Fallout (engl. für Radioaktiver Niederschlag) ist eine Computer-Rollenspiel-Serie, die 1997 mit dem von Interplay Entertainment entwickelten und vertriebenen Spiel Fallout startete. Die Welt von Fallout zeichnet ein düsteres Alternativszenario der Erde des 22. und 23. Jahrhunderts, nachdem im Jahr 2077 ein Atomkrieg weite Teile der Welt zerstört hat. Seit April 2007 befinden sich sämtliche Rechte an Fallout im Besitz von Bethesda Softworks. Im April 2024 erschien eine gleichnamige Fernsehserie, die an die Computerspielreihe angelehnt ist, wobei für Kenner der Spieleserie viele Referenzen und Anspielungen dort vorhanden sind.
Spielwelt Hintergrund Die Welt von Fallout ist eine düstere Zukunftsvision der Erde und zeichnet ein Alternativszenario der Geschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. So wurden seit den 1950er bis in die 2070er Jahre sowohl atomar betriebene Kraftfahrzeuge (z. B Corvega Blitz, Fusion Flea, Chryslus Cherry Bomb), Luft- und Raumfahrzeuge (Jetliner, Vertibird, Stingray Deluxe), technisch sehr hochentwickelte Roboter für häusliche, arbeits- bzw. militärische Zwecke (Mr. Handy, Protektron, Aggressotron), Exoskelette, die mit zusätzlichen Rüstungsteilen an Kopf, Rumpf und Gliedmaßen ausgestattet werden können, sogenannte Powerrüstungen, Handfeuerwaffen kurz oder lang mit Laser, Plasma wie auch ferromagnetischer Technik (Gausskanone) sowie handliche Atombombenwerfer (Fatman) entwickelt, während andere kulturelle, gesellschaftliche, politische und technische Bereiche über 100 Jahre lang praktisch auf dem Stand der späten 1950er frühen 1960er Jahre stehenblieben. Der Transistor wurde erst spät erfunden, Vakuumröhren waren allgegenwärtig, wodurch er sich erst langsam verbreitete und die Computertechnik grob und eher primitiv blieb. Rechner hatten im Jahre 2077 immer noch Monochrombildschirme wie auch der Pipboy, ein am Arm getragener persönlicher Assistenzcomputer. Dazu gelang es nicht, den Ressourcenverbrauch durch industrielle Effizienzsteigerungen zu verringern, was zu Rohstoffknappheit und schließlich Krieg führte. Zwar gelang es, Kernfusion zu ermöglichen, die Umstellung auf diese Technologie erfolgte jedoch nur im begrenzten Maße. Der daraus resultierende „Ressourcenkrieg“ begann im April 2052. Zwischenstationen in diesem Konflikt waren beispielsweise die Annexion Kanadas seitens der USA, der Angriff Chinas auf Alaska und die Invasion Chinas durch die USA. Die letzte Station jener Auseinandersetzung mündete in einem zweistündigen Atomkrieg zwischen den Hauptgegnern USA und China, durch den der größte Teil der Erdoberfläche zerstört wurde. Dieses Ereignis begann und endete am 23. Oktober 2077 und wurde später nur noch als der Große Krieg bezeichnet.
mini|150px|Logo des fiktiven Atomschutzbunkerherstellers Vault-Tec Während einige zehntausend Menschen in unterirdischen, strahlungsgeschützten Bunkern, den sogenannten Vaults, die von der Firma Vault-Tec erbaut wurden, Zuflucht fanden, fiel ein Großteil der an der Oberfläche verbliebenen Bevölkerung den Atombomben und dem daraus resultierenden radioaktiven Fallout zum Opfer, dem die Spieleserie ihren Namen verdankt. Viele der von der Außenwelt vollkommen unabhängigen Vaults scheiterten jedoch ebenfalls, die wenigen übrigen blieben teils jahrzehntelang verschlossen, bis ihre Bewohner sie das erste Mal wieder verließen und damit begannen, die Oberfläche zu erkunden. Unter den Überlebenden an der Oberfläche war es im Laufe der Jahrzehnte, in denen sie der andauernden ionisierenden Strahlung ausgesetzt waren, zu zahlreichen Mutationen gekommen. Viele der Überlebenden bildeten im Laufe der Zeit zahlreiche kleinere oder größere Clans, Stämme und Gemeinschaften, die besseren Schutz gegen Feinde, eine effektivere Zusammenarbeit und somit eine höhere Überlebenschance in der verwüsteten Welt bieten. Die Spielwelt ist geprägt von einem gewalttätigen Überlebenskampf ihrer Bewohner und zahlreichen mühsamen Versuchen einer örtlich begrenzten Rekultivierung und Rezivilisierung innerhalb der zerstörten, teilweise noch immer radioaktiv verseuchten Umwelt.
mini|150px|Logo des fiktiven Getränkeherstellers Nuka Cola Die Handlungen der Spiele schildern Ereignisse des 21, 22. und 23. Jahrhunderts an verschiedenen Orten auf dem Gebiet der ehemaligen Vereinigten Staaten. Unterschiedliche neu gebildete politische Organisationen konkurrieren untereinander um die Ausdehnung ihres Einflussbereichs und damit verbunden die Verbreitung ihrer politischen Ideologien. Sie befinden sich dabei auch regelmäßig im Konflikt mit anderen, meist kleinen, unabhängigen Stämmen und zahlreichen lokalen Verbrechensorganisationen, die die verbliebenen Bewohner des amerikanischen Ödlandes terrorisieren. Ein weiteres Spannungsfeld sind die Konflikte zwischen Menschen und Mutanten. Als Zahlungsmittel werden in der postapokalyptischen Gesellschaft fast ausschließlich Kronkorken der Marke des Getränkeherstellers Nuka-Cola verwendet.
Das Leitthema der Serie lautet seit Beginn „Krieg, Krieg bleibt immer gleich (War, war never changes).“ Stilistisch verbindet sie futuristische Technik mit der amerikanischen Alltagskultur der 1950er Jahre. Die veröffentlichten Spiele zeichnen sich mehrheitlich durch ihren ausgeprägten schwarzen Humor und einer offenen Spielwelt mit großer Handlungsfreiheit aus. Die Serie nimmt die Zukunftsvisionen der 1950er-Jahre auf die Schippe, als die Atomkraft als Lösung für alle Probleme der Menschheit angesehen wurde.
Wichtige Gruppierungen Stählerne Bruderschaft (alle Fallout-Teile) Die Wurzeln der Stählernen Bruderschaft () liegen im US-Militär. Sie wurde von Captain Roger Maxson nach dem Großen Krieg im kalifornischen Regierungsbunker in Lost Hills gegründet und sieht sich selbst als modernen Ritterorden, der sich der Konservierung und Kontrolle von Wissen und Hochtechnologie verschrieben hat. Sie bildet im Lauf der Jahre mehrere Ableger: Die originale Bruderschaft an der Westküste besteht nahezu ausschließlich aus den nicht-mutierten Nachkommen ehemaliger Soldaten und Wissenschaftlern. Sie lehnt Mutanten ab und verschließt sich Außenstehenden gegenüber weitestgehend. Weiterhin ist sie nicht zur Teilung ihres Wissens bereit, da sie den Bewohnern des Ödlandes mangelndes Verantwortungsbewusstsein unterstellt. Allerdings wurde ihnen ihre isolationistische Haltung bereits mehrfach zum Verhängnis, insbesondere durch den Wiederaufstieg der Enklave sowie den wachsenden Einfluss der RNK, sodass die Bruderschaft letztendlich doch auf Hilfe von außen angewiesen war, weshalb es innerhalb der Verbände vereinzelt kritische Stimmen gibt, welche ein Ende der Abschottung fordern. Ihre Mitglieder teilen sich auf drei Orden auf – Wissenschaftler, Krieger und Paladine. Jeder Verband wird von einem Ältesten und den Obersten Paladinen geführt. Grundsätzlich kann nur ein Paladin Ältester werden, eine der wenigen Ausnahmen war Elijah im Mojave-Verband.
Zwei weitgehend eigenständige Splittergruppen der Bruderschaft existieren in Chicago und im Bereich der ehemaligen Hauptstadt Washington, D.C. Diese vertreten zum Teil abweichende Positionen im Vergleich zur kalifornischen Gruppierung. So ist die D.C.-Splittergruppe zwar ebenso restriktiv bei der Geheimhaltung ihres technologischen Wissens, ist sich jedoch auch ihrer humanitären Verantwortung und Vorbildfunktion bewusst und offen für Rekruten aus dem umliegenden Ödland der Hauptstadt. Die Bruderschaft des mittleren Westens bei Chicago nimmt – teilweise als Resultat eines verlustreichen lokalen Krieges – auch Mutanten in ihren Reihen auf. Die D.C.-Splittergruppe weitete sich im Jahr 2287 bis ins Commonwealth nach Boston aus. Der einzige verbleibende Nachkomme Roger Maxsons, Arthur Maxson, übernahm aus Tradition die Position des "High-Elder" und somit die faktische Kontrolle über die Gesamte Stählerne Bruderschaft und deren Splittergruppen.
Enklave (Fallout 2, Fallout New Vegas, Fallout 3, Fallout 4 und Fallout 76) mini|100px|Emblem der Enklave Die Enklave ging aus der ehemaligen US-Regierung und mächtigen Industriellen hervor und sieht sich als legitimer Nachfolger der Vereinigten Kanadisch-Amerikanischen Staaten. Als solche bemüht sie sich, die Kontrolle über das Terrain der Vereinigten Staaten und Kanadas zurückzuerobern. Auf sie geht auch die Entstehung der Vaults zurück, welche nur offiziell das Überleben der Menschheit sichern sollten, insgeheim jedoch Experimenten an Menschen dienten, wie sich der beschränkte Raum, die völlige Isolation von der Außenwelt und einzelne von Vault zu Vault unterschiedliche, zum Teil extreme Bedingungen auf deren Verhalten auswirken. Die Menschen der Enklave sind weitestgehend frei von Mutationen und betrachten alle Nicht-Enklavler als Mutanten. Kulturell und gesellschaftlich hat sich die Enklave seit dem Großen Krieg nicht im Geringsten weiterentwickelt. Mutanten gelten in ihrer rassistischen Ideologie als nicht lebenswerte Wesen und werden wenn überhaupt maximal als Sklaven geduldet. Entsprechend brutal ist ihr Vorgehen bei der Ausweitung ihres Einflusses. Die Enklave ist ferner mehr oder weniger die einzige Organisation, welche über noch fortschrittlichere Technologien verfügt als die Bruderschaft, was sich unter anderem darin zeigt, dass die Enklave auch nach dem Krieg noch neue Modelle der „Powerrüstung“ entwickeln konnte, während die Bruderschaft ausschließlich auf Vorkriegsmodelle Zugriff hat. Ihr Hauptquartier und Sitz ihres Präsidenten ist bis zu ihrer Zerstörung im Jahr 2242 durch den Protagonisten in Fallout 2 eine Ölbohrinsel, etwa 200 Meilen westlich der amerikanischen Westküste gelegen, welche der Enklave auch die Verwendung fossiler Brennstoffe ermöglicht. Mit dem Verlust der Bohrinsel, und damit des größten Teils ihrer Streitkräfte und Mitglieder, mussten die Überreste der Enklave an der Westküste auch ihren Plan, mithilfe einer modifizierten Version des FE-Virus sämtliche mutierten Lebensformen im Ödland auszulöschen, aufgeben, und wurden im Anschluss größtenteils von der Stählernen Bruderschaft und der RNK vernichtend geschlagen. Einige Angehörige der Enklave versuchten später, sich in die RNK zu integrieren, die meisten wurden allerdings auch dabei entdeckt und verfolgt, sodass die Enklave an der Westküste seitdem faktisch ausgelöscht ist. Weitere Außenposten existieren an der amerikanischen Ostküste sowie in Chicago. Tritt sie in Erscheinung, agiert sie fast immer als der primäre Antagonist des Spielers.
Republik Neu-Kalifornien (Fallout 1, Fallout 2, Fallout New Vegas) mini|200px|Flagge der RNK Die Republik Neu-Kalifornien (RNK) wurde nach den Ereignissen des ersten Fallout-Titels im Jahr 2189 gegründet. Sie ist bislang die einzige mit einem Staat vergleichbare Organisation in der Fallout-Welt, während die anderen größeren Gruppierungen eher den Charakter militärischer Verbände oder Clans besitzen. Die RNK ging aus einem politischen Bündnis zwischen der von Bewohnern des Vault 15 gegründeten Siedlung Shady Sands und vier weiterer Städte hervor. Sie hat sich weithin den ursprünglichen politischen Idealen der Vereinigten Staaten verschrieben, mit Gewaltenteilung und einer demokratisch gewählten Regierung. In der RNK gibt es keine rechtliche Unterscheidung zwischen Menschen und Mutanten. In der Regierungszeit des dritten Präsidenten Aaron Kimball bemühte auch sie sich zunehmend um eine Ausweitung ihres Einflussbereiches. Ihre Vorgehensweise trug dabei mitunter ebenfalls imperialistische Züge. Des Weiteren wird ihren Bürgern, Soldaten und Politikern oft vorgeworfen, sich auf Kosten anderer zu bereichern.