Aix-les-Bains (früher ) ist eine französische Stadt und Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Savoie in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Das Thermalbad liegt am östlichen Ufer des Lac du Bourget und besitzt den größten Süßwasser-Jachthafen Frankreichs.

Als Ferienhochburg fürstlicher Familien und wohlhabender Leute war Aix-les-Bains eine bedeutende Stadt der Belle Époque von internationalem Ruf. Die heißen Schwefelquellen mit einer Temperatur von circa 43–45 °C werden jährlich von mehreren Tausend Kurgästen besucht. Das Wasser wird sowohl für Trinkkuren als auch für Hydrotherapie verwendet. Selbst wenn sie heute nach wie vor als „Wasserstadt“ gilt, sind die Thermaleinrichtungen nicht mehr das Hauptgewerbe von Aix. Den Verlust an Kurgästen versucht die Stadt dank ihrer günstigen Lage durch die Entwicklung von Tourismus auszugleichen.

Aix-les-Bains ist daneben eine Industriestadt mit einigen großen Unternehmen wie Alstom (ehemals Areva/Savoisienne), einem wichtigen Industriegebiet (Savoie Hexapole), den Sitz der Unternehmen Léon Grosse, ABB Cellier, Aixam und einer Lederwarenmanufaktur.

Dank der Dynamik der Stadt und den besonderen Umweltbedingungen verzeichnete Aix-les-Bains in den letzten Jahrzehnten ein konstantes Bevölkerungswachstum.

Geographie Lage mini|Aix-les-Bains auf dem Ostufer des Lac du Bourget mini|Im Vordergrund der Dent du Chat, im Hintergrund Aix-les-Bains Aix-les-Bains befindet sich im Osten Frankreichs östlich von Lyon und etwa nördlich von Chambéry. Angesiedelt ist die Stadt in einem Korridor zwischen dem östlich gelegenen Mont Revard, der zusammen mit dem Bauges-Massiv als erste natürliche Schutzmauer gedient hat, und dem Lac du Bourget im Westen, der als größter natürlich entstandener See Frankreichs gilt. Aus diesem Grunde erstreckt sich das Stadtgebiet hauptsächlich auf einer Nord-Süd-Achse und hat sich bereits soweit ausgedehnt, dass die Vororte allmählich mit denen von Chambéry verschmelzen. Mit km² gehört die Gemeindefläche zu den größeren des Départements. Die umliegenden Gemeinden sind Tresserve, Grésy-sur-Aix, Mouxy, Drumettaz-Clarafond, Pugny-Chatenod und Brison-Saint-Innocent.

Die Gemeinde ist traditionell zweigeteilt. Während die Unterstadt das westliche Seeufer einnimmt, überragt die Oberstadt mit dem Stadtzentrum den Lac du Bourget. Die Stadt entstand zunächst auf einer Anhöhe, die Schutz vor den zahlreichen Hochwassern des Sees bot. Diese wurden später mittels eines Staudamms geregelt, den die Compagnie nationale du Rhône (CNR) zwischen der Rhone und dem natürlichen Zu- und Abfluss des Sees, dem Canal de Savières, errichtete. Die Durchschnittshöhe der Stadt beträgt ungefähr , wobei der untere Teil nur bei , auf der Höhe des Seespiegels liegt.

Der km² umfassende Lac du Bourget wird hauptsächlich von den Wassern der Leysse im Süden, sowie des Tillet und Sierroz im Osten gespeist, die beide durch das Aixer Gebiet verlaufen. Das dicht besiedelte Ostufer des Sees wird vom Aixer Thermalbad und der Gemeinde Tresserve eingenommen und ist vor allem entlang der Autobahn und den Eisenbahngleisen bebaut.

Aix-les-Bains ist als Zugangsort mit dem Regionalen Naturpark Massif des Bauges assoziiert.

Stadtbild Das Stadtleben von Aix-les-Bains spielt sich größtenteils auf den Anhöhen ab, wo sich das geschäftige Stadtzentrum und die Thermaleinrichtungen (Nationalthermen von Chevalley und die Thermen von Marlioz) befinden. Die Rolle von Aix als Thermalstadt ist historisch begründet und geht bis in die Römerzeit zurück. Die an den Ufern des Sees befindliche Unterstadt blieb anfangs aufgrund der Hochwassergefährdung unbesiedelt. Dafür entwickelten sich dort Ackerbau und Fischzucht. Das wirtschaftliche Treiben fand immer hauptsächlich in der Oberstadt statt, wo sich das Stadtbild an die besonderen geographischen Gegebenheiten anpasst hat und von einer Vielzahl öffentlicher und touristischer Einrichtungen (unter anderem Pferderennbahn, Kasino, Thermen, Luxushotels, Bahnhof, Krankenhaus, Golfplätze) profitiert.

mini|Aix-les-Bains bei Nacht Aix-les-Bains hat fünf große Boulevards: den Boulevard Robert Barrier, den Boulevard Lepic, den Boulevard de Russie, den Boulevard du docteur Jean Charcot und den Boulevard des Côtes. Im Gegensatz zu den breiten, offenen Boulevards sind die Straßen in der Innenstadt recht schmal. Andere Stadtteile wirken durch die gewundenen Anstiege des nah gelegenen Bauges-Massivs dicht gedrängt und chaotisch. Aix-les-Bains besteht aus insgesamt elf verschiedenen Stadtteilen, die vom INSEE in vier Großviertel unterteilt werden. Es handelt sich dabei um Centre Ville (mit Centre Ville-Nord und Centre Ville-Sud), Ouest (mit Memard-Corsuet, Rondeau-Bord du Lac und Italie-Jacotot), Lafin–Saint-Simond (mit Lafin und Saint-Simond) und Est (mit Tir aux Pigeons, Chantemerle-Saint-Pol und Marlioz).

Aufgrund des Bevölkerungsanstiegs und dem daraus resultierenden Platzmangel dehnt sich das Stadtgebiet sukzessive aus und dabei etwas ausgeprägter als die Gebiete der Nachbargemeinden. Zunehmend wird nicht mehr von der „Stadt Aix-les-Bains“ gesprochen, sondern vom bassin aixois („Aixer Becken“) und bezieht dort die angrenzenden Gemeinden Tresserve, Grésy-sur-Aix, Mouxy, Méry, Drumettaz-Clarafond, Sonnaz sowie andere Gemeinden mit ein. Das Phänomenen trifft auch auf das südlich der Stadt gelegene Chambéry zu, wo vom bassin chambérien gesprochen wird. Die urbane Entwicklung der Becken wird letztendlich zu einem unweigerlichen Näherrücken beider Siedlungsgebiete und zur Bildung einer polyzentrischen Agglomeration führen. Um die urbane Entwicklung des Aixer und chamberischen Beckens in Einklang zu bringen, wurde der Verband Métropole Savoie gegründet, dessen Aufgabe darin besteht, die Vorgaben des Rahmenplanes S.C.O.T. für die Savoyer Schlucht, Chambéry und dem Lac du Bourget umzusetzen.

Klima Das Klima von Aix-les-Bains ist aufgrund der Lage am Rande der Savoyer Voralpen montan geprägt. Die Auswirkungen werden durch die Anwesenheit des Sees abgeschwächt, der das Aixer Becken stellenweise mildert. Das Klima ist durch trockene, warme Sommer, gemäßigte frostfreie Herbste und Winter, sowie einen leicht regnerischen Frühling gekennzeichnet. Schnee gibt es vor allem Ende Dezember und im Januar, mitunter auch im Februar. Das Wasser des Lac du Bourget kühlt sich langsamer ab als die Böden, so dass der Schnee im Gegensatz zu anderen Gemeinden in Savoie rascher schmilzt. Die Schneehöhen waren in den vergangenen Jahren starken Schwankungen unterworfen. So zeichnete sich der Winter 2007/2008 durch Schneelosigkeit aus, wohingegen im Jahr 2010 zusammengerechnet ein Meter Schneefall erreicht wurde.

Die Angaben von Temperatur, Niederschlag, Regentagen und Luftfeuchtigkeit basieren auf Daten von 1991–2021, Sonnenstunden auf Daten von 1999–2019.

Bevölkerung Wohnsituation Aix-les-Bains besaß 2008 13.355 Wohnungen. In diesem Jahr existierten mit 16 % der Hauptwohnsitze nur relativ wenig nach 1990 entstandene Neubauten. Dafür waren 27,2 % des Wohnbestandes vor 1949 errichtete Altbauten. 74,3 % aller Wohnungen dienen als Hauptwohnsitze, von denen rund ein Viertel Einfamilienhäuser sind. 53,1 % der Einwohner sind Wohneigentümer, 44,6 % bezahlen Miete.

mini|Blick von den Hügeln auf die Stadt Mit nur 1766 Sozialwohnungen, d. h. 13,2 % des Wohnbestandes im Jahr 2008, hielt die Stadt nicht die Vorgaben des Gesetzes für Solidarität und Stadterneuerung aus dem Jahr 2000 ein, das den Anteil an Sozialwohnungen für französische Gemeinden ab einer bestimmten Größe auf mindestens 20 % vorschreibt. Zudem war der Anteil leerstehender Wohnungen 2008 mit 7,5 % relativ hoch, ging jedoch im Vergleich zu 1999 (11,4 %) leicht zurück. Über 1600 der Sozialwohnungen halten die Savoyer Wohnungsbaugesellschaften (OPAC), die meisten davon befinden sich im Wohnviertel Sierroz-Franklin im Norden der Stadt. Die Mehrzahl der Unterkünfte besitzt drei (25,6 %), vier (22,7 %) oder mehr Zimmer (22 %). Nur knapp ein Zehntel des Aixer Wohnbestandes sind Einraumwohnungen. Die meisten der Wohnungen sind gut ausgestattet. 97,1 % besitzen eine Zentralheizung, 61,2 % eine Garage, einen Stell- oder einen Parkplatz.

Da die Stadt komplett zugebaut ist, wird es immer schwieriger, größere Wohnungen zu bauen, so dass viele Familien ins Umland ziehen. Das Seeufer und die Anhöhen sind inzwischen zugebaut, so dass sich die Ausbreitung der Stadt auf den benachbarten Gemeinden fortsetzt.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2009 2017 2022 Einwohner 18.132 20.627 22.210 23.451 24.663 25.782 26.819 29.794 32.175 Quellen: Cassini und INSEE

Einordnung Platzierung Fläche Bevölkerung Bevölkerungsdichte 15417. 342. 451. 25px|Wappen Auvergne-Rhône-Alpes Auvergne-Rhône-Alpes 1338. 26. 32. 25px|Wappen des Département Savoie Savoie 131. 2. 2.

Geschichte Die Geschichte von Aix-les-Bains ist direkt mit dem Lac du Bourget und vor allem mit seinen warmen Quellen verbunden, die aus der Stadt eines der berühmtesten Thermalbäder der Welt gemacht haben. Die Entwicklung der Stadt und ihre kulturellen Einflüsse sind eng mit der Geschichte von Savoyen verbunden.

Ortsname „Aix“ ist abgeleitet vom lateinischen Wort aqua (dt. Wasser). Der Name bezieht sich auf die Thermalwässer, die schon von den Römern genutzt wurden. Diese hatten das Gebiet des heutigen Savoyen um 120 v. Chr. erobert und besetzt. Damals hieß der Ort Aquae Gratianae nach dem Kaiser Gratian, der 383 nicht weit von hier in Lyon ermordet wurde.

Der Namenszusatz -les-Bains, der im Deutschen Bad … entspricht, ist erstmals im Jahr 1801 nachweisbar,Aix-les-Bains bei cassini.ehess.fr, abgerufen am 3. September 2024 wurde aber erst im späten 19. Jahrhundert üblich. Zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten wurde bis dahin – jedoch nicht in amtlichen Texten – der Name Aix-en-Savoie gebraucht.

Ursprünge Obwohl über die genauen Ursprünge von Aix-les-Bains nichts bekannt ist, reicht seine Geschichte bis ins Neolithikum zurück. Zwischen 5000 und ließen sich sesshafte Gemeinschaften in der Gegend nieder. Archäologische Überreste, die man an den Ufern des Sees fand, deuten auf die Anwesenheit bronzezeitlicher Pfahlbauten hin. Um die Thermalquellen im Stadtzentrum herum wurden Spuren einer keltischen Besetzung entdeckt, ebenso eine Weihinschrift an den Borvo-Quellen.,

Aquae: das römische Aix mini|Römischer Campanus-Bogen mini|Römische Thermen Aix entstand zu römischer Zeit an den Thermalquellen, auf den Überresten einer keltischen Siedlung. Die ersten Spuren einer Besetzung werden ins erste vorchristliche Jahrhundert datiert, jedoch lassen die archäologischen Überreste auf keine feste Besiedlung zurückschließen, da nur Ruinen öffentlicher Einrichtungen übrig geblieben sind. Über den Verwaltungsstatus weiß man aus Inschriften Bescheid. Demnach war Aquae im ersten Jahrhundert ein römischer Vicus und mit einem decemlecti (Gemeinderat mit 10 Mitgliedern) ausgestattet.Epigraphische Texte im Lapidarium von Aix-les-Bains. Administrativ gehörte sie zur Stadt Vienne. Offenbar besaßen einige Bürger in Aquae genügend finanzielle Mittel, um den Göttern einen heiligen Hain und einen Weinberg zu stiften.