mini|400x400px|Historischer Routemaster RML2620 in London (2004). Dieser Bustyp wird traditionell als Musterexemplar eines Doppeldeckerbusses angesehen. Als Doppeldeckerbus (auch Doppelstockbus, Doppeldeckeromnibus, Doppelstockomnibus, ugs. Doppeldecker beziehungsweise in Österreich Stockomnibus, Stockautobus oder Stockbus) wird ein Omnibus oder Oberleitungsbus bezeichnet, der über zwei Etagen für die Fahrgastbeförderung verfügt. Ist das Oberdeck offen, so spricht man von einem Decksitzwagen. Busse, die keine Doppeldecker sind, werden abgrenzend hierzu als Eindecker oder Niederdecker bezeichnet.

Geschichte mini|Daimler-Decksitzwagen, 1907 mini|hochkant|Doppeldeckerbus am Brandenburger Tor, Mai 1949

Entstanden sind Doppeldeckerbusse aus der Notwendigkeit, bei bereits knappem Verkehrsraum vor allem in Großstädten mehr Fahrgastkapazität zu schaffen. Daher war ihr Einsatz über viele Jahrzehnte vor allem der Öffentliche Nahverkehr in Metropolen wie London, Berlin, Hamburg oder Wien. Die Vorbilder der ersten Doppeldecker-Motorbusse, die Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen, waren die Pferdeomnibusse, die in den Großstädten schon lange doppelstöckig waren. Die obere Etage dieser sogenannten Decksitzwagen konnte durch eine Treppe am Heck erreicht werden. Man unterscheidet Bauformen mit Längssitzen auf dem Oberdeck, unter denen Platz für die Vergrößerung der Stehhöhe des Unterdecks ist, und solche mit Quersitzen, die einfach auf das Dach des Unterdecks montiert wurden. Das Oberdeck hatte zunächst kein Dach und war somit nicht witterungsgeschützt. Erst seit den 1920er Jahren, nach der Einführung der Niederrahmen-Bauweise beim Fahrgestell und der damit verbundenen Reduzierung der Fußbodenhöhen beider Decks, wurden komplett geschlossene und verglaste Karosserien bei Doppeldeckerbussen die Regel. Seit den 1960er Jahren werden Doppeldeckerbusse vermehrt für Stadtrundfahrten verwendet; auch im Reiseverkehr werden Doppeldecker eingesetzt.

Doppeldeckaufbauten wurden früher meist von darauf spezialisierten Karosseriebaufirmen gefertigt, so wurden z. B. die für den Berliner Linienverkehr bestimmten Doppeldecker bei Firmen wie Gaubschat, Orenstein & Koppel oder Waggon Union aufgebaut. In der DDR wurden in den 1950er Jahren die Doppeldecker vom Typ Do 54 und Do 56 im Volkseigenen Betrieb Waggonbau Bautzen hergestellt. Sie wurden in Ost-Berlin, Leipzig, Rostock und einigen anderen Städten der DDR eingesetzt. Ein Wagen wurde nach Moskau verschenkt.

Nach dem 1960 in Kraft getretenen Busanhänger-Verbot in der Bundesrepublik Deutschland erschienen zunächst bei einigen Betrieben verstärkt so genannte Anderthalbdecker, bei denen nur der Heckbereich doppelstöckig ausgeführt wurde. Diese Bauart nahm aber mit der Verbreitung der heute üblichen Gelenkbusse wieder ab und verschwand schließlich in den 1970er Jahren wieder vom Markt.

Ein wesentlicher Nachteil von Doppeldeckerbussen im Stadtverkehr ist die ungleiche Verteilung der Fahrgäste auf die beiden Ebenen. So wurde beispielsweise in Wien früher das obere Stockwerk kaum genutzt, weil viele Fahrgäste fürchteten, an ihrer Zielhaltestelle nicht rechtzeitig zur Tür zu kommen.

Aufbau

In Deutschland basieren Stadtlinien-Doppeldecker heute vorwiegend auf ihren Eindecker-Pendants in Niederflurbauweise, die für die größere Aufbauhöhe (die zulässige Gesamtmasse bleibt bei gleicher Achsanzahl unverändert) verstärkte Stoßdämpfer und Querstabilisatoren gegen seitliches Wanken erhalten. Um die Fahrgastkapazität zu erhöhen und moderne technische Anforderungen wie Klimaanlage und Abgasnachbehandlungssysteme auch gewichtsmäßig handhaben zu können, hat sich heute auch bei Fahrzeugen mit nur 12 m Länge die Ausrüstung mit drei Achsen durchgesetzt, von denen die letzte, die Nachlaufachse einfach bereift und friktions- oder aktiv gelenkt ist.

Konstruktionen aus anderen Ländern wie Großbritannien, Spanien, Portugal oder Polen basieren meist auf Niederflur-Chassis großer Bushersteller (z. B. ADL, Evobus, MAN Nutzfahrzeuge, Volvo, Scania), auf die dann Doppeldecker-Aufbauten gebaut werden.

Doppeldeckerbusse in selbsttragender Bauweise bieten seit jeher durch die niedrigen Einstiege und weitgehend ebene, stufenlose Durchgänge im Unterdeck den Vorteil einer gewissen Barrierefreiheit. Mit dem Aufkommen von Niederflur-Linienbussen bekamen auch Doppelstock-Busse im Linienverkehr stufenlose bzw. podestfreie Stellplätze für Rollstühle oder Kinderwagen. Zusätzlich wurden diese Fahrzeuge mit Einstiegshilfen wie Hubliften oder Rampen versehen. Im Reiseverkehr sind dagegen trotz stufenloser Einstiege auch die Fahrgastplätze im Unterdeck auf Podesten angeordnet, meist sind die Fahrzeuge auch voll bestuhlt, so dass Rollstühle nicht befördert werden können. In manchen zu Fernlinienbussen umgerüsteten Reisedoppeldeckern, wie dem ÖBB Intercity-Bus sind jedoch befahrbare Nischen im Bereich der (gegenüber der Serie breiteren) Hecktür für einen Rollstuhlplatz vorhanden, so dass diese Busse barrierefreies Reisen ermöglichen.oebb.at

Durch die Verwendung von Leichtbaumaterialien und geringere Längen (9,6–10,6 m) werden Stadtbus-Doppeldecker für Großbritannien und Irland nach wie vor zweiachsig gebaut, während Überlandwagen und Stadtrundfahrtbusse oftmals dreiachsig sind, dann jedoch mit einer einfach bereiften und oft nicht gelenkten Vorlaufachse vor der Antriebsachse oder einer gelenkten Nachlaufachse ausgestattet. Britische Doppeldeckerbusse sind meist 4,4 m hoch und weisen dementsprechend innen größere Stehhöhen auf.mini|Ein Stockbus der Wiener Linien auf der Buslinie 61A an der Haltestelle Karlsplatz, Oktober 1979Gemäß StVZO dürfen Busse in Deutschland 2,55 m breit, 4,0 m hoch und 13,5 m (Zweiachser), 15,0 m (Mehrachser) bzw. 18,75 m (Gelenkbus) lang sein.StVZO § 32 Abmessungen von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen Doppelstöckige Stadtbusse überschreiten die Höhe teilweise mit einer Ausnahmegenehmigung, so waren die Doppeldeckerbusse im Berliner Stadtverkehr bis zu 4,12 m hoch (Typ DN, MAN ND 202) und konnten nur auf Strecken eingesetzt werden, die überall die dafür nötige lichte Höhe haben. In Großbritannien ist eine Höhe bis 15 Fuß (4,57 m) zulässig.

Doppeldeck-Reisebusse sind konstruktiv völlig eigenständig. Sie entstehen bei den großen Herstellern Neoman und Evobus in voll selbsttragender Bauweise oder bei kleineren Produzenten teilselbsttragend mit integrierten Fahrschemeln, die von großen Busherstellern (z. B. Evobus, MAN, Volvo, Scania) bezogen und mit einem Doppeldeckaufbau versehen werden. Drei Achsen sind hier seit vielen Jahren aufgrund der hohen Eigenmassen Stand der Technik. 15 m lange Doppeldeck-Reise- und Überlandwagen hat das Unternehmen Auwärter-Neoplan bereits zu Beginn der 1990er Jahre mit zwei Vorder- und zwei Hinterachsen ausgestattet, die alle gelenkt waren. Technische Probleme und der hohe technische Aufwand haben jedoch dazu geführt, dass nur eine recht kleine Anzahl an derartigen Wagen gebaut wurden.

Seit dem 1. Januar 2005 müssen nach EU-Norm neu in Verkehr gebrachte Doppeldeckerbusse, wenn mehr als 50 Sitzplätze im Oberdeck angeboten werden, mit zwei Treppen zwischen Unter- und Oberdeck ausgestattet sein, von denen eine links oder rechts über der Vorderachse und die zweite in Fahrzeugmitte oder im Heck (nur Stadtbusse) angeordnet ist.

Einsatzgebiete im öffentlichen Personenverkehr Doppeldeckerbusse werden am häufigsten im Nahverkehr in Großbritannien, Irland, Hongkong und Singapur verwendet. Jedoch existieren auch außerhalb dieser Länder Orte mit traditionellem Einsatz von Doppeldeckerbussen. In Berlin und London sind die für diese Städte typischen Doppeldeckbusse aus dem Straßenbild kaum wegzudenken. mini|New Routemaster der Arriva auf der Linie 38 in London Nahverkehr mini|Auf der Expressbuslinie 500 Kassel – Bad Wildungen kommen Doppeldeckbusse zum Einsatz

Britische Inseln In England fahren die double-deckers nicht nur in sehr vielen Städten, sondern auch als Linienbusse im Regionalverkehr, beispielsweise an der Südküste. Der berühmte Londoner Doppeldeckerbus Routemaster war der letzte noch eingesetzte Stadtbus in der klassischen Form mit Motor vorn und offenem Heckeinstieg mit dort befindlicher Treppe. Vor allem die nicht erfüllte Barrierefreiheit führte bis 2005 zum Ersatz durch moderne Niederflur-Doppeldecker und Gelenkbusse. Auch in früheren britischen Kolonien in Asien fahren viele Doppeldecker – beispielsweise in Hongkong (zu 90 Prozent), in Bombay und in Singapur (etwa 50 Prozent). Stadtbildprägend sind auch die grünen Doppeldeckerbusse in Dublin.

Mitteleuropa mini|MAN Lion’s City der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) an der Betriebshaltestelle Hertzallee Die deutschen Einsatzgebiete von Linien-Doppeldeckern sind vor allem Berlin, wo sie zuerst fuhren, und Aalen.ova.de: In Aalen sind Busse des Modells Viseon LDD im Einsatz.

Seit 2004 fahren Doppeldecker auch im westfälischen Münsterland, die RVM setzt den Setra S431 DT auf den SchnellBus-Linien S90 Münster – Senden – Lüdinghausen und S71 Münster – Horstmar – Vreden ein. Auch auf der Linie S75 Münster – Borken – Bocholt fahren Doppeldeckerbusse.

Die Kahlgrund Verkehrs-GmbH (KVG) setzt zwei Doppeldeckbusse im Schülerverkehr ein, da die engen Straßen im Kahlgrund für Gelenkbusse nicht geeignet sind.

Vom 29. Juni 2012 bis zum 2. August 2012 war der Berliner Doppeldeckerbus Nummer 3543 auf der Linie 30/30E zwischen Nürnberg-Thon und Erlangen, Hugenottenplatz im Einsatz. Aufgrund der hohen Sitzplatzzahl, die ein Gelenkbus nicht bieten kann, testete die VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg diesen Fahrzeugtyp.

In Frankfurt am Main wurde zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 in Testeinsätzen auf regulären Buslinien (Linie 34, MAN ND 202; Linie 30, MAN Lion’s City DD A39) geprüft, ob in Zukunft wieder (wie schon von 1967 bis 1976) Doppeldeckbusse zur Kapazitätssteigerung auf bestimmten Linien in Frankfurt eingesetzt werden sollen, auf denen der Einsatz von Gelenkbussen wegen deren Länge nicht sinnvoll ist.

Seit dem Jahr 2015 kommen Setra S 431 DT Doppeldeckbusse auf der Verbindung Darmstadt – Flughafen Frankfurt Main (AIRLINER) zum Einsatz und seit Dezember 2016 werden auch auf der Expressbuslinie 500 Kassel – Bad Wildungen Doppeldeckerbusse eingesetzt. Diese ergänzen innerhalb Kassels die Stadtbusse, fahren dann ohne weiteren Halt bis Gudensberg über die Bundesautobahn 49, bevor sie anschließend als Überlandbusse über Fritzlar nach Bad Wildungen verkehren.

Auch auf der Schnellbuslinie 800 („Hochwald-Schnellbus“) von Idar-Oberstein über den Erbeskopf nach Trier kommen Setra-Doppeldeckbusse zum Einsatz. Die Fahrtzeit der Linie beträgt rund 90 Minuten. mini|Mittlerweile ersetzter Neoplan-Doppelstockbus im Linienbetrieb in St. Gallen (2000) In der Schweiz sind Doppeldeckbusse vor allem auf den Postauto-Linien in St. Gallen sowie auf den Linien im Toggenburg, über den Grimselpass, am Vierwaldstättersee sowie im jurassischen Val Terbi im Einsatz. Auch in Lausanne, Chur und dem Maggiatal sind solche Busse im Regionalverkehr anzutreffen.

Singapur mini|SBS Transit Leyland Olympian