125px|mini|Aureus, 36 v. Chr. 125px|mini|Denar, Augustus-Ära, Zeitenwende 125px|mini|As, republikanisch, 270 v. Chr. Unter römischer Währung versteht man die Gesamtheit der im antiken römischen Reich gebräuchlichen Zahlungsmittel. Nachdem die Römische Republik während ihres Aufstiegs zur Großmacht nur sehr unregelmäßig Bronze- und später auch Silberwährung ausgegeben hatte, wurde 212/211 v. Chr. ein neues und stark ausdifferenziertes Währungssystem eingeführt, das auf dem Denar basierte und daher als „Denarsystem“ bezeichnet wird. Es hatte über Jahrhunderte hinweg Bestand und hielt sich mit einigen Modifikationen bis in die spätere Kaiserzeit, als es in der sogenannten „Reichskrise des 3. Jahrhunderts“ vor allem durch eine starke Entwertung der ausgegebenen Münzen zusammenbrach. Im späten 3. und frühen 4. Jahrhundert wurde daraufhin ein neues System von Münznominalen eingeführt, das sich zwar nicht als so stabil erwies wie das Denarsystem, aber während der Spätantike in Geltung blieb und bis in das Mittelalter hinein Einfluss hatte.

Neben diesen vom römischen Staat ausgegebenen „Reichsprägungen“ prägten auch kleinere Gebietskörperschaften eigene Münzen, hauptsächlich die Städte (Poleis) und einige Provinzen in der östlichen Reichshälfte. Diese Münzen werden in der Forschung als „Provinzialprägungen“ zusammengefasst.

Republik Vor der Einführung einer einheitlichen Währung Vor dem Beginn einer einheitlichen Währung basierte die Wirtschaft auf hauptsächlich zwei Wertformen: Vieh (lat. pecus), von denen sich der römische Name für „Geld“ (lat. pecunia) ableitet, und unregelmäßig geformten Bronzestücken, die Aes rude genannt werden. Der Wert dieser primitiven Geldstücke wurde durch Wiegen bestimmt, da zu dieser Zeit noch keine einheitlichen Münznominale existierten. Es ist bis heute unklar, ab welchem Zeitpunkt Geld geläufig war, allerdings ist es schriftlich belegt, dass seit der Belagerung von Veji im Jahre 406 v. Chr. die Soldaten der römischen Armee mit Aera rudia bezahlt wurden. Das legt nahe, dass Aes rude bereits vorher häufig verwendet wurden.

Das erste Geld der römischen Republik stammt aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Es waren gegossene rechteckige Bronzebarren, die Aes signatum genannt werden und hauptsächlich in Rom geprägt wurden. Sie sind stark verplombt und zeichnen sich durch die Inschrift ROMANOM (von den Römern) aus. Die Barren wogen unterschiedlich viel, obwohl ihr Gewicht eigentlich auf fünf römische Pfund festgelegt war. Anfangs war nur eine Seite des Barrens gestaltet, später dann beide. Die eigentliche Funktion dieser Barren wird auf unterschiedliche Arten interpretiert; die Barren waren zwar ein Zahlungsmittel, allerdings waren sie keine Münzen, da sie den Gewichtsanforderungen von fünf römischen Pfund nicht entsprachen. Die Barren verloren nach der Einführung einer einheitlichen Währung immer mehr an Bedeutung, um 250 v. Chr. wurde die Produktion eingestellt.

Die ersten Münzen mini|200px|rechts|As, um 220 v. Chr. Gemäß Pomponius, einem Konsulenten, der während des zweiten Jahrhunderts v. Chr. lebte, wurden die ersten Münzmeister im Jahr 289 v. Chr. eingestellt. Sie signierten die Münzen mit „III. VIR. AAAFF“, was die Abkürzung für tres viri aere argento auro flando feriundo ist und so viel bedeutet wie „Dreimännerkollegium für das Einschmelzen und Schlagen von Bronze, Silber und Gold.“ Laut Suda befand sich die Münzstätte Roms im Tempel der Iuno Moneta auf dem Kapitol. Zu dieser Zeit waren die Römer bereits vertraut mit dem Prägen von Münzen, da die griechischen Kolonien Metapont, Crotone und Sybaris in Italien seit etwa 500 v. Chr. Münzen prägten, Neapel seit etwa 450 v. Chr. Rom hatte im 4. Jahrhundert v. Chr. bereits einen großen Teil Mittelitaliens erobert. In den Münzstätten wurden große Mengen an Bronzemünzen geprägt, aber verhältnismäßig wenige Silbermünzen.

Ein System für Bronzemünzen wurde eingeführt, das heute unter dem Namen Aes grave bekannt ist. Sie waren aufgrund ihrer Größenunterschiede und dadurch, dass die Münzen seltener geprägt als gegossen wurden, eindeutig römisch, da sie sich von anderen Münzen, die im Mittelmeerraum zu dieser Zeit geschlagen wurden, durch ihren groben, teilweise sogar barbarischen Stil unterschieden. Das Geld war anfangs Fiatgeld und basierte auf dem handelsüblichen System. Das bedeutet, dass das As ursprünglich ein römisches Pfund (327 Gramm) wog. Das Pfund wurde dabei in 12 Unciae unterteilt. Die Uncia, also ein Zwölftel eines römischen Pfundes, war gleichzeitig ein Münznominal. Das änderte sich allerdings, nachdem das Gewicht der Aes grave um etwa 270 v. Chr. auf 10 Unciae, um 215 v. Chr., während des Zweiten Punischen Krieges auf 5 Unciae und um 211 v. Chr. auf 1–1,5 Unciae gefallen war. Zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. wog sie nur ½ Unze (13,65 g).

Zu Anfang der römischen Münzprägung waren die Aes grave nicht signiert, erst um das Jahr 210 v. Chr. traten erste Kürzel der Münzmeister auf den Nominalen auf. Als Motiv tragen alle frühen römischen Münzen auf der Rückseite einen Schiffsrumpf (Prora), was an die Eroberung der Flotte von Antium erinnern sollte, und auf der Vorderseite verschiedene Götterbilder. Bis etwa 110 v. Chr. wurden unterschiedliche Münzreihen ausgegeben. Alle Münzen einer Reihe trugen ein bestimmtes Merkmal, wie beispielsweise eine Kornähre oder die Signatur eines Münzmeisters. Häufig beinhaltete eine Reihe den Denar als größtes Münznominal, dann kam das As, der Semis, der Triens, der Quadrans, der Sextans, die Uncia und gelegentlich auch die Semuncia. Zu Ende der Republik hin wurden diese Reihen allerdings kaum noch ausgeprägt, die Prägung der kleineren Nominale wie Sextans und Uncia wurde eingestellt.

Hier folgt eine Auflistung der römischen Münztypen, beginnend mit dem größten Wert:

+ Bezeichnung der Bronzemünzen nach Crawford (1974) Münze Wertzeichen FrühestesExemplar Datum(v. Chr.) Wert(in Assen) Wert(in Unciae) Decussis X Cr. 41/1 215–212 10 120 Quincussis V Cr. 41/2 215–212 5 60 Tressis III Cr. 41/3 215–212 3 36 Dupondius II Cr. 41/4 215–212 2 24 As I Cr. 14/1 280–276 1 12 Dextans S**** Cr. 97/23 211–208 5/6 10 Dodrans S*** Cr. 266/2 126 3/4 9 Bes S** Cr. 266/3 126 2/3 8 Semis S Cr. 14/2 280–276 1/2 6 Quincunx ***** Cr. 97/11 211–208 5/12 5 Triens **** Cr. 14/3 280–276 1/3 4 Quadrans *** Cr. 14/4 280–276 1/4 3 Sextans ** Cr. 14/5 280–276 1/6 2 Uncia * Cr. 14/6 280–276 1/12 1 Semuncia Σ Cr. 14/7 280–276 1/24 1/2 Quartuncia Cr. 38/8 217–215 1/48 1/4

Münzprägungen im griechischen Stil Bronzemünzen im griechischen Stil wurde bereits um das Jahr 300 v. Chr. mit der Inschrift PΩMAIΩN in geringer Anzahl ausgeprägt. Nur noch wenige dieser Stücke existieren heutzutage. Es wird vermutet, dass sie im Auftrag von Rom in Neapel geprägt wurden; sie basieren auf demselben Stil wie die neaplische Währung. Die Münzen förderten den Handel zum Baubeginn der Via Appia im Jahre 312 v. Chr. Jahrzehnte später wurde für den gleichen Zweck eine kleine Bronzemünze, die Litra, nun mit der Aufschrift ROMANO, außerhalb des eigentlichen Münzsystems geprägt.Rainer Albert, Die Münzen der Römischen Republik, Battenberg Verlag, Regenstauf 2003, Nr. 29 mini|Litra um das Jahr 270/269 v. Chr. mit Minervakopf mini|Litrarevers mit Pferdekopf, dahinter ROMANO

mini|Erste römische Silbermünze, 281 v. Chr.

281 v. Chr. begann Rom einen Krieg gegen Tarent; die Tarentiner nahmen die Unterstützung von Pyrrhos I. in Anspruch. In diesem Zusammenhang ließ Rom die erste Silbermünze prägen, die dem Wert einer römischen Didrachme entsprach. Auf dem Avers dieser Münze ist ein nach links blickender, bärtiger Marskopf zu sehen, der einen korinthischen Helm trägt. Auf dem Revers ist ein nach rechts blickender Kopf eines Pferdes mit der Inschrift ROMANO abgebildet, dahinter eine Kornähre.

Diese Münze wurde in Magna Graecia und Kampanien geprägt, wo sie auch größtenteils verwendet wurde. Diese Prägung war offensichtlich Teil eines Vorwärtstrends; die Bezahlung der römischen Truppen und ihrer Verbündeten im Pyrrhischen Krieg scheint ausschlaggebend für die Verteilung griechischer Münzen in den Regionen südlich des Apennin in Italien gewesen zu sein. Heutzutage wird vermutet, dass diese Münze in Neapel geprägt wurde, da sie dem damals dort vorherrschendem Standard von 7,3 g entsprach. In Metapont, Tarent und anderen südlichen Städten in Italien entsprach der Standard 7,9 g, sank allerdings während des Pyrrhischen Krieges auf 6,6 g. Früher nahm man an, das Metapont der Prägeort dieses Typs war, da die Kornähre auf Münzen aus Metapont sehr häufig auftritt. Ein weiteres Zeichen war der Marskopf, der dem Kopf des Leukippus ähnelt, der auf einem Münztyp abgebildet ist, der zu einem früheren Zeitpunkt in Metapont geprägt worden war.

mini|Erste römische Didrachme Während der nächsten Jahre wurden weitere Silbermünzen herausgegeben. Nicht nur die Motive auf den Münzen waren aus der griechischen Münzprägung entnommen, sondern auch die Nominale. Die ersten Silbermünzen hießen Drachme oder Didrachme. Die erste römische Silbermünze, von der angenommen wird, dass sie in Rom geprägt wurde, wurde um 269 v. Chr. geschlagen. Man datiert diese Münze auf dieses Jahr, da die Embleme auf der Prägung denen der Konsuln dieses Jahres entsprechen: Quintus Ogulnius Gallus und sein Bruder Cnaeus Ogulnius Pictor. Diese betrieben als Ädilen Geldverleih; ein Teil der Erträge wurden für die Errichtung einer Statue der an der Wölfin saugenden Zwillinge Romulus und Remus nahe dem Ficus Ruminalis verwendet. Auf dem Avers der Münze ist der nach rechts blickende Kopf des Herkules zu sehen, auf dem Revers die Zwillinge Romulus und Remus, die von der Wölfin gesäugt werden. Herkules, der mit Löwenfell und Keule abgebildet ist, war der göttliche Schutzpatron der Fabier. Einige Historiker vermuten, dass der Wert dieser Didrachme zehn Asse betrug, ebenso wie der Denar, der gut fünfzig Jahre später eingeführt werden sollte. Diese Vermutung basiert auf der Annahme des Plinius im 1. Jahrhundert n. Chr., der behauptet, dass der Denar bereits im Jahr 269 v. Chr. eingeführt wurde. Die meisten Historiker vermuten allerdings, dass es sich bei dieser Münze um eine Didrachme und nicht um einen Denar handelt.

Römische Münzen wurden bis zur Einführung des Quadrigatus nur in geringen Mengen geprägt. Der Quadrigatus wurde seit etwa 235 v. Chr. in recht hoher Auflage hergestellt. Der Name dieses Münznominals leitet sich durch den Revers ab, auf dem die Göttin Victoria in einer Quadriga fahrend zu sehen ist. Dieses Münznominal wurde zwei Jahrzehnte über geprägt, der Silbergehalt der Münze wurde während des Zweiten Punischen Krieges um 30 Prozent herabgesetzt.

Das Denarsystem mini|Sesterz, 211 v. Chr.