mini|300px|Panorama Schloss Neuhardenberg
Neuhardenberg (bis 1814 Quilitz, 1949–1990 Marxwalde) ist eine amtsangehörige Gemeinde im Bundesland Brandenburg im Landkreis Märkisch-Oderland. Sie wird vom Amt Seelow-Land verwaltet. Bis 2021 war sie Sitz des Amtes Neuhardenberg, das dann aufgelöst wurde.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Neuhardenberg umfasst laut ihrer Hauptsatzung neben dem Hauptort Neuhardenberg die folgenden Ortsteile: Altfriedland bestehend aus den bewohnten Gemeindeteilen Altfriedland, Gottesgabe, Karlsdorf und Neufriedland Quappendorf bestehend aus den bewohnten Gemeindeteilen Quappendorf und Neufeld Wulkow bestehend aus dem bewohnten Gemeindeteil Wulkow
Zu Neuhardenberg gehört auch der Gemeindeteil Bärwinkel.
Hinzu kommen die Wohnplätze Koppel, Lupinenhof und Schlaanhof.
Geschichte Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1348 als Quilicz (später auch Quilitz). Dieser Name slawischer (altpolabischer) Herkunft ist erkennbar viel älter und kann auf die Anfänge der slawischen Besiedlung dieser Region im 7./8. Jahrhundert zurückgehen. Der Name bedeutet „Ort, an dem Leute eines Mannes namens Kwila wohnen“ bzw. „Kwila-Heim“. Der Personenname Kwila wiederum bedeutet „Greiner, Jammerer“, vgl. protoslawisch *kviliti „weinen, klagen“.
Um 1480 befanden sich in Quilitz mindestens drei Rittergüter. Überliefert sind die Namen von Pfuel, von Schapelow und von Beerfelde.
Weitere Entwicklung bis 1811 1681 kaufte Kurfürstin Dorothea von Brandenburg, die zweite Ehefrau von Kurfürst Friedrich Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, die im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Rittergüter für ihre Nachkommen. Nachdem sich Quilitz im Besitz ihres ältesten Sohnes, des Markgrafen Albrecht Friedrich von Brandenburg-Schwedt, befunden hatte, fiel Quilitz 1762 mit dem Tod von dessen Sohn, dem Markgrafen Karl Albrecht von Brandenburg-Schwedt, der ohne erbberechtigten Sohn verstarb, an die preußische Krone zurück. 1763 wurde Quilitz als Dotation von König Friedrich II. von Preußen an seinen Retter in der Schlacht von Kunersdorf (1759), den Rittmeister der Zietenschen Husaren und späteren General der Kavallerie Joachim Bernhard von Prittwitz vergeben. Ein Großbrand zerstörte am 9. Juni 1801 mehr als den halben Ort, der deswegen nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel neu angelegt wurde.
Aus Quilitz wird Neuhardenberg Zehn Jahre später, am 26. Oktober 1811, verkaufte Friedrich Wilhelm Bernhard von Prittwitz, Sohn des Generals von Prittwitz, Quilitz für 303.715 Reichstaler an die preußische Krone und erwarb Güter in Schlesien. Drei Jahre danach erfolgte erneut eine königliche Dotation des Ortes. Diesmal gingen die Güter Quilitz und Alt-Rosental sowie die Komturei Lietzen an Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg (1750–1822), der dann Quilitz in Neu-Hardenberg umbenennen ließ.
Neuhardenberg im 20. Jahrhundert mit zeitweiliger Umbenennung In der Zeit des Nationalsozialismus trafen sich im Schloss Neuhardenberg wiederholt Mitglieder des deutschen Widerstands gegen Hitler. Nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verhaftete wenige Tage später die Gestapo in Neuhardenberg den Gutsherrn Carl-Hans Graf von Hardenberg, der sich der Verhaftung durch Selbstmord in der Bibliothek des Schlosses zunächst zu entziehen versuchte, was ihm jedoch nicht gelang. Von Hardenberg wurde in das KZ Sachsenhausen gebracht, wo er den Krieg überlebte. Hardenberg wurde noch von den Nationalsozialisten aufgrund seiner Mitgliedschaft im deutschen Widerstand enteignet. Nach der Bodenreform, die seine Enteignung bestätigte, übersiedelte er zu Verwandten nach Niedersachsen und zählte dort zu den Mitgründern des Hilfswerks 20. Juli 1944.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort am 1. Mai 1949 auf Beschluss der Gemeindevertretung vom 19. Februar 1949 zu Ehren von Karl Marx in Marxwalde umbenannt.Jeanette Bederke: Am Rande des Oderbruchs: In Neuhardenberg nicht vergessen. In: Schweriner Volkszeitung, 17. April 2018.
Im Jahr 1952 wurde die Marxwalder LPG gegründet und 1954/55 erfolgte die Umgestaltung zum sozialistischen Musterdorf. Die NVA zog 1957 mit einer Garnison und dem Transportfliegergeschwader 44 am Ortsrand ein. Seit 1960 war das Jagdfliegergeschwader 8 der LSK/LV auf dem Flugplatz stationiert.
Nur 18 Kilometer entfernt liegt der Ort Marxdorf, dessen Name jedoch einen anderen Ursprung hat (erstmals 1244 als Marquardestorp erwähnt).
Rückbenennung in Neuhardenberg und Restaurierung des Schlosses Nach der politischen Wende 1989/90 wurde der Ort am 1. Januar 1991 in Neuhardenberg (ohne Bindestrich) rückbenannt. Die damalige Gemeindevertretung unter Bürgermeister Burkhard Lier stimmte für diese erneute Umbenennung, weil „es vor allem um die Beseitigung alten Unrechts“ ging.Rainer Stephan: Es geht nicht nur um einen neuen Namen. Marxwalde vor großen wirtschaftlichen Problemen / Tourismus soll als ein Ausweg herhalten. In: Berliner Zeitung vom 4./5. August 1990, Seite 14
Im Jahr 1996, nach der Rückübertragung des Schlosses Neuhardenberg an die Familie von Hardenberg, veräußerte diese es an den Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Ein Jahr später begann die Restaurierung des Schlosses und des gesamten Areals. Der Schlosspark wurde neu gestaltet und das Denkmal für Friedrich II. restauriert. Am 8. Mai 2002 erfolgte die feierliche Einweihung in Anwesenheit des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau. Seitdem wird es als Hotel gehobenen Standards und Veranstaltungsstätte betrieben. So diente das Schloss in den Jahren 2003, 2004 und 2026 als Ort für Klausurtagungen der Bundesregierung.
Verwaltungsgeschichte und Eingemeindungen mini|hochkant|Kirche des ehemaligen Klosters Friedland in Altfriedland
Neuhardenberg gehörte seit 1817 zum Kreis Lebus in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Seelow im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Märkisch-Oderland.
In die Gemeinde Neuhardenberg wurden per Gesetz am 1. Mai 1998 die Gemeinden Altfriedland und WulkowStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998 und am 26. Oktober 2003 die Gemeinde QuappendorfStBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 eingegliedert.
Obwohl die Klage von Quappendorf gegen die Zwangseingemeindung vom Landesverfassungsgericht Brandenburg abgewiesen wurde, beschloss die ehemalige Gemeinde (mit Unterstützung aller Gemeinden und deren Ortsteile des Amtes Neuhardenberg), dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen,Ein Dorf leistet Widerstand, Märkische Allgemeine, 24. Juni 2006, S. 5 blieb aber letztlich erneut erfolglos, da die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen wurde.
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 1 623 1890 1 481 1910 1 274 1925 1 293 1933 1 237 1939 1 182 Jahr Einwohner 1946 1 423 1950 1 573 1964 1 925 1971 2 684 1981 3 305 1985 3 720 Jahr Einwohner 1990 3 710 1995 3 363 2000 3 073 2005 2 924 2010 2 672 2015 2 715 Jahr Einwohner 2020 2 812 2021 2 794 2022 2 589 2023 2 610 2024 2 504 2025 2 550
Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Märkisch-Oderland. S. 26–29Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022
Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Neuhardenberg besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 16 Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,3 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Gemeinsam für Neuhardenberg – – 32,8 % 5 Die Linke 38,8 % 6 25,1 % 4 AfD – – 22,9 % 3 Einzelbewerber Dieter Arndt 17,5 % 1 10,1 % 1 Einzelbewerber Bastian Hölscher – – 3,0 % 1 FDP – – 2,0 % – Bündnis 90/Die Grünen 2,8 % – 1,8 % – dieBasis – – 1,4 % – Die Heimat (bis 2023 NPD) 3,5 % 1 0,9 % – Aktiv für Neuhardenberg 32,3 % 5 – – SPD 5,1 % 1 – – Insgesamt 100 % 14 100 % 14
2024 trat die Linke in einer Listenvereinigung mit der Offenen Liste an.
Bei der Wahl 2019 entsprach der Stimmenanteil des Einzelbewerbers Dieter Arndt drei Sitzen. Daher blieben nach § 48 (6) des Brandenburgischen KommunalwahlgesetzesBrandenburgisches Kommunalwahlgesetz § 48 zwei Sitze in der Gemeindevertretung unbesetzt.
Bei der Wahl 2024 entfielen auf Dieter Arndt zwei Sitze, sodass wiederum ein Sitz nicht besetzt wird. Auf die AfD entfielen vier Sitze, von denen einer unbesetzt bleibt, weil die Partei nur drei Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 1990–1993: Burkhard Lier 1994–2002: Albert Lipfert (SPD) 2002–2004: Michael Kernchen (PDS) 2004–2014: Mario EskaKommunalwahlen 26. Oktober 2003. Bürgermeisterwahlen, S. 26 2014–2019: Detlef KorbanekErgebnis der Bürgermeisterstichwahl am 15. Juni 2014 2019–2024: Mario Eska (Die Linke) seit 2024: Denny Rüdiger (Gemeinsam für Neuhardenberg)
Rüdiger wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 30. Juni 2024 gegen den Amtsinhaber Eska mit 62,4 % der gültigen Stimmen zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 30 Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
Wappen
Flagge „Die Flagge ist Rot - Gelb - Rot (1:2:1) gestreift und mittig mit dem Gemeindewappen belegt.“Flaggenangaben aus der Hauptsatzung der Gemeinde
Partnergemeinde Partnergemeinde ist seit 1990 die niederrheinische Stadt Hamminkeln.
Bauwerke mini|Schloss Neuhardenberg
Die Liste der Baudenkmale in Neuhardenberg enthalten alle eingetragenen Baudenkmale des Landes Brandenburg für diesen Ort. Neuhardenberg ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Historische Dorfkerne im Land Brandenburg“.
Schloss Ein weithin bekanntes Gebäude ist das Schloss Neuhardenberg. 1785–1790 ließ Joachim Bernhard von Prittwitz anstelle des markgräflichen Amtshauses ein Schloss erbauen, eine eingeschossige Dreiflügelanlage mit einem hohen Mansarddach. 1820–1822 ließ Fürst Karl August von Hardenberg das Schloss durch Schinkel zu einem zweigeschossigen, klassizistischen Landschloss umbauen; aus dem Mansarddach wurde ein Obergeschoss und eine steinerne Balustrade umgab das Dach, der Mittelrisalit wurde durch zwei Adler, die das Hardenbergsche Familienwappen flankieren, gekrönt. 1852 wurde die Dachbalustrade wieder entfernt, da die Dachentwässerung nicht funktionierte und der Mittelrisalit erhielt einen Dreiecksgiebel. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges diente das Schloss bis 1975 als Schule. In den 1980er Jahren diente es als Bezirks-Kulturakademie, also eine Weiterbildungseinrichtung des Kulturbundes.
Schinkel-Kirche mini|Schinkel-Kirche
Neuhardenberg erhielt 1802–1809 unter Einbeziehung der Reste der ausgebrannten barocken Dorfkirche nach einem Plan von Karl Friedrich Schinkel ein Gotteshaus im klassizistischen Stil. Die Kirche ist als Schinkel-Kirche Neuhardenberg bekannt. Der Wriezener Baumeister Neubarth führte die Arbeiten einst aus. Nachdem der Staatskanzler Karl August von Hardenberg 1814 das damalige Quilitz als Schenkung erhalten hatte, wurde Schinkel auch mit der Neugestaltung des Kircheninnenraums beauftragt. Die Einweihung der neuen Innenausstattung erfolgte 1817 anlässlich des 300. Reformationsjubiläums. Schinkel entwarf auch den Taufstein, den Theodor Kalide mit Figuren und Reliefs in Eisenguss ausführte.