mini|Mirza Ghulam Ahmad (1897)rahmenlos|rechts|klasse=notpageimage|Unterschrift von Mirza Ghulam Ahmad: مرزا غلام احمد Mirza Ghulam Ahmad (; * 13. Februar 1835 in Qadian, heute in Indien; † 26. Mai 1908 in Lahore) war ein indischer Prediger persischer Abstammung und Begründer der Ahmadiyya-Bewegung. Er erhob den Anspruch, der „Mudschaddid (Erneuerer) des 14. islamischen Jahrhunderts“, der „Verheißene Messias“ (Zweite Gegenwart Christi), der von Muslimen erwartete Mahdi der EndzeitYohanan Friedmann: Prophecy Continuous: Aspects of Ahmadi Religious Thought and Its Medieval Background. Oxford University Press, Neu-Delhi 2003 (2. Auflage), S. 111. und ein „(Mohammed nachgeordneter) Prophet“ zu sein.Simon Ross Valentine: Islam and the Ahmadiyya Jama’at: History, Belief, Practice. Columbia University Press, New York 2008, S. 135–138. Letzteres ist allerdings umstritten: Der Lahore-Zweig der Ahmadiyya, die Ahmadiyya Anjuman Isha'at-i-Islam Lahore versteht die Selbstbezeichnung Mirza Ghulam Ahmads als „Prophet“ (nabī) metaphorisch; er habe also nicht wirklich den Anspruch erhoben, ein Prophet nach Mohammed zu sein. Er verkündete, dass Jesus (Isa ibn Maryam) seine Kreuzigung überlebt habe, nach Indien ausgewandert und später in Srinagar, Kaschmir, eines natürlichen Todes gestorben sei, und beanspruchte, im Geist und in Vollmacht Jesu aufzutreten. Außerdem verkündete er, Guru Nanak Dev, der Stifter des Sikhismus, sei ein Muslim gewesen.Yohanan Friedmann: Prophecy Continuous: Aspects of Ahmadi Religious Thought and Its Medieval Background. 2. Auflage. Oxford University Press, Neu-Delhi 2003, S. 114. Er vertrat auch die Auffassung, dass Messias und Imam Mahdi zwei Titel für dieselbe Person seien.Werner Ende, Udo Steinbach, Renate Laut: Der Islam in der Gegenwart. C.H.Beck Verlag, München 2005, S. 356.

Die neuen religiösen Ideen und Ideale predigend bereiste er ausgiebig den indischen Subkontinent und gewann bis zu seinem Tod etwa 400.000 Anhänger.Simon Ross Valentine: Islam and the Ahmadiyya Jama’at: History, Belief, Practice. Columbia University Press, New York 2008, S. 53. Er beteiligte sich an zahlreichen Debatten und Dialogen mit christlichen Missionaren sowie muslimischen und hinduistischen Führern und Priestern.Yohanan Friedmann: Prophecy Continuous: Aspects of Ahmadi Religious Thought and Its Medieval Background. Oxford University Press, Neu-Delhi 2003 (2. Auflage), S. 2–10. Ghulam Ahmad gründete die Ahmadiyya-Bewegung im Jahr 1889. Ihm zufolge lag die Aufgabe der Ahmadiyya in der Verbreitung des Islam in seiner „ursprünglichen“ Form.Marc Gaborieau, Gudrun Kramer, John Nawas, Everett K. Rowson: Encyclopaedia of Islam Three-1, Brill, Boston 2007, S. 85.

Mirza Ghulam Ahmad schrieb 85 religiöse Bücher, meist in Urdu, einige auf Arabisch und Persisch.Yohanan Friedmann: Prophecy Continuous: Aspects of Ahmadi Religious Thought and Its Medieval Background. 2. Auflage. Oxford University Press, Neu-Delhi 2003, S. 10. Sein Hauptwerk war Barahin-e-Ahmadiyya.Simon Ross Valentine: Islam and the Ahmadiyya Jama’at: History, Belief, Practice. Columbia University Press, New York 2008, S. 45–47. Sie enthalten die Darstellung und Erläuterung der Lehren, welche er von Gott erhalten zu haben beanspruchte.

Vorfahren Mirza Hadi Beg wanderte zur Zeit des Mogul-Kaisers Babur aus Persien nach Indien ein. Im Punjab ließ er sich nieder und gründete ein Dorf namens Islampur, heute Qadian. Die Familie Mirza bekleidete unter der Herrschaft der Moguln einflussreiche Staatsämter. Im Zenit ihrer Macht umfasste ihr Besitz Qadian und 85 weitere Dörfer, insgesamt 12.840 Hektar.

Mit dem Untergang der Mogul-Herrschaft nahm auch der Einfluss- und Machtbereich der Familie ab. Mitte des 19. Jahrhunderts war der Grundbesitz auf Qadian zusammengeschrumpft. Mirza Ghulam Murtaza trat in das Heer des Maharadschas ein. Nach der Festigung der Sikh-Herrschaft wurden vom Sikh-Herrscher Maharadscha Ranjit Singh fünf Dörfer an den Stamm zurückgegeben. Im Jahre 1839 starb der Sikh-Herrscher, und das Sikh-Reich begann sich aufzulösen. Gleichzeitig erweiterten die Briten ihren Machtbereich bis in den Punjab. Mirza Ghulam Murtaza diente der britischen Regierung ebenso, wie er der Sikh-Regierung gedient hatte. Für seine Dienste erhielt er später eine Rente von 200 Rupien.

Leben Mirza Ghulam Ahmad wurde am 13. Februar 1835 als zweiter Sohn von Mirza Ghulam Murtaza (gest. 1876) und Chiragh Bibi (gest. 1868) geboren. Seine Zwillingsschwester starb wenige Tage nach ihrer Geburt. Sein Vater war ein Oberhaupt und der größte Landeigentümer im Dorf Qadian. Obwohl er keine Reichtümer besaß, hatte er doch einige Bedienstete und eine anerkannte Stellung und Autorität. Mirza Ghulam Ahmad erhielt Privatunterricht bei verschiedenen Lehrern.

Aus seiner ersten Ehe mit Hurmat Bibi (1852/53–1891) gingen zwei Söhne hervor, Mirza Sultan Ahmad (1853–1931) und Mirza Fazal Ahmad (1855–1904). In zweiter Ehe heiratete er am 17. November 1884 Nusrat Jehan Begum, die Tochter des Nawab Nasir aus Delhi. Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor, von denen fünf schon im frühen Alter verstarben: Asmat (1886–1891) Baschir (1887–1888) Mirza Baschir ud-Din Mahmud Ahmad (1889–1965) Shokat (1891–1892) Mirza Baschir Ahmad (1893–1963) Mirza Scharif Ahmad (1895–1961) Nawab Mubarka Begum (1897–1977) Mirza Mubarak Ahmad (1899–1907) Amtul-Nasir (1903–1903) Amtul-Hafiz Begum (1904–1987)

Wirken Mirza Ghulam Ahmad schrieb insgesamt 82 religiöse Bücher, davon einige auf Arabisch. Sein Hauptwerk war Barahin-e-Ahmadiyya.Idara Dawat-O-Irshad: In den ersten beiden Bänden legte er 1880 seine Auffassung dar, dass alle Koranverse weiterhin gültig seien. Damit wandte er sich gegen die islamrechtlich bis heute anerkannte Lehre von der Abrogation. Weiterhin erklärte er, dass Gott nach wie vor zu denen sprechen würde, die ihm gefallen.

1882 erhob er den Anspruch, ein von Gott Auserwählter zu sein, 1885 ein Mudschaddid (Erneuerer) des 14. islamischen Jahrhunderts zu sein. Am 20. Februar 1886 habe Allah ihm offenbart „Ich werde deine Botschaft bis ans Ende der Welt tragen“. Allah habe ihn aufgefordert, eine Gemeinschaft zur Reform des Islams ins Leben zu rufen. Die Ahmadiyya wurde am 23. März 1889 gegründet.

1890 verkündete er, auch der in den islamischen und christlichen Quellen vorausgesagte „Verheißene Messias und Mahdi“ zu sein, womit er weiteren heftigen Widerspruch und Ablehnung seitens orthodoxer Muslime hervorrief. Die Kontroversen verstärkten sich, als er sich weigerte, den Dschihad unter seinen Anhängern auszurufen und sich auch sonst gegen den indischen Unabhängigkeitskampf positionierte. Dies mit der Begründung, dass, solange England die Religionsfreiheit achte und garantiere, es keine religiöse Rechtfertigung für einen bewaffneten Kampf gebe.

Die erste Jalsa Salana hielt er am 27. Dezember 1891 in Qadian ab. Diese Versammlungen werden seitdem jährlich organisiert.

Im Juli 1895 habe Allah ihm mitgeteilt, dass Jesus die Kreuzigung überlebt habe und eines natürlichen Todes gestorben sei. Er glaubte später herausgefunden zu haben, dass Jesus in Srinagar/Kaschmir begraben liege. Auf der „Konferenz der Großen Religionen“ 26.–29. Dezember 1896 in Lahore wurde Mirza Ghulam Ahmads Schrift Die Philosophie der Lehren des Islam verlesen. Im April 1899 verfasste er das Buch Jesus in Indien. Am 13. März 1903 legte er den Grundstein für das „Weiße Minarett“ in Qadian.

Mirza Ghulam Ahmad glaubte fest an die bevorstehende Vorherrschaft des Islam. Der einzige Unterschied zu anderen islamischen Strömungen sollten die Anstrengungen der Ahmadiyya-Bewegung sein, „die ursprüngliche Schönheit und Einfachheit des Islam“ wiederherzustellen, und der absolute Verzicht auf Gewalt bei der Verfolgung ihrer Ziele. Der Missionseifer der Ahmadiyya gründet sich in der Vision ihres Gründers von der „Eroberung Europas für den Islam“.

Überzeugungsfundamente Seine Anhänger glauben, dass in spiritueller Hinsicht die Wiederkunft von Isa ibn Maryams (Jesus von Nazaret) durch das Wirken von Mirza Ghulam Ahmad erfolgte. Sie sind ferner überzeugt davon, dass Mirza Ghulam Ahmad die Endzeitverkörperung der Qualitäten Krischnas sei, der ein Avatara der Aryaner und ein Prophet Gottes gewesen sei und von Gott Offenbarungen erhalten habe.AMJ: ,

Mirza Ghulam Ahmad betonte den Wahrheitsanspruch des Islam und erkannte gleichzeitig alle Religionen in ihrem Ursprung als wahr an. Buddha, Konfuzius, Krischna und Zarathustra werden als Gesandte Gottes, jedoch nicht als Verkörperungen Gottes, angesehen.

Mirza Ghulam Ahmad erklärte den religiös-legitimierten Krieg für aufgehoben und bezog sich hierbei auf den Hadith:

Damit begründete er seine strikte Ablehnung eines bewaffneten Aufstandes gegen die britische Kolonialherrschaft. Seiner Meinung nach dürfe ein Muslim eine Regierung, die sich in keiner Weise in die religiösen Angelegenheiten der Muslime einmischt und ihnen diesbezüglich die freie Ausübung der Religion garantiert, nicht bekämpfen oder sich gegen sie illoyal verhalten. Dafür wurde Mirza Ghulam Ahmad von den Gelehrten Indiens als Verräter und Mitverschwörer der britischen Regierung beschimpft. Seit dieser Zeit ist es eine weitverbreitete Meinung, dass die Ahmadiyya-Bewegung eine Schöpfung der Briten sei, um auf diesem Wege die Muslime zu spalten und zu schwächen.Muniruddin Ahmed: erschienen in: ORIENT. Opladen. 16 (1975) 1, S. 112–143.

Kontroversen Die Lehren Mirza Ghulam Ahmads haben große Kontroversen mit muslimischen Gelehrten hervorgerufen. Zunächst konnte Mirza Ghulam Ahmad vor dem Hintergrund der Christianisierung Indiens durch englische Missionare und einem (bedingt durch den Zusammenbruch des Mogulreiches) wieder erstarkenden Hinduismus durch seine Schriften und Disputationen mit christlichen Missionaren und Hindu-Gelehrten bald den Ruf eines Anwalts des Islam erwerben. Sein Hauptwerk „Barahin-e Ahmadiyya“ galt als ein sehr gelungener Versuch dieser „Verteidigung“. Ab 1890 verließ er mit seiner „Jesus-in-Indien-Lehre“ und seinem Anspruch auf das Prophetentum schrittweise den Konsens der Islamgelehrten. Die Anzahl der Fatwas, die Ahmadi-Muslime zu Nicht-Muslimen erklärten, schnellte in die Höhe. Mirza Ghulam Ahmad lieferte sich mit seinem Erzrivalen Muhammad Hussain Batalvi eine derart erbitterte Auseinandersetzung, dass sich beide vor dem Strafgericht verantworten mussten. Das Verfahren wurde eingestellt mit der Auflage, dass beide Parteien eine Vereinbarung unterschrieben, in der es hieß, dass sie ihren Streit beenden und Abstand voneinander nehmen. In Pakistan erreichten orthodoxe Imame einen parlamentarischen Beschluss, der Ahmadis 1974 offiziell zu Nicht-Muslimen erklärte. In der Folge wurden 1984 viele diskriminierende Gesetze gegen die Ahmadiyya beschlossen. Im Unterschied zur islamischen Mehrheitsmeinung lehrte Mirza Ghulam Ahmad seinen Anspruch, Prophet zu sein seinen Anspruch, der Messias und der Mahdi in einer Person zu seinThe advent of the promised Mahdi dass mit der Wiederkunft des Messias der religiös motivierte Krieg – der Dschihad – aufgehoben sei„Truth about Ahmadiyya“, Kapitel 9: „Suspension of Jihad“ die Gültigkeit aller Ayat des Korans, d. h., dass die Verse des Korans nicht abrogiert (aufgehoben) wurden dass Isa ibn Maryam (Jesus Christus) nach Kaschmir ausgewandert und in Srinagar begraben sei

Prophetenschaft Nach Überzeugung der „Ahmadiyya Muslim Dschamaat“ (AMJ) bedeutet Siegel der Propheten (Koran 33:40) lediglich, dass alle nachfolgenden Propheten keine neue Religion begründen und kein neues religiöses Buch wie den Koran bringen. In diesem Sinne war Mirza Ghulam Ahmad ein Erneuerer des Islam, gilt aber auch als Prophet, weil er auch viele Prophezeiungen von Allah erhalten haben soll.

Abweichend ist die „Ahmadiyya Anjuman Isha'at-i-Islam Lahore“ (AAIIL) der Auffassung, dass Mirza Ghulam Ahmad nur ein Reformer (Mudschaddid) und Messias, nicht aber Prophet war. Die Kontroverse über diese Frage führte maßgeblich zur Teilung der Ahmadiyya-Bewegung.