Der Phantastische Realismus bezeichnet eine aus dem Surrealismus Hans Bellmers und Salvador Dalís entwickelte und auch vom Magischen Realismus beeinflusste Stilrichtung der Malerei. Sie entstand nach dem Zweiten Weltkrieg besonders in den deutschsprachigen Ländern sowie den Niederlanden, wo deren Vertreter häufig noch traumatisch von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs geprägt waren. Kennzeichnend ist die „subtile Ausarbeitung manieristisch wirkender, grotesk-figürlicher Motive, deren phantastische Bildsprache auch oft erotische Tendenzen aufweist“; die Motive werden häufig dem Alten Testament, der Apokalypse sowie der Mythologie und Träumen entlehnt.https://www.kettererkunst.de/lexikon/phantastischer-realismus.php

Damit unterscheidet sich der Phantastische insbesondere gegenüber dem als Strömung der Neuen Sachlichkeit geltenden Magischen Realismus. Dieser arbeitet in aller Regel mit der Wirklichkeit entnommenen Gegenständen, bei denen etwa durch Verfremdung von Perspektive und Proportionen, von Farbgebung und Beleuchtung eine „Beschwörung der Dinge in ihrer Vereinzelung im Raum“ stattfindet und eine neue, über das reale Geschehen hinausgehende Bildaussage entsteht. Der Hauptunterschied zum Surrealismus wird dagegen darin gesehen, dass die Surrealisten mit einer Art Automatismus einen rein intuitiven Zugang zur Kunst propagierten, während der Phantastische Realismus auf einen zielgerichteten und durchdachten Schöpfungsakt setzehttps://www.kettererkunst.de/lexikon/wiener-schule-des-phantastischen-realismus.php.

Wiener Schule

Große Bedeutung genießt insofern die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ihre Vertreter malten manieristisch mythische, kosmische, biblische und apokalyptisch-visionäre Bildsujets.Karin Thomas: DuMont’s kleines Sachwörterbuch zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Von Anti-Kunst bis Zero. DuMont Buchverlag, Köln 1977, S. 187. Typisch für sie ist somit Feinmalerei in einem psychologisierenden Stil, der auch surrealistische Elemente aufnahm. Die Werke waren weder rein abstrakt noch starr realistisch.

Zur Wiener Schule werden folgende Künstler gerechnethttps://www.kettererkunst.de/lexikon/wiener-schule-des-phantastischen-realismus.php:

Kerngruppe: Arik Brauer, Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden Weiterer Kreis: Fritz Aigner, Herbert Benedikt, Emmy Cero-Friedl, Robert Ederer, Helmut Heuberger, Peter Klitsch, Anton Krejcar, Helmut Leherb, Franz Luby, Richard Matouschek, Karlheinz Pilcz, Kurt Regschek, Ludwig Schwarzer, Gerhard Swoboda, Elsa Olivia Urbach „Zweite Generation“: Franz Bayer, Josef Bramer, Michael Coudenhove-Kalergi, Manfred Ebster, Roman Haller, Ernst Handl, Axel Litschke, Peter Proksch, Norbert Steffek

Enge Beziehung der Wiener Schule bestehen auch zu Friedensreich Hundertwasser.

Metarealisten

Als „Metarealisten“ wurde eine Gruppe von sieben niederländischen Malern um Johfra Bosschart bezeichnet. Den Begriff prägte Hein Steehouwer, der langjährige Feuilletonchef des Haarlems Dagblad in seinem Werk Sieben Metarealisten von 1974. Hiernach handelt es sich um Künstler, die in ihrem Schaffen eine Ebene jenseits oder oberhalb der empirisch fassbaren Wirklichkeit abbilden. Neben Johfra selbst rechnete er zu dem Kreis dessen beiden Ehefrauen Diana Vandenberg und Ellen Lòrien sowie Victor Linford, Frans Erkelens, Johan Hermsen und zeitweise Han Koning. Nach Steehouwers Tod kam der Begriff „Metarealismus“ außer Gebrauch und wurde durch Phantastischer Realismus ersetzthttps://www.bosschaerts.be/genealogy/histories/07en_schilders-9_bosschart-johfra.php.

Zum Metarealismus rechnet sich selbst auch der russische Künstler Viktor Bregeda.

Weitere Vertreter Weitere Vertreter des Phantastischen Realismus sind u. a. Peter Ackermann, Zorica Nikolic Aigner, Lorenzo Alessandri, Angerer der Ältere, Hans Bellmerhttps://inlibris.com/de/authors/hans-bellmer/, Alexej Archipowitsch Borutscheff, Gisela Breitling, Uwe Bremer, Peter Collien, Otfried H. Culmann, Herbert Duttlerhttps://www.kunsthaus-hassloch.de/Kuenstler_Duttler.html, Edgar Ende, Michael Engelhardthttps://www.kunstkulturquartier.de/kultur-information/service/museumszeitung/artikelanzeige?tx_museum_mz%5Baction%5D=show&tx_museum_mz%5Barticles%5D=1294&tx_museum_mz%5Bcontroller%5D=Articles&cHash=7778bcef1e5dbd66b966bffaf3914578, HR Giger, Wolfgang Grässe, Otto S. Grewe, Johann-Dietrich Griemsmann, Fabius von Gugel, Joe Hackbarth, Thomas Häfner, Friedrich Hechelmann, Horst Janssenhttps://www.singulart.com/de/sammlung/inspiriert-von-horst-janssen-1259, Lutz R. Ketscher, Olga Knoblach-Wolff, Frank Kortan, Michael Maschka, Rainer Lukas Motz, Jo Niklaus, Bernhard Rebmann, Carl-W. Röhrig, Johanna Schoenfelderhttps://www.art-in-berlin.de/incbmeld.php?id=3408, Wojtek Siudmak, Bruno Weber, Andreas Weische, A. Wiard Wiards, Carel Willink, Gerhard Wind, Wolfsmehl, Paul Wunderlichhttps://www.kunstmarkt.com/pageswis/kunst/_id7233-/stilrichtung_bericht.html?_q=%20 und Mac Zimmermann.

Siehe auch Magischer Realismus Metarealismus

Literatur Wieland Schmied: 200 Jahre Phantastische Malerei. Rembrandt Verlag, Berlin 1973, ISBN 3-7925-0067-1 Karin Thomas: DuMont’s kleines Sachwörterbuch zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Von Anti-Kunst bis Zero. DuMont Buchverlag, Köln 1977, ISBN 3-7701-0622-9. Jörg Kriechbaum und Rein A. Zondergeld: Lexikon der Phantastischen Malerei. DuMont Buchverlag, Köln 1977, ISBN 3-7701-0908-2. Gerhard Habarta: Lexikon der Phantastischen Künstler, Band 1 und 2, Verlag Books on Demand, 2010 und 2013, ISBN 978-3-8370-8427-6 und ISBN 978-3-8482-6307-3

Weblinks Phantastischer Realismus. Ausstellung im unteren Belvedere in Wien. 2008.

Einzelnachweise

Kategorie:Stilrichtung in der Malerei