Die Medizinische Universität Wien ist die größte medizinische Lehranstalt in Österreich, zählt zu den bedeutendsten Forschungsinstitutionen Europas und stellt das gesamte Ärztepersonal für das Wiener AKH.

Die Medizinische Universität Wien ging 2004 aus der Medizinischen Fakultät der Universität Wien hervor, die 1365 von Rudolf IV. gegründet worden war.

Geschichte Fakultät der Universität Wien mini|Eingangsbereich der Medizinischen Universität Wien mini|Das Professorenkollegium der medizinischen Universität Wien, Kreidezeichnung von Olga Prager, Wien 1908–1910. Im Dekanats­zimmer der medizinischen Fakultät der Universität Wien. Edmund von Neusser, Siegmund Exner-Ewarten, Isidor Schnabel, Ferdinand Hochstetter, Alfons Edler von Rosthorn, Anton Weichselbaum, Leopold Schrötter von Kristelli, Heinrich Obersteiner, Julius Wagner-Jauregg, Viktor von Ebner-Rofenstein, Carl Toldt, Gustav Riehl, Ottokar von Chiari, Anton von Frisch, Ernst Fuchs, Anton Freiherr von Eiselberg, Hans Horst Meyer, Ernst Ludwig, Rudolf Chrobak, Theodor Escherich, Alexander Kolisko, Julius von Hochenegg, Arthur Schattenfroh, Carl von Noorden, Emil Zuckerkandl, Richard Paltauf, Gustav Gaertner, Leopold Oser, Josef Moeller, Alois Monti, Julius Mauthner, Viktor Urbantschitsch, August Leopold von Reuss, Adolf von Strümpell, Ernest Finger, Adolf Lorenz, Friedrich SchautaDas Professorenkollegium der medizinischen Fakultät der Universität Wien, Wien 1908-1910. Bildnachweis: Sammlungen der Medizinischen Universität Wien – Josephinum, Bildarchiv; Zugehörige Personenidentifikation. mini|Medizinische Universität Wien – Bauteil 87

Als Bestandteil der 1365 gegründeten Alma Mater Rudolphina war die medizinische Fakultät bereits im Mittelalter eine weithin anerkannte Instanz in Fragen des Gesundheitswesens. Ab dem Jahre 1399 sind Fakultätsakten erhalten, die belegen, dass sie bei Streitigkeiten zwischen Badern, Hebammen und Grundherren als Schlichtungsstelle angerufen wurde.

Die erste Anatomievorlesung hielt der gegen Ende des 14. Jahrhunderts an die Wiener Universität berufene Arzt Galeazzo di Santa Sofia (gestorben 1427) aus Padua im Jahr 1404 (Galeazzo war zudem Leibarzt von Herzog Albrecht IV. von Österreich).Gundolf Keil: Galeazzo (di) Santa Sofia (Galeatius, Galeatus de Sancta Sophia). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 446. Dabei führte er auch Lehrsektionen aus, die ersten nördlich der Alpen.

Zu Zeiten der Regierung Maria Theresias erlangte die Wiener Medizin erstmals internationale Bedeutung. Die Habsburgerin berief den Holländer Gerard van Swieten nach Wien. Er legte den Grundstein zur „ersten Wiener Medizinischen Schule“. Kapazitäten wie Anton de Haen, Maximilian Stoll, Johann Lorenz Gasser, Anton von Störck oder der Entdecker der Perkussion, Leopold Auenbrugger, lehrten und forschten nun in Wien. Auf der Grundlage von bereits weit zurückreichenden Traditionen wurde das heute so bezeichnete Bedside-Teaching in dieser Zeit zur paradigmatischen Methode in der Ausbildung.

Das 1784 eröffnete Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien wurde für die Mediziner zu einer neuen Wirkungsstätte, die sich mehr und mehr zum wichtigsten Forschungszentrum entwickelte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand durch Ärzte wie Carl von Rokitansky, Josef Skoda, Ferdinand von Hebra oder auch Ignaz Philipp Semmelweis die zweite Wiener Medizinische Schule. Die Grundlagenwissenschaft in der Medizin wurde ausgebaut und die Spezialisierung vorangetrieben: Die ersten Haut-, Augen- und Hals-Nasen-Ohren-Kliniken der Welt wurden in Wien gegründet.

Leopold Oser, später Ordinarius, spezialisierte sich auf die Behandlung von Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und galt als „einziger und bester Magenspezialist Österreichs“. Sein wesentlicher Beitrag in diesem Bereich war 1875 die Einführung eines flexiblen Magenschlauchs zur Gastroskopie („Magenspiegelung“) anstelle eines starren Rohrs, das der Heidelberger Gastroenterologie Adolf Kußmaul 1867 entwickelt hatte.Karger, Leopold Oser. Abgerufen am 7. Juli 2020.

Anfang des 20. Jahrhunderts zählte die Medizin in Wien zur internationalen Spitzenklasse. Clemens von Pirquet definierte die Begriffe der Allergie und der Serumkrankheit, Ernst Peter Pick führte bedeutende Versuche zur chemischen Spezifität der immunologischen Reaktionen durch. Alle vier Nobelpreise, die in den nächsten Jahrzehnten an (ehemalige) Wiener Mediziner vergeben wurden – Robert Bárány (1914), Julius Wagner-Jauregg (1927), Karl Landsteiner (1930), Otto Loewi (1936) – fußten auf grundlegenden Arbeiten aus dieser Zeit. Als letztes erreichte noch die Wiener Schule der Zahnmedizin (gegründet von Bernhard Gottlieb) in den 1920er Jahren ihren Höhepunkt.

Diese Tradition strahlte noch in die Erste Republik aus. Die American Medical Association of Vienna wurde gegründet, und gut besuchte postpromotionelle Kurse für Ärzte aus aller Welt wurden noch bis in die 1930er Jahre organisiert.

Erste bekannte Mediziner wie Landsteiner verließen Wien bereits nach dem Ersten Weltkrieg, der größte personelle Aderlass erfolgte jedoch rund um den Zweiten Weltkrieg. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland 1938 wurden politische Gegner und jüdische Lehrende, Ärzte und Studierende entlassen, vertrieben oder deportiert. Nach dem Krieg wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. 1949 wurden rund 75 Prozent der medizinischen Hochschullehrer an der Universität Wien wegen nationalsozialistischer Belastung entlassen.

Da anlässlich des 650-Jahr-Jubiläums der Universität Wien im Jahr 2015 die Medizinische Fakultät aus organisatorischen Gründen nicht dargestellt werden konnte, übernahm die Arbeitsgruppe Geschichte der Medizin und Medical HumanitiesArbeitsgruppe, GESCHICHTE DER MEDIZIN UND MEDICAL HUMANITIES, oeaw.ac.at. der Kommission für Geschichte und Philosophie der Wissenschaften an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften diese Aufgabe und brachte dazu zwei Sammelbände heraus.D. Angetter, B. Nemec, H. Posch, C. Druml, P. Weindling (Hrsg.): Strukturen und Netzwerke – Medizin und Wissenschaft in Wien 1848-1955. Vienna University Press, Göttingen 2018, ISBN 978-3-8471-0916-7.sowieB. Nemec, H.-G. Hofer, F. Seebacher, W. Schütz (Hrsg.): Medizin in Wien nach 1945. Strukturen, Aushandlungsprozesse, Reflexionen. Vienna University Press, Göttingen 2022, ISBN 978-3-8471-1393-5.

Von der Fakultät zur Universität Als das Universitätsgesetz 2002 zum 1. Jänner 2004 voll wirksam wurde, entstand die Medizinische Universität Wien als eigenständige Universität und Rechtsnachfolgerin der bis dahin bestehenden Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Auszeichnungen und Rankings Im 2014-15 Times Higher Education Ranking ist die Medizinische Universität Wien unter den besten 50 Universitäten der Welt im Bereich Clinical, Pre-Clinical and Health angeführt.

Die Medizinische Universität Wien ist zudem im im Jahr 2024 veröffentlichten „QS World University Ranking by Subject“ in der Kategorie „Medizin“ auf Rang 60 der besten Medical Schools der Welt. Sie ist damit die beste Universität für Medizin in Österreich und die viertbeste im DACH-Raum, von insgesamt im Medizin-Ranking umfassten 1.398 Institutionen weltweit.

Außerdem hat sich die MedUni Wien im renommierten Shanghai Global Ranking of Academic Subjects in der Kategorie „Clinical Medicine“ 2024 auf den Plätzen 51–75 unter den besten medizinischen Universitäten der Welt platziert. Mit dieser Platzierung ist die MedUni Wien hinter der Universität Heidelberg die zweitbeste medizinische Universität im deutschen Sprachraum und die beste in Österreich. Gemeinsam mit der Erasmus-Universität Rotterdam und der Universität Leiden liegt sie auf Platz 6 innerhalb der Europäischen Union, gesamteuropäisch auf Platz 15.

Im Jahr 2026 belegte das Universitätsklinikum AKH Wien gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien den 20. Platz im „World's Best Hospitals“-Ranking von Newsweek und Statista, für das insgesamt 2.500 Kliniken weltweit nach Kriterien wie medizinischen Kennzahlen, Patientenzufriedenheit und Facharzt-Empfehlungen analysiert wurden. Damit gehört das Universitätsklinikum der Medizinischen Universität Wien zu den besten 20 Kliniken der Welt und zu den führenden deutschsprachigen Universitätskliniken.

Schwerpunkte Die Universität setzt auf eine Triple Track-Strategie die auf den drei Grundpfeilern Forschung, Lehre und Patientenbehandlung basiert.

Forschung mini|Max Perutz Laboratories Die Forschung konzentriert sich hauptsächlich auf folgende Bereiche: Allergologie / Immunologie / Infektiologie Krebsforschung / Onkologie Medizinische Neurowissenschaften Kardiovaskuläre Medizin Medizinische Bildgebung

Dazu kommt die Forschungsplattform für Transplantation.

Weiters gibt es das medizinisch-theoretische Zentrum für Biomedizinische Forschung und Translationale Chirurgie.

Die molekularbiologische Forschung wird schwerpunktmäßig an den Max F. Perutz Laboratories, einer gemeinsamen Gesellschaft mit der Universität Wien, gebündelt.

Fachübergreifend wird die Beschäftigung mit geschlechtsspezifischen Aspekten der Medizin in allen Forschungsbereichen wie auch im Lehrangebot intensiviert. Seit 2010 gibt es eine eigene Gender Medicine Unit, sowie einen Lehrstuhl für Gender Medicine, den Alexandra Kautzky-Willer innehat.

Standorte MedUni Campus AKH

mini|Anna Spiegel Forschungsgebäude (rechts)

Der derzeitige Hauptstandort der Medizinischen Universität Wien befindet sich auf dem sogenannten „MedUni Campus AKH“ Gelände, welches sich von der Spitalgasse 23, über die Lazarettgasse 14, bis hin zum Gelände des Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) am Währinger Gürtel 18–20 im 9. Wiener Gemeindebezirk erstreckt. Hier befinden sich das Rektorat, die Verwaltung, das Teaching Center, die VAMED, das Anna Spiegel Forschungsgebäude und 29 der 30 Universitätskliniken, die im AKH angesiedelt sind.

Universitätszahnklinik Die Universitätszahnklinik befindet sich in der Sensengasse 2a im 9. Wiener Gemeindebezirk im umgebauten und modernisierten Gebäudetrakt des ehemaligen Wiener Garnisonsspital im Areal des Alten AKH Wien.

Die Universitätszahnklinik Wien ist ein selbständiges Ambulatorium gemäß dem Wiener Krankenanstaltengesetz 1987 (Wr. KAG) sowie die Universitätszahnklinik der Medizinischen Universität Wien gemäß dem Universitätsgesetz (UG 2002).

Betreibergesellschaft ist die Universitätszahnklinik Wien GmbH, eine 100%ige Tochtergesellschaft der Medizinischen Universität Wien.

Im selben Gebäudetrakt unter der Adresse Van-Swieten-Gasse 1a, befindet sich mit dem Van Swieten Saal der Festsaal der Medizinischen Universität Wien, benannt nach Gerard Van Swieten, der als einer der Mitbegründer der Wiener Medizinischen Schule bezeichnet wird.

Lehre Studiengänge Folgende Studien werden angeboten:

(N090) Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaft (Doctor scientiae medicae) Das Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaft dauerte vier Semester und strebt eine Weiterentwicklung der Fähigkeiten zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten an. Bedingung zur Zulassung ist der Abschluss eines medizinischen Studiums (Humanmedizin, Zahnmedizin, Medizin) oder eines facheinschlägigen Studiums (Biologie, Chemie, Ernährungswissenschaften, Molekularbiologie, Pharmazie, Physik, Psychologie, Sportwissenschaften) auf Magisterstufe (Diplom- oder Magistertitel), in dem Fall in Verbindung mit dem Ablegen eines medizinischen Propädeutikums. Das Studium ist abgeschlossen, sobald die Dissertation approbiert und das Rigorosum erfolgreich absolviert wurden. Das Doktoratsstudium der medizinischen Wissenschaft N090 ist ein Auslaufmodell. Seit dem Zulassungs-/Inskriptionszeitraum für das Wintersemester 2007/08 sind keine Neuaufnahmen möglich, wohl aber die Zulassung oder der Umstiegs in das neue N790-Studium., aufgerufen am 2. November 2011

(N094) Ph.D-Studium (Doctor philosophiae)