mini|300px|Blick von Westen über Gemmingen. Während sich der Altort in der Talsenke befindet, erstrecken sich die Neubaugebiete bis auf die umliegenden Hänge.

Gemmingen ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken.

Geographie Geographische Lage Gemmingen liegt am Staudbach im nordöstlichen Kraichgau, im Westen des Landkreises Heilbronn.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Gemmingens sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen) die Stadt Eppingen, die Gemeinden Kirchardt und Massenbachhausen und die Stadt Schwaigern (alle Landkreis Heilbronn). Mit Eppingen und Ittlingen ist Gemmingen die Verwaltungsgemeinschaft Eppingen-Gemmingen-Ittlingen eingegangen.

Gemeindegliederung Gemmingen besteht aus Gemmingen selbst und dem Ortsteil Stebbach. Zu Gemmingen gehört noch der Wohnplatz Eichmühle, zu Stebbach gehören Schloss und Hof Schomberg, der Hof und Wohnplatz (ehemalige Burg) Streichenberg sowie der Wohnplatz Stebbach (Bahnstation). Der abgegangene, also heute nicht mehr bestehende Ort Zimmern befand sich auf Gemarkung Stebbach.Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 75–77

Die Gemeinde Gemmingen hat (Mitte 2006) 4971 Einwohner, von denen 3517 im Ortsteil Gemmingen und 1454 im Ortsteil Stebbach leben.Quelle: Gemmingen in Zahlen auf gemmingen4u.de, Stand: 30. Juni 2006, abgerufen am 23. Dezember 2007

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Gemmingen.

Geschichte

Bis zum 18. Jahrhundert Es wird vermutet, dass der Ort im Staudbachtal auf eine römische Siedlung zurückgeht, die im 3. Jahrhundert von Alamannen in Besitz genommen und nach deren Stammesfürst Gemmo benannt wurde. Erstmals erwähnt wurde Gemmingen (frühere Namen: Gemminchheim, Gemmininchheim oder Gemyngen) im Jahre 769 im Lorscher Codex anlässlich der ältesten von rund 20 Schenkungen an das Kloster Lorsch.Ortsliste zum Lorscher Codex, Gemmingen, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. Die heutige Wüstung Zimmern und der 1292 erstmals erwähnte heute eingemeindete Ort Stebbach sind wahrscheinlich von Gemmingen erfolgte Ausbausiedlungen aus der jüngeren Merowingerzeit um das 8. Jahrhundert. Gemmingen wurde zunächst zum Gartachgau gezählt, später zum Kraichgau. Während der Zeit der Stammesherzogtümer lag der Ort im Herzogtum Franken.

1235 werden mit Hans von Gemmingen, dem kaiserlichen Landvogt in Sinsheim, erstmals die Herren von Gemmingen erwähnt, die im Ort womöglich schon lange begütert waren. Sie errichteten im 13. Jahrhundert drei Burgen im Ort: Das Mittelschloss ist bereits 1235 im Besitz von Hans von Gemmingen belegt, wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut, an seiner Stelle entstand später das Rentamt. Das Oberschloss entstand um die Mitte des 13. Jahrhunderts, wurde nach 1630 nicht mehr von der Familie von Gemmingen bewohnt und verkauft. Das bis heute erhaltene Unterschloss Gemmingen geht auf die um 1274 durch Schweiker, gen. der Velscher, erbaute Wasserburg zurück. Man hat die Burg mehrfach umgebaut und die Wassergräben später verfüllt. Die Familienlinie der Velscher starb 1552 mit Hans aus. Dieser übergab das Unterschloss 1550 an Wolf von Gemmingen († 1555). Dessen Enkel Wolf Dietrich (1550–1595) ließ es 1592 im Stil der Renaissance erneuern.

Ein vierter früher Herrensitz in unmittelbarer Nähe ist die Burg Streichenberg auf der Gemarkung Zimmern, die im hohen Mittelalter auch im Besitz der Herren von Gemmingen war, aber schon ab dem 14. Jahrhundert eine wechselnde Besitzgeschichte nahm. Die Herren von Gemmingen besaßen Gemmingen, Stebbach und Zimmern in wechselnden Anteilen als Allodialbesitz oder Lehen. Ab dem späten 15. Jahrhundert erhielten sie zahlreichen weiteren Besitz, insbesondere Lehen der Kurpfalz. Ab 1508 bis zu seinem Tod im Jahr 1514 war Uriel von Gemmingen aus der Linie Gemmingen-Michelfeld Erzbischof von Mainz und deutscher Erzkanzler. Die verschiedenen Zweige der sich weit verbreitenden Familie brachten zahlreiche weitere hohe Würdenträger hervor.

mini|Historische Ansicht von Gemmingen Der Ort Gemmingen zählte als reichsritterschaftlicher Ort zum Ritterkanton Kraichgau, während Stebbach und Streichenberg an die Kurpfalz kamen. 1497 erlangten die Herren von Gemmingen an ihrem Stammsitz Gemmingen die Hochgerichtsbarkeit. Der Ortsherr Wolf von Gemmingen († 1555) gründete 1521 die Lateinschule Gemmingen und war ein früher Anhänger Luthers und Förderer der Reformation, die er in Gemmingen dauerhaft durchführte, während Streichenberg und Stebbach von häufigen Konfessionswechseln der Kurpfalz betroffen waren.

Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort nahezu entvölkert und nach 1648 durch Einwanderer aus der Schweiz und Frankreich aufgesiedelt, die nach den Verwüstungen des 1688 bis 1697 tobenden Pfälzischen Erbfolgekrieges mehrfache Wiederaufbauarbeit leisten mussten.

1664 verkauften die Herren von Gemmingen das Oberschloss mit einem Teil des Ortes an Württemberg. Dieser Anteil ging 1710 an die Herren von Neipperg. Stebbach dagegen kam von der Kurpfalz an die Raugräfin Marie Luise und 1733 an die Grafen von Degenfeld-Schonburg.

19. und 20. Jahrhundert Durch die Mediatisierung der Reichsritterschaft kam Gemmingen im Jahr 1806 zum Großherzogtum Baden. Stebbach war 1803 beim Ende der Kurpfalz zum Fürstentum Leiningen gekommen, wurde aber nach dessen raschem Ende 1806 auch badisch.

Der Bau der Kraichgaubahn in den Jahren vor 1880 brachte Gemmingen ein gewisses Maß an Prosperität, während Stebbach zur selben Zeit durch Auswanderung und Landflucht sinkende Einwohnerzahlen hatte. In der Nacht zum 1. Juli 1897 waren die Orte von einer schweren Gewitter- und Hagelkatastrophe betroffen. Die Elektrifizierung beider Orte erfolgte 1920. 1939 wurden 1170 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 1360.Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 2: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordbaden Die zentrale Wasserversorgung für Gemmingen und Stebbach wurde 1952 installiert.

Am 1. Januar 1925 wurde die Gemarkung Streichenberg mit Burg Streichenberg und dem im 19. Jahrhundert erbauten Schloss Schomberg nach Stebbach eingemeindet. Am 1. Januar 1974 wurde die zuvor eigenständige Gemeinde Stebbach nach Gemmingen eingemeindet. Die Eingemeindung wurde mit großer Mehrheit beschlossen, nachdem der jeweils unabhängige Fortbestand beider Gemeinden durch Beschlüsse der Landesregierung zur Gemeindereform Anfang der 1970er-Jahre stark gefährdet war.

Religionen mini|Katholische Marienkirche Gemmingen Schon zu Beginn der 1520er Jahre waren Wolf von Gemmingen († 1555) und Bernhard Griebler, der Inhaber der Gemminger Prädikatur, Anhänger Luthers. Ende 1531 oder Anfang 1532 bestellte Wolf einen lutherischen Pfarrer, nachdem der am alten Glauben festhaltende Pfarrer aufgegeben und Gemmingen verlassen hatte.Gustav Bossert: Beiträge zur badisch-pfälzischen Reformationsgeschichte. In: ZGO 58 (1904), S. 30. Nach jahrelangem Streit mit dem Patronatsherrn der Pfarrei, dem Domkapitel in Speyer,Gerhard Kiesow: Von Rittern und Predigern. Die Herren von Gemmingen und die Reformation im Kraichgau (PDF; 21 MB). verlag regionalkultur, Ubstadt-Weiher 1997, ISBN 3-929366-57-6. S. 73f. hatte sich die reformatorische Bewegung in Gemmingen durchgesetzt. In Stebbach wechselte hingegen aufgrund des Grundsatzes cuius regio – eius religio im Zeitraum 1545 bis 1648 zehnmal die Konfessionszugehörigkeit der Bewohner. 1649 wurde Stebbach mit den Pfälzer Kurfürsten endgültig evangelisch-reformiert. In Gemmingen gibt es heute eine evangelische und eine evangelisch-freikirchliche (baptistische) Gemeinde. Die römisch-katholischen Christen werden von der katholischen Kirchengemeinde in Eppingen betreut.

Juden waren in Gemmingen vereinzelt bereits im 17. Jahrhundert ansässig, durch eine gezielte Ansiedlungspolitik ab 1710 bildete sich jedoch erst dann zunächst im Gemmingenschen Teil des Ortes die Jüdische Gemeinde Gemmingen, der ab 1727 eine Judenschule (Synagoge) erlaubt war und die 1751 zwölf Familien, 1762 schon 17 Familien mit rund 100 Personen umfasste. Ab 1790 nahmen auch die Grafen von Neipperg Juden in Gemmingen auf. 1809 bestand die Gemeinde aus 16 Familien mit zusammen 86 Personen und wuchs bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts weiter an (1864: 291 Personen), verringerte sich danach jedoch durch Ab- und Auswanderung. Zwischen 1900 und 1933 sank die Größe der Gemeinde von 157 auf 47 Personen. Nach 1933 wanderten die meisten Gemminger Juden aus oder verzogen in größere Städte. 1938 wurde die Synagoge demoliert, anschließend von der Gemeinde Gemmingen erworben. Die letzten sieben Gemminger Juden wurden 1940 in das Internierungslager Gurs deportiert, drei von ihnen fanden anschließend im KZ Auschwitz den Tod. Auch im Ortsteil Stebbach bestand seit dem 18. Jahrhundert eine zeitweilig bedeutende jüdische Gemeinde, die Jüdische Gemeinde Stebbach.

Konfessionsstatistik Im Jahr 2000 gab es in der Gesamtgemeinde 51,4 % Protestanten und 26,3 % Katholiken. Unter den verbleibenden 1115 Personen (22,3 %) waren auch muslimische Gläubige.Kopp 2000, S. 31/32. Laut Daten des Zensus 2011 lebten in Gemmingen 48,1 % Protestanten, 23,5 % Katholiken (23,5 %) und 28,5 % Konfessionslose und Angehörige anderer Religionen. Gemmingen Der Anteil der evangelische und katholische Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung is seitdem gesunken. Laut Daten der Gemeinde leben derzeit (Stand 30. Juni 2026) in 3983 Gemmingen 34,2 % evangelische Kirchenmitglieder und 15,3 % katholische. Die Mehrheit mit 50,5 % sind Konfessionslose oder Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften.Gemmingen Zahlen Daten Fakten Statistiken, abgerufen am 27. September 2026

Politik mini|Rathaus in Gemmingen

Gemeinderat In Gemmingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht nach der Gemeindeordnung für Baden-Württemberg aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Der Gemeinderat in Gemmingen hat nach der Wahl 2024 eine Stärke von 19 Sitzen (2019: 16 Sitze).

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze 2019 FWV 31,13 % 6 29,6 %, 5 Sitze CDU 29,59 % 5 27,9 %, 4 Sitze SPD 21,12 % 4 21,5 %, 3 Sitze Liste Dorf und Natur (LDN) 13,57 % 3 16,6 %, 3 Sitze FDP 4,58 % 1 4,3 %, 1 Sitz Wahlbeteiligung 63,5 % 58,2 %

Bürgermeister Seit 2001 ist Timo Wolf der Bürgermeister, er wurde 2009, 2017 und 2025 im Amt bestätigt.

Wappen und Flagge mini|100px|Wappen Gemmingens Die Blasonierung des Gemminger Wappens lautet: In gespaltenem Schild vorne in Silber auf grünem Dreiberg an schwarzem Pfahl ein grüner Weinstock mit drei blauen Trauben, hinten in Rot eine goldene Pflugschar. Die Flagge der Gemeinde ist Gelb-Rot.

Die Wappenfiguren des Weinstocks und der Pflugschar, die auf Acker- und Weinbau hinweisen, sind seit dem 19. Jahrhundert in Gemminger Siegeln belegt. Die Farben des Wappens wurden 1901 vom Generallandesarchiv festgelegt, der Gemminger Gemeinderat hat ihnen 1910 „ein für alle Mal“ zugestimmt. Die Flagge wurde der Gemeinde am 2. Mai 1969 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.Quelle für den Abschnitt Wappen und Flagge: Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 68

Partnergemeinde