Portalegre (IPA []) ist eine Stadt (Cidade) in Portugal mit 24.973 Einwohnern (Stand ) und Kreisstadt des gleichnamigen Kreises (Concelho).
Die Stadt ist Hauptstadt des Verwaltungsdistriktes Portalegre und Sitz des Bistums Portalegre-Castelo Branco.
Portalegre liegt im Naturpark Serra de São Mamede und ist insbesondere für seine Teppichkunstwerke bekannt, die in alle Welt exportiert werden. mini|links|Blick vom Kloster São Bernardo auf Portalegre Geschichte Eine Vielzahl Funde, insbesondere bearbeitete Steine aus der Altsteinzeit und jungsteinzeitliche Grabmäler, belegt eine vorgeschichtliche Besiedlung. Die Anta do Tapadão ist eine Megalithanlage auf einer Anhöhe westlich von Portalegre, etwa einen Kilometer vom Weiler Aldeia da Mata.
Lange wurde vermutet, das heutige Portalegre ginge auf die römische Stadt Ammaia zurück, doch ist seit dem Anfang der 1930er Jahre durch den Fund einer römischen Inschrift klar, dass Ammaia der Ursprungsort des heutigen Aramenha im Kreis Marvão ist. Somit ist davon auszugehen, dass der heutige Ort erst im Mittelalter entstanden ist.Seite zur Frühgeschichte des Ortes auf der , abgerufen am 27. Juli 2013 mini|Die Kathedrale von Portalegre (port.: Sé) Erstmals erwähnt wurde Portalegre 1229, als eine Gemeinde des Kreises Marvão. 1253 wurde es bereits als Sitz eines eigenen Kreises geführt, und 1259 erhielt es erste Stadtrechte durch König D.Afonso III. König D.Dinis erweiterte 1290 die früheren Befestigungen des Ortes beträchtlich, im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung mit seinem Bruder.
In der Revolution von 1383 stellte sich der Statthalter von Portalegre, D.Pedro, auf die Seite Kastiliens. Die Bevölkerung stand jedoch auf Seiten der portugiesischen Unabhängigkeitsbewegung und vertrieb D.Pedro, der nach Crato fliehen musste, und dann an der Schlacht von Aljubarrota am 14. August 1385 auf Seiten Kastiliens teilnahm, wo er den Tod fand.
Am 21. August 1549 wurde Portalegre Bischofssitz, und am 23. Mai 1550 erhob König D.João III. den Ort zur Stadt (Cidade). Portalegre gehörte zu den bedeutendsten Tuchproduktionsstätten im Land, zusammen mit Estremoz und Covilhã, wozu auch in Portalegre die ursprünglich jüdische Gemeinde des Ortes beitrug, die in Portugal besonderen Steuern unterlagen und damit Bedeutung für die Staatsfinanzen hatten.
Im Zuge der merkantilistischen Politik des Premierministers Sebastião José de Carvalho e Melo, der ab 1769 den Adelstitel „Marquês de Pombal“ führte, wurde im 18. Jahrhundert in einem ehemaligen Jesuitenkloster eine Textilwerkstatt gegründet, die dem Ort als Textilstandort weiter Auftrieb gab. Dort befindet sich heute eine Gobelinmanufaktur (Manufactura de Tapeçarias).
Während der Liberalen Revolution 1822 stand Portalegre überwiegend auf Seiten der Liberalen. Als die neue liberale Regierung 1835 im Zuge ihrer Verwaltungsreformen die Distrikte in Portugal schuf, wurde neben Évora nicht das historisch bedeutendere, in der Revolution jedoch auf Seiten der Absolutisten gestandene Elvas Hauptstadt eines Distriktes, sondern Portalegre., abgerufen am 27. Juli 2013
Die Ankunft des englischen Industriellen George Robinson, der 1848 hier eine Fabrik zur Weiterverarbeitung von Kork gründete, und die Entwicklung einer eigenen Webtechnik in Portalegre 1940, mit der folgenden Einrichtung der erwähnten Teppichmanufaktur Manufactura de Tapeçaria 1947 trugen zur anhaltenden Bedeutung der Stadt im strukturschwachen oberen Alentejo bei., abgerufen am 27. Juli 2013www.verportugal.pt, abgerufen am 27. Juli 2013Geschichtsseite auf der , abgerufen am 27. Juli 2013
Kultur und Sehenswürdigkeiten Denkmalgeschützte Orte mini|Das denkmalgeschützte historische Café Alentejano Im Kreis sind zahlreiche archäologische Ausgrabungen und Funde zu sehen. Neben altsteinzeitlichen Fundorten sind eine Reihe jungsteinzeitlicher Grabstätten (port.: Antas) zu sehen, darunter die Anta do Tapadão und andere Megalithanlagen.
Eine Vielzahl Bürgerhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert zeugt vom Wohlstand, den die Wollverarbeitung, Gobelinmanufaktur und Seidenweberei hier einst ermöglichte.Hans-Peter Burmeister: Portugal. 3. Auflage, Dumont Kunstreiseführer, Ostfildern 2008, Seite 299, ISBN 978-3-7701-4416-7 Zu den 228 offiziellen Baudenkmälern zählen zudem u. a. modernistische öffentliche und private Gebäude, Brunnenanlagen, Herrenhäuser, Gärten, und Sakralbauten verschiedener Epochen, darunter die dreischiffige manieristische Kathedrale aus dem 16. Jahrhundert, mit sehenswerten Azulejo-Sakristeien, Rocailleschnitzereien, manieristischen Altarretabeln, und einer Vielzahl manieristischer Malereien.
mini|Platane von Rossio Der 1838 gepflanzte Baum Plátano de Portalegre gilt als Baum mit der größten Baumkrone der Iberischen Halbinsel. Die Platane (auch Plátano de Rossio genannt) befindet sich in einem kleinen innerstädtischen Park, der zusammen mit dem geschützten Baum unter Denkmalschutz stehtJardim do Plátano / Parque de Portalegre / Jardim do Tarro. Er nahm 2021 als Vertreter Portugals am Wettbewerb „Europäischer Baum des Jahres“ETOY 2021: Plane Tree of Rossio teil.
Der historische Ortskern steht zudem als Einheit unter Denkmalschutz.Núcleo urbano da cidade de Portalegre Zu den markantesten Orten gehören dabei u. a. die zentralen Plätze Praça do Rossio und Praça do Município sowie das Rathaus (Câmara Municipal) aus dem 18. Jahrhundert. Die von der mittelalterlichen Stadtmauer umgebene Altstadt ist teilweise verkehrsberuhigt und wirkt angenehm entspannt.Lydia Hohenberger, Jürgen Strohmaier: Portugal. 2. Auflage, DuMont Reiseverlag, Ostfildern 2009, Seite 330, ISBN 978-3-7701-7658-8
Museen Das Stadtmuseum Museu Municipal zeigt, neben stadtrelevanten Exponaten, Sakralkunst, Fayencen und Azulejos, Möbel, und zeitgenössische portugiesische Malerei. Auch zwei kuriose Sammlungen gehören dazu: zum einen etwa 700 Exponate von Darstellungen des Antonius von Padua, der hierzulande als Santo António de Lisboa oder nur Santa António verehrt wird, und zum anderen eine Sammlung von Schnupftabakdosen. Das Museu José Régio widmet sich dem Leben und Werk des Schriftstellers José Régio, und es zeigt dessen ethnografische Sammlung. Es ist in dem Haus untergebracht, in dem Régio 34 Jahre lang als Gymnasiallehrer in Portalegre lebte. Auch eine Sammlung religiöse Skulpturen ist hier zu sehen. Im Museu de Tapeçarias de Portalegre Guy Fino werden im Erdgeschoss Dauerausstellungen zur Tradition der Wollteppichherstellung in Portalegre gezeigt, während im Obergeschoss die chronologische Entwicklung der Teppichkunst bis zu den zeitgenössischen Wollkunstwerken mit Exponaten dargestellt wird. Unter den ausgestellten Künstlern sind Le Corbusier, Almada Negreiros, Jean Lurçat, Eduardo Nery, Júlio Pomar, u. a. Seinen Namen erhielt das Museum, das übersetzt etwa Portalegrisches Teppichmuseum Guy Fino heißt, in Anerkennung des großen Engagements, mit dem der französische Teppichproduzent Guy Fino, der sich hier ab Mitte der 1940er Jahre niederließ, zur Verbreitung und Weiterentwicklung der besonderen Teppichknüpftechnik beitrug, die Manuel do Carmo Peixeiro 1940 in Portalegre entwickelt hatte.www.verportugal.pt, abgerufen am 28. Juli 2013www.lifecooler.com, abgerufen am 28. Juli 2013
Verwaltung Kreis Portalegre ist Verwaltungssitz eines gleichnamigen Kreises, der im Osten an Spanien grenzt. Die Nachbarkreise sind (im Uhrzeigersinn im Norden beginnend): Castelo de Vide, Marvão, Arronches, Monforte sowie Crato. mini|Das Rathaus (Câmara Municipal) von Portalegre
Mit der Gebietsreform im September 2013 wurden mehrere Gemeinden zu neuen Gemeinden zusammengefasst, sodass sich die Zahl der Gemeinden von zuvor zehn auf sieben verringerte.Veröffentlichung der administrativen Neuordnung im Gesetzesblatt Diário da República vom 28. Januar 2013, abgerufen am 16. März 2014
Die folgenden Gemeinden (Freguesias) liegen im Kreis Portalegre: mini|hochkant=1.3|Kreis Portalegre
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerzahl im Kreis Portalegre (1801–2011) 1801 1849 1900 1930 1960 1981 1991 2001 2004 2011 9852 9877 18.711 23.922 28.384 27.313 26.111 25.980 24.756 24.930 Kommunaler Feiertag 23. Mai Städtepartnerschaften : Vila do Conde (seit 1994) : São Vicente (seit 1997) : Salé (seit 1997) : Portalegre, Bundesstaat Rio Grande do Norte (seit 2004) : Cáceres (seit 2005)Liste der Partnerschaften Portalegres, Verband portugiesischer Kreisverwaltungen (ANMP), abgerufen am 5. Januar 2019
Klima
Wirtschaft Die Textilindustrie gilt traditionell als der wichtigste Industriezweig der Stadt, insbesondere die Verarbeitung von Wolle, die Herstellung synthetischer Fasern und die Teppichproduktion. Daneben ist die Korkverarbeitung, und da besonders die Herstellung von Korken zu nennen, zudem sind u. a. Blechschmieden und Abfüllbetriebe für Erfrischungsgetränke hier ansässig.
Als Distrikthauptstadt und Sitz eines Kreises ist Portalegre eine relativ bedeutende Verwaltungsstadt, als regionales Oberzentrum hat zudem der Handel hier Bedeutung.
Die Landwirtschaft ist im Kreis traditionell ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Die Produktion von Getreide (Weizen, Mais, Gerste, Roggen), Kork, Olivenöl, Esskastanien und Wein sind dabei die bedeutendsten Güter des Kreises, daneben sind Forstwirtschaft und etwas Viehzucht zu nennen.Absatz Economia des Eintrages zu Portalegre in der Infopédia, der Online-Enzyklopädie der Porto Editora, abgerufen am 27. Juli 2013 mini|Der Bahnhof von Portalegre Verkehr Fernverkehr
Der Bahnhof Portalegre liegt zehn Kilometer außerhalb der Stadt an der Linha do Leste. Personenverkehr gibt es auf der Linie wieder seit 2019, befahren wird die Linie seit 2022 von zwei Zugpaaren täglich, Anschluss besteht mit einem Bus in die Innenstadt. Die in Portalegre abzweigende Nebenbahn Ramal de Portalegre nach Estremoz wurde 1990 stillgelegt.
Die Stadt liegt an der IP2 (hier auch Europastraße 802), die 50 km nördlich zur Autobahn A23 und 64 km südlich zur A6 führt.
Portalegre ist in das landesweite Busnetz der Rede Expressos eingebunden.
Nahverkehr Der Öffentliche Personennahverkehr wird in der Stadt und im Kreis durch Buslinien der zum Barraqueiro-Konzern gehörenden Rodoviára do Alentejo sichergestellt.
Sport Mit Estrela Portalegre und CD Portalegrense spielten zwei Fußballmannschaften aus der Stadt zeitweise in der zweithöchsten Spielklasse Portugals, sind aber mittlerweile nur noch im regionalen Amateurbereich vertreten. Die beiden Klubs waren zudem zu ihren Spitzenzeiten regelmäßig Teilnehmer am Taça de Portugal, für den sie sich in jüngerer Vergangenheit nur noch vereinzelt qualifiziert haben.
Söhne und Töchter der Stadt mini|Filipe Folque Cristovão Falcão (um 1515/1518–1553/1557), Dichter Estêvão dos Santos Carneiro de Morais (1620–1672), Bischof von Salvador da Bahia Francisco José da Costa e Amaral (1798–1862), Jurist und Politiker Filipe Folque (1800–1874), General, Mathematiker und Hochschullehrer Augusto Eduardo Nunes (1849–1920), Erzbischof von Évora Emílio Fragoso (1859–1930), Pharmazeut Benvindo António Ceia (1870–1941), Maler Luísa Emília Seixo Robertes (1874–1958), Pädagogin und Frauenrechtlerin Luísa Susana Grande de Freitas Lomelino (1875–1935), Schriftstellerin José Antonio Duro (1875–1899), Schriftsteller José António de Andrade Sequeira (1876–1952), Politiker Carlos Alberto Nunes de Velez Juzarte Rolo (1884–1949), adliger Jurist und Politiker Orlando Neves (1935–2005), Romanautor, Lyriker, Bühnenautor und Übersetzer Artur Ramadas (* 1935), Filmregisseur Joaquim Miranda (1950–2006), Politiker João Luís Carrilho da Graça (* 1952), Architekt Jorge Lacão (* 1954 in Alagoa), Jurist und sozialistischer Politiker, Minister Ricardo Serrão Santos (* 1954), Meeresbiologe, seit Mai 2014 Europaabgeordneter Susana Amador (* 1967), sozialistische Politikerin und Verwaltungsjuristin Rui Cardoso Martins (* 1967), Romanautor, Drehbuchautor, Journalist und Produzent
Siehe auch Liste der Bischöfe von Portalegre
Weblinks