosenow Rubenow, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Boldekow, 1946 zu Borntin Strippow, am 1. April 1937 zur Großgemeinde Spantekow, 1946 zu Neuenkirchen Tramstow, in den 1920er Jahren zu Postlow

mini|Kreis Anklam: Siegelmarke des Landrates.

Landräte 1733–1740Adolph Heinrich von Winterfeld 1740–1763August von Parsenow 1763–1779Adolph Friedrich von Neetzow 1784–1792Friedrich Georg Ludwig von Borcke 1792–1793Franz Friedrich Carl von Parsenow 1793–1816Moritz Friedrich Wilhelm von Schwerin 1818–1833Heinrich von Schwerin (1776–1839) 1833–1848Maximilian von Schwerin-Putzar (1804–1872) 1849–1853Albert von Bülow 1853–1889Rudolph von Oertzen (1819–1893) 1889Karl von Schwerin (1844–1901) (kommissarisch) 1889–1894Hermann von Somnitz († 1925) 1894–1908Ernst von Troschke (1859–1922) 1908–1927Hans von Rosenstiel (1871–1955) 1927–1932Max von Philipsborn (1891–1973) 1932–1934Egon von Haber (1875–1939) (kommissarisch) 1934–1940Wilhelm Becker 1940–1944Wilderich Graf von Merveldt (1906–1945)Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Johann Georg von Rappard, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1955. Band II, Band 10 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1952, S. 298. 1944–1945Gerhard Becker

Kommunalverfassung bis 1945

Der Landkreis Anklam gliederte sich in die Stadt Anklam, in Landgemeinden und – bis zu deren vollständiger Auflösung im Jahre 1928 – in selbstständige Gutsbezirke. Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab dem 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft, wonach die bisherigen Landgemeinden nun als Gemeinden bezeichnet wurden. Diese waren in Amtsbezirken zusammengefasst.

Persönlichkeiten Flugpionier Otto Lilienthal, geboren am 23. Mai 1848 in Anklam Maximilian von Schwerin-Putzar, war von 1833 bis 1848 Landrat des Kreises, später preußischer Minister u. führender liberaler Politiker

Literatur Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 115, Ziffer 4. (Digitalisat) Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 8–15. (Digitalisat)

Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Der Kreis Anklam in der ehemaligen Provinz Pommern (2011).

Weblinks

Landkreis Anklam Verwaltungsgeschichte und Landratsliste auf Territorial.de (Rolf Jehke-Herdecke), Stand 11. Juli 2013.

Einzelnachweise

Anklam Anklam Kategorie:Geschichte (Landkreis Vorpommern-Greifswald) Kategorie:Aufgelöst 1952