Eine E-Gitarre ist eine Gitarre mit elektrischer Tonabnahme. Im Gegensatz zur akustischen Gitarre braucht sie keinen akustischen Klangkörper zur Verstärkung der Saitenschwingungen. Dadurch sind Bauformen möglich, die vielen E-Gitarren unter anderem eine besonders leichte Bespielbarkeit verleihen. Ein weiterer Vorteil ist die Vielfalt an Klängen, die mit Gitarrenverstärkern und Effektgeräten erzeugt werden können.
Die Entwicklung der E-Gitarre entstand aus dem Bestreben, dem Instrument eine größere Lautstärke zu verschaffen. Das wurde notwendig, weil sich die Gitarristen im Jazz, insbesondere in der Bigband, mit rein akustischen Instrumenten nur schlecht gegen Bläser oder auch nur ein einzelnes Klavier durchsetzen konnten. So entwickelte sich die E-Gitarre stufenweise aus der bekannten akustischen Gitarre. Deshalb wird unter dem Begriff E-Gitarre im weiteren Sinne die gesamte Bandbreite von akustischen (Jazz-)Gitarren mit angebautem Tonabnehmer auf der einen Seite und Gitarren ohne Resonanzkörper auf der anderen Seite verstanden. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es zahlreiche Mischformen, die sich bis heute gehalten haben und die meistens als „halbakustische“ E-Gitarren oder Halbresonanzgitarren bezeichnet werden (z. B. Gibson ES-335).
Aufbau links|150px|Einzelteile1. Kopfplatte: 1.1 Stimmmechaniken 1.2 Abdeckplatte für den Halsspannstab 1.3 Saitenniederhalter für höheren Andruck der Saiten auf den Sattel 1.4 Sattel (hier ein Klemmsattel) 2. Hals: 2.1 Griffbrett 2.2 Griffbretteinlagen zur Markierung der Tonlagen 2.3 Bundstäbchen 2.4 Halsbefestigung (hier: Schraubhals) 3. Korpus (hier: Solidbody) 3.1 Tonabnehmer in Halsposition (hier: Humbucker) 3.2 Tonabnehmer in Stegposition (hier: Humbucker) 3.3 Steg mit Saitenreitern 3.4 Saitenhalter (hier: Floyd-Rose-System) 3.5 Feinstimmer 3.6 Vibratohebel 3.7 Kippschalter für die Tonabnehmerwahl 3.8 Drehregler für Lautstärke und Ton 3.9 Klinkenbuchse für Instrumentenkabel 3.10 Befestigungsknöpfe für Gitarrengurt 4. Gitarrensaiten: 4.1 Basssaiten (Normalstimmung E A D) 4.2 Diskantsaiten (Normalstimmung G H E)
Der Korpus einer E-Gitarre besteht meistens aus massivem Holz (Solidbody). Es gibt aber auch E-Gitarren mit einem der akustischen Gitarre ähnlichen Hohlkörper sowie Mischformen (Halbresonanzgitarre, „Semi-acoustic“). Das verwendete Material, die Beschaffenheit des Materials und die Form des Klangkörpers spielen, anders als die Tonabnehmer und deren Schaltung, nur eine geringe Rolle für den Klang der E-Gitarre.
mini|Typische Halsverschraubung bei einer E-Gitarre. Gut sichtbar sind auch die beiden Cutaways. In konstruktiven Details gibt es verschiedene Ausprägungen, den Hals mit dem Korpus zu verbinden. Die gebräuchlichsten Methoden sind das Verschrauben und das Verleimen. Beim Verschrauben wird der Hals in eine entsprechende Fräsung des Korpus eingelassen und mit meist vier durch eine Metallunterlegplatte geführten Holzschrauben mit dem Korpus verbunden. Beim Verleimen wird der Hals meist weiter in den Korpus eingesetzt. Bei einigen Modellen besteht der Hals aus einem durchgehenden Block, und es werden nur die Korpushälften angeleimt.
Eine elektrische Gitarre hat in der Regel sechs Saiten, es gibt aber auch Modelle mit sieben und mehr Saiten.Tony Bacon, Paul Day: The Ultimate Guitar Book. Hrsg. von Nigel Osborne, Dorling Kindersley, London / New York / Stuttgart 1991; Neudruck 1993, ISBN 0-86318-640-8, S. 118 f.
E-Gitarren haben in der Regel 21, 22 oder (als „double-octave“) 24 Bünde. Es gibt verschiedene Halslängen und -breiten, die Mensur beträgt üblicherweise 628 mm (Gibson Les Paul) oder 648 mm (Fender Stratocaster).
Der Frequenzbereich der Grundtöne einer sechssaitigen, 24-bündigen Gitarre in Standardstimmung E-A-d-g-h-e’ reicht von 82,4 bis 1318,5 Hz. Daneben gibt es noch weitere Gitarrenstimmungen, die das Instrument für unterschiedliche Aufgaben anpassen.
Tonabnehmer mini|250px|Elektromagnetische Tonabnehmer an einer E-Gitarre: ein Humbucker (links) und zwei Single Coils (Mitte und rechts)
Die Saitenschwingungen bei elektrischen Gitarren werden über elektromagnetische Tonabnehmer (englisch: pickup) abgenommen und elektronisch verstärkt wiedergegeben. Bei den Tonabnehmern sind im Wesentlichen die Bauformen Single Coil und Humbucker zu unterscheiden. Mit einer Spule umwickelte Dauermagnete werden unter den Saiten aus Stahl montiert. Schwingungen der Saiten führen zu Störungen des Magnetfeldes, die wiederum durch Induktion eine elektrische Wechselspannung in der Spule hervorrufen. Dieses schwache Signal wird einem Verstärker zugeleitet. Eine E-Gitarre ist also ein elektrisches und kein elektronisches Musikinstrument.
Elektrik Um den Klang zu variieren, haben viele E-Gitarren mehrere Tonabnehmer und Wahlschalter, um zwischen diesen hin- und herschalten zu können und auch um Kombinationen zwischen den einzelnen Tonabnehmern herzustellen. Die Tonabnehmer können oft zusätzlich in der abzugebenden Spannung und damit Ausgangslautstärke durch ein Potentiometer und einen Höhensteller, das Ton-Potentiometer, beeinflusst werden. Bei den weitaus meisten E-Gitarren, namentlich bei hochwertigen Markenprodukten, sind die Möglichkeiten der Klangbeeinflussung allerdings ausgesprochen beschränkt. Faktisch wird lediglich mit dem Klangregler die Wirkung eines parallel zum Tonabnehmer geschalteten Kondensators reguliert, wodurch dem Klang mehr oder weniger viel Höhenanteil genommen werden kann – die Gitarre klingt also je nach Einstellung dumpfer. Mehr Möglichkeiten bieten aktive Klangregler, mit denen die Klangvielfalt des Instrumentes gesteigert werden kann. Aktiven Tonabnehmern werden neben den erwähnten positiven auch negative Klangeigenschaften nachgesagt – beispielsweise dass sie unverzerrt steril klingen. Ein Nachteil bei aktiver Elektronik ist, dass die Gitarre eine eigene Spannungsquelle (in der Regel eine Batterie) benötigt. Einige Modelle werden auch mit Piezo-Tonabnehmern ausgestattet, um den Klang einer akustischen Gitarre nachzuahmen; so zum Beispiel seit Anfang der 1990er Jahre die meisten Modelle des US-amerikanischen Herstellers Parker Guitars.
Seit Einführung des MIDI-Standards Mitte der 1980er Jahre wurden Systeme entwickelt, mit denen die einzelnen Saitenschwingungen einer Gitarre in Echtzeit in MIDI-Signale umgewandelt werden. Durch diese „MIDIfizierung“ der Gitarrensignale ist eine Steuerung von Klangerzeugern möglich, die MIDI-Befehle verarbeiten können. Eine Gitarre kann so Klänge von Synthesizern, Drumcomputern oder Samplern spielen. Im Gegensatz zum Gitarrensynthesizer wird dabei das Audiosignal der Tonabnehmer nicht für die Klangerzeugung benutzt.
Des Weiteren gibt es sogenannte Modelling-Gitarren, bei denen die Schwingung der Saiten über einen Piezo-Tonabnehmer erfasst wird und ein Computer den Klang unterschiedlicher Gitarrenmodelle imitiert. Der Audiotechnikhersteller Line 6, der auch Modellingverstärker baut, ist Vorreiter und zurzeit (Stand 2023) Marktführer dieser Technologie.
Typen mini|Verschiedene Korpusformen von E-Gitarren mit Schlagbrettern und Platzierung der Tonabnehmer mini|Gibson SG mini|Vergleich von Bauform und Größe einer Hollow-Body gegenüber einer Solidbody
Bei der E-Gitarre spielt die Form des Korpus für die Klangerzeugung eine eher untergeordnete Rolle, da die Schwingung der Saite durch den Tonabnehmer an den Verstärker übergeben und nicht wie bei der Akustik-Gitarre durch den hölzernen Resonanzkörper verstärkt wird. Das ermöglicht eine Vielzahl unterschiedlicher „Silhouetten“. Aus erfolgreichen Modellen großer Hersteller haben sich im Laufe der Zeit einige richtige „Klassiker“ entwickelt. Diese Bauformen werden mit kleinen Änderungen (z. B. an der Kopfplatte, bei den Tonabnehmern usw.) auch von anderen Herstellern produziert. Man spricht dann zum Beispiel von „einer Gitarre im Strat-Style“ oder einem „Les Paul-Clone“ o. ä.
Die E-Gitarre hat drei Grundtypen, diese unterscheiden sich am auffälligsten in ihrer Bauweise: Es gibt Gitarren mit einem Hohlraum (engl. Hollow Body), die je nach Höhe der Zargen (Seitenwände) als Halb- oder Vollresonanz-Gitarren bezeichnet werden, und sogenannte Solidbodys, die aus einem oder mehreren miteinander verleimten massiven Holzklötzen bestehen.
Die berühmtesten und am meisten verbreiteten E-Gitarren sind die Stratocaster (1954) von Fender und die Gibson Les Paul (1952) der Gibson Guitar Corporation. Andere Modelle sind die Fender Telecaster (1950) und die Gibson SG (1961). Alle diese Modelle werden bis heute hergestellt.
Die Fender Stratocaster verfügt über zwei Cutaways, also Einbuchtungen am Halsansatz des Korpus, die die Bespielbarkeit der höheren Lagen ermöglichen sollen, und drei Single-Coil-Tonabnehmer. Die Gibson Les Paul hat nur einen Cutaway und ist mit zwei Humbucker-Tonabnehmern bestückt. Neben den unterschiedlichen Tonabnehmern sorgen auch grundlegende Unterschiede in Konstruktion und Holzauswahl dafür, dass diese Modelle sich auch in ihrem Klang deutlich unterscheiden. Die Les Paul erzeugt einen warmen, vollen Ton, während die Stratocaster einen schärferen, durchsichtigeren Ton abgibt.
Es gibt weitere Bauformen und E-Gitarren mit besonderen, auf den Musikstil zugeschnittenen Formen (z. B. die Flying V in Pfeilform, die Gibson Explorer, Jackson „Randy Rhoads“ oder die noch extremeren Modelle von B.C. Rich). Im Groben beziehen sich allerdings die meisten – auch neueren – Modelle auf die klassischen Bauweisen der Stratocaster bzw. Les Paul.
Einen Schritt weg von der klassischen Bauform gehen die mikrotonalen E-Gitarren, wie sie von Firmen wie Eastwood, Yamaha und anderen produziert werden. Diese Bauform ermöglicht nicht nur das Spielen der westlichen Tonleitern, sondern auch die aus dem arabischen, persischsprachigen und indischen Raum. Zusätzlich zu den üblichen Halbtonschritten, die durch die Bundstäbe markiert werden, besitzen mikrotonale E-Gitarren weitere Bundstäbe, die Vierteltonschritte ermöglichen. Musiker wie King Gizzard & the Lizard Wizard und Steve Vai nutzen diese Bauform für neue, experimentelle Ausdrucksformen im Spielen der E-Gitarre.
Mechanik mini|Unterschiedliche Anbringung der Mechaniken auf zwei typischen E-Gitarren-Kopfplatten
Als Stimmmechanik oder einfach Mechanik bezeichnet man die drehbaren Elemente am Kopf der Gitarre, mit denen die Saiten „aufgewickelt“ und gestimmt werden (siehe auch Wirbel). Die Mechanik bei E-Gitarren (und Westerngitarren) ist wegen der starken Spannung der Stahlsaiten vorzugsweise aus Metall – im Gegensatz zu klassischen Konzertgitarren mit Nylonsaiten. Bei Gitarrenmodellen mit Kopfplatte in „Stratocaster“-Manier sind alle Elemente hintereinander auf einer Seite der Kopfplatte angeordnet. Diese Anordnung wird durch die schräge Form des Kopfes möglich und bewirkt – von vorne betrachtet – eine gerade Saitenführung, die prinzipiell weniger zu Verstimmungen tendiert. Meistens werden aber für die hohen Saiten noch Saitenniederhalter benötigt, damit die Saiten einen gewissen Auflagedruck am Sattel haben. Bei Gitarren im „Les-Paul“-Stil befinden sich – genau wie bei akustischen Gitarren – jeweils drei Elemente auf einer Seite. Die Kopfplatte ist dabei meist nach hinten abgewinkelt und die Saiten werden vom Sattel aus sowohl nach hinten als auch zur Seite abgewinkelt zu den Mechaniken geführt. Bei einigen Gitarrenmodellen – wie z. B. von Paul Reed Smith oder MusicMan – finden sich auch Abwandlungen oder Mischformen dieser beiden Bauformen. Bekannte Hersteller von Mechaniken sind z. B. Schaller, Grover, Kluson und Gotoh.
Tremolo