Die Bundesautobahn 63 (Abkürzung: BAB 63) – Kurzform: Autobahn 63 (Abkürzung: A 63) – ist eine deutsche Autobahn, die von Mainz nach Kaiserslautern führt. Dabei verbindet sie das Rhein-Main-Gebiet mit dem Großraum Saarbrücken, von wo aus mit der BAB 6 eine grenzüberschreitende Anbindung nach Frankreich besteht. Der Autobahn kommt somit überregionale Bedeutung zu.
Zwischen Mainz und Alzey wurde die BAB 63 in den 1970er Jahren gebaut, wobei die Errichtung des Ausweichsitzes der Landesregierung Rheinland-Pfalz in Alzey mit ausschlaggebend für die Fertigstellung dieses Teilstücks war. Die Fortsetzung bis Kaiserslautern wurde in ihrem letzten Abschnitt im Oktober 2004 eröffnet.
Streckenverlauf Die BAB 63 beginnt im Kreuz Mainz-Süd, wo sie aus der Trasse der von der Mainzer Innenstadt her kommenden, vierstreifig ausgebauten und richtungsgetrennten B 40 hervorgeht. Sie kreuzt die BAB 60, die den südlichen Abschnitt des Mainzer Autobahnrings bildet, und führt von dort bis Alzey in südwestliche Richtung durch das Rheinhessische Hügelland, größtenteils dem Verlauf der alten B 40 folgend, über Nieder-Olm, Saulheim und Wörrstadt. Bei Wörrstadt befindet sich ein Autohof.
Im Kreuz Alzey wird die BAB 61 (Venlo–Koblenz–Ludwigshafen–Hockenheim) gekreuzt. Dabei sind die Verbindungen aus von der BAB 63 aus Richtung Mainz auf die BAB 61 in Richtung Ludwigshafen und umgekehrt zweistreifig als Direktverbindung ausgeführt, da zum Bauzeitpunkt der Abschnitt zwischen Alzey und Kaiserslautern noch nicht vollständig war und der Schwerlastverkehr in Richtung Saarbrücken über die BAB 61 und schließlich die BAB 6 geleitet wurde. Nach der Umfahrung von Alzey auf einer rund 1300 m langen Talbrücke erreicht die Autobahn bei Kirchheimbolanden das Randgebiet vom Rheinhessischen Hügelland hin zum Nordpfälzer Bergland im Nordwesten und dem Pfälzerwald im Süden. Der höchste Berg der gesamten Pfalz, der Donnersberg liegt dabei unmittelbar an der Strecke.
Bis Winnweiler folgt die Autobahn nun einer beide Mittelgebirge voneinander trennenden Senke, die wegen der früheren Kaiserstraße Paris–Mainz auch als Kaiserstraßensenke bezeichnet wird. Danach durchquert sie die ersten nördlichen Ausläufer des Pfälzerwalds, ehe sie in einer relativ steilen Kurvenkombination hinab nach Kaiserslautern führt. Noch vor der Einmündung in die BAB 6, die als Direktverbindung nur von und aus Richtung Saarbrücken ausgeführt ist, besteht eine Anschlussstelle, die auf die L 395 ins Kaiserslauterner Stadtzentrum führt. Über diese Anschlussstelle ist auch eine Verbindung zur BAB 6 in Richtung Mannheim möglich.
Geschichte Die heutige BAB 63 folgt ihrem Verlauf zwischen Mainz und Kaiserslautern größtenteils einem Teilstück der B 40. Diese wiederum geht in ihrem westlichen Abschnitt auf die 1806 bis 1811 unter Napoleon Bonaparte gebaute Grande Route Imperiale zurück, die Paris mit Mainz verband. Das gesamte linksrheinische Gebiet Deutschlands war damals (1798–1814) von Frankreich annektiert und analog zur Verwaltungsgliederung Frankreichs in Départements unterteilt worden, diese wiederum in Arrondissements. Mainz (französisch Mayence) war zu diesem Zeitpunkt Verwaltungssitz des Département du Mont-Tonnerre (benannt nach dem Donnersberg, frz. Mont Tonnerre). Mit Einführung der Nummerierung wichtiger Fernstraßen in der Weimarer Republik wurde aus der nun Kaiserstraße genannten Fernverbindung 1932 die Reichsstraße 40, nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich die Bundesstraße 40.
Erste Planungen Pläne für ausschließlich dem Kraftverkehr vorbehaltene Fernstraßen wurden schon in den 1920er Jahren ausgearbeitet. Bereits im „Vorentwurf zu einem Kraftwagenstraßennetz Deutschland“ vom März 1926 schlug der Planungsausschluß der Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau eine Streckenführung von Frankfurt am Main über Mainz, Kaiserslautern und Saarbrücken nach Frankreich für den ersten Ausbauabschnitt vor.Landkarte zum Vorentwurf zu einem Kraftwagenstraßennetz Deutschland Spitzennetz. Aufgestellt durch den Planungsausschuß der Studiengesellschaft für Automobilstraßenbau unter Zustimmung des Vorstandes im März 1926Deutschlandkarten zeigen die Entwürfe des Autobahnnetzes in Deutschland von 1926 bis 1935 online im Internet: 7. Oktober 2011
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 begann man rasch mit dem Bau des Reichsautobahn-Netzes, das im Grunde genommen auf Plänen des Vereins HaFraBa (Vereins zur Vorbereitung der Autostraße Hansestädte–Frankfurt–Basel) der 1920er Jahre basierte, die von der NSDAP noch in den Jahren zuvor strikt abgelehnt wurden. Auch eine Direktverbindung zwischen Frankfurt am Main und Saarbrücken war im Grundnetz, etwa auf einer Karte von 1935, vorgesehen, zur Baureife kam diese Strecke jedoch nicht.Die Reichsautobahnen online im Internet: 23. September 2020 Bis zur kriegsbedingten Einstellung der Bauarbeiten ab 1941 waren in dieser Region neben der als erstes gebauten Strecke Frankfurt–Mannheim/Heidelberg–Karlsruhe einige Abschnitte der Strecke Mannheim–Saarbrücken fertiggestellt. Nicht mehr fertiggestellt wurde die Rheinbrücke bei Ludwigshafen und der Abschnitt von Landstuhl nach Saarbrücken.
Bau der Autobahn Einige Jahre nach Kriegsende begann man, nachdem Kriegsschäden wie etwa gesprengte Autobahnbrücken beseitigt und provisorisch erneuert hatte, mit dem Weiterbau des Autobahnnetzes. In der jungen Bundesrepublik legte man zunächst den Fokus auf den Weiterbau der vor dem Krieg begonnenen, aber nicht mehr fertiggestellten Strecken. In den 1960er Jahren begann dann der Bau neuer Schnellstraßen, die häufig als Bundesstraßen-Neubauten der Ersatzbundesstraßen (EB) bezeichnet wurden. Ein Produkt dieser Zeit ist der Autobahnring um Mainz, der Anfang der 1960er Jahre als Neubau der B 9 gebaut und Anfang der 1970er Jahre schließlich zur Autobahn umgewidmet wurde. Seit 1975 ist der südliche Mainzer Ring Teil der BAB 60.
Zu dieser Zeit begann auch der Autobahnbau zunächst zwischen dem Mainzer Ring und Alzey. Neben einem allgemein starken Ausbau des Autobahnnetzes in Westdeutschland machte besonders ab 1979 die Errichtung des Ausweichsitzes der Landesregierung Rheinland-Pfalz unter der Turnhalle des Staatlichen Aufbaugymnasiums in Alzey den Bau dieser Strecke dringlich. Das Mitte der 1960er Jahre errichtete Kreuzungsbauwerk des Mainzer Rings mit der in die Mainzer Innenstadt (Pariser Tor) führenden B 40 bei Mainz-Marienborn wurde dabei als Ausgangspunkt der neuen Autobahn gewählt – somit ergibt sich ein Übergang zwischen der bestehenden Kraftfahrstraße und der im Bau befindlichen Autobahn im Autobahnkreuz selbst. Die ersten Kilometer bis in Höhe der heutigen Anschlussstelle Klein-Winternheim wurden dabei direkt auf der alten Trasse der B 40 gebaut, ehe die alte Bundesstraße durch den Ort selbst in Richtung Nieder-Olm führt. Bis zum Endpunkt des ersten 1976 freigegebenen Autobahnstücks an der Anschlussstelle Nieder-Olm wurde bereits eine eigene Autobahntrasse eingerichtet.Neubau 1976
Zwei Jahre später entstand das nächste Teilstück zwischen der Anschlussstelle Wörrstadt und dem Autobahnkreuz Alzey mit der in diesem Bereich drei Jahre zuvor eröffneten BAB 61.Neubau 1978 Von Anfang an waren die späteren Verbindungen Mainz–Ludwigshafen und umgekehrt als großzügig dimensionierte, zweispurige Direktverbindungen ausgeführt, um den Schwerlastverkehr mit dem Ziel Saarbrücken bzw. Frankreich nicht über den eigentlich direkteren Weg über die Landstraße bis Kaiserslautern, sondern über die Bundesautobahnen 61 und 6 zu führen.
Der Lückenschluss zwischen Mainz und Alzey wurde weitere zwei Jahre später am 12. Dezember 1980 mit der Inbetriebnahme des Abschnitts zwischen Nieder-Olm und Wörrstadt fertiggestellt.Neubau 1980Die Verkehrsbeziehungen im Nieder-Olmer Raum, Ernst Hiddemann Die heutige Anschlussstelle Saulheim war zwar schon beim Bau des Abschnitts als Nieder-Olm-Süd geplant, wurde aber erst nachträglich errichtet. Ein Jahr später folgte das erste Teilstück südwestlich des Kreuz Alzey bis zur Anschlussstelle Freimersheim.Neubau 1981 In diesem Abschnitt, der auch als Ortsumgehung der Stadt Alzey konzipiert wurde, befindet sich mit der rund 1,3 km langen Talbrücke Weinheim das längste Brückenbauwerk der gesamten Strecke.
Der Bau der durchgehenden Strecke von Alzey bis Kaiserslautern zog sich über rund 20 Jahre. Der Abschnitt zwischen Freimersheim und Kirchheimbolanden verzögerte sich aufgrund der nach Einsprüchen mehrerer Landwirte notwendigen Umplanung des Autobahn-Behelfsflugplatzes in Höhe Morschheim,Die Rheinpfalz, Steinbach verzichtet auf eine Klage wegen Anbindung der Autobahn A 63, 5. August 1985 sodass der anschließende Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Kirchheimbolanden und einem provisorischen Anschluss an die L 394 bei Steinbach am Donnersberg zuerst, im Jahr 1989 fertiggestellt wurde.Neubau 1989 Die Lücke zwischen Freimersheim und Kirchheimbolanden wurde schließlich 1993 geschlossen.Neubau 1993 Der Wegfall der provisorischen Anschlussstelle folgte 1996 mit dem Weiterbau zur Anschlussstelle Winnweiler,Neubau 1996 ehe im Jahr darauf ein weiterer Abschnitt zu einem neuen provisorischen Anschluss bei Lohnsfeld endete.Neubau 1997 Bis zur Anschlussstelle Sembach war die BAB 63 schließlich 1999 fertig, womit einzig das Teilstück bis zum Anschluss an die BAB 6 bei Kaiserslautern fehlte.Neubau 1999
Der Abschnitt Sembach–Autobahndreieck Kaiserslautern wurde am 15. Oktober 2004 dem Verkehr übergeben, womit fast 30 Jahre nach dem Bau des ersten Teilstücks die 73 km lange Autobahn erstmals durchgehend befahrbar ist. Neben der bautechnisch aufwendigen Linienführung am nördlichen Rand des Pfälzerwalds war besonders die Zerschneidung der Mehlinger Heide durch die Autobahn umstritten. Es dauerte bis ins Jahr 2001, bis eine geeignete Trassenführung gefunden und somit der Bau im letzten Abschnitt erst beginnen konnte.Neubau 2004
Liste der Verkehrsfreigaben Abschnitt JahrListe der Verkehrsfreigaben km Kreuz Mainz-Süd – AS Nieder-Olm 1976 11,5 km AS Nieder-Olm – AS Wörrstadt 1980 7,6 km AS Wörrstadt – Kreuz Alzey 1978 8,5 km Kreuz Alzey – AS Freimersheim 1981 7,4 km AS Freimersheim – AS Kirchheimbolanden 1993 6,6 km AS Kirchheimbolanden – Steinbach 1989 11,0 km Steinbach – AS Winnweiler 1996 6,6 km AS Winnweiler – Lohnsfeld 1997 8,3 km Lohnsfeld – AS Sembach 1999 3,1 km AS Sembach – Dreieck Kaiserslautern 2004 9,8 km
Autobahnmeistereien Um die A63 kümmern sich insgesamt drei Autobahnmeistereien der Niederlassung West der Autobahn GmbH. Vom Beginn in Mainz-Süd bis zum Kreuz Alzey ist es die Autobahnmeisterei Heidenheim, von Kreuz Alzey bis Göllheim die Autobahnmeisterei Gau-Bickelheim und von Göllheim bis Dreieck Kaiserslautern die Autobahnmeisterei Wattenheim. Verkehrsbedeutung Als Direktverbindung zwischen den beiden rheinland-pfälzischen Städten Mainz und Kaiserslautern besitzt die BAB 63 zunächst regionalen Charakter, seit der Fertigstellung des letzten Abschnitts im Jahr 2004 stellt sie darüber hinaus auch die kürzeste Verbindung zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und Frankreich dar. Nebenbei ist die Autobahn auch für die amerikanischen Streitkräfte die schnellste Verbindung zwischen den Hauptquartieren der United States Air Forces in Europe (Ramstein Air Base) und den Landstreitkräften (US Army Europe) in der Wiesbadener Lucius D. Clay Kaserne (Flugplatz Wiesbaden-Erbenheim).
Bei der manuellen Straßenverkehrszählung der Bundesanstalt für Straßenwesen, die alle fünf Jahre durchgeführt wird, wurde 2010 eine „durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke“ (DTV) zwischen 24.000 und 63.000 Kraftfahrzeugen pro Tag mit einem 10,3-prozentigen Anteil (Medianwert) des Schwerverkehrs (Busse, Lkw > 3,5 t zulässiges Gesamtgewicht mit und ohne Anhänger, Sattelzüge) an allen Kraftfahrzeugen festgestellt. PDF-Datei; Seite 28 Fünf Jahre zuvor, im Jahr 2005, waren es zwischen 20.400 und 60.700 Fahrzeuge (10,1 %).