Zittau (, tschechisch Žitava, polnisch Żytawa, sorbisch , slawische Ableitung von Roggen, Getreide (z.B. sorbisch žito)) ist eine Hochschulstadt im Landkreis Görlitz. Sie liegt im äußersten Südosten Sachsens im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien.

Die Sechsstadt ist nach der Kreisstadt Görlitz die zweitgrößte Stadt im Landkreis und die fünftgrößte der Oberlausitz. Sie ist Namensgeber für das südlich gelegene Zittauer Gebirge.

Geographie Lage Die Kernstadt Zittau liegt im Zittauer Becken am Fuße des Zittauer Gebirges auf 230 m bis 285 m Höhe über NHN. Nordwestlich schließt sich das Oberlausitzer Bergland an. Südöstlich geht die Beckenlandschaft in das Tal der Lausitzer Neiße (Lužická Nisa) in Tschechien über. Östlich erheben sich hügelige Ausläufer des Isergebirges. Durch die Stadt fließt die kleine Mandau, die unweit in die Lausitzer Neiße mündet. Diese bildet die Grenze des Zittauer Stadtgebiets im Osten zu Polen und entwässert das Zittauer Becken. Am südwestlichen Stadtrand grenzt die Stadt an den in der Nachbargemeinde liegenden Olbersdorfer See.

Nachbargemeinden An Zittau grenzen im Süden Oybin, im Südwesten Olbersdorf und Bertsdorf-Hörnitz und im Nordwesten die Gemeinde Mittelherwigsdorf. Im Norden grenzt die Stadt an Ostritz, im Osten an die Kleinstadt Bogatynia in Polen.

Stadtgliederung links|mini|hochkant|Gliederung der Stadt Zittau Die Kernstadt Zittau untergliedert sich in fünf Stadtteile: Zentrum: historische Innenstadt innerhalb des Grünen Rings mit den meisten Sehenswürdigkeiten Zittau Nord: nördlich der Bahnlinien Richtung Dresden und Richtung Görlitz Zittau Ost: östlich des Zentrums, begrenzt durch Bahnhofstraße, Hochwaldstraße und Mandau; enthält den Weinaupark und das gleichnamige Industriegebiet Zittau Süd: südlich der Mandau Zittau West: westlich des Zentrums; enthält den Westpark und einen Teil des Geländes der Landesgartenschau 1999 in Zittau und Olbersdorf

Neben der Kernstadt besteht Zittau aus acht weiteren Ortsteilen: Eichgraben – 1582 erstmals erwähnt, die ersten Häuser sollen Pesthütten gewesen sein (noch 1680 wurden zwei Pesthütten dort errichtet), um 1666 wurde die Siedlung durch böhmische Exulanten vergrößert, gehörte früher zu Olbersdorf Pethau – im 19. Jahrhundert als Arbeitersiedlung von Zittau entstanden, nach 1850 wurde die Westvorstadt von Zittau auf die Pethauer Gemarkung ausgedehnt und es kam zum Bau der Hauptstraße und deren Wohnbebauung (Neu-Pethau), Stiftung des Watzdorfheimes durch den Regierungsrat Karl von Watzdorf (später Kreishauptmann in Bautzen) Hartau – wahrscheinlich schon im 13. Jahrhundert gegründet, der Name rührt wahrscheinlich von dem deutschen Wort Harth her, was so viel wie Wald oder Gebüsch bedeutet Hirschfelde (mit Rosenthal) – 1310 erstmals urkundlich erwähnt Drausendorf – 1366 erstmals erwähnt, ab den 1930er Jahren als Arbeitersiedlung erweitert, 1974 zu Hirschfelde eingemeindet Wittgendorf – im 13. Jahrhundert entstanden, 1322 erstmals urkundlich erwähnt Dittelsdorf – 1369 urkundlich erstmals erwähnt Schlegel (mit Burkersdorf) – 1287 zum ersten Mal erwähnt

Bis 1945 war Großporitsch (pol. Porajów) östlich der Neiße ein Zittauer Ortsteil. Es gehört zur polnischen Gemeinde Bogatynia (vor 1945: Reichenau).

Klima Das Klima ist kühlgemäßigt mit kühlen Wintern und warmen Sommern bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 8,6 °C. Die Jahresniederschlagssumme beträgt 883 mm. Alle zwölf Monate sind humid. Die Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger lautet Cfb.

mini|Blick auf Zittau vom Berg Oybin aus

Geschichte Frühe Geschichte – Stadtgründung mini|Gedenkstein: „Hier entstand Zittau“ (1894), Im Mittelalter führte eine alte Handelsstraße über das Lausitzer Gebirge nach Leipa in Böhmen. An dieser Straße befanden sich im Gebiet des heutigen Zittauer Westparks ein slawischer Weiler und seit der deutschen Eroberung des Gebietes im 10. Jahrhundert eine Burg. Östlich davon im Norden der heutigen Innenstadt gründeten deutsche Kolonisten im frühen 13. Jahrhundert ein Waldhufendorf namens Sitte. Eine weitere Siedlung bestand im Bereich der Frauenkirche. Sie wurde nach den Herren des dort ansässigen Johanniterordens Herrendorf genannt.

Die früheste schriftliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 1238, als in einem Dokument erstmals die Burgherren von Sitavia auftauchten. Schon wenige Jahre später soll der Legende nach König Ottokar II. von Böhmen 1255 die Stadt umritten haben. Er legte so die Grenzen für die Stadtmauer fest und erhob die Ansiedlung zur Stadt. Als Privilegien wurde Zittau bis zum Tode Ottokars Steuerfreiheit gewährt, Zittauer Kaufleute mussten in Böhmen keine Zölle bezahlen, und Zittau besaß bis 1300 das Recht, Münzen zu prägen. Außerdem wurde ein Landgericht eingesetzt.

Zittau lag an strategisch günstiger Position zwischen Böhmen und der damals brandenburgischen Oberlausitz. Ottokars Anliegen war es, eine starke, wehrhafte Siedlung als Schutz gegen eventuelle Überfälle auf das böhmische Kernland auszubauen.

Die Stadt kam bald zu Reichtum, und schon in den Jahren von 1270 bis 1280 konnten dort große Turniere abgehalten werden als Beweis für den Wohlstand der Stadt. Die Familie von Leipa stiftete den Franziskanern 1268 ein Kloster; 1300 gründete der Johanniter-Ritterorden dort eine Kommende.

14. Jahrhundert – Wechselnde Herrschaften und Sechsstädtebund Das Gebiet um Zittau gehörte zunächst zur Markgrafschaft Meißen, stand aber seit 1158 als Reichslehen unter der böhmischen Krone. König Wenzel II. verpfändete 1283 Zittau samt der Burg Oybin an den Markgrafen von Brandenburg. Durch einen Gerichtsbeschluss des deutschen Königs Rudolf von Habsburg gelangte die Stadt allerdings wieder in den Besitz Böhmens. Später wurde Zittau durch König Johann von Böhmen an die Herren von Leipa übergeben. Heinrich von Leipa tauschte 1319 seine Güter Hostraditz und Mispitz gegen die Stadt Zittau und die Burgen Oybin, Ronow und Schönbuch ein. Später erhielt Johann den Besitz zurück und überließ ihn dem schlesischen Herzog Heinrich von Jauer als Pfand. In dessen Besitz verblieb die Stadt bis 1346, als der Herzog ohne männliche Nachkommen starb. Karl IV. gab Zittau daraufhin 1348 als Sicherheit an Herzog Rudolf von Sachsen; die Stadt kaufte sich 10 Jahre später aber wieder frei.

Im Jahr 1346 gründete Zittau gemeinsam mit Bautzen, Görlitz, Lauban, Löbau und Kamenz den Oberlausitzer Sechsstädtebund. Er hatte zum Ziel, der Willkür des Adels und dem Raubrittertum entgegenzutreten. So zerstörten die Städte etwa 1352 die Burg Körse. Zittau war damals noch nicht Teil der Oberlausitz, d.h., es unterstand nicht dem Bautzener Landvogt. Stattdessen hatte das Zittauer Land seinen eigenen Landvogt. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts gelangte es unter die Herrschaft der Bautzener, kann also ab dieser Zeit als zur Oberlausitz gehörig angesehen werden.

Unter den sechs Städten trug Zittau den Beinamen Die Reiche. Haupterwerbszweige waren Tuchherstellung und -handel sowie die Bierbrauerei. Zum Zittauer Weichbild gehörten 1396 insgesamt 36 Dörfer.

15. Jahrhundert – Hussiten, Katastrophen und Fehden Im Februar 1424 belagerten die Hussiten unter dem Anführer Bozko von Podiebrad die Sechsstadt Zittau, die sie jedoch nicht einnehmen konnten, dafür aber die am nahegelegenen Gabler Pass befindliche und das Zittauer Umland schützende Burg Karlsfried. Ein zweites Mal tauchten die Hussiten im April des Jahres 1427 auf, aber die Stadt und ihre Bürger konnten sich trotz hohen Verlusten bis zuletzt behaupten. Die Hussiten zogen nach Brandschatzung der Vorstädte ab. Im Zuge ihrer (erfolglosen) Belagerung der Bergfeste Oybin am 28. September 1429 lagen böhmisch-hussitische Streitkräfte Mitte September 1429 ein weiteres Mal vor Zittau. Die Hussitenkriege von 1424 bis 1434 führten jedoch dazu, dass die Handelsverbindungen nach Böhmen abrissen und damit die Wirtschaft der Stadt schwer trafen.

Neben den Überfällen und Kriegen litt die Stadt auch unter verheerenden Katastrophen. Schon 1359 und 1372 hatte es schwere Stadtbrände gegeben, und 1422, 1455 und 1473 brachen erneut Feuer aus, die Teile der Stadt zerstörten. Dazu kam die Pest: Zuerst wird sie 1463 nachgewiesen, brach aber im Laufe dieses und des folgenden Jahrhunderts noch mehrmals aus.

Die durch diese Krisen aufgeworfenen Spannungen äußerten sich im Bierkrieg mit Görlitz von 1491.

16. Jahrhundert – Reformation und Pönfall Der Mann, der die Reformation nach Zittau brachte, war Lorenz Heidenreich, ein berühmter Theologe, der als Pastor Primarius in Zittau starb. Er begann 1521, in Zittau Predigten auf Deutsch zu halten. Der Protestantismus setzte sich aber erst nach 1538 durch. In diesem Jahr wurde die Johanniterkommende aufgelöst, das Franziskanerkloster folgte 1543.

Der Unwillen Zittaus und der anderen Städte im Sechsstädtebund, dem Habsburger Ferdinand I. (Erzherzog von Österreich, böhmischer König und seit 1533 römischen Kaiser) im Kampf gegen die Protestanten im Schmalkaldischen Krieg zur Seite zu stehen, führte 1547 zum Oberlausitzer Pönfall. Der Stadt Zittau wurden vom kaiserlichen Gericht hohe Strafgelder auferlegt sowie Besitzungen und Privilegien entzogen. Doch im Laufe der folgenden Jahrzehnte gewann die Stadt ihre Wirtschaftskraft zurück. So konnte sie beispielsweise schon 1574 den Berg Oybin samt Burg und Kloster erwerben. Im 16. Jahrhundert blieb Zittau nicht vom Unglück verschont. 1555 fiel ein Großteil der Einwohner der Pest zum Opfer; 1559 und 1599 brach die Pest erneut aus. Im Jahr 1589 zerstörte ein großes Feuer 153 Wohnhäuser, zu diesem Zeitpunkt etwa ein Viertel der Stadt.

17. Jahrhundert – Dreißigjähriger Krieg mini|Zittau um 1650

Nachdem die große Pestwelle 1599 und der grimmige Winter 1606 in der Stadt viele Todesopfer gefordert hatten, brannte es 1608 wiederum in Zittau, verursacht durch Brandstiftung. Dabei wurden drei Viertel der Stadt zerstört. Dies war aber nur die erste Katastrophe des Jahrhunderts, das mit dem Dreißigjährigen Krieg viel Leid brachte. Von 1631 bis 1645 wurde Zittau wiederholt beschossen, belagert, geplündert und von kaiserlichen oder schwedischen Truppen besetzt.

Infolge der Niederlage der böhmischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg (1620) immigrierten zahlreiche böhmische Protestanten nach Zittau. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es deshalb eine tschechischsprachige evangelische Gemeinde in der Stadt. Bekannt wurden z. B. die Familien Pescheck und Morawek.

Vom 18. bis Anfang 19. Jahrhundert mini|Karte von Zittau um 1730 mini|„Goldene Sonne“, Markt 9 mini|Zittau 1744 mini|Baschkiren und Kosaken in Zittau 1813 mini|Ansicht um 1858 mini|Stadtplan von Zittau (1883)

Eine Kaufmannssozietät wurde 1705 gebildet und gleichzeitig eine Buchhandlung eingerichtet. Der Leinwandhandel nahm europäische Dimensionen an, Brauerei und Tuchmacherei brachten der Stadt und deren Bürgern großen Reichtum. Zittau war von 1693 bis 1757 im Besitz einer Schnellwaage. Dieses Meisterwerk der Mechanik war so empfindlich, dass ein daraufgelegter Groschen sie zog. Ein besonders qualitätvolles Bürgerhaus im Stil des Dresdner Barock entstand mit der „Goldenen Sonne“ (Markt 9), der Fassadendekoration nach vermutlich ein Werk des Zwingerbaumeisters Pöppelmann oder seiner Schule.Gottfried Kiesow, Barock in Sachsen (Vorwort), Monumente Edition, Seite 2