mini|Blick auf Gundelsheim und Schloss Horneck von der Neckarschleuse mini|300px|Gundelsheim von der Burg Guttenberg aus gesehen

Gundelsheim () ist eine Stadt im Landkreis Heilbronn im fränkisch geprägten Norden von Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Wegen ihrer jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum Deutschen Orden nennt sie sich Deutschordensstadt. Durch die Stadt führt unterm Schloss vorbei die Burgenstraße, eine Ferienstraße von Deutschland nach Tschechien.

Geographie Geographische Lage Gundelsheim liegt am rechten Ufer des Neckars im Norden des Landkreises Heilbronn im Übergangsbereich des Neckarbeckens um Heilbronn zum Odenwald. Nordwestlich des Ortes und jenseits des Schlosses erstreckt sich der Michaelsberg, dessen Hochfläche das Neckartal um rund 100 Meter überragt. Der tiefe Taleinschnitt des Neckarzuflusses Anbach trennt ihn vom Siedlungsbereich. Durch den südlichen Ortsbereich fließt in flacher Mulde der neben Stauwehr und Neckarbrücke mündende, längere Lohgraben.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Gundelsheims sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Haßmersheim, Neckarzimmern und Billigheim (alle drei Neckar-Odenwald-Kreis), Neudenau, Bad Friedrichshall, Offenau und Bad Rappenau (alle vier Landkreis Heilbronn).

Stadtgliederung Die Stadt Gundelsheim hat die Stadtteile Gundelsheim, Bachenau, Höchstberg, Obergriesheim und Tiefenbach.

Zu Gundelsheim gehören das Dorf Böttingen, der Weiler Dornbach, die Höfe Böttinger Hof und Hohschön sowie die Wohnplätze Michaelsberg und Schloss Horneck; zu Höchstberg der Hof – früher Weiler – Bernbrunn und der Wohnplatz Bachmühle, zu Tiefenbach der Wohnplatz Müssigmühle. Auf Höchstberger Gemarkung lag auch der inzwischen abgegangene Ort Nußbaum auf dem Ilgenberg.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 88–91.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Gundelsheim.

Geschichte mini|Blick auf Gundelsheim

Bis zum 18. Jahrhundert Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung aus der Gegend um Gundelsheim wurden auf dem unmittelbar nordwestlich des Ortes liegenden Michaelsberg gefunden und datieren aus der Jungsteinzeit. Der Berg war an verschiedenen Stellen in verschiedenen Epochen der Vorgeschichte besiedelt, Funde können u. a. auch der Michelsberger Kultur, der Zeit der Kelten (um 400 v. Chr.) und der Römerzeit (um 100 n. Chr.) zugeordnet werden. Die Tallagen am Fuß des Bergs wurden in früher fränkisch-alamannischer Zeit (um 300 n. Chr.) besiedelt, wovon ebenfalls Funde künden.

Erstmals wurde Gundelsheim als „Gundolfsheim“ in einer auf 766 n. Chr. datierten Urkunde im Lorscher Codex erwähnt, einem Güterverzeichnis des Klosters Lorsch, in dem auch noch weitere Schenkungen des 8. Jahrhunderts im heutigen Gundelsheim genannt werden. Der Name deutet auf eine fränkische Besiedlung unter einem Stammesfürsten Gundolf hin. Die Burg Horneck wurde vermutlich im Verlauf des 12. Jahrhunderts erbaut. Ein Ludevicus de Horneck wird 1238 genannt. Um 1250 trat Konrad von Horneck in den Deutschen Orden ein und schenkte diesem seinen Besitz in Gundelsheim und Böttingen. Der Orden gelangte wenig später in den Besitz des gesamten Ortes, dem 1378 durch Kaiser Karl IV. das Stadtrecht verliehen wurde, das König Wenzel 1398 bestätigte und um das Marktrecht erweiterte. Daraufhin wurde Gundelsheim durch Mauern, Türme und Gräben befestigt. Die mittelalterliche ummauerte Stadt erstreckte sich längs der heutigen Schloßstraße und ihrer Querstraßen von der Stadtkirche bis zur Burg.

1438 wurde die inzwischen mehrfach erweiterte Burg Horneck Residenz der Deutschmeister des Deutschen Ordens. 1500 verlieh der römisch-deutsche König Maximilian I. ein eigenes Hochgericht. Als im gleichen Jahr die Reichskreise gegründet wurden, kam Gundelsheim als ein Ort in der Deutschordensballei Franken zum Fränkischen Reichskreis.

Im Bauernkrieg des Jahres 1525 zerstörten aufständische Bauern die Burg Horneck, so dass der Deutschmeister seinen Sitz nach Mergentheim verlegte und die Burg in Gundelsheim nach dem Wiederaufbau als Schloss bis 1533 künftig lediglich eine Komturei des Deutschen Ordens war. Von 1546 bis 1552 erlitt die Stadt verschiedene Besatzungen und Plünderungen, 1611 ging die Pest um und im Dreißigjährigen Krieg trug sie von 1618 bis 1631 zunächst Truppendurchmärsche und Einquartierungen, danach gab es bis 1648 verschiedene Besatzungen, Kampfhandlungen und abermals eine Pestepidemie. Auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg gegen Ende des 17. Jahrhunderts war die Stadt erneut das Opfer von Brandschatzung, Kontributionen und Truppendurchmärschen.

Im 18. Jahrhundert erlebte der Ort unter dem Deutschen Orden nochmals eine Blüte. Die Stadtkirche wurde 1701 renoviert, das Schloss wurde nach 1720 modernisiert, und im Ort zeugen noch heute zahlreiche barocke Wohnhäuser von einer reichen Bautätigkeit.

mini|Gundelsheim mit Schloss Horneck von Norden, Ludwig Neureuther, vor 1833 19. Jahrhundert Im Dezember 1805 kam Gundelsheim mit seinen damaligen Ortsteilen Tiefenbach und Höchstberg durch die Säkularisation (Verstaatlichung des Kirchen- bzw. Ordensbesitzes infolge der Napoleonischen Kriege) und Mediatisierung (Angliederung kleinerer souveräner Herrschaften an größere Territorialherren) an das Königreich Württemberg. Gundelsheim verlor seinen Amtssitz und war bis 1817 nur noch Unteramt im Oberamt Neckarsulm. Von 1816 an, dem sogenannten Jahr ohne Sommer, herrschte bis 1818 durch Missernten großer Hunger. In württembergischer Zeit wurden rasch Stadttore, Türme und die Stadtmauer abgerissen, von denen heute nur noch Fragmente erhalten sind, und die Stadt wuchs über die mittelalterlichen Grenzen hinaus, während sich eine bürgerliche Infrastruktur bildete: einen Stadtarzt gab es seit 1829, eine Apotheke seit 1832, ein Armenhaus seit 1845 und die Freiwillige Feuerwehr seit 1863 in Gundelsheim. 1869 wurde auf der Gundelsheimer Gemarkung der Böttinger Hof erstmals erwähntleo-bw.de. 1878 wurde auf dem Neckar die Kettenschifffahrt aufgenommen, 1879 die Neckartalbahn erbaut und damit ein Zugang zum Streckennetz der Badischen Staatsbahnen hergestellt, die hier entlang des Neckars ab Gundelsheim auf württembergischem Staatsgebiet verliefen und erst in Jagstfeld an das Netz der Württembergischen Staatsbahnen anschlossen.

20. Jahrhundert Im Zuge der Neckarkanalisierung wurde in den Jahren 1935 bis 1937 die Staustufe Gundelsheim mit Schleuse, Brücke und Wasserkraftwerk gebaut. Hierdurch wurde auch die Alte Mühle stillgelegt. Beim Einrichten der sogenannten Neckar-Enz-Stellung wurden in und um Gundelsheim unter strengster Geheimhaltung mehr als 70 Bunkeranlagen erstellt.

1938 verfügte der württembergische Reichsstatthalter Wilhelm Murr die Eingliederung Böttingens nach Gundelsheim. Ebenfalls 1938, durch die württembergische Gebietsreform während der NS-Zeit, kam Gundelsheim zum Landkreis Heilbronn.

Im April 1945 besetzten US-Truppen die Stadt. Dabei kam es zu Gefechten in Tiefenbach und an der Jagst. auf Gundelsheim.de.

Da der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte er somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerungszahl durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen stark an. Insbesondere Siebenbürger Sachsen siedelten sich an und schufen sich auf Schloss Horneck mit dem Heimathaus Siebenbürgen ihr kulturelles Zentrum in der neuen Heimat.

Religionen mini|Blick vom Michaelsberg über Gundelsheim Durch die einstige Zugehörigkeit zum Deutschen Orden war Gundelsheim bis ins frühe 19. Jahrhundert praktisch rein katholisch. Katholiken stellen auch heute noch die Mehrheit der Bevölkerung. Im 19. Jahrhundert siedelte sich erstmals eine größere Zahl von Protestanten an, die ihre von evangelischen Pfarrern der umliegenden Orte geleiteten Gottesdienste zunächst in der Schlosskapelle abhielten und sich 1895/96 die evangelische Kirche erbauten. Mit etwa 1000 Mitgliedern wurde die evangelische Gemeinde 1967 zur Pfarrei erhoben. Heute gibt es zudem eine 2006 fertiggestellte Moschee für muslimische Gläubige.

Die Jüdische Gemeinde Gundelsheim bestand bis 1938. Juden waren seit dem 16. Jahrhundert in der Stadt ansässig. Im Dreißigjährigen Krieg siedelten viele Juden aus umliegenden Dörfern nach Gundelsheim um, so dass 1644 dort 7 Familien mit 44 Personen gezählt wurden. Eine Synagoge wurde vermutlich schon im 17. Jahrhundert eingerichtet. 1705 verdoppelte der Deutsche Orden das geforderte Schutzgeld, um bedürftige Juden zum Fortzug zu bewegen. Der Orden versuchte auch, Juden aus den vornehmeren Straßen des Ortes zu verdrängen und sie auf ein abgelegenes Wohnviertel zu beschränken. 1725 wurden noch sieben jüdische Familien mit 35 bis 40 Personen gezählt, 1781 nur noch zwei Familien. 1806 gab es keine Juden mehr am Ort. In der Folgezeit haben nur noch vereinzelt Juden in Gundelsheim gelebt. 1910 und 1933 gab es jeweils neun jüdische Einwohner, die mit einer Ausnahme bis 1938 nach Amerika auswanderten.

Eingemeindungen 1938: Böttingen 1. April 1962: Bernbrunn (Umgemeindung von Allfeld nach Höchstberg) 1. September 1971: Tiefenbach 1. Januar 1974: Bachenau 1. Januar 1975: Höchstberg, Obergriesheim

Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Datum Einwohnerzahlen 3. Dezember 1871 ¹ 3337 1. Dezember 1900 ¹ 3514 17. Mai 1939 ¹ 3759 13. September 1950 ¹ 5287 6. Juni 1961 ¹ 5324 27. Mai 1970 ¹ 6049 31. Dezember 1980 6304 Datum Einwohnerzahlen 31. Dezember 1990 6940 31. Dezember 1995 7393 31. Dezember 2000 7584 31. Dezember 2005 7479 31. Dezember 2010 7221 31. Dezember 2015 7258 31. Dezember 2020 7475

Politik Gemeinderat mini|Gundelsheimer Rathaus, 2009 saniert In Gundelsheim wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht ab 2024 aus den 26 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,47 % (2019: 65,8 %) zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze 2019 CDU 32,06 % 8 26,3 % – 7 Sitze SPD 13,36 % 4 21,0 % – 5 Sitze Liste unabhängiger Bürger 32,10 % 8 36,2 % – 9 Sitze Wir Für Hier 22,47 % 6 15,5 % – 4 Sitze FDP nicht angetreten 1,1 % – 0 Sitze

Bürgermeister Am 29. April 2007 fanden Bürgermeisterwahlen statt; der Amtsinhaber Lothar Oheim trat nach 24 Jahren im Amt nicht mehr an. Seine Nachfolgerin für die kommenden acht Jahre, Heike Schokatz, wurde mit 59,6 % der Stimmen im ersten Wahlgang gewählt. Oheim wurde anlässlich seiner Verabschiedung zum Gundelsheimer Ehrenbürger ernannt; seine Nachfolgerin trat ihr Amt am 11. Juni 2007 an. 2015 wurde sie wiedergewählt mit 50 % plus einer Stimme. 2023 wurde sie mit 76,4 % der Stimmen für eine dritte Amtszeit wiedergewählt.

Wappen und Flagge mini|hochkant=0.5|Wappen Gundelsheims Die Blasonierung des Gundelsheimer Wappens lautet: „In geviertem Schild; Feld 1: In Silber ein durchgehendes schwarzes Kreuz; Feld 2: Von Rot und Silber geviert, in Silber je vier (2:2) blaue Eisenhütlein; Feld 3: In Rot ein mit Kesselrinken besetztes goldenes Kreuz (Schildbeschläge); Feld 4: In Gold ein blauer Wellen-Schräglinksbalken, darunter der schwarze Großbuchstabe G.“ Die Stadtfarben sind Grün-Weiß.