Quimper anhören () ist die Hauptstadt der historischen Landschaft Cornouaille in der Bretagne und Sitz der Präfektur des Départements Finistère im Nordwesten Frankreichs. Die Stadt hat Einwohner (Stand ), die französisch quimpérois und bretonisch kemperiz genannt werden.

Ihr ursprünglicher bretonischer Name Kemper bedeutet „Zusammenfluss“, da sie an den Einmündungen des Jet, des Steïr und des Frout in den Fluss Odet errichtet wurde. Nach ihrem ersten Bischof, Saint Corentin, hieß die Stadt bis ins 18. Jahrhundert Quimper-Corentin (bret. Kemper-Kaorentin). Im Zuge der Französischen Revolution vorübergehend in Montagne-sur-Odet umbenannt, heißt sie heute einfach nur Quimper.

Die Stadt ist berühmt für ihre Porzellan-Manufaktur. In ihren Werkstätten werden seit vier Jahrhunderten Fayencen nach alter Tradition vollständig per Hand geformt und verziert.

Die deutsche Partnerstadt Quimpers ist seit 1971 das nordrhein-westfälische Remscheid.

Geschichte Wappen Blasonierung: Unter Hermelinschildhaupt in Blau ein silberner, golden bewehrter, schreitender Widder. Spanische Bürgerkriegsflüchtlinge in Quimper Die städtische Seite über die Geschichte von Quimper erwähnt die Ankunft vieler spanischer Bürgerkriegsflüchtlinge im Jahr 1938.Ville de Quimper: Histoire municipale – PERIODE 1900 - 1949 Andere Quellen zeigen aber, dass bereits 1937 spanische Flüchtlinge ins Finistère kamen. Im Mai 1937 wurden fast 4.500 spanische Kinder, sogenannte Niños de la Guerra, und ihre Betreuer von Santurtzi aus per Schiff nach Frankreich und England evakuiert.ARCHIVO MULTIMEDIA DE LA MARINA DE GUERRA AUXILIAR DE EUZKADI: “Los bous vascos-Euskal bouak”. Zum erweiterten Hintergrund der im Vergleich zu den jüdischen Kindertransporten weitgehend unbekannten Hilfsaktionen siehe: Ministerio de Cultura y Deporte - Gobierno de España: Muestra sobre los niños evacuados durante la Guerra Civil. Más de 50.000 niños fueron enviados fuera de España entre 1937 y 1938 Von denen, die in Frankreich an Land gingen, kamen am 8. Mai 1937 mit einem Zug 446 Kinder im Alter von 3 bis 13 sowie etwa 20 erwachsene Begleitpersonen in Quimper an.Bibliotèque Municipale de Quimper: IL Y A 60 ANS ... les réfugiés espagnols dans le Finistère. Das Begleitheft zu einer Ausstellung von 1996 in der Städtischen Bibliothek von Quimper ist leider nur unvollständig im Internet auffindbar. (Siehe auch: Archives Finistère: Bibliografische Angaben zum Begleitheft zur Ausstellung von 1996) Quimper war für diese vorwiegend aus dem Baskenland und Asturien evakuierten Kinder ein Aufnahmezentrum neben Vannes, Pontivy, Port-Louis und Telgruc-sur-Mer. Dauerhafter Unterkunftsort aber blieb Quimper zunächst nicht. Es gibt aber Hinweise darauf, dass in einer Schulkantine in der Rue Réguaires im Juli/August 1937 etwa 40 bis 50 Personen untergebracht waren und in der Rue de Douarnenez ein umgebauter Bankettsaal 28 spanische Flüchtlinge beherbergte. Ein Dokument aus dem September 1937 trägt die Überschrift „Colonie de Quimper“ und enthält die Namen von 29 Personen, durchweg Frauen oder Kinder.ASSOCIATION MERE 29: 1937 – l’arrivée des premiers réfugiés espagnols

Über das weitere Schicksal dieser relativ früh in Quimper angekommenen spanischen Flüchtlinge liegen keine Informationen vor. Der große Zuzug hierher als Folge der Retirada setzte dann zu Beginn des Jahres 1939 ein. Am 8. Februar 1939 kam ein Konvoi mit 695 spanischen Flüchtlingen am Bahnhof Quimper an. Die Hälfte von ihnen verblieb in Quimper, die übrigen wurden im Finistère verteilt, wo sich zu diesem Zeitpunkt rund 4.000 spanische Flüchtlinge aufhielten.Lannig Stervinou: « Retirada » Es gab auch ein Hilfskomitee zur Unterstützung in der Stadt, das vom Bürgermeister eine bessere Koordinierung der Solidaritätsaktionen forderte, doch über die Unterkünfte der Flüchtlinge und ihre Versorgung gibt es bislang keine Hinweise. Hinweise auf andernorts errichtete Internierungslager für Spanienflüchtlinge liegen nicht vor; einzig das alte Postamt von Quimper soll als Quarantänestation für Personen genutzt worden sein, die Quimper in einem geschwächten Zustand erreichten.

Camp de Lanniron/Frontstalag 135 Die offizielle Chronologie der Stadt Quimper erwähnt die spanischen Flüchtlinge in der Stadt vor und nach 1938 nicht. Sie thematisiert stattdessen Ereignisse, die bereits Folge des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs waren: 1.200 Menschen, die im Zuge des Westfeldzuges vor der vorrückenden deutschen Wehrmacht aus Nord- und Ostfrankreich flohen, finden Zuflucht in Quimper. 1.500 aus Quimper stammende Soldaten der französischen Armee werden von den Deutschen gefangen genommen. mini|links|Die Caserne La Tour d'Auvergne, ein ehemaliges Konventsgebäude für Damen im Ruhestand, heute Sitz der Gendarmerie Nationale - Groupement de gendarmerie départementale du Finistère und ein Monument historique mini|Eingang zum Gefangenenlager in der Caserne La Tour d'Auvergne Am 20. Juni 1940 wurde Quimper von deutschen Truppen besetzt, und die in der Stadt befindlichen französischen Soldaten erhielten am 25. Juni von den deutschen Militärbehörden den Befehl, sich in die „Caserne La Tour d'Auvergne“ zu begeben. In der offiziellen Geschichtsschreibung der Stadt markiert dieses Datum die Anfänge des in Quimper gegründeten Frontstalags 135.Ville de Quimper: Le camp des prisonniers de Lanniron, Front stalag 135 (1940-1946)

Die in der Mitte der Stadt gelegene Kaserne () war ursprünglich für weniger als 3.000 Männer geplant worden, musste nun aber bis zu 6.000 Gefangene aufnehmen. Die Überwachung war schwierig, mehrere Fluchtversuche erfolgreich. Die Besatzungsbehörden beschlossen deshalb im September 1940, ein neues Gefangenenlager zu errichten. mini|Château de Lanniron am Ufer der Odet Das Camp de Lanniron, in das die Gefangenen am 1. Oktober 1940 verlegt wurden, befand sich auf Privatgelände am Stadtrand von Quimper (damals noch in der Gemarkung der selbständigen Gemeinde Ergué-Armel), das weitgehend zum Château de Lanniron () gehörte und zu einem kleineren Teil auch zum benachbarten Château de Poulguinan. Anfang November 1940 wurde auch das Schloss Lanniron beschlagnahmt und den deutschen Offizieren im Lager zur Verfügung gestellt.

Die Angaben auf der Webseite der Stadt Quimper über die Größe des Lagers sind nicht eindeutig. Zu Beginn existierten wohl Baracken für durchschnittlich 90 Gefangene auf einer Fläche von 20 Hektar. Das Lager wurde aber schnell erweitert und erstreckte sich Ende 1944 über eine Fläche von 90 Hektar.Es gibt nur wenige Fotos vom Camp, einige davon aber auf der Seite der AJPN (siehe Weblinks). Eine Beschreibung des Lagers stammt von dem dort internierten Henri Martin:

Wer im Camp de Lanniron/Frontstalag 135 interniert war, ist auf einer 2010 eingeweihten Gedenktafel auf dem ehemaligen Lagergelände festgehalten:Der genaue Standort des Gedenksteins mit der Tafel ist nicht lokalisierbar. Er soll sich auf der Allée de Lanniron unweit des Flusses Odet befinden, beziehungsweise in der Kurve eines Weges, der nur von Fußgängern und Radfahrern außerhalb der Lanniron-Domäne benutzt werden kann. À la mémoire des Prisonniers de Guerre de Lanniron, FrontStalag 135En ce lieu durant la Seconde Guerre mondiale, les autorités militaires allemandes ont détenu comme prisonniers de guerre plus de 2 000 soldats métropolitains et 7746 soldats issus des colonies françaises d’Afrique et d’Asie.Après la Libération de Quimper, le 8 août 1944, 3853 Prisonniers de guerre allemands y furent internés.Le camp de prisonniers de Lanniron a été démantelé en juin 1946.Cette stèle a été inaugurée le 18 mai 2010 en présence de Bernard Poignant, maire de Quimper, et Pascal Mailhos, préfet du Finistère.Zum Gedenken an die Kriegsgefangenen von Lanniron, FrontStalag 135An diesem Ort hielten die deutschen Militärbehörden während des Zweiten Weltkriegs über 2 000 Soldaten aus dem Mutterland und 7746 Soldaten aus den französischen Kolonien in Afrika und Asien als Kriegsgefangene fest.Nach der Befreiung von Quimper am 8. August 1944 wurden dort 3853 deutsche Kriegsgefangene interniert.Das Gefangenenlager Lanniron wurde im Juni 1946 aufgelöst.Die Stele wurde am 18. Mai 2010 in Anwesenheit von Bernard Poignant, Bürgermeister von Quimper, und Pascal Mailhos, Präfekt des Finistère, eingeweiht. Die Inschrift auf der Stele sorgte für Kontroversen, insbesondere wegen der Zahl der Soldaten aus den Kolonien. Die Historikerin Armelle Mabon hält sie für zu niedrig, auch wenn sie aus einem Bericht des Roten Kreuzes vom Mai 1941 stammen. Eine geforderte Überarbeitung fand allerdings bislang nicht statt.Musée de la Résistance 1940-1945: STÈLE À LA MÉMOIRE DES PRISONNIERS DE GUERRE Die Tafel sagt auch nichts über die unterschiedlichen Schicksale der Internierten aus. Von denen, die im Oktober 1940 ins Camp verlegt wurden, waren im Dezember nur noch einige hundert im Lager. Der größere Teil war nach Deutschland deportiert worden. Die Zurückgebliebenen waren die Afrikaner und Asiaten, die die Deutschen aus rassistischen Gründen nicht im Reich haben wollten.Gedenkorte Europa 1939-1945: Quimper Nach der Webseite der Stadt Quimper wurden am 12. Dezember 1940 fast 2.000 Häftlinge vom Bahnhof Quimper aus nach Deutschland und Österreich gebracht. Die verbliebenen „weißen“ Gefangenen seien Arbeitskommandos in Brest (700 Gefangene) und anderen Orten zugeteilt worden.

Die Quellen legen nahe, dass sich das Camp de Lanniron ab 1941 mehr und mehr zu einem reinen „Camp de Prisonniers Coloniaux“ (Lager für koloniale Gefangene) entwickelte,AJPN: Camp de Lanniron Frontstalag 135 und bei der Stadt Quimper heißt es, dass ab Dezember 1942 die Mehrheit der im Lager Lanniron anwesenden Gefangenen aus Soldaten aus Französisch-Äquatorialafrika, Französisch-Westafrika und Nordafrika bestanden habe. Innerhalb des Lagers habe das zu einer Art Zweiteilung geführt: Auf der einen Seite befanden sich die Baracken der Kriegsgefangenen aus dem französischen Mutterland, auf der anderen Seite die Baracken der Kolonialtruppen, in denen die Soldaten nach ihren Herkunftsländern getrennt untergebracht wurden. Gestützt auf einen Bericht des Roten Kreuzes vom 28. Mai 1941 überwiegt in den Quellen die Auffassung, dass die Haftbedingungen im Camp de Lanniron weder besser noch schlechter waren, als in anderen Lagern auf französischem Territorium. Die klimatischen Bedingungen hätten sich für die Männer jedoch als hart erwiesen, da sie an mildere Temperaturen gewöhnt waren, und das dürfte vor allem angesichts der ihnen abverlangten Arbeiten relevant gewesen sein: Sie mussten Zwangsarbeit auf Bauernhöfen, an Eisenbahnstrecken und in Rüstungsbetrieben leisten.Un lieu, une histoire. Le camp des soldats coloniaux à Quimper 1949 habe es 79 Arbeitskommandos mit Männern aus dem Camp gegeben. Der Arbeitstag betrug normalerweise 8 Stunden pro Tag, zuzüglich der Zeiten für die Wege zu und von einer Baustelle.

Die Situation zwischen den verbliebenen „weissen“ Gefangenen Soldaten aus dem französischen Mutterland und den Kolonialsoldaten verschärfte sich, als infolge des Russlandfeldzugs die deutschen Bewacher des Camps abgezogen wurden. Die Deutschen übertrugen fortan die Bewachung der kolonialen Gefangenenlager französischen Soldaten, wodurch diese zu Bewachern ihrer ehemaligen Waffenbrüder wurden.

Es gibt kein genauen Angaben darüber, wie lange das „Camp de Prisonniers Coloniaux“ bestanden hat. Aufgelöst wurde es vermutlich im Zuge der Libération de la France nach dem 8. August 1944. Über das Schicksal der Gefangenen, von denen sich einige der Résistance anschlossen, heißt es auf der Webseite der Stadt Quimper:

Quimper im Zweiten Weltkrieg mini|links|Gedenktafel zum Gedenken an die erste geheime Radiosendung des Johnny-Netzwerks nach London () mini|Gedenktafel mit den Namen der getöteten Angehörigen des Johnny-NetzwerksDie Tafel befindet sich an einer Wand in der Nähe der Kirche La Trinité in Quimper (Kerfeunteun).