mini|Kyrill und Method, Wandgemälde im Kloster Trojan in Bulgarien
Die aus Thessaloniki im damaligen Oströmischen Reich stammenden Brüder Kyrill (griechisch: Κύριλλος) und Method (griechisch: Μεθόδιος) waren byzantinische Gelehrte und Priester. Sie betrieben gemeinsam die christliche Missionierung slawischer Völker im 9. Jahrhundert, weshalb sie als Slawenapostel bezeichnet werden. Sie schufen die erste Schrift für die altslawische Sprache – das glagolitische Alphabet. Ihr Wirken hatte großen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der Slawen. Nach ihrem Tod setzten ihre Schüler die Missionsarbeit unter anderen slawischen Völkern fort. In der orthodoxen Kirche werden sie als Heilige mit dem Attribut apostelgleich verehrt. Papst Johannes Paul II. erklärte sie im Jahr 1980 zu Patronen Europas.Schreiben Slavorum Apostoli von Papst Johannes II, 1985 (deutsch). Abgerufen am 2. Januar 2017
Frühes Wirken Frühe Lebensjahre mini|Kyrill und Method, Bild des polnischen Malers Jan Matejko aus dem Jahr 1885 Die beiden Brüder stammen aus Thessaloniki im damaligen Byzanz (Oströmischen Reich), heute in Griechenland. Ihr Vater Leontios, wahrscheinlich griechischer Herkunft aus Thessaloniki, war Militärbeamter (Drungarios) im Oströmischen Reich, ihre Mutter war wahrscheinlich slawischer Herkunft. Beide Brüder beherrschten die slawische Sprache, nicht nur wegen der Herkunft ihrer Mutter, sondern auch, weil im Gebiet um Thessaloniki Slawen lebten.Kaiser Michael III., der beide Brüder nach Mähren sandte, wird in der Pannonischen Legende Leben des hl. Method mit den Worten zitiert: „Ihr seid beide aus Thessaloniki und alle Thessalonicher sprechen reines slawisch“. Aus:
Method () (um 815 in Thessaloniki – 6. April 885 in Mähren) trug den Geburtsnamen Michael. Nach seiner juristischen Ausbildung wurde er als Militärverwalter (archont) in die byzantinische Provinz am Fluss Strymont (nördlich von Thessaloniki) berufen, in der Slawen lebten. Um 845 verließ er dieses Amt, trat in ein Kloster auf dem Mysischen Olymp (Uludağ in der heutigen Türkei) ein, wurde Mönch, Diakon und nahm den Ordensnamen Method an. Nach der Mission zu den Chasaren, die er mit seinem Bruder unternommen hatte, wurde er Abt im Kloster Polychron am Marmarameer.
Kyrill () (um 827 in Thessaloniki – 14. Februar 869 in Rom), hieß ursprünglich Konstantin (). Den Ordensnamen Kyrill nahm er erst bei seinem Eintritt in ein Kloster in Rom an, kurz vor seinem Tod. Konstantin war einer der bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, ein Theologe, Philosoph und polyglott. Er war Schüler des späteren Patriarchen von Konstantinopel, Photios I., und genoss ein hohes Ansehen am kaiserlichen Hof. Nach seiner Ausbildung wurde er zum Priester geweiht.Es gibt aber auch die Meinung, dass er die Priesterweihe erst in Rom erhalten oder dass er bis zu seinem Tod nur Diakon war. In: Er war zunächst Bibliothekar und Sekretär (Chartofylax) des Patriarchen, später nahm er die Professur der Philosophie an der Universität von Konstantinopel an.
Missionen im Mittleren Osten Konstantins erste Mission im Regierungsauftrag führte ihn (bereits im Alter von 24 Jahren) nach Samarra im Bagdader Kalifat. Er sollte mit den islamischen Gelehrten über strittige theologische Fragen diskutieren und dazu beitragen, die Beziehungen zwischen dem Kalifat und dem Oströmischen Reich zu verbessern.
Im Jahr 860 sandte Kaiser Michael III. Konstantin und Method als Missionare zu den Chasaren (nordöstlich vom Schwarzen Meer), um die Expansion des Judentums in dieser Region zu verhindern, und um die Beziehungen zum Oströmischen Reich zu festigen. Der Legende nach fanden Konstantin und Method am Schwarzen Meer das Grab von Papst Clemens, nahmen die Gebeine mit und schenkten sie bei ihrer späteren Reise nach Rom Papst Hadrian II. als Reliquie.
Mission unter den Slawen Großmähren mini|links|Kyrill und Method Basilika im mährischen Velehrad Im Jahr 862 begannen Konstantin und Method mit der Arbeit, der sie fortan ihr ganzes Leben widmeten, und die ihnen ihre historische Bedeutung als Slawenapostel gab. In diesem Jahr wandte sich Rastislav, Fürst von Großmähren, an den byzantinischen Kaiser Michael III. mit der Bitte, ihm einen Bischof und Lehrer zu senden. Er sollte die Menschen im christlichen Glauben unterweisen und helfen, ein von den fränkischen Bischöfen unabhängiges Bistum in Mähren zu gründen. Das Christentum war in Großmähren durch die ostfränkischen Missionare bereits bekannt, aber Fürst Rastislav hatte aus Sorge vor dem wachsenden politischen und kirchlichen Einfluss des Ostfränkischen Reiches die fränkischen Priester aus dem Land vertrieben. Mit der gleichen Bitte hatte sich Rastislav vorher an den römischen Papst gewandt, der sein Anliegen jedoch aus Rücksicht auf die fränkischen Bischöfe nicht beantwortete.
mini|Ankunft der Slawenapostel im mährischen Velehrad Kaiser Michael III. und Patriarch Photius I. wählten Konstantin und Method für diese Mission aus.Ein Beweggrund war auch der Wunsch nach der Christianisierung von Bulgarien, das sich allen byzantinischen Missionsversuchen entgegengestellt hatte. Mit Mähren unter byzantinischem Einfluss wäre Bulgarien von christlichen Ländern „umstellt“ gewesen und Byzanz hätte mehr Druck ausüben können. Als Vorbereitung für die Reise schuf Konstantin eine neue Schrift für die slawische Sprache – die Glagolitza – und übersetzte zusammen mit seinem Bruder die Evangelien und die wichtigsten liturgischen Texte in die heute Altkirchenslawisch genannte Sprache. Grundlage war wahrscheinlich der slawische Dialekt aus der Umgebung von Thessaloniki, mit dem Konstantin vertraut war.
Die Brüder erreichten Großmähren im Jahr 863.Byzanz hat also keinen Bischof gesandt, wie Rastislav es ursprünglich wollte. Der Grund wird sein, dass Byzanz zu wenig Kenntnisse über die Situation in Mähren hatte. In: Ihre Mission war sehr erfolgreich, hauptsächlich wegen der Unterstützung durch Rastislav und wegen der Einführung der für die Menschen verständlichen slawischen Sprache im Gottesdienst und in der Unterweisung. Sie bildeten junge Männer für den Priesterdienst aus und arbeiteten weiter an der Bibelübersetzung.
mini|Manuskript geschrieben in altkirchenslawischer Sprache in glagolitischer Schrift. Kiewer Blätter aus dem 10. Jahrhundert. Mit der Schaffung der glagolitischen Schrift ging Konstantin weit über den Wunsch Rastislavs nach einer selbstständigen Kirchenprovinz hinaus. Das Altkirchenslawisch, in das er und sein Bruder die Bibel, liturgische Texte und andere Bücher übersetzten, wurde zur Norm der slawischen Schriftsprache. Es erhob die bislang als „barbarisch“ geltenden Slawen in den Kreis der spätantiken Schriftkulturen. Ihre Bibelübersetzung ist die älteste (oder zumindest eine der ältesten) Übersetzungen in eine Nationalsprache. Ob die Bibel vollständig übersetzt wurde, lässt sich nicht mehr feststellen. Die Legende Leben des hl. Method berichtet jedenfalls, dass Method nach Konstantins Tod die Bibelübersetzung vollendete.
Konstantin und Method kamen bald in Konflikt mit dem fränkischen Klerus, der nur Lateinisch, Hebräisch und Griechisch als liturgische Sprachen akzeptierte und alle „barbarischen“ Sprachen ausschloss. Ihre Begründung – nur in diesen drei Sprachen habe Pontius Pilatus über dem Kreuz Jesu die Worte „Jesus von Nazareth, der Juden König“ geschrieben (Johannes Kap. 19, Verse 19+20) – wies Konstantin scharf zurück. Seine lateinischen Widersacher nannte er verächtlich Pilatisten und Dreisprachler.
Die fränkischen Bischöfe betrachteten die beiden Slawenapostel als Eindringlinge. Die Schaffung eines slawischen Nationalbewusstseins durch Förderung der Volkssprache unterminierte ihr geistiges Monopol. Der Konflikt mit den Slawenaposteln verschärfte sich, als 864 Ludwig der Deutsche mit seinen Truppen Rastislav überfiel, ihn zwang sich als Vasall unterzuordnen und die Rückkehr der lateinischen Priester zu ermöglichen.
Reise nach Rom mini|Kyrill und Method bringen die Gebeine des hl. Clemens nach Rom, Fresko in der St. Clemens Basilika in Rom. Im Jahr 867 brachen Konstantin und Method zu einer Reise nach Konstantinopel oder Rom auf.Es ist nicht klar, ob Rom oder Byzanz das ursprüngliche Ziel war. Für Konstantinopel spricht, dass sie von dort ausgesandt wurden und auch dass Rom der Bitte Rastislavs um einen Bischof ursprünglich nicht entsprochen hatte. Für Rom spricht, dass sich die Slawenapostel dort gegen die Häresievorwürfe der fränkischen Bischöfe verteidigen mussten. Sie nahmen junge Männer mit sich, die sie in Mähren für den Priesterdienst ausgebildet hatten, um sie als Priester weihen zu lassen. Unterwegs verbrachten sie etwa ein halbes Jahr in Pannonien beim Fürsten Kocel, der die beiden Slawenmissionare herzlich empfing, ihnen 50 junge Männer zur Ausbildung als Priester anvertraute und sie bei der Einführung der slawischen Liturgie in Pannonien unterstützte.
In Rom wurden sie von Papst Hadrian II. sehr großzügig empfangen. Der Papst erkannte die Bedeutung der Slawenmission und wollte seine Beziehung zu Byzanz verbessern. Zu der freundlichen Aufnahme trugen auch die Reliquien des heiligen Papstes Clemens I. bei, die die Brüder mitführten. Konstantin konnte sich vor dem Papst gegen die Häresievorwürfe der lateinischen Priester verteidigen und die Verwendung der slawischen Liturgie rechtfertigen. Der Papst bestätigte die slawischen liturgischen Bücher und weihte Method zum Bischof.
In Rom erkrankte Konstantin schwer, trat in ein Kloster ein und nahm den Ordensnamen Kyrill an. 50 Tage danach, am 14. Februar 869, starb er. Sein Grab befindet sich heute in der Basilica San Clemente al Laterano in Rom. Von der Orthodoxen Kirche wurde es als Pilgerziel ausgebaut.History of the Basilica San Clemente auf der Webseite der San Clemente Basilika (englisch und italienisch). Abgerufen am 11. Februar 2023.
Method allein Papst Hadrian II. ernannte Method im Jahr 869 zum Erzbischof der neu gegründeten Diözese von Pannonien und Großmähren mit Sitz in Sremska Mitrovica und sandte ihn als päpstlichen Legaten zurück nach Pannonien. Das geschah auf Wunsch Kozels, der die Arbeit der Slawenmissionare sehr förderte. Mit der Einrichtung der pannonisch-mährischen Diözese verfolgte die päpstliche Kurie ihre eigenen Ziele: den byzantinischen Einfluss in der Region zu begrenzen und ebenso den Einfluss der fränkischen Bischöfe von Salzburg und Passau zu schwächen. In der päpstlichen Bulle Gloria in excelsis Deo stimmte Hadrian II. der slawischen Liturgie zu.
mini|Übersetzungs- und Schreibarbeiten unter der Leitung von Method, Radziwiłł-Chronik aus dem 13. Jahrhundert. Nach etwa dreimonatigem Aufenthalt in Pannonien reiste Method weiter nach Mähren. Inzwischen hatte sich aber Svatopluk, Fürst von Nitra und Rastislavs Neffe, mit den Franken verbündet, hatte Rastislav gefangen genommen und ihn dem fränkischen König Ludwig dem Deutschen ausgeliefert. Rastislav starb kurz darauf. Method wurde nach seiner Rückkehr im Jahr 870 festgenommen und auf Betreiben von Ludwig dem Deutschen als Bischof abgesetzt und verurteilt. Er verbrachte zweieinhalb Jahre in einem deutschen Kloster im Gefängnis – möglicherweise auf der Insel Reichenau oder in Ellwangen,Franz Grivec: Der heilige Methodius in Ellwangen. In: Viktor Burr (Hrsg.): Ellwangen 764–1964. Beiträge und Untersuchungen zur Zwölfhundertjahrfeier. Band 1. Schwabenverlag, Ellwangen 1964, S. 153–159. bis er auf Befehl des Papstes Johannes VIII. befreit und im Jahr 873 als Erzbischof wieder eingesetzt wurde. mini|Tafel die an die Gefangenschaft des Heiligen Method in Ellwangen erinnert
Methods letzte Lebensjahre