mini|hochkant=1.33|Das Lausitzer Seenland und seine Umgebung mini|hochkant=1.33|Ausschnitt der Seenkette Das Lausitzer Seenland (, ) ist ein künstlich entstandenes Seengebiet in der Lausitz. Durch Fluten stillgelegter Braunkohlentagebaue des Lausitzer Braunkohlereviers soll bis Ende der 2020er Jahre Europas größte künstliche Wasserlandschaft und Deutschlands viertgrößtes Seengebiet entstehen. Ein Teil der größten Seen sind als Seenkette durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden.
Geographie Das Lausitzer Seenland liegt in der Lausitz in einem Dreieck zwischen Luckau in Brandenburg im Nordwesten, dem Cottbuser Umland im Nordosten und Niesky in Sachsen im Südosten. Die Gesamtausdehnung von Europas künftig größter künstlicher Seenplatte beträgt von West nach Ost sechzig – von Nord nach Süd vierzig Kilometer. Verteilt sind die Gewässer in diesem Gebiet recht unterschiedlich und die neuen werden in Zukunft mit anderen, älteren Gewässerlandschaften in diesem Gebiet verschmelzen. Die Seen entstanden nach Ende des Braunkohletagebaus im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert durch Flutung von Tagebaurestlöchern. Sie befinden sich vor allem dicht in einem Streifen entlang der Lausitzer Städte Senftenberg und Hoyerswerda, etwas weniger in dem Gebiet zwischen Luckau, Lübbenau und Calau, nordöstlich von Cottbus und zwischen Finsterwalde und Lauchhammer. Mit der Umplanung des Taubendorfer Sees wird Guben die nordöstliche Grenze des Seenlandes bilden. mini|Felixsee im Muskauer Faltenbogen Neben den oft großen Tagebaurestlöchern sind in dem ganzen Gebiet viele weitere Gewässer anderer Entstehung vorhanden. An das zentrale Seenband bei Hoyerswerda schließt sich südlich dieser Stadt und im Südosten des Bärwalder Sees das Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft an. Dessen Gewässer, vor allem Teiche, haben generell keinen Tagebauhintergrund und sind meist älter; sie werden größtenteils zur Fischzucht genutzt. Mit fortschreitender Dauer und Renaturierung werden die gefluteten Tagebaurestlöcher sich von den Teichen in ihrer Umgebung oberflächlich und optisch oft nur noch durch ihre Größe unterscheiden und mit der Teichlandschaft strukturell verwachsen. Weiterhin existieren nördlich des Bärwalder Sees zwischen Weißwasser und Bad Muskau viele Teiche des Muskauer Faltenbogens. Auch diese Teiche haben generell keinen Tagebauhintergrund und sind oft ungenutzte Teiche mitten im Kiefernwald. Die beiden Gebiete werden aber durch die geplanten Folgeseen des Tagebaus Nochten sowie die bereits existierenden künstlichen Seen wie den Halbendorfer See dank deren zunehmender Renaturierung strukturell ineinander übergehen.
Ganz im Norden schließt sich der Gewässernaturraum Spreewald unmittelbar an das Seenland an. Da der Spreewald kaum Seen oder Teiche enthält, gehört er nicht mehr zum Seenland dazu. Die beiden Räume sind aber durch die Spree, die beide Gebiete maßgeblich mit Wasser versorgt, und die unmittelbare Nähe miteinander verbunden.
Entstehung mini|Die entstehenden Tagebaurestseen, hier der Großräschener See im Jahr 2007 Die Nutzung von Tagebaurestlöchern, die durch das Ende der Sümpfung zu Seen wurden, als Badegewässer, existiert in der Lausitz seit den 1950er Jahren z. B. an der Blauen Adria und dem Olbasee sowie diversen aufgelassenen Steinbrüchen (→ Lausitzer Granit). Im Jahr 2012 gründete sich der Verein Tourismusverband Lausitzer Seenland als Zweckverband zur länderübergreifenden touristischen Entwicklung des Gebiets. Mit dem neuen Lausitzer Seenland entsteht somit eine touristische Landschaft aus den Restlöchern der Braunkohle-Großtagebaue der DDR-Zeit „in großem Stil“. Die Tagebaurestlandschaft wird renaturiert, Gruben geflutet und so in Seen umgewandelt. Einige der entstehenden Seen haben ihren Endwasserstand bereits erreicht, andere werden erst in einigen Jahren vollständig geflutet sein.
mini|Die Uferzonen der Seen, hier vom Geierswalder See Gegenwärtig werden noch umfangreiche Sanierungs- und Rekultivierungsmaßnahmen an einigen Tagebauseen, ihren Uferbereichen und am umliegenden Gelände durch die LMBV durchgeführt. Beim Kontakt des Seewassers mit pyrithaltigem Abraum bildet sich durch biochemische Prozesse Schwefelsäure im Seewasser (siehe auch den Artikel saure Grubenwässer), welche durch Kalk neutralisiert werden muss. Nach Abschluss aller Arbeiten ist das Ziel, die Wasserqualität des naturierten, von Erholungssuchenden genutzten Senftenberger Sees zu erreichen.
Andere Seen sind künstlich aufgestaute Seen. Während die Talsperre Quitzdorf geschaffen wurde, um genügend Brauchwasser für das Kraftwerk Boxberg bereitstellen zu können, wurde die Talsperre Spremberg vorwiegend für den Hochwasserschutz im Seenland geplant, allerdings auch für Brauchwasser für Kraftwerke benutzt. Auch die Talsperre Bautzen wurde künstlich angelegt, um das Kraftwerk Boxberg kontinuierlich mit Wasser versorgen zu können.
Die sich ebenfalls im Gebiet des Seenland befindenden Teiche des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft entstanden schon teilweise im Mittelalter, aber auch während der DDR-Zeit aus landwirtschaftlichen Gründen, indem das moorreiche Land umstrukturiert und nutzbar gemacht wurde. Diese sehr flachen Gewässer werden meist zur Fischzucht genutzt.
Auch die Teiche des Muskauer Faltenbogens liegen zwischen den großen Tagebaurestlöchern. Sie entstanden aus Verwerfungen der Endmoräne von Gletschern aus der Eiszeit, auch teilweise durch Abbau von Bodenrohstoffen wie Sand, Ton und Kohle schon vor der Industrialisierung. Generell sind diese Teiche nicht willentlich vom Menschen angelegt, sondern aufgrund von fehlenden Abflüssen mit Wasser gefüllt.
Anlage der Seen mini|Der Geierswalder See östlich von Senftenberg mini|Der Poleysee südlich von Sallgast Im Zentrum des Lausitzer Seenlandes entstand durch die Verbindung von neun Seen mit schiffbaren Kanälen die Lausitzer Seenkette, die mit ungefähr 7.000 Hektar Wasserfläche eine besondere Bedeutung für die touristische Entwicklung der Niederlausitz haben soll. Geplant ist, die Seenlandschaft zu einer überregional bedeutsamen Wasserlandschaft mit sportlich attraktivem Charakter werden zu lassen. Zu diesem Zweck sind umfangreiche Investitionen in die Infrastruktur nötig: Herstellen von Badestränden, Yachthäfen (Marinas), Stützpunkte für Wasserski, Jetski, Camping, Gastronomie usw.
Die ersten Projekte befinden sich in der Realisierung. Am Geierswalder See wurden eine Wasserskianlage, ein Sportboothafen und eine Marina mit schwimmenden Häusern gebaut. Eine Besonderheit soll der Wasserflugplatz am nördlichen Ufer des Sedlitzer Sees sein.
Am Bärwalder See, der bis zur Flutung der noch aktiven Tagebaue Nochten und Reichwalde der flächenmäßig größte See Sachsens ist, wurde 2008 ein Sportboothafen am südlichen Seeufer eröffnet. Weitere Marinas sind am West- und Nordostufer vorhanden.
Die einzelnen Seen wurden mit Überleitern verbunden, um eine schnellere Flutung zu ermöglichen. Der erste fertiggestellte Überleiter war im Dezember 2003 der Barbara-Kanal, der Geierswalder und Partwitzer See miteinander verband. Im Januar 2006 folgten Sornoer und Rosendorfer Kanal. Die Überleiter sind schiffbar für eine Nutzung im Rahmen des Wassersports und Wasser-Tourismus. Die Schiffbarkeit bezieht sich auf das Lausitzer Bemessungsschiff mit den Maßen 28,5 m Länge, 5,2 m Breite, 3,3 m HöheSee Journal November 2012 (). Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg, abgerufen am 13. Januar 2013 und 1,5 m Tiefgang.
Am 29. Juni 2026 wurde die durch Kanäle verbundene Restlochkette zwischen dem Senftenberger, Geierswalder, Partwitzer, Sedlitzer und Großräschener See freigegeben, die fünf Seen können seitdem durchgehend mit Fahrgastschiffen befahren werden. Dabei entstand der größte künstliche Seenverbund Europas mit einer verbundenen Fläche von etwa 5100 Hektar.Größter künstlicher Seenverbund Europas offiziell eröffnet. rbb24, 30. Juni 2026, abgerufen am 30. Juni 2026.
Auszeichnung Das Lausitzer Seenland wurde 2018 zusammen mit dem Biosphärenreservat Spreewald mit dem Europäischen Gartenpreis in der Kategorie „Beste Entwicklung einer für das europäische Kulturerbe bedeutenden Kulturlandschaft“ ausgezeichnet.
Seen mini|hochkant|Der begehbare Turm Rostiger Nagel am Sedlitzer See erinnert an die maschinell gestaltete Landschaft Folgende Seen gehören zum Lausitzer Seenland oder liegen in der näheren Umgebung. (abgerufen am 15. März 2015)
Angegeben sind neben den deutschen und ggf. sorbischen Namen der Seen auch die Namen der Tagebaue, aus denen sie entstanden (in Klammern mit Tagebau gekennzeichnet). Außerdem ist die Wasserfläche in Hektar und das Jahr der (geplanten) Fertigstellung angegeben.
Nördliche Seen (alle in Brandenburg) Lichtenauer See (Lichtnojski jazor; Tagebau Schlabendorf-Nord; Lübbenau, Calau) 326 ha Schönfelder See (Tłukomski jazor; Tagebau Seese-West; Lübbenau, Calau) 140 ha; 2008 Bischdorfer See (Wótšowski jazor; Tagebau Seese-Ost; Lübbenau) 255 ha; 2013 Schlabendorfer See (Chóžyšćański jazor; Tagebau Schlabendorf-Süd; Luckau, Calau) 700 ha; 2012 Drehnaer See (Tagebau Schlabendorf-Süd; Luckau, Calau) 226 ha; 2011 Gräbendorfer See (Grabicański jazor; Tagebau Gräbendorf; Calau) 457 ha; 2007 Grünewalder Lauch (Grube Grünewalde; Lauchhammer) ca. 100 ha; 1977 Altdöberner See (Starodarbnjojski jazor; Tagebau Greifenhain; Altdöbern) 1.016 ha; (2030) Bergheider See (Tagebau Klettwitz-Nord; Finsterwalde) 332 ha; 2013 Cottbuser Ostsee (Chóśebuski pódzajtšny jazor; Tagebau Cottbus-Nord) 1.900 ha; 2024 Klinger See (Klincański jazor; Tagebau Jänschwalde); 2030 Kahnsdorfer See (Wóškalawski jazor) bei Vetschau Drochower See bei Drochow Annahütter See bei Annahütte Poleysee bei Sallgast
Mittlere Seen Der mittlere Bereich ist zugleich der Kern des Lausitzer Seenlandes und liegt grenzüberschreitend in Brandenburg und Sachsen. Daher ist hier das Bundesland in Klammern mit angegeben. Nochmals unterteilt folgen die Seen innerhalb und die Seen außerhalb der Lausitzer Seenkette.
Lausitzer Seenkette mini|IBA-Terrassen am entstehenden Großräschener See mini|Schleuse Koschen zwischen Geierswalder und Senftenberger See mini|Das zum Teil mit Weinreben bepflanzte Ufer des Großräschener Sees Die Seen sind durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden und befinden sich direkt östlich an der A 13 zwischen Großräschen, Senftenberg und Hoyerswerda.
Großräschener See (Rański jazor; früher Ilsesee, Großräschen; Brandenburg; Tagebau Meuro) 771 ha; 2015 Senftenberger See (Złykomorojski jazor; Senftenberg; Brandenburg; Tagebau Niemtsch) 1.300 ha; 1973 Sedlitzer See (Sedlišćański jazor; Brandenburg; Tagebau Sedlitz) 1.330 ha; 2025 Partwitzer See (Parcowski jězor; Sachsen/Brandenburg; Tagebau Skado) 1.120 ha; 2012 Geierswalder See (Lejnjanski jězor; Sachsen/Brandenburg; Tagebau Koschen) 620 ha; 2012 Neuwieser See (Nowołučanski jězor; Sachsen; Tagebau Spreetal/Bluno) 632 ha; 2015 Blunoer Südsee (Južny Blunjanski jězor; Sachsen; Tagebau Spreetal/Bluno) 350 ha; 2015 Sabrodter See (Zabrodski jězor; Sachsen; Tagebau Spreetal/Bluno) 136 ha; 2015 Bergener See (Horjanski jězor; Sachsen; Tagebau Spreetal/Bluno) 133 ha; 2015 Spreetaler See (Sprjewinodołski jězor; Sachsen; Tagebau Spreetal-Nordost) 314 ha; 2015
Sonstige Seen Erikasee (Jězor Erika; Sachsen; Tagebau Laubusch), 145 ha; 1970 Kortitzmühler See (Geierswalde-Kortitzmühle, Sachsen), 28 ha Koselbruch-See (Hoyerswerda, OT Schwarzkollm-Koselbruch, Sachsen) Lugteich (Elsterheide, OT Nardt, Sachsen), 95 ha Meurosee (Brandenburg) (Tagebau Meuro) Tornoer Teich (Lauta, OT Torno, Sachsen) Waldbad Hosena (Senftenberg, OT Hosena, Brandenburg) Ziegelteich (Hoyerswerda, OT Bröthen-Michalken, Sachsen) Clarasee bei Welzow, Brandenburg Felixsee bei Bohsdorf, Brandenburg Die „Vier bunten Seen“ bei Horlitza, Restloch der Grube Elster Lieskauer See bei Lieskau, Brandenburg Halbendorfer See (Brězowski jězor; Tagebau Trebendorfer Felder) bei Halbendorf, Sachsen