Die zweite Schlacht an der Aisne an der Westfront des Ersten Weltkrieges begann am 16. April 1917. Frankreichs Armee startete nach den vergeblichen Durchbruchsversuchen des Jahres 1916 erneut eine, diesmal minutiös vorbereitete Großoffensive gegen den als uneinnehmbar geltenden Höhenzug des Chemin des Dames. Die nach dem französischen Oberbefehlshaber benannte Nivelle-Offensive brachte den Franzosen wenig Geländegewinne und schwere Verluste. Nachdem es bei den Angriffstruppen zu Meutereien gekommen war, musste der Angriff Ende Mai abgebrochen werden.
Französischer Angriffsplan mini|links|hochkant|Der französische Oberbefehlshaber General Robert Georges Nivelle Nach den Misserfolgen an der Somme war der französische Oberbefehlshaber Joseph Joffre am 3. Dezember 1916 zurückgetreten. Neuer Befehlshaber wurde General Robert Nivelle, der die erfolgreiche Gegenoffensive bei Verdun befehligt hatte. Nivelle verlegte den Schwerpunkt des neuen französischen Angriffes wieder an den Mittelabschnitt der Westfront, mit riesiger Übermacht bereitete er an der Aisne eine Großoffensive gegen den Chemin des Dames vor. In Abstimmung mit dem britischen Oberbefehlshaber Douglas Haig, der seine Offensive schon früher bei Arras beginnen sollte, wurde das Konzept der Operationen von 1915 wiederholt, diesmal an beiden Punkten mit noch gewaltigerem Einsatz an Truppenzahl und Material. Nivelle hatte dafür im Hauptabschnitt des Angriffes drei Armeen frontal angesetzt und hielt dahinter eine komplette Reservearmee zum Nachstoßen bereit. Nivelle hatte fast eine Million Soldaten und 200 der damals neuartigen Panzer zusammengezogen. Ein Feuerschlag aus 3500 Geschützen leitete die Schlacht bereits am 6. April ein.Anton Wagner: Der Erste Weltkrieg, Verlag Carl Ueberreuter, Wien 1981, S. 289 Innerhalb von 10 Tagen wurden von der Artillerie über 6,5 Millionen Granaten abgefeuert, darunter 178.000 Schuss schwerstes Kaliber. Der Angriff, der auf einer Gesamtbreite von 40 Kilometern erfolgte, sollte schon in wenigen Tagen bis zur Linie Laon – Rethel vorgetragen werden.
Den Hauptstoß sollte die französische Heeresgruppe Groupe d’Armées de Réserve unter General Micheler mit einer Gesamtstärke von 61 Infanterie- und sieben Kavalleriedivisionen führen.
mini|hochkant|General Charles Mangin
Im Westen (linker Flügel) hatte die französische 6. Armee unter Charles Mangin mit dem XXXVII., VI. und XX. Korps, sowie dem II. Kolonialkorps an der Linie Laffaux – Vailly – Soupir – Vendresse den Hauptstoß gegen die Malmaison-Stellung zu führen. In der Mitte wurde die 5. Armee unter General Olivier Mazel beiderseits der Aisne mit dem I., V., XXXII., und VII. Korps zwischen Craonne und Courcy zum Durchbruch auf Corbeny und Brimont angesetzt, das XXXVIII. Korps sollte vor Reims defensiv bleiben. die im zweiten Treffen als Reserve stehende 10e armée unter Denis Auguste Duchêne wurde bis Ende April mit dem III., IX., XIV. und XVIII. Korps zwischen der 5. und 6. Armee im Raum Berry-au-Bac mit nördlicher Stoßrichtung auf Sissonne eingeführt. an weiteren Reserven wurden der Heeresgruppe während der Schlacht zusätzlich das II., X., XI. und XXI. Korps, sowie zwei Kavalleriekorps zugeführt. Zusätzlich ließ General Nivelle auch die französischen 4. Armee unter General François Anthoine mit dem X., VIII., XVII. und XII. Korps zwischen Prunay – Prosnes – Aubérive gegen den Abschnitt der deutschen 1. und den rechten Flügel der 3. Armee im Westteil der Champagne angreifen.
Die deutsche Verteidigung Die Front nördlich der Aisne am Chemin des Dames verteidigte die deutsche 7. unter General Max von Boehn und die östlicher im Raum nördlich Reims anschließende 1. Armee unter General Fritz von Below. Die deutsche Seite verfügte über nur 41 Divisionen, konnte aber den Vorteil des gut verschanzten Verteidigers nutzen, wobei zu beachten ist, dass die deutschen Divisionen schon vorher nicht mehr über normale Divisionsstärke verfügten, da sie bereits längere Zeit im vorderen Frontbereich lagen. Aufgrund ihrer Erfahrungen in der Schlacht an der Somme, die in der zweiten Hälfte des Jahres 1916 getobt hatte, war die deutsche Armee dazu übergegangen, ihre vordersten Frontlinien schwächer zu besetzen. Bei Angriffen konnten auch Frontabschnitte aufgegeben werden, um die gegnerischen Truppen tiefer in das eigene Grabensystem zu locken.
mini|hochkant|Generaloberst Max von Boehn (AOK 7)
Nach dem deutschen Rückzug beiderseits der Somme (Unternehmen Alberich) auf die Siegfriedlinie wurde die Aufmerksamkeit der Obersten Heeresleitung unter General Erich Ludendorff wieder vorrangig der Gefahr an der Aisne zugewendet. Aus dem Raum Cambrai wurde das Armeeoberkommando 1 (AOK) abgezogen und vorsorglich nach Rethel verlegt, um dem dort zu erwartenden französischen Angriff besser entgegentreten zu können. Die bereits seit dem 6. April durch das eingeleitete französische Artilleriefeuer gewarnte Heeresgruppe Deutscher Kronprinz hatte der 7. und 1. Armee noch vor der Schlacht 14 Divisionen als Eingreifreserve im Hinterland zuweisen können. Nachdem bei Arras bereits die britische Offensive eingesetzt hatte, wurde auch der gleichzeitige Angriff der Franzosen von der OHL jeden Tag erwartet.
Das im Hauptangriffsfeld liegende AOK 7 mit Hauptquartier in Marle verfügte während der Schlacht über vier Korpsgruppen mit 22 Divisionen: die Gruppe Crepy (XXIII. Reserve-Korps unter General der Infanterie Hugo von Kathen) zwischen St. Gobain und Vauxaillon die Gruppe Vailly (XI. Armee-Korps unter Generalleutnant Viktor Kühne) deckte die Laffaux-Ecke und die Malmaisonstellung gegenüber dem vom Feind besetzten Vailly. die Gruppe Liesse (Generalkommando 54 unter General der Infanterie Eduard von Liebert) hielt den Chemin des Dames zwischen Courtecon und Ailles. die Gruppe Sissonne (XV. Reserve-Korps unter General der Artillerie Max von Höhn, ab dem 19. April Generalkommando 65 unter Generalleutnant Eberhard von Schmettow) verteidigte den östlichen Damenweg weiter über Hurtebise bis nach Craonne.
mini|General der Infanterie Fritz von Below (AOK1)
Das nach Osten gegen Reims anschließende AOK 1 mit Hauptquartier in Rethel war seit 12. April zwischen der 7. und 3. Armee an der Aisnefront eingeschoben, es übernahm die bereits dort stehenden Korpsgruppen mit 19 Divisionen: die erst am 17. April aufgestellte Gruppe Aisne (Gardekorps unter General der Infanterie Ferdinand von Quast) deckte von Juvincourt bis zur Aisne die Gruppe Brimont (X. Reserve-Korps unter General der Infanterie Magnus von Eberhardt) stand zwischen Aguilcourt über Fort Brimont bis ins nördliche Vorfeld von Reims. die Gruppe Reims (VII. Reserve-Korps unter General der Infanterie Franz von Soden) hielt das nordöstliche Vorfeld von Reims über Cernay bis PrunayReichsarchiv: Der Weltkrieg 1914–1918, Band XII. Kartenbeilage 18 die Gruppe Prosnes (XIV. Armee-Korps unter Generalleutnant Chales de Beaulieu, ab dem 26. April abgelöst durch das Generalkommando III. Armee-Korps unter Walther von Lüttwitz) deckte die Linie südlich Beine – Moronvilliers – St. HilaireReichsarchiv Band XII., E.S. Mittler, Berlin 1939, S. 357.
Der französische Hauptangriff am 16. April Nach zehntägiger Artillerievorbereitung griffen die Franzosen am 16. April am Nordufer der Aisne im Raum nordöstlich Soissons an. Die Hauptstöße der 6. Armee richteten sich gegen den Frontvorsprung der Gruppe Vailly bei Laffaux und Condé und gegen die Höhenstellungen der Gruppe Liesse am Chemin des Dames bis westlich Craonnelle. Der linke Flügel der Armee Mangin drang mit dem XXXVII. Korps unter Taufflieb bei Vailly zwischen Chivres – Vailly – Chavonne in die deutschen Linien ein, bei Soupir gelang dem VI. Korps unter General de Mitry der Einbruch bis in die zweite Verteidigungsstellung. Das am rechten Flügel der Armee Mangin eingesetzte II. Kolonialkorps unter General Blondlat drang bei Craonnelle nordwärts vor, kam aber zwischen Hurtebise und Craonne nicht vorwärts.
mini|Französische Infanterie im Angriff gegen den Chemin des Dames
Bei der Gruppe Vailly wurde die gegenüber Beaulne – Soupir angegriffene 183. Infanterie-Division von der französischen 39. und 56. Division auf Braye zurückgeworfen. Südlich Courtecon musste die 16. Reserve-Division den Höhenrücken westlich Troyon und das Gelände nach Beaulne gegenüber dem französischen XX. Korps aufgeben. Die 19. Reserve-Division unter General der Infanterie Hermann von Wartenberg musste gegenüber der 10. Kolonial-Division auf das Dorf Ailles zurückgehen und räumte am linken Flügel Hurtebise. Beide Divisionen der Gruppe Liesse gingen zwischen den Dörfern Braye und Cerny auf den Chemin des Dames zurück.
Die Angriffe des I. und V. Korps der Generale Muteau und Baucheron de Boissoudy zwischen Craonne und La Ville-aux-Bois mit Stoßrichtung auf Corbeny blieben vor dem Widerstand der 5. Garde-Division, der bayerischen Ersatz – sowie der 9. bayerischen Reserve-Division liegen. Die 5. Garde-Division unter General Walther von der Osten hielt den „Winterberg“ bei Craonne gegenüber der französischen 1. Division, die bayerische Ersatzdivision unter General Hermann von Burkhardt wies die Angriffe auf das Dorf Chevreux zurück.
Der Angriff des französischen XXXII. Korps unter General Passaga hatte zunächst die vorderen Linien der 5. Reserve-Division der Gruppe Aisne durchbrochen, die auf die etwa 2 Kilometer weiter hinten vorbereiteten Stellungen zurückgehen musste. Ein schneller Gegenangriff der 50. Infanterie-Division unter General von Engelbrechten stoppte den Einbruch.
Nördlich Berry-au-Bac erfolgte zwischen Juvincourt und Guignicourt der Einsatz kleinerer französischer Panzerverbände mit Schneider CA1 unter den Offizieren Bossut und Chaubès in Richtung auf Corbeny, die Panzer erlitten bereits nach wenigen Kilometern schwere Einbußen durch technische Mängel und durch die Artillerie der bayerischen 5. Reserve-Division. Ein gleichzeitig angesetzter Flankenangriff der 213. Infanterie-Division zwang die Reste der französischen Tankgruppen in die Ausgangsstellungen zurück. Von hier etwa 132 eingesetzten Tanks waren 64 festgefahren, davon 57 zerstört worden. Erst in der zweiten Angriffsphase der Schlacht am 5. Mai wurden die noch unausgereiften Tanks zur Unterstützung der Infanterie der 6. Armee gegen den Abschnitt Laffaux nochmals eingesetzt, der neu eingesetzte schwere Panzertyp St. Chamond erfüllte die Erwartungen nicht.
mini|Hauptangriffsrichtungen der französischen 6. und 5. Armee bei Vailly, gegen den Chemin des Dames und bei Brimont
Der auf Neufchâtel angesetzten 42. Division des französischen XXXII. Korps gelang die Einnahme der westlichen Hälfte der Höhe 108 bei Sapigneul, ansonsten konnte die gegenüberliegende deutsche 4. Division unter General Erich Freyer ihre Stellungen behaupten. Die in Ablösung stehende 10. Reserve-Division unter General Viktor Dallmer gab auf den Hängen des Fontaines-Tales kein weiteres Gelände preis.
Gegenüber der Gruppe Brimont wurden die Orte Loivre und Courcy vom VII. Korps unter General de Bazelaire genommen und der nach Nordwesten laufende Höhenzug beim Fort de Brimont erreicht. Die französische 14. Division drang in die Stellung der deutschen 21. Division ein und erstürmte das Waldstück westlich Orainville sowie nördlich Berméricourt. Im Abschnitt Courcy – Brimont wurden am 18. April auch Einheiten des Russischen Freiwilligen-Korps unter General Nikolai Lochwitzki eingesetzt.
Im nordöstlichen Vorfeld von Reims hielt das noch nicht stürmende XXXVIII. Korps unter General de Montdésir die Verbindung zu der östlich der Stadt angreifenden 4. Armee.
Der gleichzeitige Angriff in der Champagne am 17. April mini|Die gleichzeitigen Angriffe der französischen 4. Armee zwischen Prunay und Auberive in der Champagne