Leuna ist eine Stadt im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Bekannt ist der Ort vor allem durch seine Chemieindustrie, weniger durch seinen Charakter als Gartenstadt.
Geographie Die Stadt Leuna liegt an der Saale, fünf km südlich von Merseburg sowie 20 km südlich von Halle (Saale) und 30 km westlich von Leipzig.
Nachbargemeinden Leuna grenzt im Norden an Schkopau, im Osten an Schkeuditz in Nordsachsen, im Süden an Markranstädt im Landkreis Leipzig, Bad Dürrenberg und Weißenfels im Burgenlandkreis, Braunsbedra im Westen und Merseburg im Nordwesten.
Stadtteile Ortschaft Flächekm² Einwohner 2011 Einwohner 2021 Friedensdorf 3,29 303 310 Günthersdorf 3,40 1.317 1.335 Horburg-Maßlau 3,98 512 517 Kötschlitz (mit Möritzsch und Zschöchergen) 5,27 945 1.037 Kötzschau (mit Rampitz, Schladebach, Thalschütz und Witzschersdorf) 16,77 1.963 1.775 Kreypau (mit Wölkau und Wüsteneutzsch) 12,39 304 284 Kernstadt Leuna 13,70 6.460 6.337 Rodden (mit Pissen) 3,61 265 243 Spergau 10,80 1.120 1.082 Zöschen (mit Zscherneddel) 7,20 991 962 Zweimen (mit Dölkau und Göhren) 7,31 301 304 Gemeinde Leuna 87,71 14.481 14.186
Die Ortschaften von Leuna (anklickbare Karte)
Geschichte mini|Leuna-Benzin-Logo der Deutschen Gasolin AG
Frühe Neuzeit Das sich im Norden der Stadt befindende Dorf Leuna war Namensgeber für die Stadt. Dieses gehörte wie seine Nachbarorte Ockendorf, Rössen und Göhlitzsch bis 1815 zum hochstiftlich-merseburgischen Amt Merseburg, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84–85 Kröllwitz und Daspig waren stiftmerseburgische Lehen. Sie waren als Exklaven im Amt Merseburg in das kursächsische Amt Weißenfels (Burgwerbener Gerichtsstuhl)Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas 1790. Verlag Klaus Gumnior, Chemnitz 2009, S. 36–37. schriftsässig.Johann Ernst Fabri: Geographie für alle Stände. Ersten Theils, dritter Band, welcher den Beschluß vom fränkischen Kreise, und einige Abschnitte vom obersächsischen Kreise enthält. Schwickertscher Verlag, Leipzig 1791, S. 377 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
19. und 20. Jahrhundert Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kamen die Dörfer Leuna, Ockendorf, Rössen, Göhlitzsch, Daspig und Kröllwitz im Jahr 1815 zu Preußen und wurden 1816 dem Kreis Merseburg im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt.
1917 wurde durch Zusammenschluss der Landgemeinden Leuna-Ockendorf, Rössen, Göhlitzsch, Daspig und Kröllwitz ein Zweckverband gebildet, am 1. Juli 1930 die Großgemeinde Leuna. Auf dem Gebiet erfolgte bereits 1916 die Grundsteinlegung der Badischen Anilin- und Sodafabrik, Ammoniakwerk Merseburg, woraus sich die Leunawerke der BASF beziehungsweise ab 1926 der I.G. Farben mit dem zu dieser Zeit deutschlandweit technisch führenden Hydrierwerk entwickelte. In den Anlagen wurden aus Braunkohle Leuna-Benzin und andere synthetische Kraftstoffe erzeugt, womit ab 1939 ein Teil des Fahrbenzins der Wehrmacht und nach 1942 im DHD-Verfahren ein Teil des Flugbenzins für die Luftwaffe hergestellt werden sollte.
1936 wurde die Saale bei Leuna begradigt.
Die benachbarten Leunawerke hatten Ende 1944 eine Belegschaft von 27.000, davon 16.500 ausländische Arbeitskräfte und Kriegsgefangene. Martin Pabst: Die Luftangriffe auf Leuna und Merseburg am Ende des Zweiten Weltkrieges. Cuxhaven 1995. Neuauflage Leuna, 2009 Von den heftigen Luftangriffen auf die Leunawerke ab 12. Mai 1944 bis 5. April 1945 war auch die Stadt Leuna regelmäßig betroffen. Es gab in Leuna-Ort drei Hochbunker (20 m hoch), zwei Flachbunker, weitere kleinere Bunker und im Saale-Hang zwei Luftschutzstollen für „Fremdarbeiter“.
„Es gab kaum Wohnungen, Straßen, Plätze und öffentliche Gebäude, die nicht von der Zerstörung betroffen waren“. Jana Lehmann und Marion Schatz: Leuna – Leben zwischen Werk und Gartenstadt 1916–1945. Sutton 2004 Die Zerstörungsbilanz für Leuna-Ort bei Kriegsende: 525 Wohnungen waren völlig zerstört, 453 schwer beschädigt, 1467 mäßig bis leichter beschädigt. Die Infrastruktur (Straßen, Abwasser, Elektroenergie-, Gas- und Wasserversorgung, Straßenbahn- und Eisenbahnnetz) war weitgehend zerstört. Ein Wiederaufbauamt der Stadt organisierte Enttrümmerung und Baumaßnahmen. 80.000 Kubikmeter Trümmer mussten beseitigt werden. Heinz Rehmann: Die angloamerikanischen Bombenangriffe während des II. Weltkrieges auf Ziele im Raum Merseburg. In: Merseburger Beiträge zur Geschichte der chemischen Industrie Mitteldeutschlands. Hrsg. Sachzeugen der Chemischen Industrie. Merseburg 2002. S. 26–27
Am 1. November 1945 erhielt Leuna das Stadtrecht. Im Juni 1953 fanden spontane Arbeiterproteste statt (Aufstand vom 17. Juni 1953).
Von 1952 bis 1994 lag Leuna im Kreis Merseburg (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Stadt zum Landkreis Merseburg-Querfurt, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Saalekreises.
Der heutige Ortsteil Ockendorf feierte 1999 sein 1100-jähriges Bestehen. In Ockendorf selbst befindet sich die barocke Gnadenkirche. Sie wurde um 1710–1714 erbaut.Hintergrundinfos zu Leuna-Ockendorf
Eingemeindungen Im Rahmen der flächendeckenden Einführung von Einheitsgemeinden in Sachsen-Anhalt wurde die Verwaltungsgemeinschaft Leuna-Kötzschau gegründet, um die Eingemeindung nach Merseburg zu vermeiden. Am 31. Dezember 2009 wurde die Einheitsgemeinde Leuna aus den bisher selbständigen Gemeinden Friedensdorf, Günthersdorf, Horburg-Maßlau, Kötschlitz, Kötzschau, Stadt Leuna, Kreypau, Rodden, Spergau, Zöschen und Zweimen gebildet.StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009 Die Einwohnerzahl Leunas hat sich dadurch mehr als verdoppelt, die Fläche hat sich versechsfacht.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1885 202 1910 292 1925 742 1933 8.642 1939 9.724 1970 12.480 Jahr Einwohner 1990 8.300 2005 6.959 2010 14.471 2015 13.832 2020 13.906 Jahr Einwohner 2021 13.899 2022 13.945 2023 14.108 2024 14.131 2025 14.013
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Quellen: bis 1970: Rudolf Joppen: Das Erzbischöfliche Kommissariat Magdeburg. Band 19, Teil 9, Das Kommissariat Magdeburg vom Ausgang des ersten Weltkrieges bis zur Errichtung der Mitteldeutschen Kirchenprovinz 1918–1930. St. Benno Verlag, Leipzig 1978, S. 287. (Einwohnerzahl 1970)
ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Leuna besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 65,8 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 19,2 % 4 33,6 % 9 CDU 26,5 % 7 26,4 % 7 Bündnis für Leuna 16,1 % 5 16,5 % 5 SPD 12,2 % 3 9,5 % 3 Die Linke 12,8 % 4 6,0 % 2 FDP 4,3 % 1 4,4 % 1 Einzelbewerber Bernd Kretzschmar – – 2,0 % 1 Einzelbewerberin Karin Schicht – – 1,6 % – Einzelbewerberin Andrea Engelmann 4,3 % 1 – – STATT Partei 2,5 % 1 – – Einzelbewerberin Steffi Krüger 2,1 % 1 – – Insgesamt 100 % 27 100 % 28
Bei der Wahl 2019 entfielen auf die AfD fünf Sitze, von denen einer unbesetzt blieb, weil die Partei nur vier Kandidaten nominiert hatte.
Bürgermeister 1994–2022: Dietlind Hagenau seit 2022: Michael Bedla (CDU)
Hagenau wurde bei der Bürgermeisterwahl am 15. März 2015 mit 73 % der gültigen Stimmen erneut in ihrem Amt bestätigt.
Bedla wurde am 13. März 2022 mit 66,9 % der gültigen Stimmen zu ihrem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 13. März 2022 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Blasonierung: „In Silber über einer mit einer silbernen Pflugschar belegten schwarzgefugten grünen Mauer ein schwarzgefugter roter Schornstein, begleitet pfahlweise von je drei sechsstrahligen grünen Sternen.“
Flagge Die Flagge ist grün-silber (weiß) längsgestreift mit aufgelegtem Wappen in der Mitte.
Städtepartnerschaft Wesseling aus Nordrhein-Westfalen ist die Partnerstadt.
mini|hochkant|Gnadenkirche
Sehenswürdigkeiten
Bauwerke In der „Gartenstadt Leuna“ entstanden bis Ende der 1930er Jahre: 102 Arbeiterhäuser, 153 Meisterhäuser, 165 Angestelltenhäuser und 102 Beamtenhäuser. Festschrift 50 Jahre Leuna. Leuna 1995
Gnadenkirche zu Leuna In Ockendorf befindet sich die barocke Gnadenkirche. Sie wurde von 1710 bis 1714 erbaut und gilt als wahres Kleinod unter den Kirchen der Stadt Leuna.
Rathaus 1925 fertig gestellt
Altes Postgebäude
Kulturhaus Leuna mini|links|Kulturhaus Leuna Erbaut 1927/28 von der BASF als Gesellschaftshaus der Ammoniakwerke Merseburg GmbH, erlitt das Haus im April 1945 schwere Beschädigungen.
Mit seiner Wiedereröffnung im Jahre 1946 als „Klubhaus der Werktätigen“ bot es der Belegschaft des VEB Leuna-Werke vielfältige Möglichkeiten für kulturelle Aktivitäten. Seit Mitte 1998 trägt das Haus den Namen cCe Kulturhaus Leuna.
Handwerkersiedlung Leuna-Nord, eine Arbeitersiedlung
Kurz vor der nördlichen Stadtgrenze liegt an der Ausfallstraße in Richtung Merseburg die Handwerkersiedlung. Sie ist begrenzt von den Straßen „Industrietor“ und „Leunatorstraße“, welche durch ihre Namensgebung die unmittelbare räumliche Nähe zum Werk und ihre Entstehung durch die Industrie wiedergeben. Die Straßen innerhalb der Siedlung tragen sämtlich Namen von handwerklichen Gewerken, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben.
Die „Handwerkersiedlung Leuna-Nord“ ist eine typische Arbeitersiedlung aus den 1920er Jahren. Sie wurde zum größten Teil von privaten Bauherren in Reihenbauweise nach einem Konzept von Karl Barth, dem Architekten der Gartenstadt Leuna, errichtet. Bauherren mit wenig Eigenkapital konnten hier die Baukosten durch das Erbringen von Eigenleistungen senken. Nur hier in der Handwerkersiedlung konnte Karl Barth sein Gartenstadtkonzept ungehindert umsetzen. So entstand durch die private Initiative der Bauherren eine dicht gestreute Vielfalt an kleinen Krämerläden und Handwerksbetrieben auf engstem Raum. Hier waren die meisten selbstständigen Einzelhändler Leunas ansässig. Dieser kleine Ortsteil ist immer der Bereich der Stadt gewesen, in dem private Initiative und Selbständigkeit kleiner Unternehmen und Betriebe den Vorrang hatten. Genau das gibt der Siedlung auch heute noch ihren spröden Charme, der durch die Enge ihrer sehr schmalen Straßen verstärkt wirkt. Auch in heutiger Zeit strahlt diese Siedlung etwas von ihrer Ursprünglichkeit aus und unterscheidet sich damit durch ihre einfache Individualität wohltuend von der größeren „Gartenstadt-Siedlung Neu-Rössen“.
Im Norden der Stadt lag vor der Industrialisierung das kleine Dorf Leuna, das in Teilen noch im Ortsteil Leuna-Ockendorf existiert. Nach ihm wurde zunächst der Zweckverband und schließlich die Stadt Leuna benannt.
Neu-Rössen mini|hochkant=0.65|links|Friedenskirche mini|Katholische Christkönigskirche in Leuna mini|Nikolaikirche in Rössen