mini|Ortsmitte von Eberstadt mit Kirche und Rathaus mini|Eberstadt von Norden mini|Eberstadt von Weinsberg (Burgruine) aus gesehen
Eberstadt ist eine Gemeinde im Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg. Sie gehört zum Regionalverband Heilbronn-Franken und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Eberstadt liegt im Naturraum Schwäbisch-Fränkische WaldbergeNaturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 im Eberbachtal, einem Seitental des Sulmtales im Osten des Landkreises Heilbronn.
Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Eberstadts sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Weinsberg, Erlenbach, Neckarsulm, Neuenstadt am Kocher, Langenbrettach und Bretzfeld (Hohenlohekreis). Bis auf Bretzfeld gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Zusammen mit Ellhofen, Lehrensteinsfeld und Weinsberg bildet Eberstadt den Gemeindeverwaltungsverband „Raum Weinsberg“ mit Sitz in Weinsberg.
Gemeindegliederung Eberstadt besteht aus den Ortsteilen Eberstadt und Hölzern. Zu Eberstadt selbst gehören noch die Weiler Buchhorn, Klingenhof und Lennach. Abgegangene, heute nicht mehr bestehende Orte auf Markung Eberstadt sind Eberfirst und Pfitzhof.Quelle für den Abschnitt Gemeindegliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 146–147
Die Gemeinde Eberstadt hatte 2022 3178 Einwohner,(männlich: 1 573 Personen und weiblich: 1 605 Personen) von denen etwa 2600 im Ortsteil Eberstadt, 320 in Hölzern, 210 in Lennach und Buchhorn zusammen und 70 in Klingenhof leben.Quelle: , , Porträts der Teilorte auf eberstadt.de, abgerufen am 24. Dezember 2007
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Eberstadt.
Geschichte
Vor- und Frühgeschichte Archäologische Funde weisen auf eine Besiedlung des Eberbachtals in der Jungsteinzeit und zur Zeit der Römer hin.
Mittelalter Die Siedlung Eberstadt wurde als Besitz des Chorfrauenstiftes Oberstenfeld erstmals in einer Urkunde des Papstes Innozenz IV. aus dem Jahr 1247 erwähnt; der Ortsteil Hölzern dagegen schon um 1100. Der Ortsteil Lennach wurde erstmals 1282 erwähnt, noch jünger ist das 1402 erstmals erwähnt Buchhorn.
Eberstadt wurde 1412 und 1450 von seinen bisherigen Besitzern, den Herren von Weinsberg, in zwei Hälften an Kurpfalz verkauft und gelangte 1504 zusammen mit Weinsberg an Württemberg.
Frühe Neuzeit Im Dreißigjährigen Krieg sank die Bevölkerung Eberstadts von 1629 bis 1651 auf ein Drittel, von vorher 620 auf nunmehr nur noch 210 Einwohner. Von den Folgen dieses Krieges erholte sich der Ort während des 18. Jahrhunderts nur langsam.
19. und 20. Jahrhundert Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg blieb Eberstadt dem Oberamt Weinsberg zugeordnet, dem es seit dessen Gründung angehört hatte.
Bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges hatte Eberstadt 760 Einwohner.
Der Volksstaat Württemberg löste das Oberamt Weinsberg 1926 auf. Eberstadt wurde dem Oberamt Heilbronn zugeordnet. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Eberstadt 1938 zum Landkreis Heilbronn. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. In der Nachkriegszeit siedelte sich allmählich auch Gewerbe an; die Landwirtschaft bleibt aber bis heute wichtig. Internationale Aufmerksamkeit fand der Ort durch das von 1979 bis 2018 organisierte Eberstädter Hochsprung-Meeting.
Religionen In Eberstadt gibt es eine evangelische KirchengemeindeWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Eberstadt für den Hauptort und den Ortsteil Hölzern. Sie gehört zum Kirchenbezirk Weinsberg-NeuenstadtWebsite des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Hölzern war bis 1931 eine selbständige Filialkirchengemeinde, die mit der Muttergemeinde Eberstadt die seither erloschene Gesamtkirchengemeinde Eberstadt bildete.
Für die katholischen Christen der Gemeinde ist die Katholische Kirchengemeinde Weinsberg zuständig. Zusammen mit den Katholiken aus Hölzern und Gellmersbach verfügen sie mit der 1970 in Eberstadt erbauten Kirche Maria, Königin des Friedens über ein eigenes Kirchengebäude.
Eingemeindungen Am 1. Januar 1971 wurde die Gemeinde Hölzern nach Eberstadt eingemeindet.
Einwohnerentwicklung 1629: 620 1651: 210 1914: 760 1939: 963 1961: 1391 1970: 1991 1980: 2337 1990: 2796 1995: 2918 2000: 3098 2005: 3202 2010: 3161 2015: 3175 2020: 3115
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Eberstadt hat 14 Mitglieder. Er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Die Wahlbeteiligung betrug 69,70 % (2019: 67,0 %).
CDU und Freie 5 Sitze 34,82 % (2019: 4 Sitze, 28 %) Bürgerliche Wählervereinigung 6 Sitze 41,68 % (2019: 5 Sitze, 35 %) SPD und Unabhängige 1 Sitz 10,76 % (2019: 2 Sitze, 14 %) Grüne Bürgerliste 2 Sitze 12,75 % (2019: 3 Sitze, 21 %)
Bürgermeister Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt. Seit dem 1. November 2023 ist Patrick Dillig (CDU) Bürgermeister von Eberstadt. Er wurde am 17. September 2023 mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt; Amtsinhaber Stephan Franczak (SPD) erhielt lediglich 19,4 Prozent der Stimmen.
1966–2002 Gerhard Schumann 2002–2015 Timo Frey (CDU) 2015–2023 Stephan Franczak (SPD) seit 2023 Patrick Dillig (CDU)
Wappen und Flagge Die Blasonierung des Eberstädter Wappens lautet: In geteiltem Schild oben in Schwarz ein wachsender goldener Eber, unten in Gold eine liegende schwarze Hirschstange. Die Flagge der Gemeinde ist Gelb-Schwarz.
Das Wappen ist erstmals 1628 nachgewiesen, in Stein gehauen an der Ostseite des Eberstädter Kirchturms. Der Eber symbolisiert als redende Wappenfigur den Ortsnamen, die Hirschstange die Zugehörigkeit zu Württemberg. Es setzte sich gegen andere Varianten durch, die nur einen halben (Ortsbrunnen von 1784, Ortsfahnen 18./19. Jahrhundert, Gemeindesiegel von 1903) oder ganzen Eber (Jagd-Fähnchen Anfang 19. Jahrhundert) ohne die Hirschstange zeigten. Die Farben des Wappens wurden 1938 von der württembergischen Archivdirektion festgelegt. Wappen und Flagge wurden der Gemeinde am 25. März 1963 vom baden-württembergischen Innenministerium verliehen.Quellen für den Abschnitt Wappen und Flagge:Heinz Bardua: Die Kreis- und Gemeindewappen im Regierungsbezirk Stuttgart. Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0801-8 (Kreis- und Gemeindewappen in Baden-Württemberg, 1). S. 57Eberhard Gönner: Wappenbuch des Stadt- und des Landkreises Heilbronn mit einer Territorialgeschichte dieses Raumes. Archivdirektion Stuttgart, Stuttgart 1965 (Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg, 9). S. 72
Partnergemeinde Italienische Partnergemeinde Eberstadts ist seit 1984 Montescudaio in der Toskana.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Württemberger Weinstraße Eberstadt liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.
Bauwerke Eberstadt mini|hochkant|Ulrichskirche Besonders sehenswert ist die evangelische Ulrichskirche (bis 1964 fälschlicherweise als Lukaskirche bezeichnet), die erstmals 1247 erwähnt wurde und in ihrem jetzigen Bestand als Chorturmkirche der Hochgotik mit Kreuzrippengewölbe im Chor auf das Jahr 1477 zurückgeht. Das Schiff wurde 1586 erweitert sowie 1892 und durch Architekt Heinz Klatte 1964/65 renoviert. Bereits 1953 wurde nach Kriegsschäden durch Architekt Hannes Mayer die baufällige Sakristei in verkleinerter Form neu gebaut, der Chor renoviert und seine drei Fenster mit Farbverglasung versehen.Otto Friedrich: Evangelische Kirchen im Dekanat Weinsberg – Bilder-Lese-Buch; hg. Ev. Dekanatamt Weinsberg, 2003, Seite 10 f
Die Ulrichskirche stellt gemeinsam mit dem Rathaus ein reizvolles Ensemble in der Ortsmitte dar, zu dem sich im näheren Umfeld noch das barocke Pfarrhaus von 1773 und die Alte Schule von 1880 gesellen.
Der Ort ist reich an historischen Fachwerkbauten, darunter ein ehemals dem Kloster Lichtenstern gehörendes Gebäude in der Klostergasse, das am Portal auf 1617 datiert ist, sowie das wegen seiner Größe im Volksmund Kaserne genannte ehemalige Amtshaus der Weinsberger geistlichen Verwaltung in der Hauptstraße 54, das vermutlich im Jahre 1404 errichtet wurde. „Hier wurden früher die Güter verwaltet und der Zehnte für die jeweilige geistliche Herrschaft eingezogen.“Angaben zur „Eberstädter Kaserne“ nach: Otto Lesinger: Betreutes Wohnen in der „Kaserne“ - Eberstädter Gemeinderat gibt grünes Licht; in: Heilbronner Stimme, Donnerstag, 24. November 1994siehe auch: Heinz, Dörnen, Gemeinde Eberstadt (Hrsg.): Eberstadt, Eine Chronik der Gemeinde, Eberstadt 1985, Seite 86, Beschreibung zum Haus Nr. 4, der Kaserne, Im Ort befinden sich außerdem ein Barockbrunnen von 1784 mit reich verziertem metallenem Brunnenkasten sowie der neuzeitliche Eberbrunnen vor der Alten Kelter, die zum Supermarkt umgebaut wurde.
Etwas außerhalb des Ortskerns finden sich die Riekersche Mühle von 1791 sowie das Schafhaus, ein zeitweilig auch als Farrenstall verwendeter Fachwerkbau von 1804.
Buchhorn Der Straßenweiler Buchhorn weist ein historisches Gebäudeensemble in der Dorfmitte auf, darüber hinaus ein Backhaus von 1888 an der stattlichen Dorflinde mit 1992 renoviertem Eichbrunnen.
Hölzern Im Ortsteil Hölzern gibt es die Johanneskirche, von der jedoch nur der Chorturm erhalten ist. Von dem romanischen Kirchlein wurde der Chor im 19. Jahrhundert abgebrochen. Dabei fand man im Altar Reliquien des Heiligen Johannes, des Apostels Bartholomäus und des Hl. Stephanus sowie die Jahreszahl 1208. Anstelle der abgebrochenen Kirche wurde 1842 ein Schulhaus angebaut, das 1978/79 durch ein kommunales Mehrzweckhaus für Veranstaltungen (auch Gottesdienste) ersetzt wurde.Otto Friedrich: Evangelische Kirchen im Dekanat Weinsberg – Bilder-Lese-Buch; hg. Ev. Dekanatamt Weinsberg, 2003, Seite 22 f
Lennach In Lennach befinden sich das Alte Rathaus, eine alte Kelter, ein historischer Brunnen sowie ein Backhaus.
Naturschutzgebiet Das Naturschutzgebiet Wildenberg (Nr. 1.187) wurde am 16. Oktober 1992 auf dem Westteil des Wildenberges zwischen Weinsberg-Grantschen und Eberstadt, direkt südlich der A 81, eingerichtet. Der Anteil Eberstadts ist 47,8 ha groß, der Anteil Weinsbergs 1,6 ha. Das Schutzgebiet besitzt durch mehrere geologische Aufschlüsse besondere geologische Bedeutung als Einblick in die Entstehungsgeschichte des Schilfsandsteins. Das ganze Naturschutzgebiet und ein kleines anschließendes Gebiet, insgesamt 57,5 ha, wurde zudem schon am 2. September 1991 als Schonwald (Nr. 301) ausgewiesen mit dem Ziel, die naturnahe Laubholzbestockung zu erhalten und pflegen.
Regelmäßige Veranstaltungen Jährlich findet (jeweils in der ersten Septemberwoche) der Eberstädter Markt statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen Größter Arbeitgeber Eberstadts mit (Stand 2008) rund 110 Beschäftigten ist die Hirschmann Laborgeräte GmbH & Co. KG, die seit über 40 Jahren in der Gemeinde ansässig ist und Laborgläser, Messgeräte und Laborbedarf vertreibt.