Der Kreis Lüdinghausen war ein Kreis im Münsterland in Nordrhein-Westfalen, der zunächst von 1804 bis 1806 und dann in der Zeit vom 10. August 1816 bis zum 31. Dezember 1974 existierte.Amtsblatt der Regierung in Münster 1816, S. 9; Kreiseinteilung des Regierungsbezirks Münster Kreisstadt war Lüdinghausen. Das Wappen des Kreises basierte auf dem gold-rot-goldenen Balkenwappen des Hochstifts Münster ergänzt um drei Bälle aus dem Wappen der Herren von Davensberg und der Glocke aus dem Wappen der Stadt Lüdinghausen.Wappen des Kreises Lüdinghausen.

Geographie

Nachbarkreise Der Kreis Lüdinghausen grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Münster und Beckum, an die kreisfreie Stadt Hamm, an den Kreis Unna, an die kreisfreie Stadt Lünen sowie an die Kreise Recklinghausen und Coesfeld.

Geschichte mini|hochkant=2|Der Kreis Lüdinghausen im Jahr 1844 Anfänge Nachdem der östliche Teil des Münsterlandes als Fürstentum Münster 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss an Preußen gefallen war, trat am 1. Januar 1804 die preußische Verordnung über die Kreiseinteilung des hinzugewonnenen Gebiets in Kraft. Neben den Kreisen Beckum, Münster und Warendorf wurde der Kreis Lüdinghausen eingerichtet. Er umfasste die Städte Lüdinghausen, Olfen und Werne sowie die Kirchspiele Altlünen, Amelsbüren, Appelhülsen, Ascheberg, Bockum, Bork, Bösensell, Capelle, Heessen, Herbern, Hiddingsel, Hövel, Lüdinghausen, Nordkirchen, Nottuln, Olfen, Osterbauerschaft, Ottmarsbocholt, Schapdetten, Selm, Senden, Seppenrade, Südkirchen, Venne, Walstedde und Werne. Johann Matthias Kaspar von Ascheberg zu Venne wurde Landrat des Kreises. Zwei Jahre später trat er zurück. Das Rücktrittsgesuch war für den König von Preußen die Gelegenheit, dem Drängen seiner Berater zu folgen und den Kreis Lüdinghausen mit Wirkung vom 1. Juni 1806 wieder aufzulösen. Der größte Teil seines Gebiets wurde in den Kreis Münster eingegliedert. Mit dem Frieden von Tilsit verzichtete Preußen 1807 auf seine Besitzrechte am Fürstentum Münster. Von 1808 bis 1813 gehörte das ehemalige Kreisgebiet zum Großherzogtum Berg.

Nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses wurde das Münsterland 1815 endgültig dem Königreich Preußen zugewiesen. Unter dem Oberpräsidenten des Regierungsbezirks Münster wurde eine neue Kreiseinteilung verfügt und mit Wirkung vom 9. August 1816 Johann David Paul von Schlebrügge zum „Landrätlichen Comissarius“ des neuen Kreises Lüdinghausen bestimmt. In dieser Position erhielt er die Erlaubnis, seine Geschäfte auf seinem heimatlichen Anwesen, Haus Beckedorf, zu erledigen. 1818 wurde von Schlebrügge zum ersten Landrat des Kreises befördert. Die Kreisverwaltung blieb aber weiterhin auf seinem Gut Beckedorf. Erst 1828 verlegte er die Kreisverwaltung nach Lüdinghausen.

Nach seiner Gründung im Jahre 1816 war der Kreis bis 1843 in die sieben Bürgermeistereien Bork, Drensteinfurt, Lüdinghausen, Olfen, Ottmarsbocholt, Senden und Werne eingeteilt.

Bildung der Ämter Mit der Einführung der Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westfalen wurden in den Jahren 1843 und 1844 die Bürgermeistereien in Ämter überführt.Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Westphalen vom 31. Oktober 1841 (PDF; 1,6 MB) Die Städte Lüdinghausen und Werne blieben amtsfrei. Der Kreis war danach zunächst in die folgenden Ämter und Gemeinden gegliedert: Amt Gemeinden amtsfrei Lüdinghausen und Werne Ascheberg Ascheberg Bork Altlünen, Bork und Selm Drensteinfurt Bockum, Stadt Drensteinfurt, Kirchspiel Drensteinfurt, Hövel und Walstedde Herbern Herbern Lüdinghausen Kirchspiel Lüdinghausen und Seppenrade Nordkirchen Nordkirchen und Südkirchen Olfen Stadt Olfen und Kirchspiel Olfen Ottmarsbocholt Ottmarsbocholt und Venne Senden Senden Werne Capelle, Stockum und Kirchspiel Werne

Neugliederungen von 1908 bis 1939 Zum 1. April 1908 wurde aus den beiden Gemeinden Bockum und Hövel das Amt Bockum-Hövel gebildet. Das Amt Werne wurde 1922 aufgelöst. Die Landgemeinde Werne (das frühere Kirchspiel Werne) wurde in die Stadt Werne eingemeindet, Capelle kam zum Amt Nordkirchen und Stockum kam zum Amt Herbern. Die beiden Ämter Ascheberg und Senden wurden 1934 aufgehoben. Die Stadt Lüdinghausen wurde 1939 ins Amt Lüdinghausen eingegliedert. Gleichzeitig wurden Bockum und Hövel zur amtsfreien Gemeinde Bockum-Hövel zusammengeschlossen.

Neugliederung 1969 Durch Gesetz vom 14. Januar 1969Gesetz über den Zusammenschluß der Stadt Drensteinfurt und der Gemeinde Kirchspiel Drensteinfurt, Landkreis Lüdinghausen, GV. NRW. 1969 S. 108 wurden die Stadt Drensteinfurt und die Gemeinde Kirchspiel Drensteinfurt mit Wirkung zum 1. Juli 1969 zu einer neuen Stadt Drensteinfurt zusammengeschlossen.

Weitere Zusammenschlüsse, welche ebenfalls am 1. Juli 1969 in Kraft traten, erfolgten durch Gesetz vom 24. Juni 1969.Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Lüdinghausen. GV. NRW. 1969 S. 355 Hierdurch wurden die Gemeinde Walstedde ebenfalls in die neue Stadt Drensteinfurt einbezogen und die Gemeinde Lüdinghausen-Land (das frühere Kirchspiel Lüdinghausen) in die Stadt Lüdinghausen eingegliedert. Das Amt Drensteinfurt wurde aufgelöst; sein Rechtsnachfolger wurde die Stadt Drensteinfurt.

Danach umfasste der Kreis noch drei amtsfreie Städte, zwei amtsfreie Gemeinden und sechs Ämter mit 14 amtsangehörigen Städten und Gemeinden; er hatte 147.417 Einwohner (Stand 30. Juni 1972).Landtag Nordrhein-Westfalen, Drucksache 7/3150, Gesetzentwurf der Landesregierung, Entwurf eines Gesetzes zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster/Hamm (Münster/Hamm-Gesetz), S. 57, 59

Es handelte sich um: die amtsfreien Städte Bockum-Hövel, Drensteinfurt und Werne a. d. Lippe die amtsfreien Gemeinden Ascheberg und Senden die Ämter Bork, Herbern, Lüdinghausen, Nordkirchen, Olfen und Ottmarsbocholt

Umbenennung Am 1. Oktober 1969 wurde aus dem Landkreis der Kreis Lüdinghausen.Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.

Auflösung 1975 Durch das Ruhrgebiet-GesetzGesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Ruhrgebiet, GV. NRW. 1974 S. 256 und das Münster/Hamm-GesetzGesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster/Hamm, GV. NRW. 1974 S. 416 vom 9. Juli 1974 wurden die Gemeinden des Kreises Lüdinghausen mit Wirkung vom 1. Januar 1975 grundlegend neu geordnet. Es entstanden die folgenden Städte und Gemeinden:

Gemeinde Ascheberg aus der amtsfreien Gemeinde Ascheberg und der Gemeinde Herbern (Amt Herbern)§ 14 des Münster/Hamm-Gesetzes Stadt Lüdinghausen aus der Stadt Lüdinghausen und der Gemeinde Seppenrade (beide Amt Lüdinghausen)§ 11 des Münster/Hamm-Gesetzes Gemeinde Nordkirchen aus den Gemeinden Capelle, Nordkirchen und Südkirchen (alle Amt Nordkirchen)§ 13 des Münster/Hamm-Gesetzes Stadt Olfen aus der Stadt Olfen und der Gemeinde Kirchspiel Olfen (beide Amt Olfen)§ 10 des Münster/Hamm-Gesetzes Gemeinde Selm aus den Gemeinden Bork und Selm (beide Amt Bork)§ 15 des Ruhrgebiet-Gesetzes Gemeinde Senden aus der amtsfreien Gemeinde Senden, den Gemeinden Ottmarsbocholt und Venne (beide Amt Ottmarsbocholt) sowie der Gemeinde Bösensell (Amt Roxel, Kreis Münster); hiervon ausgenommen blieben einige Teilflächen der Gemeinden Bösensell und Senden, welche an die Gemeinde Nottuln§ 12 des Münster/Hamm-Gesetzes abgegeben wurden Stadt Werne a. d. Lippe aus der amtsfreien Stadt Werne a. d. Lippe und der Gemeinde Stockum (Amt Herbern)§ 16 des Ruhrgebiet-Gesetzes

Die Stadt Bockum-Hövel wurde Teil der neu gebildeten kreisfreien Stadt Hamm.§ 44 Abs. 1 des Münster/Hamm-Gesetzes Die Gemeinde Altlünen (Amt Bork) wurde in die Stadt Lünen eingegliedert.§ 14 des Ruhrgebiet-Gesetzes

Die Ämter wurden aufgelöst. Ihre Rechtsnachfolger sind Ascheberg (Amt Herbern), Lüdinghausen (Amt Lüdinghausen), Nordkirchen (Amt Nordkirchen), Olfen (Amt Olfen), Selm (Amt Bork), Senden (Amt Ottmarsbocholt).§§ 10–14 des Münster/Hamm-Gesetzes, § 15 des Ruhrgebiet-Gesetzes

Die hierdurch verbliebenen acht Gemeinden des Kreises Lüdinghausen wurden auf die Kreise Coesfeld (Ascheberg, Lüdinghausen, Nordkirchen, Olfen, Senden), Unna (Selm, Werne) und Warendorf (Drensteinfurt) aufgeteilt.§§ 53, 55 des Münster/Hamm-Gesetzes; § 19 des Ruhrgebiet-Gesetzes Rechtsnachfolger des aufgelösten Kreises Lüdinghausen wurde der neue Kreis Coesfeld.§ 55 Abs. 4 des Münster/Hamm-Gesetzes

Einwohnerzahlen der Gemeinden am 31. Dezember 1974 und Verbleib ab dem 1. Januar 1975 Zum Kreis gehörten die folgenden Städte und Gemeinden: Gemeinde bis 1974 Einwohner Gemeinde ab 1975 Kreis ab 1975 Altlünen 15.496 Lünen, Stadt Kreis Unna Ascheberg 6.555 Ascheberg Kreis Coesfeld Bockum-Hövel, Stadt 26.210 Hamm, Stadt Kreisfreie Stadt Bork 7.175 Selm (Stadt ab dem 27. September 1977) Kreis Unna Capelle 1.459 Nordkirchen Kreis Coesfeld Drensteinfurt, Stadt 7.877 Drensteinfurt, Stadt Kreis Warendorf Herbern 4.521 Ascheberg Kreis Coesfeld Lüdinghausen, Stadt 12.735 Lüdinghausen, Stadt Kreis Coesfeld Nordkirchen 3.961 Nordkirchen Kreis Coesfeld Olfen, Kirchspiel 2.197 Olfen, Stadt Kreis Coesfeld Olfen, Stadt 5.082 Olfen, Stadt Kreis Coesfeld Ottmarsbocholt 2.500 Senden Kreis Coesfeld Selm 15.373 Selm (Stadt ab dem 27. September 1977) Kreis Unna Senden 8.246 Senden (8.191) und Nottuln (55) Kreis Coesfeld Seppenrade 4.369 Lüdinghausen, Stadt Kreis Coesfeld Stockum 4.113 Werne a. d. Lippe, jetzt Werne, Stadt Kreis Unna Südkirchen 2.249 Nordkirchen Kreis Coesfeld Venne 143 Senden Kreis Coesfeld Werne a. d. Lippe, Stadt 21.634 Werne a. d. Lippe, jetzt Werne, Stadt Kreis Unna

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Kreis Lüdinghausen von 1832 bis 1973 nach nebenstehender Tabelle

Jahr Einwohner Quelle 1819 30.537 1832 34.554 1858 38.835 Statistische Nachrichten über den Regierungs-Bezirk Münster 1858, S. 11 1871 38.724 1880 40.487 1890 40.939 1900 42.484 1910 57.161 1925 82.919 1933 86.413 1939 87.119 1950 118.645 1960 127.900 1970 143.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1973 174.800 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1975

Politik Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946 In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene.

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD FDP DZP KPD 1946 65,7 24,8 2,1 6,5 1948 52,4 34,0 8,4 5,2 19521 54,7 27,2 4,4 7,8 3,4 1956 54,5 33,7 4,9 5,5 1961 62,2 31,4 6,4 1964 60,3 34,8 4,9 1969 59,6 37,2 3,2

Fußnote

1 1952: zusätzlich: BHE: 2,3 %

Landräte und Oberkreisdirektoren Landräte 1803–1806 Johann Mathias von Ascheberg 1816–1839 Johann David Paul von Schlebrügge 1839–1857 Maximilian von Korff gen. Schmising 1857–1875 Ignatz von Landsberg-Velen und Steinfurt 1875–1905 Wilhelm von Wedel 1905–1928 Otto von Westphalen zu Fürstenberg 1928–1933 Max von Stockhausen 7. April – 24. Oktober 1933 Alfred von Gescher (kommissarisch) 1933–1945 Herbert Barthel 1945–1946 Josef Schmitz 1946–1953 Wilhelm Deist 1953–1958 Theodor Wenning 1958–1969 Hubert Schulze Pellengahr 1969–1974 Ferdinand Kortmann

Oberkreisdirektoren 1946–1959 Rudolf Weskamp 1959–1973 Egbert Möcklinghoff 1973–1974 Mathias Goß

Verkehr Den Öffentlichen Personennahverkehr bediente neben der Staatsbahn hauptsächlich die Verkehrsgesellschaft für den Kreis Lüdinghausen (VGL). Deren verkehrsreichste und somit wichtigste Strecke war die Linie 3 (Olfen – Selm – Beifang – Bork – Cappenberg [manchmal Siebenpfennigsknapp] – Nordlünen – Lünen, Hbf.), die in der Hauptverkehrszeit von Selm bis Lünen mit Buszügen bedient wurde.

Kreisgliederung 1974 Amtsfreie Gemeinden Ascheberg