Die Erste Flandernschlacht oder Ypernschlacht (, , ) fand gegen Ende der ersten Phase des Ersten Weltkrieges vom 20. Oktober bis zum 18. November 1914 zwischen deutschen und alliierten Truppen im Raum der belgischen Kanalküste in Westflandern statt. Trotz schwerster Verluste an Menschenleben konnte die Absicht der deutschen Führung, durch einen Angriff der 4. Armee entlang der Kanalküste das britische Expeditionskorps (British Expeditionary Force) von seinen Versorgungslinien abzuschneiden, nicht verwirklicht werden. Die Auseinandersetzung wird zu den vier Flandernschlachten gezählt.

Vorgeschichte mini|hochkant|Herzog Albrecht von Württemberg Der deutsche Schlieffenplan mit dem Ziel, in einem raschen Stoß Paris zu nehmen und damit den Krieg zu beenden, war am 9. September mit dem deutschen Rückzug an die Aisne in der Marneschlacht gescheitert. Der folgende Wettlauf zum Meer, bei dem sich die Gegner gegenseitig die Nordflanke abzugewinnen suchten, war unentschieden ausgegangen. Im Zuge dieses „Wettlaufs“ hatte das deutsche III. Reserve-Korps unter General von Beseler die Festung Antwerpen eingenommen und verfolgte die Belgier bis zur Yser. Am 10. und 11. Oktober 1914 begann auf deutscher Seite der Antransport von vier neu aufgestellten Reservekorps über Brüssel nach Flandern.

General Erich von Falkenhayn, Chef der deutschen Heeresleitung, entschloss sich, zwischen Nieuwpoort im Norden und Ypern im Süden mit fünf Korps nebeneinander anzugreifen. Mitte Oktober erhielt die deutsche 4. Armee unter Generaloberst Albrecht Herzog von Württemberg (Stabschef: Generalmajor Emil Ilse) den Auftrag, mit dem neu unterstellten III. Reserve-Korps und seinen vier eigenen Korps (insgesamt elf Divisionen) am rechten Flügel des deutschen Heeres über Nieuwpoort auf Dünkirchen und Calais, die Nachschubhäfen der britischen Truppen, vorzustoßen, diese Städte zu erobern, um danach, weiter der Kanalküste folgend, nach Süden in Richtung Somme umzuschwenken.

Einleitungsschlacht an der Yser Das nach der Eroberung der Festung Antwerpen freigewordene III. Reserve-Korps hatte die Aufgabe, den weichenden Belgiern zu folgen und vom südlicheren Aufmarsch der 4. Armee abzulenken. Das Korps war der 4. Armee als nördlicher Flügel unterstellt und schob sich zwischen dem XXII. Reserve-Korps entlang der Frontlücke an der Yser bis zum Meer in die neue Front ein. Am 17. Oktober drängte die an der Küste eingesetzte 4. Ersatz-Division die belgische 2. Division von Westende auf Lombardsijde zurück. Für den Angriff am 18. Oktober hatte General von Beseler die 4. Ersatz-Division über Middelkerke auf Nieuwpoort und die 5. Reserve-Division auf Mannekensvere angesetzt. Die bisher im Angriff auf Dixmuide gescheiterte 6. Reserve-Division wurde nach Schoore und Keyem umgruppiert und sollte dort den Yser-Übergang erzwingen. Am 18. und 19. Oktober griff die Royal Navy wirksam in die Kämpfe bei Westende ein und begann mit dem Beschuss der auf Nieuwpoort vorrückenden deutschen Ersatzdivision, deren Ziel – die Einnahme des Straßenknotens von Furnes – scheiterte. Dennoch wurde der geplante Durchbruch auf Dünkirchen auch die folgenden Tage weiter angestrebt.Reichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918, Band 5, S. 302.

Beidseitiger Aufmarsch mini|hochkant|Feldmarschall John French

An der Yser und bei Ypern befand sich nach dem Abschluss der Operationen im Artois noch frei manövrierbares Gelände. Um diese Frontlücke zu schließen, ließ der alliierte Oberbefehlshaber am Nordabschnitt, General Ferdinand Foch, die neu aufgestellte französische Armee-Abteilung Détachement d’armée de Belgique unter General Victor d’Urbal aufmarschieren. Zwischen Dixmuiden und Ypern marschierten das 2. Kavalleriekorps de Mitry, das XXXII. (General Humbert) und XVI. Korps (General Taverna, ab 16. November Grossetti), zusammen 7 Infanterie- und 2 Kavalleriedivisionen auf. Die bei Dixmuide bedrängten Belgier wurden zuerst mit der über Dünkirchen zugeführten französischen Marinebrigade unter Admiral Ronarc’h verstärkt. Die bisher in diesem Raum sichernde Gruppe des Generals Bidon (87. und 89. Territorial-Division) wurde als zu wenig kampfkräftig aus der vorderen Linie genommen und als Reserve dahinter versammelt. Die belgische Feldarmee (sechs Divisionen unter General Wielemans) wurde am nördlichen Yserabschnitt mit der französischen 42. Division unter General Grossetti verstärkt. Die Hauptanstrengungen der Alliierten richteten sich aber auf den neu gebildeten Frontbogen um Ypern, den sie rechtzeitig besetzen und vor einem deutschen Zugriff sichern konnten. Bis zum 19. Oktober 1914 hatte das aus dem Raum Soissons herangeführte Gros des britischen Expeditionskorps unter Feldmarschall John French seine neuen Positionen im Raum Ypern eingenommen. Den Raum östlich und südöstlich von Ypern an der Linie Zonnebeke über Gheluvelt bis Zillebeke sicherten notdürftig das französische IX. Korps (General Dubois) und das neu gebildete britische IV. Korps (General Rawlinson mit der 3. Kavallerie- und 7. Division). Über die Bahnlinie von Cassel traf das I. Korps (1. und 2. Division) unter General Douglas Haig bei Ypern ein, südlich davon marschierte das III. Korps (General Pulteney mit 4. und 6. Division) beidseitig von Armentières auf. Östlich von Béthune rang das II. Korps (General Smith-Dorrien mit 3. und 5. Division) seit 10. Oktober im Raum La Bassée um eine neue Frontlinie. Am Abend des 18. Oktober ging die 7. Division unter Generalmajor Capper vor und sicherte Menin, den rechten Flügel des IV. Korps hatte die 3. Kavallerie-Division unter General Byng zu decken, welche den Anschluss an das bei Messines konzentrierte Kavalleriekorps unter General Allenby herstellte.

Das französische 2. Kavalleriekorps unter General Conneau sicherte im Anschluss den Raum bei Fromelles. Erst am Höhepunkt der Schlacht von La Bassée wurde dieses ab 25. Oktober durch die ersten an der Front erscheinenden indischen Soldaten freigemacht. Die zuerst ankommende Lahore-Division wurde mit der später eintreffenden Meerut-Division zum indischen Korps unter General Willcocks zusammengefasst und als Ablösung des II. Korps am Abschnitt Givenchy-Festubert-Neuve-Chapelle eingeschoben. Der Angriff der deutschen 4. Armee sollte anfangs durch den linken Nachbarn, die 6. Armee unterstützt werden. Kronprinz Rupprecht von Bayern sollte gleichzeitig mit seinem nördlichen Flügel aus dem Raum Lille nach Norden, d. h. in den Rücken der alliierten Truppen vorstoßen. Die deutsche 4. Armee bestand nur aus Reservetruppen, die nicht die volle Ausbildungshöhe und den Ausrüstungsstand aktiver Einheiten hatten und denen zudem noch britische Berufssoldaten gegenüberstanden. Durch den Plan der Armee waren alle Kräfte festgelegt, sie hatte also keine Tiefengliederung und trat auch ohne nennenswerte Artillerieunterstützung zum Angriff an, der somit von Anfang an unter erheblichen, zum Teil selbst verursachten Schwierigkeiten litt. mini|hochkant|General der Infanterie Otto von Hügel

Zugewiesene Stoßrichtungen der deutschen 4. Armee waren: III. Reserve-Korps unter General der Infanterie Hans von Beseler mit 4. Ersatz-Division sowie 5. und 6. Reserve-Division im Norden auf Nieuwpoort XXII. Reserve-Korps unter General der Kavallerie Eugen von Falkenhayn mit der 43. und 44. Reserve-Division auf Dixmuiden XXIII. Reserve-Korps unter General der Kavallerie Georg von Kleist mit der 45. und 46. Reserve-Division auf Bikschote (heute ein Teil von Langemark-Poelkapelle) XXVI. Reserve-Korps unter General der Infanterie Otto von Hügel mit der 51. und 52. Reserve-Division auf Langemark (heute ein Teil von Langemark-Poelkapelle) XXVII. Reserve-Korps unter General der Infanterie Adolph von Carlowitz mit der 53. und 54. Reserve-Division auf Beselare (heute ein Teil von Zonnebeke)

Erste Phase 20. bis 30. Oktober 1914

Der Gesamtangriff am 20. Oktober 1914 mini|Truppenpositionen in Flandern am 19. Oktober 1914

Das Oberkommando der 4. Armee hatte sein neues Hauptquartier nach Tielt vorgezogen und bestimmte trotz des Misserfolges beim III. Reservekorps den 20. Oktober für den allgemeinen Angriff. Der linke Flügel des III. Reservekorps sollte nochmals versuchen bei Keyem über die Yser zu kommen. Das XXII. Reservekorps (Falkenhayn) eröffnete von Norden und Süden seine Angriffe auf Dixmuide, das durch die französische Brigade Ronarch bereits erheblich verstärkt worden war. Die 44. Reserve-Division von General Dorrer lief bei Vaerst und am Vladsloo-Kanal sofort fest, die 43. Reserve-Division drang zumindest auf die Linie Eessen-Kasteel vor. Gegen 9.00 Uhr morgens folgte dann der Hauptangriff der drei übrigen Korps an der Linie Staden – Ledeghem – Houthulster Wald – Poelkapelle – Gheluwelt. Im Norden war das XXIII. (Kleist), in der Mitte das XXVI. (Hügel) und im Süden das XXVII. Reservekorps (Carlowitz) mit 6 Divisionen gegen den vom französischen Korps de Mitry und dem britischen I. und IV. Korps gehaltenen Ypern-Abschnitt angesetzt. Die 45. Reserve-Division geriet beim Angriff in Richtung auf Noordschoote – Bixschoote am Nordrand des Houthulster Waldes auf die unüberwindlichen Stellungen der Franzosen.

Die über Staden vorrückende 46. Reserve-Division steckte am Ostrand des Waldes zwischen Tolphoek und Vyswege gegenüber Truppenteilen des französischen IX. Korps fest. Der 51. Reserve-Division gelang die Einnahme des Dorfes Poelkapelle; sie scheiterte aber am Widerstand der britischen 1. Division unter General Lomax am weiteren Vorgehen auf Langemarck. Die 52. Reserve-Division unter General Waldorf drängte über Passendale angreifend die britische 2. Division unter General Monro auf die Linie Broodseinde – Zonnebeke zurück. Im Süden kam die 53. und 54. Reserve-Division im Kampf mit der britischen 7. Division (Capper) nicht über die Linie Oesthoek-Becelaere hinaus. Der rechte Flügel der 6. Armee hatte mit dem Höheren Kavallerie-Kommando unter General von Hollen (3.,6. und 9. Kavallerie-Division) zu unterstützen, traf aber auf die kampfkräftige britische 3. Kavallerie-Division unter General Byng. Der Angriff der deutschen Kavallerie in Richtung Messines zu beiden Seiten des Douve-Baches kam bis zum Nachmittag nur wenig über Warneton hinaus, dann blieb der Angriff im stärker werdenden Artilleriefeuer Allenbys liegen.

III. Reserve-Korps – Die Schlacht an der Yser mini|Stellungen am Strand bei Nieuwpoort

General von Beseler hatte seine neuerlichen Bereitstellungen abgeschlossen, und am 21. Oktober erfolgte der Angriff mit der 5. und 6. Reserve-Infanterie-Division sowie der 4. Ersatz-Division. Es gelang den Verbänden, an verschiedenen Stellen den Yser-Kanal zu erreichen; dieser konnte jedoch nirgends überschritten werden. Die Verteidigung an der Yser leisteten Truppen der belgischen 2. und 4. Division unter den Generälen Émile Dossin und Augustin Michel. Für den 22. Oktober war von der deutschen Heeresleitung geplant, die Frontschleife parallel zum Yser-Kanal zwischen Tervaete und Schoorbakke einzudrücken, den Yser-Kanal zu überqueren und den Durchbruch anschließend nach links und rechts zu erweitern. Im Laufe des Tages gelang es der 6. Reserve-Division, den Kanal an einer Stelle zu überschreiten und einen Brückenkopf zu bilden, der auch gehalten werden konnte. Da die 4. Ersatz-Division in den Dünen ununterbrochen dem Feuer britischer Schiffsartillerie ausgesetzt und hier stark exponiert war, wurde die Division um eine Brigade reduziert und diese (9. Ersatz-Brigade) hinter der 5. Reserve-Division aufgestellt. Am 23. Oktober sollte die 5. Reserve-Division ebenfalls den Übergang über den Yser-Kanal erzwingen, drang auch an verschiedenen Stellen bis an das Kanalufer vor, musste das Vorhaben dann jedoch erfolglos aufgeben. Der Brückenkopf der 6. Reserve-Division lief Gefahr, eingedrückt zu werden.