Markneukirchen (vogtländisch Neikirng) ist eine Stadt im sächsischen Vogtlandkreis. Sie liegt im Elstergebirge zwischen dem Erzgebirge und dem Fichtelgebirge und ist einer der Hauptorte des Musikwinkels. mini|Markneukirchen mini|Zentrum mini|Rathaus (links) und Gebäude der Sparkasse

Geographie Geographische Lage

Markneukirchen liegt als eine der südlichsten sächsischen Städte im oberen Vogtland. Die Gemarkung der Gemeinde grenzt im Osten an die Tschechische Republik. Beiderseits des Schwarzbaches, eines rechten Nebenflusses der Weißen Elster und dessen Nebentälern breiten sich die Stadt und ihre zugehörige Flur über die nördlichen und südlichen Bergrücken aus. Südlich der Stadt liegen oberhalb bzw. abseits des Schwarzbachtals die Ortsteile Schönlind, Landwüst und Wernitzgrün. Das gesamte Stadtgebiet wird von Elsterzuflüssen entwässert. Es liegt in einer Höhe zwischen 468 m im Ortsteil Siebenbrunn und 803 m am Hohen Brand.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Zur Stadt Markneukirchen gehören die Ortsteile: Breitenfeld mit Bernitzgrün Erlbach mit Kegel und Hetzschen Eubabrunn Gopplasgrün Landesgemeinde Landwüst Schönlind Siebenbrunn mit Sträßel Wernitzgrün Wohlhausen mit Friebus

Klima Das Klima der Gegend ist der Höhenlage entsprechend kühl. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 6°, die Niederschlagsmenge bei rund 700 mm.

Geschichte mini|Markneukirchen 1628 nach einer Federzeichnung von Wilhelm Dilich mini|St. Nicolai (Markneukirchen), Gedenktafel Musikinstrumentenbau mini|Stadtplan von Markneukirchen (um 1921) Das im 13. Jahrhundert gegründete Siedlerdorf Nothaft erhielt zunächst seinen Namen nach einem egerländischen Rittergeschlecht – Albertus Nothaft de Wildstein (siehe auch Familie Notthafft) führte als Lokator bayerische/oberpfälzische Siedler in dieses Gebiet. Und auch in einer Urkunde aus dem Jahre 1378 wurde dieser Name erwähnt (Nuwenkirchen dictum Nothaft). Um 1274 erschien erstmals der Ortsname Neukirchen, zurückgehend auf die Gründung einer Kirche, in einer Urkunde des Klosters Waldsassen, in der ein Chunradus de Newenkirchen erwähnt wurde, wahrscheinlich der Inhaber des örtlichen Rittersitzes.

1357 (Nuenkirchin) und 1360 (stat) erschien der Ort bereits als Markt mit den gleichen Rechten wie die wohl älteren Nachbarstädte Adorf und Oelsnitz. Gründer des Marktes waren die Vögte von Plauen (wohl Heinrich der Ältere oder Heinrich der Lange), die durch eine planmäßige Städtepolitik eine Festigung ihrer Macht gegenüber den Wettinern erreichen wollten. Von 1657 bis 1718 lag Markneukirchen im albertinischen Sekundogeniturfürstentum Sachsen-Zeitz.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges erfolgte im Zuge der Gegenreformation der Zuzug böhmischer Exulanten aus Glaubensgründen nach Markneukirchen. Unter ihnen waren auch 12 Geigenmacher aus Graslitz. 1677 vereinigten sich diese Meister zur ersten Geigenmacherinnung Deutschlands. Damit begann die Tradition des Musikinstrumentenbaus in Markneukirchen. Wurden bis dahin nur Geigen hergestellt, folgten nach 1700 Werkstätten für alle Arten von Orchesterinstrumenten. 1777 gründete sich eine Saitenmacherinnung, 1797 schlossen sich die Waldhorn- und Pfeifenmacher zur Musikalischen Instrumentenmachergesellschaft zusammen. Die Bedeutung von Markneukirchen als Zentrum der vogtländischen Musikinstrumentenindustrie mit weitreichenden Exportbeziehungen wird dadurch unterstrichen, dass von 1893 bis 1916 die USA hier eine Konsularagentur unterhielten.Werner Pöllmann, Enrico Weller: Einblicke in 650 Jahre Stadtentwicklung – Festschrift zum 650 jährigen Stadtjubiläum, Markneukirchen 2010 In Markneukirchen war im 19. Jahrhundert die Geigenbauerfamilie Heberlein ansässig, die sich zum Teil auch dem Gitarren- und Lautenbau widmete.Josef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre, Wien 1926 (1928), S. 136. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich auch der Markneukirchener Zupfinstrumentenbau.Gitarren aus Markneukirchen. In: Gitarre & Laute. Band 6, 1984, Heft 2, S. 44. Um das Jahr 1900 stammten etwa 50 % der weltweiten Instrumenten- und Bestandteilproduktion aus Markneukirchen und Umgebung.Pöllmann, Weller: Einblicke in 650 Jahre Stadtentwicklung, S. 110 Für einen Anteil von 80 %, von dem mitunter zu lesen ist, gibt es keine nachprüfbaren Belege.

In der Nacht vom 22. zum 23. April 1840 fielen mit den öffentlichen Gebäuden 171 Wohnhäuser, 140 Scheunen und 258 Seiten- und Hintergebäude einem furchtbaren Brand zum Opfer. Mehr als die Hälfte der Stadt – vor allem der älteste Teil – wurde vernichtet. Der Neuaufbau ging recht schnell vonstatten und veränderte das Ortsbild nachhaltig. Die Stadt wurde großzügig, aber vielfach auch nüchterner wieder aufgebaut, bot nun jedoch ausreichend Platz für das Wachstum der Bevölkerung und des Gewerbes.

Die heutige Schreibweise des Ortes geht auf das Jahr 1858 zurück, in dem die gängige Bezeichnung Markt Neukirchen unter Weglassung des t im Ortsnamen durch königlichen Beschluss aus Dresden auf Markneukirchen geändert wurde, um Verwechslungen mit anderen Neukirchen zu verhindern. Markneukirchen gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Voigtsberg,Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 74 f. nach 1856 zum Gerichtsamt Markneukirchen und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Oelsnitz (ab 1939 „Landkreis Oelsnitz“).

Im Rahmen der Verwaltungsreform von 1952 kam die Stadt zusammen mit sieben anderen Gemeinden zum Kreis Klingenthal innerhalb des Bezirks Chemnitz, der von 1953 bis 1990 zum Bezirk Karl-Marx-Stadt wurde. Nach der Wiedervereinigung gehörte Markneukirchen zunächst weiter zum Landkreis Klingenthal innerhalb des Freistaates Sachsen. Seit dem verspäteten Vollzug der ersten sächsischen Landkreisreform im Vogtland, 1996, gehört die Stadt zum Vogtlandkreis.

Religionen mini|Gedenktafel an deportierten Juden Am 20. Februar 2015 wurde an der unteren Marktstraße eine Gedenktafel für die deportierten Juden enthüllt.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BernitzgrünGemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren vor 1875 Eingemeindung nach Breitenfeld BreitenfeldStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 01.03.1994 Erlbach (mit Hetzschen und Kegel) 01.01.2014 EubabrunnDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 01.06.1936 Eingemeindung nach Erlbach Gopplasgrün 01.06.1936 Eingemeindung nach Erlbach LandesgemeindeStatistisches Jahrbuch für das Königreich Sachsen 1909, Band 37 01.01.1908 Umgliederung des Ortsteils von Zwota nach Erlbach Landwüst 01.01.1999 SchönlindGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 01.07.1950 Siebenbrunn (mit Sträßel) 01.07.1950 Wernitzgrün 01.01.1999 Eingemeindung nach Erlbach Wohlhausen (mit Friebus) 01.01.1994

Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl: 1796: (251 Häuser)Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Band 1. Leipzig 1839 1801: 1151 (261 Häuser) 1815: 1602 1830: 1561 1834: 2330 1871: 4157 1890: 6652 1910: 8959 1913: 9497Erich Wild: Geschichte von Markneukirchen. Stadt und Kirchspiel, Plauen 1925 (Beilageheft zur 34. Jahresschrift 1925 des Vereins für vogtländische Geschichte und Altertumskunde). 1919: 8261 1925: 8821 1939: 8303 1946: 8903 1960: 8776 1964: 8576 1971: 8264 2003: 7196 2004: 7128 2007: 6828 2008: 6771 2010: 6581 2012: 6353 2013: 6271 2015: 7782

Politik

Stadtrat Seit der Stadtratswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 18 Sitze des Stadtrates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: FWME: 6 Sitze AfD: 4 Sitze BfM: 4 Sitze CDU: 3 Sitze FDP: 1 Sitz +letzte StadtratswahlenWahlvorschlag202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %FW Markneukirchen/Erlbach634,2735,4630,6AfD423,2318,9––Bürger für Markneukirchen422,1––––CDU317,6528,1843,8FDP12,9211,9315,9SPD––15,7––Linke––––17,5Grüne–––––2,2Wahlbeteiligung69,0 %62,8 %49,7 %

Bürgermeister Bürgermeister seit Juni 2022 ist Toni Meinel (parteilos).Ronny Hager: Warum Markneukirchens neuer Bürgermeister schon den Spitznamen "Maratoni" trägt. Meldung in Freie Presse vom 9. November 2022.Stadt Markneukirchen: Impressum. Seine Amtsvorgänger waren Andreas Rubner (seit Juli 2015), parteilos, und zuvor Andreas Jacob (CDU).https://www.statistik.sachsen.de/wpr_alt/pkg_s10_bmlr.prc_erg_bm_a?p_bz_bzid=BM151&p_ebene=GE&p_ort=14523200 +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2022Toni MeinelMeinel60,82015Andreas RubnerRubner60,62008Andreas JacobCDU97,42001Karl-Heinz HoyerFW89,7

Wappen

Städtepartnerschaften Heusweiler im Saarland

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen mini|Musikinstrumenten-Museum

Das Musikinstrumenten-Museum Markneukirchen wurde 1883 von dem Lehrer und Organisten Paul Otto Apian-Bennewitz gegründet. In dieser Zeit blühte der Orchesterinstrumentenbau im Musikwinkel durch den Handel mit vielen Ländern Europas und den USA. Der Gründer des Museums beabsichtigte eine Lehrstätte für die einheimischen Instrumentenbauer zu schaffen und Musikinstrumente aller Länder der Erde aufzunehmen. Über 6500 Exponate aus Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien gehören zum Bestand der Sammlung, aber der Schwerpunkt liegt auf der einheimischen Herstellung. Zahlreiche Unikate und Kuriositäten beleben die Sammlung, die durch die Darstellung des Instrumentenbaus vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart in ihrer Art einmalig ist. In den vergangenen 60 Jahren haben über 3 Millionen Personen das Museum besucht. Das im Juli 2007 eröffnete Framus-Museum würdigt eine Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. In den 1950er und 1960er Jahren erlangte die Marke Framus mit Sitz im fränkischen Bubenreuth weltweites Renommee, bis Ende der 1970er Jahre die Firma in Konkurs ging. Musiker wie Attila Zoller, Volker Kriegel, Bill Lawrence, Jan Akkerman, Bill Wyman von den Rolling Stones und John Lennon von den Beatles spielten auf Gitarren bzw. Bässen dieses deutschen Musikinstrumentenherstellers. In einer renovierten und umgebauten Gründerzeitvilla werden auf drei Etagen 200 Instrumente der einst größten Gitarrenfabrik Europas präsentiert. Das Museum ist derzeit (Stand: August 2020) geschlossen. In den Schauwerkstätten Musikinstrumentenbau der Musikschule werden traditionelle Techniken des Baus von Saiten- und Blechblasinstrumenten vorgeführt. Das Obervogtländische Dorfmuseum Erlbach wurde am 3. Oktober 1992 am heutigen Standort, der Lindenplatz 15 im Ortsteil Erlbach eröffnet. Die Sammlungen zur Ortsgeschichte und zum Erlbacher Musikinstrumentenbau sind in einem denkmalgerecht sanierten Blockhaus aus dem Jahre 1726 untergebracht. Der Fundus existierte bereits seit 1975, als eine „Heimatstube“ an einer anderen Stelle im Ort von einer Kulturbundgruppe ins Leben gerufen wurde.Helmuth Eßbach: Ein Gang durch das Obervogtländische Dorfmuseum Erlbach. Erlbach 2014, S. 11.Stadt Markneukirchen (Erlbach): Dorfmuseum Erlbach. auf www.erlbach-vogtland.de. Eine Vielzahl Mechanischer Musikautomaten zeigt Hüttels Musikwerk-Ausstellung im Ortsteil Wohlhausen. Zu sehen sind dort Orchestrions, Karussellorgeln, Flötenuhren, Grammophone und vieles mehr. Im Ortsteil Landwüst befindet sich das Vogtländische Freilichtmuseum Landwüst. Dort wird die Arbeits- und Lebensweise der ländlichen Bevölkerung im Oberen Vogtland dargestellt. Zu besichtigen sind mehrere Gebäude, die zum Teil in der Zeit vor 1800 entstanden sind.