Odessa (, , oder , englisch Odesa oder (veraltet) Odessa) ist eine Millionenstadt am Schwarzen Meer und das administrative Zentrum der Oblast Odessa in der Ukraine. Die Stadt mit knapp über einer Million Einwohnern (Stand 2022) ist die bedeutendste Hafenstadt des Landes. Das historische Zentrum von Odessa wurde 2023 in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen (Status: gefährdet). mini|Odessa in den Morgenstunden
Geographie
Lage Odessa liegt im Schwarzmeertiefland in der Südukraine, das sich als Teil der größeren Osteuropäischen Ebene in Richtung Süden immer mehr dem Meer neigt. Die Hafenstadt liegt an der nordwestlichen Küste des Schwarzen Meeres, am südwestlichen Ufer der großen Bucht von Odessa, etwa 40 km nördlich der Dnister-Mündung. Sie liegt 180 km nordwestlich der Halbinsel Krim und ca. 440 km südlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Die Staatsgrenze zwischen der Ukraine und der Republik Moldau verläuft nur etwa 40 km westlich der Stadt.
Die Stadt liegt auf einer mehrfach von tiefen Wasserrinnen (Balki) durchfurchten Hochfläche, die an der Küste im Bereich der Stadt und südlich von ihr etwa 30 Meter tief steil zum Meer hin abfällt. Von der Stadt aus kann der Hafen über Treppen erreicht werden.
Stadtgliederung Am 12. Juni 2020 wurde die Stadt zum Zentrum der neugegründeten Stadtgemeinde Odessa (Одеська міська громада, Odeska miska hromada)Кабінет Міністрів України Розпорядження від 12 червня 2020 р. № 720-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Одеської області", bis dahin bildete sie die gleichnamige Stadtratsgemeinde Odessa (Одеська міська рада/Odeska miska rada) und war direkt unter Oblastverwaltung gestellt.
Seit dem 17. Juli 2020 ist sie ein Teil des Rajons Odessa und wurde gleichzeitig dessen HauptstadtВерховна Рада України; Постанова від 17.07.2020 № 807-IX "Про утворення та ліквідацію районів".
Administrativ gliedert sich Odessa in folgende vier Stadtteile („Stadtrajone“): Rajon Kyjiwskyj, Rajon Khadjibeyskyj, Rajon Prymorskyj, Rajon Peresypskyj.Картка постанови. In: w1.c1.rada.gov.ua. Офіційний портал Верховної Ради України, abgerufen am 24. Oktober 2018. Jeder Rajon hat seine eigene Verwaltung, die dem Odessaer Stadtrat untersteht. Im Rajon Kyjiwskyj befindet sich der 1805 von deutschen Siedlern gegründete Badeort Ljustdorf ().
Die Bevölkerung verwendet jedoch auch informelle historische Namen, um die Orte in der Stadt zu beschreiben, wie z. B. Arkadia, Moldovanka, Slobidka, Velykyj Fontan, Peresyp usw.
Klima In Odessa herrscht ein humides mediterranes Klima (nach Köppen und Geiger Cfa). Die Wassertemperatur liegt im Jahresdurchschnitt zwischen 13 und 14 °C, zwischen Januar und März bei 6 °C und im August bei 24 °C.
Geschichte Etymologie Der Ursprung des Namens Odessa ist nicht eindeutig geklärt. Eine populäre Legende besagt, er sei von der antiken griechischen Stadt Odessos (heute Warna) abgeleitet – möglicherweise aufgrund einer Verwechslung, da Warna zwar ebenfalls am Schwarzen Meer, allerdings in Bulgarien liegt. Einer anderen Erklärung zufolge stammt der Name von der türkischen Bezeichnung Jedisan für die Region ab, die „sieben Flaggen“ oder „sieben Titel“ bedeutet und auf die Jedisan-Sippe der Nogaier-Horde zurückgeht, die wiederum aus sieben Untergruppen bestand.
Vorgeschichte mini|Pantikapeon und andere griechischen Kolonien an der Nordküste des Schwarzen Meeres In der Antike lebten in dem Gebiet verschiedene Steppenvölker wie die Skythen und Sarmaten sowie der thrakische Stamm der Tyrageten. Griechische Siedler gründeten die antike Stadt Borysthenes. Im ersten Jahrhundert vor Christus gelangte es unter dakische Herrschaft. Im Frühmittelalter war das Gebiet von ostslawischen Stämmen (Tiwerzen und Duleben) bewohnt, die mit der Zeit von türkischen Nomadenvölkern wie den Petschenegen und Kumanen verdrängt wurden.
Hacıbey mini|Odessa (1854) Die durch den Khan der Krim Hacı gegründete Siedlung Hacıbey (Hadschi Bej, Khadzhibei) wurde erstmals 1415 erwähnt, als der Hafen der Siedlung, aus dem Getreide exportiert wurde, bereits relativ groß war. Auf dem Siedlungsgelände lag eine große Burg, deren Überreste bis Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten blieben.Entstehung und Entwicklung der Stadt Odessa in der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR; abgerufen im Jahr 2019 (ukrainisch). Khan Hacı trat das Gebiet an das Großfürstentum Litauen ab und 1562 ging es an das Osmanische Reich.
Um 1764 wurde nahe Hacıbey die Festung „Yeni Dünya“ („Jeni-Dünja“, zu deutsch „Neue Welt“), errichtet. Am 14. September 1789 wurde diese von russischen Truppen unter dem Befehl des katalanisch-neapolitanischen Generalmajors in kaiserlich russischen Diensten José de Ribas (1749–1800) im Russisch-Türkischen Krieg von 1787 bis 1792 in kurzer Zeit eingenommen.Vier Legenden zum Namen von Odessa
Als Teil des Russischen Reiches mini|Hafen von Odessa um 1850, links Potemkinsche Treppe mini|Odessa 1892
1792 ging das Gebiet östlich des Dnister mit dem Frieden von Jassy an das Russische Kaiserreich. Am 7. Juni (27. Mai) 1794 unterzeichnete die russische Kaiserin Katharina II. ein Reskript zur Errichtung eines Militärhafens und einer Handelsanlegestelle in Khadzhibei. Der Zweck des neuen Hafens am Schwarzen Meer war der Ausbau der Handelsbeziehungen mit Europa. Das Projekt zur Entwicklung der Stadt wurde dem niederländischen Militäringenieur François de Wollant anvertraut. Der Bau der Hafenanlagen und der Hauptkathedrale begann am 2. September (22. August) 1794 unter der Leitung von José de Ribas. Dieser Tag wird in Odessa noch heute als Tag der Stadt gefeiert.
Der neue Name von Khadzhibei, Odessa, erschien erstmals in einem Dokument vom 21. (10.) Januar 1795. Die neue Stadt wurde ein großer Erfolg. 1803 übernahm Herzog Armand du Plessis die Leitung der Stadt. Ihm verdankt die Stadt viel, die Anlagen und die Infrastruktur, auf ihn gehen die langen unterirdischen Gänge, die Katakomben, zurück.
Auch seinem Nachfolger, Graf Alexandre Andrault de Langeron verdankt Odessa viel, so gründete er 1817 das Lyceum Richelieu (später dann Kaiserliche Neurussland-Universität) und erklärte Odessa zu einem Freihafen.
Zwischen 1803 und 1818 bestand das Fürsorgekontor Neurussland als Kanzlei für die Neurussland-Siedler im Gebiet von Odessa. Sie war 1818 für etwa 15.500 nichtrussische Siedler zuständig. Dazu gehörten die nordwestlich gelegenen Siedlungen der Schwarzmeerdeutschen mit den vier Distrikten: Liebenthal, Beresan, Kutschurgan und Glücksthal und verschiedene einzelne deutsche Dörfer, sowie die bulgarischen und griechischen Distrikte: Ternowka, Bujalik und Parkani. Zusätzlich wurden vier schwedische, neun jüdische und das serbische Dorf Zetin verwaltet. Nach 1818 wurde die Kanzlei zu einer regionalen Niederlassung des Fürsorgekomitees für ausländische Siedler in Cherson. Sie wurde 1833 geschlossen.
Ihren Aufschwung als moderne Hafenstadt nahm Odessa nach 1823 unter dem Generalgouverneur von Neurussland und Bessarabien, Graf Michail Semjonowitsch Woronzow. Er machte die Stadt zu seinem Verwaltungssitz, engagierte westeuropäische Ingenieure und Ärzte und organisierte viele städtebauliche Projekte. Er gründete ein Theater, eine öffentliche Bibliothek, ein Lyzeum, ein Institut für orientalische Sprachen, verschiedene wissenschaftliche Gesellschaften und protegierte englische und französische Lokalzeitungen. Zwischen 1823 und 1849 verdoppelte sich die Bevölkerung Odessas.Einen zahlenorientierten zeitgenössischen Überblick über die Stadt zu dieser Zeit gibt A. A. Skalkowskji: Odessa im Jahre 1846. In: Archiv für wissenschaftliche Kunde von Russland. 6 (1848), S. 595–612.
1856 wurde die Stadt Hauptsitz der Russischen Gesellschaft für Dampfschifffahrt und Handel (russisch: Русское Oбщество Пароходства и Торговли), einer börsennotierten SchifffahrtsgesellschaftDas in der Straße der Revolution 42 belegene Odessaer Gebäude ist auf der Webseite Architekturportal der Krim (russ.) abgebildet., deren Aktien an der St. Petersburger Börse gehandelt wurden.
Der russische Dichter Alexander Puschkin lobte in der Erzählung Eugen Onegin die Freiheit und Ungezwungenheit in der Stadt.
Von 1867 bis 1878 war Nikolai Alexandrowitsch Nowosselski Stadthaupt Odessas, der von einer konzessionierten britischen Gesellschaft die Wasserleitung und Kanalisation anlegen ließ. Von 1878 bis 1895 stand Grigori Marasli an der Spitze der Stadt. Er war der Sohn eines in Odessa zu Wohlstand gekommenen griechischen Getreidehändlers und Förderers des in Odessa 1814 gegründeten griechischen Geheimbundes Filiki Eteria. Marasli finanzierte mit Teilen seines ererbten Vermögens eine Vielzahl von öffentlichen Bauten in Odessa. Das Schulwesen wurde durch Maraslis Vertreter und Nachfolger Walerian Nikolajewitsch Ligin wesentlich verbessert.
Russische Revolution 1905 Auf dem russischen Linienschiff Fürst Potjomkin von Tauris (rus. Knjas Potjomkin Tawritscheski) der Schwarzmeerflotte kam es am 27. Juni 1905 zur Meuterei. Das von den Meuterern übernommene Schiff lief in den Hafen von Odessa ein, aber die Matrosen unterstützten nicht einen zu dieser Zeit stattfindenden Generalstreik in der Stadt, der Teil der Russischen Revolution von 1905 war. Das Ereignis war Grundlage für den Film Panzerkreuzer Potemkin.
Ukrainische Volksrepublik Die Ukrainische Volksrepublik wurde im Verlauf des Russischen Bürgerkriegs gegründet. Odessa wurde von Januar bis März 1918 von der sowjetischen Rumtscherod regiert.
Durch den Friedensvertrag von Brest-Litowsk vom 3. März 1918 wurde die Volksrepublik, einschließlich der Stadt Odessa, offiziell unabhängig. Truppen des Deutschen Kaiserreichs besetzten während der Operation Faustschlag Teile der Ukraine.
Russischer Bürgerkrieg 1918–1919 mini|Odessa Anfang des 20. Jahrhunderts Von März bis Dezember 1918 hielten sich Truppen der Mittelmächte in der Ukrainischen Volksrepublik auf. Der südliche Teil des Landes und damit Odessa wurde von den Österreichern bis zum Ende von Österreich-Ungarn kontrolliert. Die Verantwortlichen waren erst Eduard von Böhm-Ermolli und danach Alfred Krauß. Gouverneur von Odessa war Eduard von Böltz.
Nach deren Rückzug (Deutschland hatte am 11. November 1918 einen Waffenstillstand mit Großbritannien und Frankreich geschlossen; Österreich-Ungarn war zerfallen) eroberte die Entente Odessa. Das Ziel war unter anderem die Unterstützung von Anton Iwanowitsch Denikin, General der Weißen Armee. Französische, griechische und einige wenige polnische, rumänische und freiwillige russische Truppen landeten in Odessa an und blieben dort vom 18. Dezember 1918 bis zum 8. April 1919. General Borius war Militärgouverneur von Odessa. Nach einer schweren Niederlage der Alliierten in Cherson zogen sich die Franzosen zurück.Mark Plant: (PDF; 100 kB; englisch). Grund war ein drohender Hungeraufstand in der Stadt. Im Frühling 1919 kam es auf den französischen Kriegsschiffen France und Jean Bart im Schwarzen Meer unter der Führung von André Marty zum Aufstand in der französischen Schwarzmeerflotte.
Danach übernahm Denikin die Stadt, und die griechische Bevölkerung Odessas wurde mit Schiffen evakuiert. General Lucjan Żeligowski führte seine polnische Division, die im Gebiet um den Fluss Kuban operierte, ebenfalls aus Russland via Odessa heraus.
Ukrainische SSR Ab 1920 war Odessa Teil der Ukrainischen SSR und ab 1922 der Sowjetunion.
Der Hungersnot von 1932/1934, dem Holodomor, fielen auch in Odessa viele Menschen zum Opfer. So sollen im ersten Halbjahr 1933 in der Oblast Odessa täglich nur 830 kcal pro Person zur Verfügung gestanden haben, was etwa die Hälfte des als notwendig betrachteten Grundumsatzes ist.