mini|hochkant=1.2|Jaco Pastorius (1986) John Francis Anthony „Jaco“ Pastorius III. (* 1. Dezember 1951 in Norristown, Pennsylvania; † 21. September 1987 in Fort Lauderdale, Florida) war ein US-amerikanischer virtuoser E-Bassist. Er spielte meistens einen bundlosen E-Bass und war einer der einflussreichsten Bassisten der jüngeren Musikgeschichte. Von 1976 bis 1981 war er Mitglied der Band Weather Report; er spielte im Laufe seiner Karriere mit Pat Metheny, Joni Mitchell, Al Di Meola, Herbie Hancock, John McLaughlin (von Mahavishnu Orchestra), Mike Stern, John Scofield oder Othello Molineaux und nahm Alben als Bandleader auf.
Er gab Solokonzerte nur mit dem E-Bass, beispielsweise im November 1979 auf den Berliner Jazztagen. Sein Bassspiel beinhaltete Funk, lyrische Soli und Flageoletttöne. Er ist der einzige E-Bassist unter sieben Bassisten in der Down Beat Jazz Hall of Fame.
Biographie Kindheit und Jugend Pastorius wurde am 1. Dezember 1951 geboren als Sohn des Schlagzeugers und Sängers John Francis Pastorius II. und dessen Frau Stephanie. Er war ein Nachfahre von Franz Daniel Pastorius. 1959 zog seine Familie nach Oakland Park im US-Bundesstaat Florida.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 22. Dort besuchte er später die Northeast High School, auf der er seine Leidenschaft für Sportarten wie Baseball, Basketball und Football entdeckte. Auch seine musikalische Karriere begann hier. Pastorius spielte in jungen Jahren Schlagzeug in mehreren Bands.
1964 erlitt er beim Football eine Handgelenksverletzung, die ihm das Schlagzeugspielen erschwerte. 1966 schloss er sich, als er noch auf der High School war, der Soul-Cover-Band Las Olas Brass an. Als sich ein erfahrener Schlagzeuger der Band vorstellte und gleichzeitig der Bassist die Band verließ, wechselte er mit 15 Jahren zum E-Bass.
Musikalische Karriere Erste Jahre 1969 spielte Pastorius in dem Trio Woodchuck mit Organist Billy Burke und Schlagzeuger Bob Herzog.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 32. Zu dieser Zeit nannte Pastorius Jerry Jemmott als maßgeblichen Einfluss, dessen Funk-Basslinien er in seinen eigenen Stil einbezog.
Anfang der 1970er begleitete Pastorius The Supremes und Nancy Wilson in den lokalen Clubs und spielte mit dem Soulsänger Wayne Cochran. Dadurch wurde er in der Clubszene in Florida schnell bekannt. 1972 lernte er Noten lesen. Sein mit Dead Notes angereicherter Funk-Groove war weit entwickelt, und er spielte schon virtuose Bass-Solos. Danach spielte er mit Ira Sullivans Band.
Als Mitglied der Hausband im Bachelors III Club in Fort Lauderdale kam es zur musikalischen Begegnung mit Paul Bley und Pat Metheny. 1974 veröffentlichte er das Album Pastorius/Metheny/Ditmas/Bley mit Bley, Metheny und Bruce Ditmas, das später auch unter dem Titel Jaco veröffentlicht wurde. Mit der Jazzrock-Band Blood, Sweat & Tears spielte er von Ende 1975 bis Anfang 1976.
1975 wirkte Pastorius bei Pat Methenys Debütalbum Bright Size Life mit. 1976 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum Jaco Pastorius, an dem unter anderem Herbie Hancock mitwirkte und das für zwei Grammys nominiert wurde; produziert wurde es von Bobby Colomby, dem Schlagzeuger von Blood, Sweat & Tears.
1976 und 1977 spielte er auf Joni Mitchells Alben Hejira und Don Juan’s Reckless Daughter.
Weather Report 1976–1981 mini|hochkant=1|Jaco Pastorius 1977 mit Weather Report Anfang 1975 stellte sich Pastorius in Miami nach einem Konzert der Gruppe Weather Report bei deren Leader Joe Zawinul mit dem Satz vor:
Nach einer spontanen Abwehrreaktion bat Zawinul ihn um ein Demoband. Nachdem Alphonso Johnson im Januar 1976 Weather Report verlassen hatte, wurde Pastorius im April 1976 während der Aufnahmen zum Album Black Market Mitglied der Gruppe.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 73. Er gehörte ihr bis 1981 an und war mit ihr sehr erfolgreich. Die „Jaco-Jahre“ (unter dem Titel The Jaco Years erschien 1998 auch eine Weather-Report-Compilation) gelten als die Hochphase der Gruppe.Gunther Baumann: Zawinul. Ein Leben aus Jazz. Residenz Verlag, Salzburg 2002, S. 129. Auf den Alben Black Market (1976) und Heavy Weather (1977; mit dem Klassiker Birdland) „wurde eine künstlerische Geschlossenheit gefunden, wie sie auf späteren Alben kaum noch zu hören war.“W. Kampmann: Reclams Jazzlexikon. Stuttgart 2005, S. 545. 1978 kam statt Alex Acuña der Schlagzeuger Peter Erskine zur Gruppe, der besser mit Pastorius harmonierte.
Ab 1979 gab Pastorius auch Solokonzerte mit dem Bass, so etwa am 2. November bei den Berliner Jazztagen. Er spielte 1979 auf dem Live-Album Shadows and Light von Joni Mitchell mit Pat Metheny, Lyle Mays und Michael Brecker.Wieland Harms: The Unplugged Guitar Book. 20 der schönsten Songs für Akustikgitarre. Gerig Music, ISBN 3-87252-249-3, S. 13.
Am 11. Juli 1981 spielte Pastorius sein letztes Konzert mit Weather Report.
Solo 1982–1984, Drogen und psychische Erkrankung 1981 nahm Pastorius sein zweites Soloalbum Word of Mouth auf und stellte dann seine gleichnamige Big Band Word of Mouth mit Peter Erskine am Schlagzeug zusammen. Weil für diese 1982 Konzerttermine gebucht waren, wollte Pastorius, dass Weather Report 1982 als Live-Band pausiert.Baumann: Zawinul, Ein Leben aus Jazz. S. 130–132. Als in dieser Situation Weather Report vertraglich zu einer Tournee gezwungen wurde, nutzte Zawinul die Gelegenheit, den durch Alkoholprobleme unzuverlässig gewordenen Pastorius durch den Bassisten Victor Bailey zu ersetzen. Um 1980 hatte der Drogenkonsum von Pastorius begonnen, der sich zunächst auf Alkohol und Kokain beschränkte, später aber steigerte.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S.n 93, 118.
1982 tourte Pastorius mit seiner Big Band Word of Mouth. Bei der Japan-Tour wurden zunehmend bizarre Geschichten über Pastorius berichtet: Er malte sein Gesicht schwarz an und warf seinen Bass an der Bucht von Hiroshima ins Meer.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 120. Bei einer Party stürzte er von einem Balkon und brach sich den Arm.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 131. 1982 wurde bei ihm eine Bipolare Störung diagnostiziert.
Im Mai 1983 erschien er auf der Titelseite der Guitar World, im August 1984 auf der Titelseite des Guitar Player.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 148.mini|hochkant=1|Pastorius 1986
Obdachlosigkeit 1985–1987, Tod 1985 spielte er in New York regelmäßig mit Mike Stern im seinerzeit wichtigen Jazzclub 55 Grand; beide konsumierten ständig Kokain. Mitte 1985 verlor er seine Wohnung in New York und war von da an obdachlos. Er hauste in den West Fourth Street Courts, nahe dem Washington Square Park., Foto von Anthony KiedisBill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 165.
Im Sommer 1985 wurde sein Interview- und Lehrvideo Modern Electric Bass aufgezeichnet. Am Anfang des Videos wurde er vom Bassisten Jerry Jemmott interviewt. Auf die Frage, was er zu seiner Rolle als richtungsweisender Bassist sage, antwortete Pastorius: „Gebt mir einen Gig.“Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 166. Am Ende des Videos gab es eine Jam-Session mit Pastorius, John Scofield und Kenwood Dennard.
Im Frühjahr 1986 gab er Konzerte in Europa, mit Hiram Bullock, Kenwood Dennard und dem zwanzigjährigen Biréli Lagrène; drei Konzerte wurden aufgezeichnet. Aus dieser Zeit ein Jahr vor seinem Tod erschien posthum 1995 eine Kompilation seiner Soloparts aus verschiedenen Konzerten Honestly: Solo Live, über das Kritiker Thom Jurek schrieb:
Im Juli 1986 wurde er in das Bellevue Hospital eingewiesen, wo er sieben Wochen blieb. Im Sommer 1986 hatte er fast alle seine sozialen Kontakte verloren und befand sich in einer Abwärtsspirale aus Alkohol und anderen Drogen. Im Dezember 1986 ging er zurück ins wärmere Fort Lauderdale, wo er ebenfalls obdachlos war.
Nachdem er zuvor von einem Santana-Konzert verwiesen worden war, weil er versucht hatte, auf die Bühne zu gelangen, randalierte Pastorius betrunken vor dem Midnight Bottle Club in Wilton Manors, weil ihm dort der Eintritt verwehrt wurde. Pastorius wurde daraufhin am 12. September 1987 morgens um 4:20 Uhr vom kampfsporterfahrenen Clubmanager zusammengeschlagen,Scott Stanton: The Tombstone Tourist. New York: Pocket Books, 2003, ISBN 0-7434-6330-7, S. 195. am Ende fiel Pastorius mit dem Hinterkopf auf den Beton.Bill Milkowski: Jaco. The Extraordinary and Tragic Life of Jaco Pastorius. Miller Freeman Books, San Francisco 1995/Backbeat Books 2006, ISBN 0-87930-859-1, S. 208. Der Clubmanager sagte aus, dass er den Bassisten für einen aggressiven Drogenabhängigen gehalten habe.
Nach neun Tagen im Koma starb Jaco Pastorius im Alter von 35 Jahren am 21. September 1987 um 22:00 Uhr an den Folgen seiner Verletzungen.
Ehen und Kinder Im August 1970 wurde Tracy Lee seine Frau, aus dieser Ehe stammten die Kinder Mary (* 1970) und John (* 1973). Die Ehe wurde 1979 geschieden.
1979 heiratete er Ingrid Hornmüller (1950–2011), Tochter einer Indonesierin und eines Deutschen. In dieser Ehe wurden 1982 Zwillinge geboren, die auch Musiker wurden: Felix Pastorius spielt Bass und Julius Pastorius Schlagzeug. Die Ehe wurde 1985 geschieden.
Spielweise Pastorius nutzte meistens den Steg-Tonabnehmer seines mit zwei Tonabnehmern ausgestatteten Basses, bei dem der Klang höhenbetonter und perkussiver klingt; auch die Anschlagsposition der rechten Hand war beim Steg-Tonabnehmer.
Oft spielte er Dead-Notes, bei denen die Saite mit der Greifhand gedämpft wird. Ein Beispiel kann man im Chorus von Come On, Come Over (1976) hören:
mini|hochkant=3|links|Notenbeispiel aus Come On, Come OverDead-Notes sind durch ein „x“ als Notenkopf gekennzeichnet.
Pastorius verwendete zudem häufig Flageoletttöne, z. B. in Portrait of Tracy (1976): mini|hochkant=3|links|Intro zu Portrait of Tracy mit Flageoletttönen (in der Tabulatur durch eckige Klammern gekennzeichnet).
Musikalische Bedeutung mini|hochkant=1.8|Jaco Pastorius spielt Flageoletttöne, sein Bass liegt auf dem Boden, 1980 mit Weather Report Pastorius hat die Rolle des E-Basses durch seinen prägnanten Klang und sein virtuoses wie melodiöses solistisches Spiel entscheidend verändert. Seine rhythmisch präzise Spielweise mit schnellen Läufen unter Einbeziehung von Flageoletttönen in allen Lagen des Griffbretts setzte völlig neue Maßstäbe vor allem beim Spiel auf dem bundlosen Bass (Fretless Bass). Beispiele für seine revolutionäre Basstechnik ist seine zum Großteil aus Flageoletttönen bestehende Eigenkomposition Portrait of Tracy von seinem 1976 erschienenen Debüt-Album Jaco Pastorius, Donna Lee – wohl eine der virtuosesten Coverversionen dieses Jazzstandards – ebenfalls vom Debütalbum oder Joe Zawinuls Kompositionen A Remark You Made und Birdland (beide erschienen auf dem 1977 veröffentlichten Album Heavy Weather von Weather Report).
Pastorius selbst sagte zum Klang des Instruments: