Schwarmstedt ist eine Gemeinde in der nach ihr benannten Samtgemeinde Schwarmstedt im Süden des Heidekreises in Niedersachsen.
Geographie Schwarmstedt liegt in der weiten Talsandebene des Aller-Urstromtals an der Leine, die nördlich von Schwarmstedt in die hier etwas kleinere Aller mündet. Ortsteile der Gemeinde sind das nördlich vom Kernort Schwarmstedt gelegene Bothmer sowie Grindau im Süden. mini|St.-Laurentius-Kirche
Geschichte Im Jahr 2017 beging die Gemeinde zwar feierlich ihr 850-jähriges Bestehen, doch reicht die durchgängige Besiedlung bis in die frühe Bronzezeit zurück.
In einer nicht datierten Urkunde, die zwischen 1153 und 1170 ausgestellt wurde, schenkte ein Edelherr namens Mirabilis (oder mit diesem Beinamen) die Ländereien um die Kirche von Schwarmstedt (ecclesia swarmstede) dem Mauritiuskloster in Minden. Da Mirabilis nach einem Eintrag im Totenbuch des Mauritiusklosters im Jahr 1167 gestorben ist, lässt sich das Ausstellungsjahr näher eingrenzen.
Geplant war, auf diese Weise ein Aegidii-Kloster zu gründen. Sie war der kirchliche Mittelpunkt der einstigen Amtsvogtei Essel. Nach Verlust eines Teils dieser Güter an das Bistum Minden in der Person des Bischofs Werner von Minden blieb dem Kloster nur noch ein Teil der Güter um Jetenburg. „Das Recht an Jetenburg wurde 1435 gegen die Inkorporation des Mindener Kirchspiels St. Simeon getauscht, und von dem abgelegenen Schwarmstedt (am Zusammenfluß von Aller und Leine) ist später nicht mehr die Rede.“Karl Hengst: Westfälisches Klosterbuch: Ahlen-Mülheim, Aschendorff, Münster 1992, S. 616 (online).
Der Kirchenbau wurde um 1510 durch eine dreischiffige Hallenkirche im gotischen Stil ersetzt (die heutige St. Laurentius-Kirche). Vermutlich um 1394 fielen die Ländereien an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, als die Celler Herzöge die Befestigungen brachen.Die St.-Laurentiuskirche in Schwarmstedt und ihre Chorfresken. Ein Beitrag zur Ikonographie der Recapitulatio-Darstellungen, in: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte, Band 14, 1975, S. 82.
In den Jahren 1800 und 1854 kam es zu größeren Bränden, denen eine erhebliche Zahl von Häusern zum Opfer fiel. 1803 zählte der Ort 530 Einwohner, 1885 waren es 614.
Für die wirtschaftliche Entwicklung Schwarmstedts wurde nach der Mittelpunktsfunktion der Kirche die Entwicklung der Verkehrswege wesentlich. Dies war zunächst die Schifffahrt auf der regulierten Leine, dann der Ausbau der Straße Celle – Ahlden. Auch die Einrichtung der Poststelle förderte die Entwicklung. 1890 wurde die Heidebahn bis Visselhövede eröffnet, welche 1901 von Walsrode bis nach Buchholz in der Nordheide weitergeführt wurde. Wenig später (1903Bahnhöfe und Bahnstrecken (unter Celle) bis 1905) wurde die – heute stillgelegte – Bahnstrecke Celle–Wahnebergen gebaut. In den 1930er Jahren zählte Schwarmstedt rund 1500 Einwohner. Durch Flüchtlinge verdoppele sich diese Zahl nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1968 stieg diese Zahl auf 3500 an.
Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Bothmer und Grindau eingegliedert. Am 7. März desselben Jahres wurde im Zuge der Gebietsreform des Landes Niedersachsen die Samtgemeinde Schwarmstedt gebildet. Die Gemeinde Schwarmstedt wurde somit Mitgliedsgemeinde und Sitz der neuen Samtgemeinde. Weitere Mitgliedsgemeinden wurden Bothmer, Buchholz (Aller), Engehausen Essel, Gilten, Grindau, Hope und Lindwedel sowie Marklendorf, Nienhagen, Norddrebber und Suderbruch.
Religion mini|Heilig-Geist-Kirche Die Kirchengemeinde St. Laurentius gehört zum Kirchenkreis Walsrode. Sie wird von einem 2003 gegründeten Förderverein unterstützt.
Die katholische Heilig-Geist-Kirche befindet sich im Süden von Schwarmstedt, am Alten Heuweg. 1960 erfolgte ihre Grundsteinlegung, und am 23. Juli 1961 wurde sie geweiht. Seit dem 1. November 2014 gehört die Kirche zur Pfarrei „St. Maria Immaculata“ mit Sitz in Mellendorf.
Eine Neuapostolische Kirche befindet sich im Osten von Schwarmstedt, an der Straße Am Ring. Ihre Gemeinde besteht seit 1950 und gehört zum Kirchenbezirk Hannover-Nord.
Politik Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Schwarmstedt setzt sich aus 17 Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Die vorherigen Kommunalwahlen ergaben folgenden Sitzverteilungen: +WahljahrSPDCDUGesamt201612517 Sitze
Wappen Die Blasonierung des Schwarmstedter Wappens lautet: „In Silber ein roter Hauptschragen, darin eine goldene Pflugschar, begleitet von zwei silbernen Radkreuzen.“
Der vom Schildhaupt und Andreaskreuz (Wappen des Geschlechts von Hademstorf) vereinte Hauptschragen ehrt das Andenken des zur lüneburgischen Ritterschaft gehörenden Rittergeschlechts, das 400 Jahre im Besitz des Gutes gewesen ist und weist Schwarmstedt als Verkehrsknotenpunkt aus, der dem Ort auch den Vorrang in kirchlicher und wirtschaftlicher Sicht seit Jahrhunderten bescheinigt. Die Pflugschar betont die frühere landwirtschaftliche Struktur des Dorfes. Die beiden Radkreuze sind Sinnbilder der vereinten weltlichen und kirchlichen Macht als Heils-, Wunsch- und Abwehrzeichen aus germanischer Zeit, wie sie im Schnitzwerk der Bauernhäuser zu finden sind.
Städtepartnerschaften Städtepartnerschaften bestehen zu Kröpelin (Mecklenburg-Vorpommern) und Miękinia in der polnischen Woiwodschaft Dolny Śląsk (Niederschlesien).
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Die evangelisch-lutherische Kirche St. Laurentius ist benannt nach Laurentius von Rom, sie befindet sich in der Ortsmitte an der Kirchstraße. Das heutige Kirchengebäude wurde um 1510 erbaut, etwa 100 Jahre später wurde der Turm erneuert. Der Friedhof wurde im 19. Jahrhundert angelegt und in den 1960er Jahren zur heutigen Größe erweitert. Die Friedhofskapelle wurde 1867 eingeweiht und im 20. Jahrhundert zweimal erweitert. Harry’s klingendes Museum zeigt eine Vielzahl mechanischer Musikinstrumente von ihren Anfängen bis 1920 und führt sie vor. Das Rittergut Schwarmstedt gehört seit 1747 der Familie von Lenthe.Rittergüter der Lüneburger Landschaft Im Ortsteil Bothmer befinden sich die Rittergüter Bothmer I, II und IV, die bis heute der Familie von Bothmer gehören. Die Alte Dorfschule von 1909 im Ortsteil Bothmer wurde zu einem Schulmuseum umgebaut und zeigt, wie einklassige Schulen vergangener Zeiten aussahen. Zwischen Bothmer und Gilten befindet sich die Galerie-Holländer-Windmühle Bothmer, die im Jahr 1822 die bis dahin betriebene Wassermühle ersetzte.
Wirtschaft und Infrastruktur Die Gemeinde gehört zum regionalen Standortmarketing-Verbund Aller-Leine-Tal und ist Standort der Unternehmen GP Günter Papenburg AG (Bauunternehmen) sowie Snackmaster Tiefkühlkost GmbH & Co KG.
Verkehr mini|Bahnhof Schwarmstedt Schwarmstedt liegt an der ostwestlich verlaufenden B 214 zwischen den Städten Nienburg/Weser und Celle und verfügt über eine benachbarte Gemeinde um eine Anschlussstelle an die A 7.
Der Bahnhof Schwarmstedt an der nordsüdlich verlaufenden Heidebahn zwischen Walsrode und Hannover ist mit dem „Schwarmstedt-Tarif“Schwarmstedt-Tarif Informationen zum Bahntarif an den Großraumverkehr Hannover angeschlossen. Die Linie RB 38 fährt im Stundentakt nach Hannover Hbf und Buchholz (Nordheide) bzw. am Wochenende weiter nach Hamburg-Harburg. Die Fahrt nach Hannover dauert etwa 30 Minuten.
Über den Leinehafen gibt es eine Anbindung an Wasserwege.
Bildung Grundschulen befinden sich in Schwarmstedt und in Bothmer. Beide Grundschulen sind offene Ganztags-Grundschulen mit Schulessen.
Schwarmstedt verfügt mit der „Wilhelm-Röpke-Schule“ über ein weiterführendes Schulangebot, das alle Schulabschlüsse einschließlich Abitur ermöglicht. Die Schule wird als Kooperative Gesamtschule (KGS) geführt und von rund 1350 Schülern aus dem Heidekreis, dem Landkreis Celle und der Region Hannover besucht. Sie wurde für ihre Arbeit 2013 im Wettbewerb „Starke Schule“ als beste Schule Niedersachsens ausgezeichnet. Bericht auf der Homepage von Samtgemeindebürgermeister Björn Gehrs Die KGS bietet seit 2003 zudem eine Ganztagsbetreuung an.Schulvorstellung auf der Homepage der KGS Schwarmstedt
Persönlichkeiten Otto Durlach (1821–1893), geboren in Grindau, Ingenieur, Oberbaurat und Geheimer Regierungsrat Zu den bekanntesten Persönlichkeiten gehört der am 10. Oktober 1899 in Schwarmstedt geborene Nationalökonom Wilhelm Röpke, der als Wissenschaftler und politischer Berater die Entwicklung im Nachkriegsdeutschland maßgeblich mitgeprägt hat. Ihm zu Ehren trägt die örtliche Schule seinen Namen. Friedrich Kemnade (* 12. Dezember 1911; † 29. Januar 2008 in Hamburg), Marineoffizier, zuletzt Konteradmiral der Bundesmarine Carl Beddermann (* 1942–2020), deutscher Jurist, Politiker und Berater des polnischen Vizepremierministers Wilfred H. G. Neuse (* 1949), Fotokünstler Peter Rabe (1951–2018), Politiker (SPD), Mitglied des Niedersächsischen Landtages Fritz Koch (* 1951), Zeichner und Maler Friedrich-Otto Ripke (* 21. April 1953), Politiker (CDU), Niedersächsischer CDU-Generalsekretär und niedersächsischer Staatssekretär im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung
Literatur Gemeinde Schwarmstedt (Hrsg.): Schwarmstedt. Geschichte und Anekdoten aus 850 Jahren Schwarmstedt, Schwarmstedt 2017. Werner Pries: Schwarmstedt ist schön. Moderne Gemeinde im Aller-Leine-Tal. 1987, ISBN 3-89264-062-9 Werner Pries: Schwarmstedt in alten Ansichten. 1989, ISBN 90-288-2951-2 Werner Pries: Der Cicero auf dem Dorfe: Wunderliche Geschichten zwischen Stade, Schwarmstedt und dem Genfer See. Erzählungen und Geschichten von Prof. Dr. Wilhelm Röpke. Geiger-Verlag, 2002, ISBN 3-89570-794-5 Dieter Brosius: Schwarmstedt. In: Rittergüter der Lüneburger Landschaft. Wallstein Verlag, Göttingen 2015, ISBN 978-3-8353-1680-5, S. 362–366. Wolfgang Jakob: Avifaunistische Untersuchungen im Untersuchungsgebiet „Schwarmstedt“ Heidekreis (Niedersachsen). Brutvogelkartierung 2024. Kurzbericht, Juli 2024 (online, PDF) Hans Albert Potratz: Ein kaiserzeitliches Brandgrubengräberfeld in Schwarmstedt, Kreis Fallingbostel, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte 16 (1942) 66–108. (online)
Weblinks
Website der Samtgemeinde Schwarmstedt
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Heidekreis Kategorie:Ort in der Lüneburger Heide Kategorie:Heidmark
Kategorie:Ort an der Aller Kategorie:Ort an der Leine (Aller) Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Niedersachsen Kategorie:Ersterwähnung 1150